Futterkohl im Öko-Anbau: organisch düngen, ohne Chemie schützen, bio vermarkten
- Für Futterkohl im Öko-Zwischenfruchtanbau gilt eine Pause von mindestens 5 Jahren zu anderen Kreuzblütlern, auch zu Senf, Raps und Radieschen.
- Ein Kulturschutznetz mit weniger als 1 mm Maschenweite kommt unmittelbar nach Saat oder Pflanzung drauf, die Ränder dicht geschlossen.
- Feuchte, staunasse und saure Böden begünstigen die Kohlhernie, deshalb gehören Bodenprobe und pH-Messung vor den Anbau.
- Kreuzblütler bilden keine stickstoffbindende Knöllchensymbiose, und die allgemeine Kompostgabe deckt den Stickstoffbedarf von Gemüse nicht vollständig.
- Für das Bio-Siegel brauchst du Öko-Kontrolle und Öko-Zertifikat, zugekaufte Betriebsmittel müssen den Positivlisten entsprechen.
- Nitratreiches Herbstfutter kann besonders für Wiederkäuer ein Vergiftungsrisiko sein; eine pauschal sichere Menge gibt es nicht.
Futterkohl ökologisch anzubauen heißt vor allem: vorbeugen. Fruchtfolge, Boden und Netz müssen stimmen, bevor die erste Pflanze im Beet steht. Pflanzenschutzmittel gibt es zwar auch im ökologischen Landbau, die Auswahl zulässiger Mittel ist aber eng begrenzt. Ich plane meinen Futterkohl deshalb vom Boden her: erst Fruchtfolge und Bodenprobe, dann das Netz, zuletzt die Saat.
Drei Dinge entscheiden im Öko-Anbau über deinen Futterkohl: eine lange Anbaupause, organische Düngung nach Bedarf und mechanischer Schutz statt Spritze. Willst du den Kohl als Bio-Ware abgeben, kommen Öko-Kontrolle und Zertifikat dazu.
Was ist beim Futterkohl im Öko-Anbau anders?
Futterkohl gehört zu den Kreuzblütlern. Markstammkohl bildet einen verdickten Trieb und viel Blattmasse, seine kräftige Hauptwurzel reicht wenig in die Tiefe und verzweigt sich in der Ackerkrume. Wie sich Futterkohl von Grünland, Rüben und Zichorie unterscheidet, zeigt der Überblick über Futterpflanzen von Grünland bis Zichorie.
Ohne chemische Mittel verschiebt sich die Arbeit auf diese Punkte:
| Herausforderung | Was du stattdessen tust |
|---|---|
| KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. | lange Anbaupause zu allen Kreuzblütlern, nasse und saure Böden meiden |
| KohlfliegeDie Kohlfliege (Kleine Kohlfliege) ist ein Schädling an Kohl, Rettich und Radieschen. Ihre weißlichen Maden sitzen im Wurzelbereich junger Kohlpflanzen, die dann welken; in Rettich und Radieschen verursachen sie Fraßgänge. | Kulturschutznetz direkt nach Saat oder Pflanzung auflegen |
| Stickstoff | Kompost, Gründüngung aus Leguminosen, Nachdüngen nach Bodenprobe |
| Unkraut in der Jugend | hacken und von Hand jäten |
| Bio-Verkauf | Öko-Kontrolle, Zertifikat, Betriebsmittel nach Positivliste |
Wie lange muss Futterkohl in der Fruchtfolge pausieren?
Im Feldbau bekommt Markstammkohl mindestens 5 Jahre Abstand zu anderen Kreuzblütlern. Für Futterkohl im ökologischen Zwischenfruchtanbau gilt dieselbe Pause. Allgemein werden für Kohlgewächse 3 bis 5 Jahre Anbaupause empfohlen. Beim Futterkohl halte ich mich an die längere Pause.
Mitgezählt wird jeder Kreuzblütler auf der Fläche. Senf, Raps, Kresse, Rettich und Radieschen gehören genauso dazu wie jeder andere Kohl. Ich trage deshalb jede dieser Kulturen in meinen Beetplan ein, auch eine einzelne Reihe Radieschen. Damit du über die Jahre den Überblick behältst, kannst du deine Flächen im Beetplaner Jahr für Jahr festhalten.
