Rasen · Futterpflanzen & Weide · Anbau

Qualitätsmerkmale von Futterkohl: Sorte, Frosthärte und stabiler Ertrag

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Für Markstammkohl liegt der angegebene Erntezeitpunkt bei 12 bis 15 % Trockensubstanz.
  • Markstammkohl mit niedrigem Wuchs hat höhere Trockenmassegehalte als stängelige Sorten.
  • Im Sommerzwischenfruchtanbau bringt Camaro hohen Ertrag bei mittlerer Frostempfindlichkeit, Furchenkohl sehr geringen Ertrag bei geringer Frostempfindlichkeit.
  • Die Kältetoleranz von −12 °C gilt ausdrücklich für voll ausgewachsenen Markstammkohl.
  • Für Markstammkohl gilt im Feldbau eine Anbaupause von mindestens 5 Jahren zu anderen Kreuzblütlern, Senf und Raps zählen mit.

Ein Futterkohlbestand kann im Herbst dicht und grün dastehen und trotzdem wenig brauchbares Futter liefern. Ob er Masse bringt und Frost verträgt, legst du zu einem guten Teil fest, bevor das erste Korn im Boden liegt. Ich lese deshalb in jeder Sortenbeschreibung zuerst, was sie zu Ertrag und Frostempfindlichkeit sagt.

Qualität heißt bei Futterkohl mehr als Höhe und Blattmenge. Es geht um die Trockensubstanz zur Ernte, das Verhältnis von Blatt und Stängel, eine Frosthärte passend zu deiner Nutzung und einen gesunden, sauberen Bestand.

Woran erkennst du hochwertigen Futterkohl?

Trockensubstanz zur Ernte

Für Markstammkohl liegt der angegebene Erntezeitpunkt bei 12 bis 15 % Trockensubstanz. Diesen Wert siehst du der Pflanze nicht an. Wenn du es genau wissen willst, lass das Futter untersuchen, denn eine Futteruntersuchung liefert dir die Inhaltsstoffwerte.

Kurz erklärt

Trockensubstanz ist alles, was von der Pflanze ohne ihr Wasser übrig bleibt. Ein niedriger Anteil bedeutet viel Wasser im Futter.

Blatt, Stängel und Verwertung

Typisch für Markstammkohl sind ein verdickter Trieb und eine hohe Blattmasse. Genutzt werden die Blätter, ganze Pflanzen gehen als Frischfutter oder Silage in die Verwertung. Ob du mehr Blatt oder mehr Stängel erntest, bestimmt der Sortentyp mit.

Gesunde Wurzeln

Die kräftige Hauptwurzel des Markstammkohls reicht wenig in die Tiefe und verzweigt sich in der Ackerkrume. Welkt eine Pflanze, kann das auf Wassermangel hindeuten. Zu viel Wasser kann die Wurzeln aber ebenso schädigen und eine ähnliche Welke auslösen. Auch Wurzelfraß der Kohlfliege kommt als Ursache infrage. Ich fühle in solchen Fällen zuerst die Bodenfeuchte, danach ziehe ich eine welke Pflanze heraus und suche an der Wurzel nach Fraßspuren.

Saubere Pflanzen

Zur Qualität gehört auch Futterhygiene. Schimmelpilzgifte können Futterpflanzen schon auf dem Feld belasten oder erst im Lager. Pflanzen mit Schimmel sortierst du deshalb aus, bevor sie in den Trog kommen.

Achtung

Markstammkohl als Zweitfrucht ist Herbstfutter. Für Wiederkäuer kann nitratreiches Herbstfutter ein Vergiftungsrisiko sein: Nitrat kann zu Nitrit umgewandelt werden, und das kann die Bildung von Methämoglobin begünstigen. Eine pauschal sichere Menge gibt es nicht, deshalb stimmst du die Fütterung mit deinem Tierarzt ab.

Mini-Checkliste

So prüfe ich einen Futterkohlbestand

  • Erntezeitpunkt bei Markstammkohl: 12 bis 15 % Trockensubstanz
  • Sortentyp: blattreich oder blattarm, niedrig oder stängelig
  • Frostangabe: für welchen Entwicklungsstand sie gilt
  • Welke Pflanzen: erst Bodenfeuchte, dann Wurzel prüfen
  • Futterhygiene: kein Schimmel an Blatt und Stängel

Welche Sorte passt: Ertrag oder Frosthärte?

