Futterkohl bewässern: bodennah gießen, Bedarf messen, Anlage pflegen
- Gieß Futterkohl vorzugsweise früh morgens und bodennah, in längeren Reihen am einfachsten mit einem Tropfschlauch.
- Statt fester Literzahlen zählt die Feuchte in der Ackerkrume, denn dort verzweigt Markstammkohl seine Wurzeln.
- 1 mm Regen oder Gießwasser entspricht 1 l/m², und mit ausgeliterter Gießbrause weißt du, wie viel du gibst.
- Welke Blätter heißen nicht automatisch Durst: Auch zu viel Wasser oder Wurzelfraß der Kohlfliege kann Kohl welken lassen.
- Tropfbewässerung braucht einen Filter, weil Tropfer verstopfen oder verkalken können.
- Feuchte, staunasse Böden begünstigen die Kohlhernie, die bei 20 bis 25 °C besonders stark infiziert.
Wenn die großen Blätter deines Futterkohls an einem warmen Nachmittag schlapp hängen, liegt der Griff zum Schlauch nahe. Doch auch Wurzeln, die zu viel Wasser abbekommen haben, können Kohl welken lassen. Ich prüfe deshalb zuerst mit dem Spaten den Boden und gieße erst danach, und zwar gezielt am Pflanzenfuß.
Hier geht es um die Technik: welche Methode zu Futterkohl passt, wann du gießt und worauf du in jeder Wachstumsphase achtest. Dazu kommen das Messen des Bedarfs, die Wasserqualität, die Wartung der Anlage und Dünger über das Gießwasser.
Welche Bewässerung passt zu Futterkohl?
Gartenpflanzen gießt du vorzugsweise bodennah, und bei Futterkohl gibt es dafür einen handfesten Grund. Markstammkohl bildet eine kräftige Hauptwurzel, die wenig in die Tiefe geht und sich in der Ackerkrume verzweigt. Das Wasser gehört also in die obere Bodenschicht direkt an der Pflanze und nicht auf die Blätter.
| Methode | Wo das Wasser landet | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Gießkanne ohne Brause | direkt am Pflanzenfuß | langsam gießen, damit das Wasser einsickert |
| Tropfschlauch | gezielt an jeder Pflanze | Filter einbauen, Tropfer auf Schmutz und Kalk prüfen |
| Perlschlauch | als feuchter Streifen entlang der Reihe | nah an die Pflanzen legen, Durchfluss im Blick behalten |
| Regner | auf Blättern und Boden zugleich | gießt nicht bodennah, bei hohem Kohl landet viel Wasser im Laub |
Ich gieße kleine Beete mit der Kanne und lege bei längeren Reihen einen Tropfschlauch je Reihe. Auf dem Wildacker kann Futterkohl bis zu 2 m hoch werden. In so hohen Beständen trifft Regnerwasser zuerst das Laub und erreicht den Boden erst danach.
Kräftige Jungpflanzen von Markstammkohl werden beim Gartensaatgut mit 30 cm Abstand in der Reihe und 50 cm Reihenabstand vereinzelt oder ausgepflanzt und wachsen danach als Einzelpflanzen. In diesem Raster bekommt bei mir jede Reihe ihren eigenen Tropfschlauch.
Die Reihen plane ich vorher mit dem Beetplaner für mein Gemüsebeet und lege danach fest, wo die Schläuche verlaufen.
Tropfschlauch und Kulturschutznetz zusammen planen
Weil die Kleine KohlfliegeDie Kohlfliege (Kleine Kohlfliege) ist ein Schädling an Kohl, Rettich und Radieschen. Ihre weißlichen Maden sitzen im Wurzelbereich junger Kohlpflanzen, die dann welken; in Rettich und Radieschen verursachen sie Fraßgänge. etwa ab Mitte April Eier ablegt, kommt Kohl im Hausgarten direkt nach Saat oder Pflanzung unter ein KulturschutznetzEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen.. Seine Maschenweite liegt unter 1 mm, und an den Rändern bleibt es dicht geschlossen. Ein Tropfschlauch, der schon vor dem Netz in der Reihe liegt, gießt deshalb, ohne dass du die Ränder öffnen musst. Ich verlege den Schlauch gleich nach der Saat und ziehe erst dann das Netz darüber.