Senf oder Raps als Gründüngung vor dem Futterkohl säen. Beide sind Kreuzblütler und zählen in der Fruchtfolge mit, die Pause beginnt damit von vorn. In Beeten, in denen oft Kohl, Rettich oder Radieschen stehen, lässt du Raps als Gründüngung besser weg.
Was passt vor und nach dem Futterkohl?
Auf abgeernteten Gartenbeeten sind Erbsen, Bohnen und Salat geeignete VorfrüchteDie Vorfrucht ist die Kultur, die vor der aktuellen Kultur auf derselben Fläche stand, in der Fruchtfolge meist im Vorjahr. Sie kann Boden, Nährstoffe und Krankheitsdruck für die nachfolgende Kultur positiv oder negativ beeinflussen. für Markstammkohl. Nach dem Kohl kommen Getreide und Hülsenfrüchte infrage, denn für sie gilt Markstammkohl als gute Vorfrucht.
Wie düngst du Futterkohl organisch?
Markstammkohl hat ein hohes Stickstoffaufnahmevermögen. Kreuzblütler bilden keine stickstoffbindende Knöllchensymbiose und gehen auch keine arbuskuläre MykorrhizaMykorrhiza ist eine Lebensgemeinschaft zwischen bestimmten Bodenpilzen und Pflanzenwurzeln zum beiderseitigen Nutzen. Die Pilzfäden liefern der Pflanze Wasser und Nährsalze und erhalten dafür einen Teil der Kohlenhydrate, die die Pflanze durch Photosynthese bildet. ein. Bei Leguminosen wie Klee binden dagegen Bakterien an den Wurzeln Luftstickstoff in organischer Form.
Reicht Kompost als Dünger?
Als allgemeine Grunddüngung für Gartenboden gilt eine jährliche Kompostmenge von höchstens 3 l/m², ausgebracht im Frühjahr. Den Stickstoffbedarf von Gemüse deckt diese Grunddüngung nicht vollständig. Für einen Kohl, der viel Stickstoff aufnehmen kann, brauchst du neben dem Kompost also eine zweite Stickstoffquelle.
Für Blattkohl im Gemüsebeet rät die Gartenberatung der UC Marin, Kompost einzuarbeiten oder einen organischen, stickstoffbetonten Gartendünger zu verwenden. Im Feldanbau wird die Stickstoffdüngung von Markstammkohl geteilt: eine Gabe vor der Saat, eine weitere bei etwa 30 cm Pflanzenhöhe. Im Beet arbeite ich vor der Pflanzung Kompost ein und entscheide über eine zweite Gabe erst nach dem Blick auf Pflanzen und Bodenprobe.
Erst messen, dann düngen und kalken
Eine Bodenuntersuchung zeigt dir den pH-Wert deines Beets, bevor du düngst oder kalkst. Liegt der gemessene Wert über dem Zielbereich deiner Bodenart, gibst du weder Kalk noch kalkhaltige Düngemittel.
Für eine Bodenuntersuchung im Gemüsebeet beprobst du die Schicht von 0 bis 25 cm. Die MischprobeEine Mischprobe ist eine Bodenprobe, die aus Erde von mehreren Stellen derselben Fläche zusammengemischt wird. So zeigt die Untersuchung im Labor den Zustand der ganzen Fläche und nicht nur den einer einzelnen Stelle. stellst du aus 10 bis 15 Einzelproben derselben Fläche zusammen.
Gründüngung vor dem Kohl: rechtzeitig mähen, flach einarbeiten
Eine Gründüngung nimmt Nährstoffe aus dem Bodenwasser auf und hält sie vorübergehend in der Pflanzenmasse fest. Ihr Bewuchs beschattet den Boden und vermindert VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten. und Erosion. Ich säe vor dem Kohl Leguminosen als Gründüngung, weil sie mit ihren KnöllchenbakterienKnöllchenbakterien, auch Rhizobien genannt, sind Bodenbakterien, die mit Hülsenfrüchtlern wie Erbsen und Bohnen zusammenleben. In kleinen Knöllchen an deren Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft und machen ihn für die Pflanze nutzbar. Luftstickstoff binden.
