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Dünger fürs Gewächshaus: Was unter Glas anders ist und was Tomaten, Gurken und Salat brauchen

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 12 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Im Gewächshaus fehlt der Regen, der Salze verdünnt, deshalb kann salzhaltiges Gießwasser langfristig Salze im Boden oder Substrat anreichern.
  • Als Grundversorgung im Gemüsebeet dienen im Frühjahr höchstens 3 l reifer Kompost je m², nur flach eingearbeitet.
  • Tomaten erhalten bei zusätzlichem Stickstoffbedarf höchstens 150 g Horndünger je m², aufgeteilt auf Pflanzung und Nachgabe.
  • Für Schlangengurken im Kleingewächshaus dienen 20 bis 30 g Stickstoff je m² als Orientierung für die gesamte Düngung, abgeglichen mit der Bodenuntersuchung.
  • Flüssigdünger kommt nur auf feuchte Erde, bei Hitze niedrig konzentriert in den angefeuchteten Wurzelbereich und nicht auf die Blätter.
Junge Salatpflanzen wachsen in ordentlichen Reihen auf einem sonnigen Feld
Foto: Sayeed Chowdhury · Pexels License · Quelle ↗

Im Gewächshaus kommt jeder Tropfen aus meiner Gießkanne oder dem Tropfschlauch. Draußen verdünnt Regen die Salze im Boden, unter Glas fehlt diese Verdünnung. Salzhaltiges Gießwasser kann deshalb langfristig Salze im Boden oder im Substrat anreichern. Schlangengurken im Kleingewächshaus reagieren empfindlich auf hohe Salzgehalte und auf Chlorid. Der passende Dünger fürs Gewächshaus ist darum auch eine Frage von Menge, Gießwasser und Kontrolle.

Wie ich Beet und Kübel vorbereite, welchen Dünger ich wähle und was Tomaten, Gurken, Salat und überwinternde Kübelpflanzen unter Glas brauchen, zeige ich dir hier Schritt für Schritt.

Was ist beim Düngen im Gewächshaus anders als im Freiland?

Der erste Unterschied ist das Wasser, denn unter Glas kommt jede Gabe von dir. Gießwasser mit hoher Carbonathärte kann den pH-Wert im Substrat erhöhen. Eisen und weitere Spurenelemente sind dann schlechter verfügbar. Ich erfrage deshalb die Wasserhärte bei meinem Wasserversorger und berücksichtige sie bei der Düngerwahl. Sammelst du Regenwasser, eignet sich Wasser von Kupfer- oder Zinkdächern und von herbizidhaltigen Dachbahnen nicht oder nur eingeschränkt.

Der zweite Unterschied betrifft organische Dünger wie Kompost und Horn. Ihre Nährstoffe müssen erst mineralisiert werden, bevor die Wurzeln sie aufnehmen können. Bei Trockenheit, Staunässe oder Frost setzen sie kaum Nährstoffe frei, feuchtwarme Bedingungen verstärken die Freisetzung. Da im Gewächshaus nur du für Feuchtigkeit sorgst, bestimmt dein Gießen mit, wann Kompost und Horndünger überhaupt wirken.

Der dritte Unterschied zeigt sich in kühlen Phasen. Bei Paprika-, Auberginen- und Gurkenjungpflanzen können niedrige Temperaturen die Nährstoffaufnahme hemmen und Blätter vorübergehend verfärben. Auch organische und mineralische Langzeitdünger wirken bei niedrigen Temperaturen verzögert.

Wie bereite ich Beet und Kübel im Gewächshaus vor?

Das Bodenbeet: Kompost als Grundgabe

Im Bodenbeet beginne ich die Saison mit reifem Kompost. Als Grundversorgung im Gemüsebeet dienen im Frühjahr höchstens 3 l Kompost je m². Eingearbeitet wird er nur flach, weil tiefer im Boden bei Sauerstoffmangel pflanzenschädigende Fäulnisprodukte entstehen können. Im Gemüsedüngeverfahren mit dieser jährlichen Grundgabe ist der Phosphatbedarf gedeckt und der Kaliumbedarf weitgehend. Ausreichend verfügbaren Stickstoff liefert der Kompost nicht automatisch, den ergänzt du je nach Kultur.

