Organischer vs. mineralischer Kräuterdünger: Vor- und Nachteile für Beet, Topf und Aroma
- Organische Dünger stammen aus pflanzlichem oder tierischem Material und müssen erst mineralisiert werden, mineralische liefern Nährstoffe meist als Salze.
- Für die meisten genügsamen Gartenkräuter reicht eine einmalige Frühjahrsgabe von 3 l Kompost je m².
- Trockenheitsliebende mediterrane Stauden brauchen kargen Boden und keine Kompostgabe.
- Basilikum, Petersilie, Schnittlauch und Rucola kannst du nach dem Schnitt mit Hornmehl oder flüssigem Universaldünger nachdüngen.
- Im kleinen Topf setzen feste organische Dünger verzögert ein, Flüssigdünger gibst du nur auf feuchte Erde.
- Zu starke Düngung kann weiches Wachstum und weniger Aroma bringen, auch mit organischem Dünger.

Zu viel Dünger kann Kräutern genau das nehmen, wofür du sie anbaust. Eine zu starke Düngung kann weiches, übermäßiges Wachstum und ein geringeres Aroma verursachen. Ob du Kompost, Hornmehl oder einen mineralischen Flüssigdünger nimmst, ist bei Kräutern deshalb weniger eine Grundsatzfrage als eine Frage von Art, Standort und Menge. Ich kläre bei jedem Beet und jedem Topf zuerst, was die Erde schon liefert, und wähle erst danach den Dünger.
Organisch oder mineralisch: Wo liegt der Unterschied?
Organische Dünger stammen überwiegend aus pflanzlichem oder tierischem Material, Mineraldünger liefern Nährstoffe meist als Salze. Organisch gebundene Nährstoffe müssen im Boden erst mineralisiert werden, leicht lösliche Mineraldünger können einen kurzfristigen Bedarf dagegen rasch decken. Die allgemeinen Vor- und Nachteile beider Gruppen und die verschiedenen Düngerformen erklären die Grundlagen zu Nährstoffen, NPK und Düngerarten.
Wie viel Dünger brauchen Kräuter überhaupt?
Wie viel Nachschub ein Kraut braucht, hängt von Art und Standort ab. Gartenkresse kommt bei der kurzen Kultur zur jungen Ernte ohne zusätzliche Düngung aus, Basilikum lässt sich dagegen nach dem Schnitt nachdüngen. Den Bedarf allgemein erklären dieselben Grundlagen zu Nährstoffen, und welche Nährstoffe Gewürzkräuter im Einzelnen brauchen, vertieft ein eigener Ratgeber.
Warum zu viel Dünger Aroma kosten kann
Bei Basilikum fördert ein erhöhtes StickstoffangebotDas Stickstoffangebot ist die Menge an Stickstoff, die den Pflanzen im Boden tatsächlich zur Verfügung steht. Fachleute bestimmen diesen pflanzenverfügbaren Stickstoff mit einer Bodenanalyse, der sogenannten Nmin-Methode. das Wachstum. Der Gehalt an ätherischem Öl nimmt dabei durch einen Verdünnungseffekt ab. Beim Lavendel unterstützt eine zurückhaltende Düngung einen intensiveren Duft sowie kompakten und standfesten Wuchs. Für die Küche zählt also nicht die Blattmasse allein, sondern eine Versorgung, die zum Kraut passt.
Organischer Dünger schont das Aroma automatisch? Nein. Auch organische Dünger können zu einer pflanzenbaulich oder ökologisch überhöhten Nährstoffzufuhr führen. Bei feuchtwarmer Witterung können sie zudem starke Nährstoffschübe verursachen. Wer das Aroma schützen will, achtet deshalb auf die Menge und nicht nur auf das Wort „organisch“ auf der Packung.
Welcher Dünger zu welchem Kraut passt
Feste Mengen gibt es vor allem für Kompost. Bei Hornmehl und Flüssigdünger richtet sich die Menge nach der Packungsangabe und nach dem, was Boden und Kompost schon liefern.