Mäh den Bestand, bevor die Samen reifen, sonst sät er sich ungewollt aus. Die frische Masse arbeitest du nur flach ein, denn tief vergraben kann sie unter Luftabschluss faulen. Bis zur Saat oder Pflanzung des Kohls wartest du danach meist etwa 2 bis 3 Wochen. Wie viel Nährstoff dann frei wird, hängt unter anderem von Pflanzenart, Aufwuchs, Jahreszeit, Bodenfeuchte und Temperatur ab.
Markstammkohl kann viel Stickstoff aufnehmen und wird als Zweitfrucht ab Mitte Oktober geerntet. Nitratreiches Herbstfutter kann besonders für Wiederkäuer ein Vergiftungsrisiko sein. Nitrat kann zu Nitrit umgewandelt werden und die Bildung von Methämoglobin begünstigen. Eine pauschal sichere Menge gibt es nicht; für die Rationsplanung liefert eine Futteruntersuchung die Inhaltsstoffwerte.
Wie schützt du Futterkohl ohne chemische Mittel?
Ohne Spritze arbeitest du mit Standort, Netz, Fruchtfolge, Kontrolle und Handarbeit. Jede dieser Maßnahmen kann das Risiko senken, eine Garantie gibt keine.
Kohlfliege: Das Netz kommt sofort drauf
Die Kleine Kohlfliege legt etwa ab Mitte April ihre Eier ab. Leg das Kulturschutznetz deshalb unmittelbar nach Saat oder Pflanzung auf und schließe die Ränder dicht. Nimm ein Netz mit weniger als 1 mm Maschenweite. Bedenke dabei, dass ein Kulturschutznetz auch Nützlingen den Zugang zum Kohl verwehren kann.
Ich lege das Netz noch am Pflanztag auf und beschwere die Ränder rundum. Zum Hacken schlage ich nur eine Seite zurück, schaue dabei Blätter und WurzelhalsDer Wurzelhals ist die Übergangszone zwischen Sprossachse und Hauptwurzel einer Pflanze. Botanisch ist er der untere Teil des Keimstängels und oft etwas verdickt. an und schließe die Kante gleich wieder.
Wenn Futterkohl welkt: erst nachsehen
Welkende Kohlpflanzen können auf Wurzelfraß der Kohlfliege hindeuten. Auch zu viel Wasser kann die Wurzeln schädigen, und dann welken Pflanzen ähnlich wie bei Wassermangel. Ich gieße eine welke Pflanze deshalb nicht sofort, sondern lockere zuerst die Erde am Wurzelhals und schaue mir Wurzeln und Bodenfeuchte an. Wenn du gießt, dann früh morgens und bodennah.
Kohlhernie: Boden und Pause beugen vor
Kohlhernie infiziert Kohlpflanzen besonders stark bei 20 bis 25 °C. Feuchte, staunasse und saure Böden begünstigen die Krankheit. Auf dem Wildacker verträgt Futterkohl auf durchlässigen Böden pH-Werte von 4,5 bis 8, das ist aber eine Toleranzspanne und kein Optimum. Dass Futterkohl sauren Boden aushält, schützt ihn also nicht vor der Kohlhernie, denn die wird gerade durch saure Böden begünstigt.
Miss deshalb den pH-Wert vor dem Anbau und halte die lange Pause zu allen Kreuzblütlern ein. Ich setze Futterkohl nur auf Beete, auf denen nach Regen kein Wasser stehen bleibt.
Mischkultur: Was kann sie leisten?
Halten Tagetes oder Ringelblumen zwischen dem Kohl die Schädlinge fern? Mischkultur kann die Gartenfläche besser ausnutzen. Günstige Einflüsse bestimmter Nachbarn aufeinander sind aber häufig schwer nachweisbar. Mischkultur kann unterstützen, sie garantiert nichts und ersetzt weder Netz noch Fruchtfolge.
Welche Kulturen du nebeneinander planen kannst, zeigt das Mischkultur-Werkzeug für Beetnachbarn.
Und wenn doch ein Mittel nötig scheint?