Kompost kann durch basisch wirksame Bestandteile den pH-Wert anheben. Liegt der pH-Wert deines Beets schon über dem Zielbereich für Boden und Kultur, bringst du weder Kompost noch kalkhaltige Dünger aus.

Brauche ich vorher eine Bodenanalyse?

Wer Gurken nach einem Stickstoff-Richtwert düngt, braucht dafür die Ergebnisse einer vorherigen Bodenuntersuchung. Die Probe nimmst du im späten Herbst vor der Bodenbearbeitung oder im zeitigen Frühjahr, jeweils vor der Düngung. Eine Standarduntersuchung auf Phosphor, Kalium und pH liefert keinen Nmin-Wert, den vereinbarst du gesondert; was du über Nährstoffe und die Bodenanalyse grundsätzlich wissen solltest, erklärt der Grundlagenratgeber zur Düngung.

Kübel, Töpfe und Pflanzsäcke

Stehen Tomaten oder Gurken bei dir in Gefäßen, braucht jedes Gefäß einen Ablauf für überschüssiges Wasser. Für selbst gemischte Erde nimmst du höchstens etwa 30 % besonders gut durchgerotteten Kompost. Als Bestandteil der Erde siebst du ihn vorher auf etwa 10 bis 15 mm. In vorgedüngter Erde rechnest du die vorhandene Grunddüngung an, bevor du zusätzlich düngst.

Bei torffreien Erden achtest du besonders auf den Stickstoff. Ihre organischen Bestandteile können beim Abbau Stickstoff binden, sodass auch vorgedüngte torffreie Erde vorübergehend zu wenig davon bereitstellen kann. Kompostreiche torffreie Substrate können zugleich viel Phosphor und Kalium enthalten. Bei hohem Phosphatvorrat und Mangel anderer Nährstoffe sind gezielte Einzelnährstoffgaben einem weiteren Volldünger vorzuziehen. In solchen Erden ergänzt du also gezielt Stickstoff, etwa mit Hornspänen oder Hornmehl, die du schon vor dem Pflanzen unter die Erde mischst.

Bevor ich gieße, prüfe ich die Feuchte mit dem Finger auch tiefer im Topf. Torffreie Erde kann oben schon trocken sein, während sie weiter unten noch nass ist.

Häufiger Fehler

Den angebrochenen Erdsack vom Vorjahr unbesehen für die neuen Tomatenkübel nehmen. Bei längerer Lagerung können sich Salzgehalt und pH-Wert verändern, und die Struktur wird weniger stabil. Ich mische solche Reste deshalb frischer Erde bei. Erde aus Gefäßen mit wurzelfaulen Pflanzen verwende ich gar nicht wieder.

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Welcher Dünger eignet sich fürs Gewächshaus?

Grundsätzlich wählst du zwischen organischen Düngern aus pflanzlichem oder tierischem Material und mineralischen Düngern, die Nährstoffe meist als Salze liefern. Leicht lösliche Mineraldünger wirken rasch, umhüllte Depotdünger geben ihre Nährstoffe durch eine Hüllschicht verzögert ab. Welche Düngerarten und Düngerformen es gibt und wie sie wirken, steht im Überblick zu Düngen, Boden und Kompost.

Ob „Gewächshaus“ oder „Tomate“ auf der Packung steht, entscheidet nicht allein über die Eignung. Ein Dünger, der für eine Pflanzengruppe benannt ist, kann auch andere Kulturen versorgen, wenn Nährstoffverhältnis und pH-Wirkung zu deren Bedarf passen. Ich wähle deshalb nach den Ansprüchen der Kultur, die den Dünger bekommen soll. Wie du grundsätzlich den passenden Dünger für jede Gartenpflanze findest, zeigt ein eigener Ratgeber.