Wann gießt du Futterkohl am besten?
Gieß Futterkohl vorzugsweise früh morgens und bodennah. Morgens kommt das Wasser in den Boden, bevor der Tag warm wird. Am Pflanzenfuß landet es dort, wo die Wurzeln sich in der Krume verzweigen.
Wie oft du gießt, entscheidet nicht der Kalender, sondern der Boden. Wie du ihn prüfst, steht im Abschnitt zur Bedarfsmessung.
„Abends gießen schadet Futterkohl grundsätzlich.“ Empfohlen ist, vorzugsweise früh morgens zu gießen, doch ein pauschales Verbot für den Abend folgt daraus nicht. Wenn ich abends gießen muss, gieße ich direkt am Pflanzenfuß und lasse die Blätter trocken.
Wie viel Wasser braucht Futterkohl in welcher Phase?
Eine feste Gießmenge für alle Futterpflanzen gibt es nicht, und bei Futterkohl hängt die passende Menge an deinem Boden. Was sich von Phase zu Phase ändert, ist, worauf du beim Gießen achtest.
| Phase | Was die Pflanze tut | Worauf du beim Gießen achtest |
|---|---|---|
| Keimung und AuflaufenAuflaufen nennt man es, wenn nach der Aussaat die Keimlinge sichtbar aus der Erde kommen. Man sagt dann auch, die Saat ist aufgegangen. | Markstammkohl keimt bei 10–20 °C in 8–12 Tagen | feinkrümeliges SaatbettDas Saatbett ist die vorbereitete obere Bodenschicht eines Beetes, in die du säst. Es soll eben, frei von Steinen und groben Schollen und feinkrümelig sein, und zwar umso feiner, je feiner die Samen sind. mit gutem Bodenschluss, Saatreihe mit feiner Brause feucht halten |
| Jugendphase | entwickelt sich anfangs langsam, braucht Unkrautregulierung | Tropfschlauch unter dem Netz, Krume beim Hacken prüfen |
| Hauptwachstum | bildet einen verdickten Trieb und hohe Blattmasse; im Feldanbau folgt bei etwa 30 cm Höhe die zweite Stickstoffgabe | Wasser in die Ackerkrume bringen, SpatenprobeDie Spatenprobe ist eine einfache Bodenbeurteilung vor Ort: Du stichst mit dem Spaten eine Erdscheibe aus und prüfst sie durch Anschauen, Riechen und Fühlen auf Krümelstruktur, Verdichtungen, Wurzeln und Regenwurmgänge. vor dem Gießen |
| Herbst bis Ernte | als Zweitfrucht Ernte ab Mitte Oktober | nur nach Bodenprobe gießen, Anlage vor Frost entleeren |
Keimung und Auflaufen
Feinsamiger Markstammkohl braucht ein sorgfältig vorbereitetes Saatbett mit gutem Bodenschluss. Beim Auflaufen bekommt die Saat ihr Wasser über diesen engen Kontakt zum Boden. Ich gieße die Saatreihe mit feiner Brause an und prüfe die oberste Schicht mit dem Finger, bis die Keimlinge stehen.
Als Hauptfrucht säst du im April und Mai, als ZwischenfruchtEine Zwischenfrucht ist eine Kultur, die zwischen zwei Hauptfrüchten auf derselben Fläche wächst, oft von der Ernte im Spätsommer bis zum nächsten Frühjahr. Sie wird als Gründüngung zur Bodenverbesserung oder, in der Landwirtschaft, als Futter angebaut. im frühen Juli. Den passenden Termin für deinen Standort findest du im Ratgeber, wann du Futterkohl am besten aussäst. Die Saatzeiten aller Futterpflanzen hast du mit dem Aussaatkalender für Futterpflanzen zum Ausdrucken im Blick.