Greifst du im Hausgarten trotzdem zu einem Pflanzenschutzmittel, kommt nur eines mit Zulassung für den Haus- und Kleingarten infrage. Halte dich an Gebrauchsanweisung und Wartezeit, trag Schutzkleidung und entsorge Reste vorschriftsgemäß. Solche Mittel können auch Nützlinge treffen, deshalb kommen sie bei mir erst nach Netz, Fruchtfolge und Kontrolle in Betracht.
Aussaat, Sorte und Unkraut: Was gilt im Öko-Anbau?
Futterkohl ist feinsamig und braucht ein sorgfältig vorbereitetes Saatbett mit gutem Bodenschluss. Aussaatzeiten, Saattiefe und die Abstände in und zwischen den Reihen erklärt die Anleitung, wie du Futterkohl Schritt für Schritt anbaust. Den passenden Monat zeigt dir der Aussaatkalender für Futterpflanzen.
In der Jugend entwickelt sich Markstammkohl langsam und braucht in dieser Phase eine wirksame Unkrautregulierung. Ohne chemische Mittel heißt das: zwischen den Reihen hacken und in der Reihe von Hand jäten. Mehr dazu steht im Pflege-Abschnitt des Futterpflanzen-Überblicks.
Bei der Sortenwahl lohnt der Blick auf Ertrag und Frostempfindlichkeit. Für den Sommerzwischenfruchtanbau wird Camaro mit hohem Ertrag und mittlerer Frostempfindlichkeit bewertet, Furchenkohl mit sehr geringem Ertrag und geringer Frostempfindlichkeit. Welche Rolle Sorte, Standort und Frosthärte spielen, steht im Ratgeber, woran du hochwertigen Futterkohl erkennst.
Ernte und Verfütterung: Was zählt im Öko-Betrieb?
Als Zweitfrucht wird Markstammkohl ab Mitte Oktober geerntet, als Frischfutter oder für Silage. Im Öko-Betrieb schließt sich damit ein Kreislauf, denn Futterpflanzen, Tierhaltung und organische Dünger verbinden den Futterbau mit der Bodenfruchtbarkeit. Den Weg vom Feld ins Winterfutter beschreibt der Ratgeber, wie du Futterkohl als Zwischenfrucht für Winterfutter und Silage nutzt.
Markstammkohl eignet sich für Rinder, Schafe und Ziegen als Ergänzung zu rohfaserreichen Rationen. Stell die Tiere langsam um; bei Milchziegen kann Kohl außerdem den Geschmack der Milch beeinträchtigen. Mehr zum Einsatz je Tierart liest du im Ratgeber, wie Futterkohl bei Rindern, Schafen und Ziegen eingesetzt wird.
Wie verkaufst du Futterkohl als Bio-Ware?
Wer Bio-Erzeugnisse produziert, unterliegt grundsätzlich der Öko-Kontrolle. Für die Nutzung des Bio-Siegels brauchst du außerdem ein Öko-Zertifikat. Zugekaufte Betriebsmittel wie Dünger müssen die jeweiligen Positivlisten und Einsatzbedingungen erfüllen. Bist du Mitglied in einem Anbauverband, kommen dessen Richtlinien dazu. Kläre das vor dem Kauf, nicht erst bei der Kontrolle.
Abgeben kannst du Markstammkohl als frische Ganzpflanze oder als Ganzpflanzensilage. In der ökologischen Rinderhaltung müssen mindestens 70 % der Futtermittel aus dem eigenen Betrieb oder aus regionalen Kooperationen stammen. Bio-Rinderhalter in deiner Gegend sind deshalb naheliegende Ansprechpartner, wenn du Futterkohl abgeben willst.
Bevor du Futterkohl als Bio-Ware abgibst:
- Öko-Kontrolle geklärt und Öko-Zertifikat vorhanden, wenn du das Bio-Siegel nutzen willst
- zugekaufte Dünger und andere Betriebsmittel mit Positivliste, Einsatzbedingungen und gegebenenfalls Verbandsrichtlinien abgeglichen
- Futteruntersuchung eingeplant, damit Abnehmer mit Wiederkäuern die Inhaltsstoffwerte für ihre Rationsplanung kennen