Worauf ich auf dem Etikett achte

  • pH-Wirkung: Moorbeetdünger senken den pH-Wert und sind deshalb nicht ohne Prüfung für andere Kulturen austauschbar.
  • Spurennährstoffe: Sie stehen gesondert auf dem Etikett, dort siehst du zum Beispiel, ob Eisen enthalten ist.
  • Salzlast: Zu hohe Gaben sofort wirksamer Streu- oder Flüssigdünger können Salzschäden bis zum Absterben von Wurzeln verursachen.
  • Packungsmenge: Die übliche Empfehlung setzt eine optimale Bodenversorgung voraus. Nach einer Kompostgabe oder bei hohen Bodenvorräten passt du sie an.
Mythos-Check

„Ein phosphatbetonter Blütendünger bringt mehr Blüten.“ Eine phosphatbetonte Düngung lässt sich nicht pauschal mit stärkerer Blütenbildung begründen, als pauschale Düngerwahl ist sie nicht sinnvoll. Im Gemüsebeet deckt im beschriebenen Verfahren schon die jährliche Kompostgrundgabe den Phosphatbedarf.

Langzeitdünger unter Glas

Bei umhüllten Depotdüngern hängt die Nährstofffreisetzung von Temperatur und Feuchtigkeit ab. Wie lange ein Produkt wirkt, steht auf der Verpackung. In Kübeln mischst du geeigneten Langzeitdünger ins Substrat oder streust ihn gleichmäßig auf, bedeckst ihn leicht mit Erde und gießt von oben an. Wirksam wird er nur in Verbindung mit Wasser. Bei hoher Bevorratung können umhüllte Depotdünger den Salzgehalt zeitweise über den Optimalbereich heben. Bereits freigesetzte und gelöste Nährsalze können außerdem aus dem Substrat ausgewaschen werden.

Was brauchen Tomaten, Gurken und Salat unter Glas?

Meine Gemüsekulturen unter Glas versorge ich nach einem festen Muster: Kompost im Frühjahr als Grundgabe, Stickstoff nach Kultur und Bodenbefund. Für den Stickstoff nehme ich Horndünger, weil er überwiegend Stickstoff und Schwefel bei geringen Phosphor- und Kaliumgehalten liefert. Eine vollständige Nährstoffversorgung ersetzt er nicht, die Grundnährstoffe kommen bei mir aus dem Kompost.

Kultur Horndünger bei zusätzlichem Stickstoffbedarf So bringst du ihn aus
Tomaten höchstens 150 g je m² zur Hälfte bei der Pflanzung, zur Hälfte etwa 3 bis 4 Wochen danach
Gurken, Eissalat, Endivien, Spinat, Rettich bis zu 100 g je m² zur Saat oder Pflanzung leicht einarbeiten
Kopfsalat, Feldsalat, Radieschen bis zu 50 g je m² zur Saat oder Pflanzung leicht einarbeiten

Die Werte sind Orientierung für phosphat- und kaliumreiche Gemüsebeete. Liefert der Bodenhumus viel Stickstoff nach, kann die zusätzliche Stickstoffdüngung kleiner ausfallen oder ganz entfallen. Hornmehl ist im Boden in etwa 6 Wochen umgesetzt, gröbere Hornspäne brauchen mehrere Monate. Handelsübliche Hornspäne sind nicht grundsätzlich keimfrei, amtliche Kontrollen von Kleingartenprodukten haben darin Salmonellen nachgewiesen. Ich arbeite sie deshalb mit Handschuhen ein.

Welche Kultur als Stark-, Mittel- oder Schwachzehrer gilt, kannst du mit Zehrer-Einstufung und Anbaupausen für dein Beet planen. Vor dem Pflanzen prüfst du außerdem, welche Kulturen sich als Nachbarn vertragen.

Tomaten

Tomaten gelten als Starkzehrer und haben einen höheren Stickstoffbedarf als Erbsen und Bohnen. Die Horngabe teile ich deshalb: Die erste Hälfte arbeite ich bei der Pflanzung ein, die zweite folgt nach 3 bis 4 Wochen. Bei Tomaten gehören Wasser und Nährstoffe zusammen. Eine gleichmäßige Wasserversorgung unterstützt die kontinuierliche Aufnahme von Nährstoffen, und fortlaufend tragende Pflanzen brauchen sie bis zur Ernte.

Achtung

Blütenendfäule beruht häufig auf unzureichendem Calciumtransport in die Frucht, nicht auf fehlendem Calcium im Boden. Begünstigen können sie Trockenheit, ungleichmäßige Wasserversorgung oder hohe Konzentrationen anderer Nährsalze. Unter Glas fehlt zudem der Regen, der Salze im Boden verdünnt, deshalb kann eine zusätzliche Düngergabe das Problem eher verschärfen als lösen. Ich prüfe in diesem Fall zuerst, ob ich gleichmäßig gegossen habe.