Jugendphase
Markstammkohl wächst anfangs langsam und braucht in dieser Zeit Unkrautregulierung. Ich hacke flach zwischen den Reihen und fühle dabei gleich, wie feucht die Krume ist. Säst du im Juli als Zwischenfrucht, fallen Keimung und Jugendphase in den Sommer. Was Futterkohl in dieser Rolle leistet, erklärt der Ratgeber, wie Futterkohl als Zwischenfrucht im Garten funktioniert.
Hauptwachstum
Jetzt bildet Markstammkohl einen verdickten Trieb und viel Blattmasse. Für Blattkohl wird ein feuchter, mit Kompost versorgter und gut durchlässiger Boden empfohlen. Feucht heißt dabei nicht nass.
Bei 20 bis 25 °C infiziert KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. Kohlpflanzen besonders stark, und feuchte, staunasse oder saure Böden begünstigen sie. Bleibt der Boden bei solchen Temperaturen dauerhaft nass, kommen zwei dieser Bedingungen zusammen. Gieß deshalb nach Bodenprobe und nicht vorsorglich.
Herbst bis zur Ernte
Als Zweitfrucht angebauter Markstammkohl wird ab Mitte Oktober geerntet, als Frischfutter oder für Silage. Bis dahin gieße ich nur, wenn die Spatenprobe trockene Krume zeigt.
Wie misst du, ob Futterkohl Wasser braucht?
Spatenprobe in der Ackerkrume
Stich neben der Reihe einen Spaten ein und kipp die Erde etwas nach hinten. An der Wand des Lochs siehst du, ob die Krume dort feucht ist, wo sich die Wurzeln verzweigen. Zerfällt die Erde zwischen den Fingern staubig, ist sie trocken. Klebt sie und glänzt nass, braucht der Kohl kein Wasser.
Liter pro Quadratmeter statt Gefühl
1 mm Regen oder Gießwasser entspricht 1 l/m².
Mit einem Regenmesser liest du so direkt ab, wie viele Liter je Quadratmeter ein Schauer gebracht hat. Für Kanne und Schlauch hilft das Auslitern der Gießbrause.
Stell einen Eimer mit bekanntem Volumen unter die Gießbrause und stopp die Zeit, bis er voll ist. Daraus ergibt sich, wie viele Liter die Brause pro Minute liefert. Teilst du diese Literzahl durch die gegossene Fläche, weißt du, wie viele Millimeter du pro Minute gibst. Nach dem Gießen zeigt dir die Spatenprobe, wie tief das Wasser gekommen ist.
Bodenfeuchtesensor und nutzbare Feldkapazität
Die nutzbare Feldkapazität, kurz nFK, ist der Wasservorrat, den Pflanzen nutzen können: alles zwischen Welkepunkt und Feldkapazität. Der relative Füllstand kann über 100 % liegen. Dann ist der Boden nasser als bei Feldkapazität.
Ein Bodenfeuchtesensor gehört dorthin, wo die Wurzeln arbeiten: in die Ackerkrume neben der Reihe. Ich stecke ihn an eine Stelle, die für das Beet typisch ist, und nicht direkt unter einen Tropfer. Zeigt er einen Füllstand über 100 %, gieße ich nicht. Den Messwert gleiche ich mit der Spatenprobe ab.
Welke Blätter: Durst, Nässe oder Kohlfliege?
Schlappe Blätter sind ein Hinweis, keine Diagnose. Das kann auf Wassermangel hindeuten. Wurzeln, die durch zu viel Wasser geschädigt sind, können aber eine ähnliche Welke zeigen. Auch Wurzelfraß der Kohlfliege kann Kohlpflanzen welken lassen.
Bei welken Blättern sofort nachgießen, ohne in den Boden zu schauen. Ist die Krume schon nass, kann weiteres Wasser die Wurzeln zusätzlich belasten.
Welches Wasser eignet sich zum Gießen?
Beim Gießwasser achte ich auf zwei Dinge: Kalk, der die Anlage zusetzt, und Schadstoffe, die Pflanze und Tier schaden können. Kalkhaltiges Wasser kann Tropfer verkalken lassen, bis sie ausfallen. Wie du die Tropfer frei hältst, steht im Abschnitt zur Wartung.