| Kräuter | Grundversorgung | Nachdüngen | Darauf achte ich |
|---|---|---|---|
| Die meisten genügsamen Gartenkräuter im Beet | einmalige Frühjahrsgabe von 3 l Kompost je m² | die Kompostgabe reicht aus | Kompost nur oberflächlich einarbeiten |
| Basilikum, Petersilie, Schnittlauch, Rucola | Basilikum im Beet: 3 l Kompost je m² vor Aussaat oder Pflanzung | nach jedem Schnitt Hornmehl oder flüssiger Universaldünger möglich | viel Stickstoff senkt bei Basilikum den Gehalt an ätherischem Öl |
| Lavendel | zurückhaltende Düngung, keine Mengenempfehlung | stark stickstoffhaltige Dünger und Mist meiden | gut durchlässiger Boden ohne Staunässe |
| Trockenheitsliebende mediterrane Stauden | karger Boden, keine Kompostgabe | erst bei erkennbaren Mängeln | übermäßige Düngung macht den Wuchs untypisch stark und verschlechtert die Winterhärte |
| Gartenkresse | keine zusätzliche Düngung | keine | gilt für Beetreihen und Schalen auf der Fensterbank |
| Kräuter im Topf | Kräutererde; vorgedüngte Blumenerde reicht nach dem Umtopfen oft 4 bis 6 Wochen | nach Packungsangabe, Flüssigdünger nur auf feuchte Erde | Abzugslöcher gegen Staunässe |
Kompost als Grundversorgung im Beet
Kompost liefert Stickstoff, Phosphat, Kalium und weitere Nährstoffe, deren Gesamtgehalte aber nicht sofort pflanzenverfügbar sind. Stickstoff setzt er nur wenig frei. Dafür fördert er das Bodenleben und die Bildung stabiler Bodenaggregate, wodurch sich Wasser- und Lufthaushalt verbessern können. Ich arbeite ihn nur oberflächlich ein, weil tiefer im Boden bei Sauerstoffmangel pflanzenschädigende Fäulnisprodukte entstehen können.
Gartenkompost tötet Krankheitserreger nicht zuverlässig ab, weil ausreichende RottetemperaturenDie Rottetemperatur ist die Temperatur im Inneren eines Komposthaufens, die entsteht, weil Mikroorganismen beim Abbau des Materials Wärme freisetzen. Liegt sie in der Heißrotte über 55 °C, hilft sie, Krankheitserreger abzutöten. oft nicht durchgehend erreicht werden. Geerntete Kräuter wasche ich deshalb vor der Küche gründlich.
Den Kompost trage ich im Frühjahr nur auf die Beetseite mit Basilikum und Petersilie auf. Thymian und Lavendel stehen bei mir auf der anderen Seite, dort kommt kein Kompost hin. So muss ich beim Ausbringen nicht um einzelne Pflanzen herumarbeiten.
Die Zehrer-Einstufung deiner Beetpflanzen kannst du im Beetplaner schon bei der Planung berücksichtigen.
Basilikum, Petersilie und Co.: Hornmehl oder Flüssigdünger nach dem Schnitt
Basilikum im Beet ist mit 3 l Kompost je m² vor der Aussaat oder Pflanzung normalerweise ausreichend versorgt. Wer Basilikum, Schnittlauch, Petersilie oder Rucola regelmäßig schneidet, kann nach jedem Schnitt mit Hornmehl oder flüssigem Universaldünger nachdüngen. Hornmehl ist die organische Wahl: Es liefert überwiegend Stickstoff und SchwefelSchwefel ist einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Pflanzen brauchen ihn vor allem für den Eiweißaufbau und nehmen ihn überwiegend als Sulfat aus dem Boden auf, zum Teil auch aus der Luft., aber wenig Phosphor und Kalium, und ersetzt deshalb keine vollständige Versorgung. Seine Wirkung hängt am Wetter, denn organische Dünger setzen bei Frost, Trockenheit oder stauender Nässe kaum Nährstoffe frei. Mineralische Dünger mit leicht löslichen Nährstoffen können einen kurzfristigen Bedarf dagegen rasch decken. Im Beet mit warmer, feuchter Erde nehme ich Hornmehl.
Hornmehl liefert vor allem Stickstoff, und viel Stickstoff senkt bei Basilikum den Gehalt an ätherischem Öl. Die Gabe nach dem Schnitt bemisst du deshalb nach Packungsangabe und angerechnetem Kompost und schaust danach, wie das Kraut nachwächst und duftet.
Hornmehl, Horngrieß und Hornspäne enthalten typischerweise 10 bis 14 % GesamtstickstoffGesamtstickstoff ist die gesamte Stickstoffmenge im Boden. Dazu gehören der kleine mineralische Anteil (Nitrat und Ammonium), den Pflanzen direkt aufnehmen können, und der größere Teil, der in organischen Verbindungen gebunden ist., der nicht vollständig sofort pflanzenverfügbar ist. Hornmehl wird unter günstigen Bedingungen ungefähr innerhalb von sechs Wochen umgesetzt, größere Hornspäne brauchen dafür mehrere Monate. Je feiner das Horn zerkleinert ist, desto schneller wird sein Stickstoff verfügbar.