Gurken

Für Schlangengurken im Kleingewächshaus dienen 20 bis 30 g Stickstoff je m² als Orientierung für die gesamte Düngung. Die Ergebnisse deiner Bodenuntersuchung rechnest du dabei an. Eine einzelne Stickstoffgabe im Garten sollte 10 g Stickstoff je m² nicht überschreiten. Der Gurkenbedarf verteilt sich deshalb auf mehrere Gaben.

Zur Pflanzung arbeite ich Horndünger leicht ein. Während der mehrwöchigen Ernte können bedarfsgerechte Gaben wasserlöslicher Dünger vor allem die Stickstoff- und Kaliumversorgung unterstützen. Weil Gurken empfindlich auf hohe Salzkonzentrationen und Chlorid reagieren, gebe ich solche Lösungen nur auf feuchte Erde. Wie Tomaten brauchen fortlaufend tragende Gurken bis zur Ernte eine gute Wasserversorgung.

Zeigen junge Gurken nach kühlen Tagen verfärbte Blätter, kann eine durch Kälte gehemmte Nährstoffaufnahme dahinterstecken. Die Verfärbung kann vorübergehend sein, deshalb dünge ich in diesem Fall nicht sofort nach.

Paprika und Auberginen

Für Paprika und Auberginen lege ich die Stickstoffgabe nach Bodenbefund und Wuchs fest. Wie bei Gurken können niedrige Temperaturen bei ihren Jungpflanzen die Nährstoffaufnahme hemmen und Blätter vorübergehend verfärben. Ziehst du sie selbst vor, steht im Anzucht-Ratgeber, wie du Jungpflanzen von der Keimung bis zum Auspflanzen ohne Überdüngung versorgst.

Salat, Radieschen und Feldsalat

In der kühlen Zeit stehen bei mir Salate und Radieschen im Gewächshaus. Radieschen brauchen ungefähr 9 g Stickstoff je m² und Kultur, Bodenvorrat und Nachlieferung rechnest du vorher an. Bei Feldsalat und Radieschen im Spätsommer kann eine Stickstoffdüngung meistens entfallen. Für kurze Spinat- oder Kopfsalatkulturen im kühlen Frühjahr können mineralische Depotdünger zu langsam wirken. Kresse für die junge Ernte braucht bei der kurzen Kultur keine zusätzliche Düngung.

Beim Stickstoff halte ich mich bei Salat an den Bedarf, denn ein hohes Stickstoffangebot im Boden kann die Nitratanreicherung in Gemüse fördern. Auf Salat verzichten musst du deshalb nicht.

Kübelpflanzen und Pelargonien im Winterquartier

Steht dein Gewächshaus im Winter voller Kübelpflanzen, ruht auch die Düngung weitgehend. Winterruhende Kübelpflanzen wachsen nur wenig und brauchen kaum zusätzliche Nährstoffe. Ihr Düngefenster liegt zwischen Ende April und August. Pelargonien zählen zu den Starkzehrern, kühl und frostfrei überwintert brauchen sie in der Ruhephase trotzdem keinen Dünger. Nach dem Einwurzeln und bei beginnendem Wachstum erhalten Pelargonien ohne Langzeitdünger alle 10 bis 14 Tage flüssigen Volldünger. Halten sich die Temperaturen länger unter 10 °C, bilden sie keine neuen Blütenanlagen.

Kranke Kübelpflanzen regst du nicht mit zusätzlichem Dünger zum Wachstum an. Sind Pflanzen vernässt, ihre Wurzeln aber noch nicht verfault, gießt und düngst du erst wieder, wenn sie abgetrocknet sind und sich erholt haben.

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Wie verbinde ich Gießen und Düngen?

Fertigation heißt, Dünger mit dem Gießwasser auszubringen. Im Hobbygewächshaus geht das mit der Gießkanne oder über einen Tropfschlauch. Pflanzen nehmen die Nährstoffe aus organischen wie mineralischen Düngern über die Wurzeln in mineralisch gelöster Form auf. Trockenheit kann deshalb Mangelsymptome auslösen, obwohl genug Nährstoffe im Boden sind.