Unzureichend aufbereitetes Abwasser kann Krankheitserreger und chemische Schadstoffe enthalten. Beim Gießen kann es Pflanzen, Tiere, Boden und Grundwasser gefährden. Weil Futterkohl als frische Ganzpflanze oder als Silage an Tiere geht, kommt solches Wasser bei mir nicht in die Kanne.
Wie wartest du die Tropfanlage?
Eine Tropfbewässerung braucht einen Filter, weil Tropfer verstopfen oder verkalken und dann ausfallen. Ob die Anlage noch arbeitet, zeigt dir zuerst der Kohl selbst und danach der Boden. Ich schaue in den Filter, sobald eine Reihe schwächer tropft als die anderen.
Filter herausnehmen und ausspülen, sobald der Durchfluss nachlässt. Leitungsenden öffnen und durchspülen, bis klares Wasser kommt. Tropföffnungen auf Kalkkrusten und Schmutz prüfen. Schläuche auf Knicke und Risse absuchen. Vor dem ersten Frost die Leitungen entleeren und den Filter trocken lagern.
Steht in einer Tropfreihe eine einzelne Pflanze schlapp, während ihre Nachbarn straff stehen, schaue ich zuerst auf den Tropfer davor. Danach grabe ich vorsichtig an der Pflanze und sehe mir Boden und Wurzeln an.
Fertigation: Dünger über das Gießwasser
Fertigation heißt, Dünger mit dem Gießwasser auszubringen. Im Garten geht das mit der Kanne oder über einen Dosierer in der Tropfleitung.
Markstammkohl besitzt ein hohes Stickstoffaufnahmevermögen. Eine allgemeine GrunddüngungDie Grunddüngung ist die Düngergabe unmittelbar zu Beginn einer Kultur oder der Wachstumszeit. Was die Pflanzen danach noch brauchen, bekommen sie mit einer oder mehreren Nachdüngungen, den sogenannten Kopfdüngungen. mit Kompost deckt den Stickstoffbedarf von Gemüse dagegen nicht vollständig. Wer seinen Kohl nur mit Kompost versorgt, lässt also einen Teil des Bedarfs offen, und den kann eine Gabe über das Gießwasser schließen.
Im Feldanbau von Markstammkohl wird der Stickstoff aufgeteilt: eine Gabe vor der Saat, eine weitere bei etwa 30 cm Pflanzenhöhe. Für Blattkohl im Gemüsebeet kannst du Kompost einarbeiten oder einen organischen, stickstoffbetonten Gartendünger verwenden. Ich halte mich an die Aufteilung und gebe die zweite Gabe gelöst im Gießwasser.
Die Menge richtet sich nach der Gebrauchsanweisung des Düngers. Über die Tropfleitung gebe ich nur, was sich im Wasser vollständig löst, und spüle danach mit klarem Wasser nach. Anschließend schaue ich in den Filter.
Futterkohl wird oft im Herbst verfüttert. Nitratreiches Futter aus dem Herbst kann vor allem für Wiederkäuer gefährlich werden, weil Nitrat zu Nitrit werden und die Bildung von Methämoglobin begünstigen kann. Eine pauschal sichere Menge gibt es nicht. Dünge deshalb nach Plan statt vorsorglich nach, und lass für die Rationsplanung im Zweifel eine Futteruntersuchung machen.
Boden, Mulch und Trockenzeiten
Wie viel Wasser dein Boden halten kann, entscheidet sich schon bei der Bodenvorbereitung. Beim pH verträgt Futterkohl auf dem Wildacker auf durchlässigen Böden eine Spanne von 4,5 bis 8, das ist eine Toleranzspanne und kein Optimum. Die Grundlagen stehen im Überblick zu Standort, Boden und Winterhärte von Futterpflanzen, die Praxis im Ratgeber, wie du den Boden für Futterkohl vorbereitest.
Mulch, Regen- und Grauwasser und der Umgang mit langen Trockenphasen gehören zum wassersparenden Gießen. Wie du Futterkohl wassersparend durch Trockenzeiten bringst, beschreibt ein eigener Ratgeber.