Handelsübliche Hornspäne sind nicht grundsätzlich keimfrei, bei amtlichen Kontrollen von Kleingartenprodukten wurden Salmonellen nachgewiesen. Ich streue HorndüngerHorndünger ist der Oberbegriff für organische Dünger aus gemahlenen Hörnern und Hufen von Rindern, etwa Hornmehl und Hornspäne. Sie liefern vor allem Stickstoff und geben ihn je nach Körnung schneller oder langsamer ab. deshalb mit Handschuhen. Wer auf tierische Rohstoffe verzichten will, findet mit Rapskuchen und Vinasse pflanzliche organische Dünger. Zu welchen Anlässen welche Form passt, zeigt der Ratgeber darüber, wie du Kräuter rund um Ernte und Rückschnitt düngst.
Lavendel und Mittelmeerkräuter: knapp versorgt
Trockenheitsliebende mediterrane Stauden brauchen einen kargen Boden, eine Kompostgabe ist für sie nicht sinnvoll. Stauden nährstoffarmer Standorte düngst du erst, wenn Mängel erkennbar sind. Bei Arten nährstoffarmer Naturstandorte führt übermäßige Düngung zu untypisch starkem Wachstum und verschlechtert die Winterhärte.
Beim Lavendel können stark stickstoffhaltige Dünger und Mist zu weichem, instabilem Wuchs führen. Kalium ist blühfördernd, eine Menge lässt sich daraus nicht ableiten. Ein phosphatbetonter Blütendünger ist dagegen keine sinnvolle pauschale Wahl. Wenn ich Lavendel überhaupt dünge, nehme ich weder stickstoffstarken Dünger noch Mist. Lavendel braucht einen gut durchlässigen Boden ohne Staunässe, schwere Böden verbesserst du vorher für die Drainage.
Kräuter im Topf: Hier verschiebt sich der Vergleich
Für Kräuter in Töpfen und Balkonkästen eignet sich spezielle Kräutererde. Die Gefäße brauchen Abzugslöcher, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann und keine Staunässe entsteht. Topfst du in ausreichend vorgedüngte Blumenerde, kannst du nach dem Umtopfen zunächst 4 bis 6 Wochen auf zusätzlichen Dünger verzichten. Die vorhandene Grunddüngung rechnest du bei jeder weiteren Gabe an.
Im kleinen Gefäß haben feste organische Dünger einen Nachteil. Hornspäne müssen vor der Nährstoffaufnahme mikrobiell abgebaut werden, weshalb ihre Wirkung in kleinen Pflanzgefäßen verzögert und unzureichend einsetzen kann. Wer torffreie Erde mit Hornspänen oder Hornmehl versorgt, mischt sie schon vor dem Pflanzen unter. Auch vorgedüngte torffreie Erden können durch ihre Ersatzstoffe vorübergehend zu wenig pflanzenverfügbaren Stickstoff bereitstellen.
Schnittkräuter lassen sich nach dem Schnitt mit Hornmehl oder flüssigem Dünger versorgen, und feste organische Dünger setzen im kleinen Topf verzögert ein. Für die Nachdüngung im Kräutertopf passt deshalb eher die flüssige Form.
Flüssigdünger gibst du nach Packungsangabe und nur auf bereits feuchte Erde, damit hohe Salzkonzentrationen die Wurzeln nicht schädigen. Auch organische Flüssigdünger wie Vinasse können Kübelpflanzen schnell mit Nährstoffen versorgen. In der Wohnung verwendest du organische Flüssigdünger wegen möglicher Gerüche nur in Erde und nicht in HydrokulturHydrokultur ist eine Kulturmethode ohne Erde: Die Wurzeln wachsen in einem neutralen Füllsubstrat wie Blähton, und eine Nährlösung aus Wasser und gelösten Nährstoffen versorgt die Pflanze.. Bei torffreier Erde kann die Oberfläche trocken sein, während es weiter unten noch nass ist. Ich prüfe die Feuchte darum mit dem Finger tiefer im Topf, bevor ich gieße oder dünge.
Wie organische und mineralische Dünger in großen Kübeln wirken, vergleicht ein eigener Ratgeber.