Flüssigdünger richtig geben

Flüssigdünger gibst du auf bereits feuchte Erde, damit hohe Salzkonzentrationen die Wurzeln nicht schädigen. Bei Hitze und Trockenheit gießt du die Lösung niedrig konzentriert in den vorher angefeuchteten Wurzelbereich und nicht über die Blätter. Ich gieße mein Gemüse bevorzugt morgens direkt an der Wurzel, damit weniger Wasser verdunstet und das Laub trocken bleibt. Kristalline feste Dünger wirken nach dem Auflösen im Gießwasser ebenfalls schnell.

Tipp

Dünger unterscheiden sich im Schüttgewicht, deshalb wiegst du Mengen ab, statt sie zu schätzen. Ich wiege für jeden Dünger die passende Menge einmal auf der Waage ab und markiere die Füllhöhe an einem Messbecher, den ich nur dafür verwende.

Fertigation mit dem Tropfschlauch

Eine Tropfbewässerung versorgt die Pflanzen gezielt an der Wurzel. Damit die Tropfer nicht verstopfen oder verkalken, braucht die Anlage eine geeignete Filterung. Die genaue Verteilung ersetzt allerdings nicht die Ermittlung des Bedarfs. In den HOT-Reallaboren verbesserte eine an Gefäß und Substrat angepasste Nährstoffgabe die Versorgung gegenüber einer Düngung, die allein an das Gießwasser gekoppelt war. Wer jedem Gießgang automatisch Dünger beimischt, lässt also den Wasserverbrauch über die Düngermenge entscheiden statt den Bedarf der Kultur.

Steckt schon Depotdünger im Substrat, bemisst du die flüssige Nachdüngung nach dem Entzug der Pflanzen und der vorhandenen Depotmenge.

Pflanzenjauche aus dem eigenen Ansatz

Pflanzenjauche, etwa aus Brennnesseln, ist die klassische selbst angesetzte Flüssigdüngung.

Mini-Checkliste

Pflanzenjauche ansetzen

  • 1 kg frische, grob zerkleinerte Blätter und Stängel mit 10 l Wasser ansetzen, alternativ 100 bis 200 g getrocknetes Kraut.
  • Das Gefäß mit einem luftdurchlässigen Gitter oder Netz gegen hineinfallende Tiere sichern, keinen geschlossenen Deckel auflegen.
  • Täglich einmal kräftig umrühren.
  • Fertig ist die Jauche nach etwa 2 bis 3 Wochen, bei Wärme nach etwa 14 Tagen, erkennbar an dunkler Färbung und beendetem Schäumen.
  • Zur Wurzeldüngung im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnen und auf feuchte Erde gießen.

Eine allgemeingültige Ausbringmenge oder Häufigkeit gibt es für Jauche nicht. Pflanzenbedarf und Bodenvorrat sind verschieden, und der Nährstoffgehalt schwankt mit Pflanzenart, Pflanzenzustand und Erntezeit. Komposttee setzt du für jede Anwendung neu an.

Blattdüngung als Ergänzung

Blattdüngung kann einen akuten Mangel vorübergehend lindern, ersetzt aber keine Versorgung mit Hauptnährstoffen über die Wurzeln. Unter Glas sprühst du bevorzugt bei bedecktem Himmel oder abends, weil starke Sonne die Lösung eintrocknen lässt und Blattschäden begünstigt. Mehr zu Grund-, Nach- und Blattdüngung steht im Grundlagenratgeber zur Düngung.

Wie kontrolliere ich, ob die Versorgung passt?

Salzgehalt und pH-Wert messen

Kurz erklärt

Der EC-Wert ist die elektrische Leitfähigkeit einer Lösung. Er beschreibt ihren Gesamtsalzgehalt, lässt aber keine Bestimmung der einzelnen Nährstoffe zu.

Weil sich Salze unter Glas langfristig anreichern können, ist der Salzgehalt im Gewächshaus eine eigene Kontrollgröße. Ein EC-Wert zeigt dir, wie viel Salz insgesamt gelöst ist; welcher Nährstoff fehlt oder überwiegt, verrät er nicht.

Für pH-Messungen direkt im Substrat brauchst du eine geeignete, kalibrierte Glas-Einstichelektrode. Einfache Metallsonden und sehr trockenes Substrat können unzuverlässige Werte liefern. Ein ungeeigneter pH-Wert kann Nährstoffe in schwer löslichen Verbindungen festlegen. Für Gemüse richtet sich der Zielbereich nach der Bodenart:

Bodenart pH-Zielbereich für Gemüse
Sand 5,4 bis 5,8
lehmiger Sand 5,8 bis 6,2
stark sandiger Lehm 6,2 bis 6,6
Lehm 6,6 bis 7,0
tonreicher Boden 6,8 bis 7,2

Mangel oder zu viel Dünger?

Gelbe Blätter sind ein Hinweis, keine Diagnose. Stickstoffmangel betrifft häufig ältere Blätter, Eisenmangel hellt vor allem junge Blätter mit grün bleibenden Adern auf. Vergilbung mit Blattfall kann aber auch auf Lichtmangel, Temperaturschwankungen oder Wasserstress hindeuten; wie du die Ursache eingrenzt, steht im Abschnitt Mangel und Überdüngung des Überblicks zu Düngen, Boden und Kompost.

Ein durch Überdüngung erhöhter Salzgehalt kann die Wasseraufnahme der Pflanzen beeinträchtigen. Bei Salzschäden stellst du die Düngung ein. Ist eine Kübelpflanze nachweislich überdüngt, spülst du überschüssige Nährsalze langsam durch den Wurzelballen aus, der Wasserabfluss muss dabei frei sein. In schweren Fällen topfst du um und tauschst einen Teil der alten Erde aus.

Zeigt die Bodenanalyse eine sehr hohe Versorgung der Stufe E, setzt du die Düngung mit diesem Nährstoff vorübergehend aus. Auch organische Dünger können Pflanzen und Umwelt bei übermäßiger Anwendung belasten.

Marias Erfahrung

Für das Gewächshaus führe ich ein eigenes Heft. Darin notiere ich für jedes Beet und jeden Kübel das Datum, die Kultur und jede Gabe mit Menge, auch den Kompost im Frühjahr. Vor der nächsten Gabe sehe ich so, was ich anrechnen muss.

Wann düngst du im Gewächshausjahr?

Phasen hoher Wurzelaktivität begünstigen die Nährsalzaufnahme und eignen sich deshalb für bedarfsgerechtes Düngen. Horndünger bringst du im Gemüsegarten auch für Herbstkulturen nicht später als Ende August aus. Wann du Gemüse, Obst, Zierpflanzen und Rasen im Jahreslauf düngst, zeigt der Ratgeber zum Düngezeitpunkt.

Jetzt dran

Saisonstart im Gewächshaus

  • Carbonathärte des Gießwassers klären und bei der Düngerwahl berücksichtigen.
  • Liegt kein aktueller Bodenbefund vor, die Probe vor der ersten Düngung nehmen.
  • Höchstens 3 l reifen Kompost je m² flach ins Beet einarbeiten.
  • Horndünger je nach Kultur zur Pflanzung einarbeiten, bei Tomaten nur die erste Hälfte.
  • Für jeden Dünger einmal die Menge abwiegen und die Füllhöhe am Messbecher markieren.