So dosierst du, ohne zu raten
Die volle Packungsempfehlung setzt eine passende Bodenversorgung voraus. Gibst du zusätzlich Kompost oder einen zweiten Dünger, passt du die Menge daran an. Im Beet zeigt eine Bodenuntersuchung, welche Nährstoffvorräte pflanzenverfügbar sind, und bildet so die Grundlage für Auswahl und Menge. Den Nmin-WertDer Nmin-Wert gibt an, wie viel mineralischer Stickstoff (Nitrat und Ammonium) im Boden steckt und damit den Pflanzen zur Verfügung steht. Er wird per Bodenprobe im Labor bestimmt und hilft dir, Stickstoff bedarfsgerecht zu düngen. für Stickstoff liefert eine Standarduntersuchung auf Phosphor, Kalium und pH allerdings nicht, er wird gesondert bestimmt.
Düngermengen wiegst du ab, weil sich Dünger in ihrem Schüttgewicht unterscheiden. Ich wiege die Menge für jeden Dünger einmal ab und markiere die Füllhöhe am Messbecher. Bodendünger gehört auf feuchten Boden und soll nicht auf feuchten Pflanzenteilen liegen bleiben, weil dort Ätzschäden entstehen können. Bei großer Hitze und Trockenheit gibst du eine notwendige Flüssigdüngung nur niedrig konzentriert auf vorher angefeuchteten Boden, ohne das Laub zu benetzen.
Pflanzenjauche ist eine organische Flüssigvariante zum Selbermachen. Die fertig vergorene Jauche wird für die Wurzeldüngung im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnt. Eine allgemeingültige Ausbringmenge oder Häufigkeit gibt es dafür nicht, weil Pflanzenbedarf und Bodenvorrat verschieden sind.
Vor einer Nachdüngung frage ich mich: Ist die Erde feucht, auch weiter unten im Topf? Wächst das Kraut gerade? Habe ich Kompost und die Grunddüngung der Erde angerechnet? Ist die Menge nach Packungsangabe abgewogen? Bleibt das Laub trocken?
Dünger lagerst du verpackt oder abgedeckt in einem trockenen Raum. Hat ein Kind vermutlich eine größere Menge Blumendünger aufgenommen, ruf ein Giftinformationszentrum oder die Kinderarztpraxis an und lass die Lage dort beurteilen.
Wenn Kräuter schwächeln: erst die Ursache, dann der Dünger
Blasse oder gelbe Blätter sind ein Hinweis, keine Diagnose. Trockenheit, Staunässe, Wurzelschäden und Verdichtung können ähnliche Symptome verursachen wie ein Nährstoffmangel. Ein Mangel an Stickstoff, Phosphor, Kalium oder Magnesium zeigt sich häufig zuerst an älteren Blättern, Eisenmangel dagegen an jüngeren.
Wurzeln nehmen Nährsalze in Wasser gelöst auf, deshalb kann Trockenheit Mangelsymptome auslösen, obwohl Nährstoffe im Boden vorhanden sind. Ein ausgetrockneter Kräutertopf braucht in diesem Fall zuerst Wasser und keinen zusätzlichen Dünger. Frost, Trockenheit und Staunässe hemmen außerdem die Freisetzung organischer Dünger, eine weitere Gabe behebt das akute Problem dann nicht zuverlässig. Vernässte Kübelpflanzen mit noch nicht verfaulten Wurzeln werden bis zum Abtrocknen weder gegossen noch gedüngt, und so halte ich es auch bei Kräutertöpfen.
Ist ein Nährstoffmangel festgestellt, kann eine passende Flüssigdüngung die Versorgung rasch verbessern. BlattdüngungBei der Blattdüngung werden Nährstoffe, meist Spurenelemente, direkt auf die Blätter gebracht und über das Blatt aufgenommen. Sie wirkt schnell, hält aber nur begrenzt an und überbrückt vor allem akute Versorgungsengpässe. kann einen akuten Mangel vorübergehend lindern, ersetzt aber keine Versorgung über die Wurzeln. Zu hohe Gaben sofort wirksamer Streu- oder Flüssigdünger können ihrerseits Salzschäden bis zum Absterben von Wurzeln verursachen. Dann stellst du die Düngung ein und topfst das Kraut gegebenenfalls unter teilweisem Austausch der alten Erde um. Weiße Krusten am Topfrand können auch von Salzen aus dem Gießwasser stammen und beweisen allein keine Überdüngung.
Im Garten ist eine bedarfsgerechte Frühjahrsdüngung einer Herbstdüngung möglichst vorzuziehen, damit weniger Nährstoffe ausgewaschen werden. Wie du die Kräuterdüngung über Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter anpasst, zeigt ein eigener Ratgeber.