Häufige Fragen

Was ist bei der Gewächshausdüngung anders als bei der Düngung im Freiland?
Im Gewächshaus fehlt der Regen, der Salze im Boden verdünnt. Salzhaltiges Gießwasser kann deshalb langfristig Salze im Boden oder Substrat anreichern, und Schlangengurken reagieren empfindlich auf hohe Salzgehalte und Chlorid. Gießwasser mit hoher Carbonathärte kann außerdem den pH-Wert im Substrat erhöhen und Eisen sowie weitere Spurenelemente schlechter verfügbar machen.
Wie oft sollte man Pflanzen im Gewächshaus düngen?
Die Häufigkeit richtet sich nach Kultur, Bodenvorrat und Düngerform. Tomaten erhalten Horndünger bei zusätzlichem Stickstoffbedarf in zwei Hälften, bei der Pflanzung und etwa 3 bis 4 Wochen später. Bei Gurken können während der mehrwöchigen Ernte bedarfsgerechte Gaben wasserlöslicher Dünger die Stickstoff- und Kaliumversorgung unterstützen. Pelargonien ohne Langzeitdünger bekommen nach dem Einwurzeln alle 10 bis 14 Tage flüssigen Volldünger, winterruhende Kübelpflanzen brauchen kaum zusätzliche Nährstoffe.
Warum ist die Bodenanalyse im Gewächshaus so wichtig?
Die Bodenanalyse zeigt, welche Nährstoffe schon im Boden sind, und diese Vorräte rechnest du bei jeder Düngermenge an. Die Orientierung von 20 bis 30 g Stickstoff je m² für Schlangengurken im Kleingewächshaus setzt zum Beispiel voraus, dass du eine vorherige Bodenuntersuchung berücksichtigst. Eine Standarduntersuchung auf Phosphor, Kalium und pH liefert allerdings keinen Nmin-Wert, der muss gesondert bestimmt werden. Die Probe nimmst du im späten Herbst oder im zeitigen Frühjahr, jeweils vor der Düngung.
Wie beeinflusst das Gewächshausklima den Nährstoffbedarf der Pflanzen?
Wärme und Feuchtigkeit beeinflussen, wie schnell Nährstoffe frei werden und wie gut Pflanzen sie aufnehmen. Organische Dünger setzen bei Trockenheit, Staunässe oder Frost kaum Nährstoffe frei, feuchtwarme Bedingungen verstärken die Freisetzung. Niedrige Temperaturen können bei jungen Paprika, Auberginen und Gurken die Nährstoffaufnahme hemmen und Blätter vorübergehend verfärben. Trockenheit kann Mangelsymptome auslösen, obwohl Nährstoffe im Boden vorhanden sind, weil Wurzeln Nährsalze in Wasser gelöst aufnehmen.
Welche Vorteile hat Fertigation gegenüber herkömmlicher Düngung?
Bei der Fertigation kommt der Dünger gelöst mit dem Gießwasser an die Pflanzen, über eine Tropfbewässerung gezielt in den Wurzelbereich. Die genaue Verteilung ersetzt aber nicht die Ermittlung des Bedarfs. In den HOT-Reallaboren verbesserte eine an Gefäß und Substrat angepasste Nährstoffgabe die Versorgung gegenüber einer Düngung, die allein an das Gießwasser gekoppelt war. Tropfer brauchen eine geeignete Filterung, weil sie verstopfen oder verkalken können.
Welche Rolle spielt der pH-Wert bei der Nährstoffaufnahme im Gewächshaus?
Ein ungeeigneter pH-Wert kann Nährstoffe in schwer löslichen Verbindungen festlegen und so ihre Verfügbarkeit einschränken. Für Gemüse auf Lehm liegt der Zielbereich bei pH 6,6 bis 7,0. Auf Sand liegt er für Gemüse bei pH 5,4 bis 5,8. Bei Pflanzen in Töpfen kann hartes Gießwasser den pH-Wert im Substrat erhöhen und dadurch Eisenchlorosen begünstigen.
Welche Hilfsmittel benötigt man für die richtige Dosierung von Flüssigdünger?
Maßgeblich ist zuerst die Dosierungsanweisung der Packung, angepasst an Bodenvorrat und bereits gegebenen Kompost. Feste, wasserlösliche Dünger wiegst du mit einer Waage ab, weil sich Dünger im Schüttgewicht unterscheiden, und markierst die Füllhöhe einmal pro Produkt an einem Messbecher. Ein EC-Messgerät zeigt den Gesamtsalzgehalt einer Lösung, aber nicht ihre einzelnen Nährstoffe. Für pH-Messungen im Substrat brauchst du eine kalibrierte Glas-Einstichelektrode, weil einfache Metallsonden unzuverlässige Werte liefern können.
Stimmt es, dass mehr Dünger immer zu besseren Erträgen führt?
Nein. Zu hohe Gaben sofort wirksamer Streu- oder Flüssigdünger können Salzschäden bis zum Absterben von Wurzeln verursachen, und ein erhöhter Salzgehalt kann die Wasseraufnahme der Pflanzen beeinträchtigen. Im Gewächshaus fehlt zudem der Regen, der Salze im Boden verdünnt. Auch organische Dünger können zu einer überhöhten Nährstoffzufuhr führen, deshalb richtet sich die Menge nach Bedarf, Bodenvorrat und bereits gegebenem Kompost.
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