Im Sommerzwischenfruchtanbau unterscheiden sich zwei Futterkohle deutlich voneinander.

Sorte Ertrag Frostempfindlichkeit
Camaro hoch mittel
Furchenkohl sehr gering gering

Camaro bringt viel Ertrag und ist mittel frostempfindlich, Furchenkohl verträgt Frost besser und bringt sehr wenig: Du wägst also Masse gegen geringe Frostempfindlichkeit ab. Ich wähle die Sorte danach, was der Bestand leisten soll. Brauche ich vor allem Futtermasse, nehme ich die ertragreiche Sorte. Soll der Kohl auch Frost abbekommen dürfen, greife ich zur weniger frostempfindlichen.

Markstammkohl: blattreich oder blattarm

Beim Markstammkohl gibt es blattarme und blattreiche Typen. Sorten mit niedrigem Wuchs haben dabei höhere Trockenmassegehalte als stängelige. Wenn dir die Trockenmasse wichtig ist, schau in der Sortenbeschreibung zuerst auf die Wuchsform.

Futterkohl auf dem Wildacker

Auf dem Wildacker zählt neben dem Futter auch, ob der Bestand Schutz gibt. Futterkohl kann dort bis zu 2 m hoch werden und Wildtieren Deckung bieten. Furchenkohl wächst auf dem Wildacker mindestens zweijährig. Äsen die Tiere ihn nicht vollständig ab, kann er auch drei Jahre überdauern.

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Frosthärte: Was die Minusgrade bedeuten

Die Frostangaben für Futterkohl hängen davon ab, welche Kulturform gemeint ist und wie weit die Pflanzen entwickelt sind.

Kultur und Zustand angegebene Kältetoleranz
Markstammkohl, Angabe zum Gartensaatgut etwa −10 °C
Markstammkohl, voll ausgewachsene Pflanzen −12 °C
Futterkohl auf dem Wildacker, an Kälte gewöhnt bis −15 °C

Der Wert von −12 °C gilt ausdrücklich für voll ausgewachsene Pflanzen. Die −15 °C beziehen sich auf Futterkohl, der an Kälte gewöhnt ist. Beide Angaben zusammen zeigen: Frosthärte ist kein fester Sortenwert, sie hängt davon ab, wie weit deine Pflanzen entwickelt und abgehärtet sind. Für junge Pflanzen gibt es keine eigene Angabe. Verlass dich bei einem spät gesäten Bestand also nicht auf die Werte für ausgewachsene Pflanzen.

Welche Rolle der Frost beim Erntezeitpunkt spielt, erklärt der Ratgeber, wie du Futterkohl erntest und lagerst.

Marias Erfahrung

Ich schreibe mir zu jeder Futterkohlsorte die Frostangabe zusammen mit ihrem Bezug auf: Gilt sie für voll ausgewachsene Pflanzen oder für das Saatgut allgemein? Diese Notiz steht in meiner Beetliste neben Sortenname und Saattag.

Mythos-Check

„Futterkohl wächst nur in warmem Klima.“ Markstammkohl stammt zwar aus dem Mittelmeerraum. Für voll ausgewachsene Pflanzen wird aber eine Kältetoleranz von −12 °C angegeben, deshalb schließt du von der Herkunft besser nicht auf Frostempfindlichkeit.

Ertragsstabilität: worauf es von Jahr zu Jahr ankommt

Anbaupause zu allen Kreuzblütlern

Für Kohlgewächse allgemein werden 3 bis 5 Jahre Anbaupause empfohlen. Für Markstammkohl im Feldbau und für Futterkohl im ökologischen Zwischenfruchtanbau sind es mindestens 5 Jahre zu anderen Kreuzblütlern. Senf, Raps, Kresse, Rettich und Radieschen zählen dabei mit, auch wenn sie nur als Gründüngung auf dem Beet standen. Ich führe deshalb für jedes Beet eine Liste, in der jeder Kreuzblütler mit seinem Jahr steht. Mit dem Beetplaner für deine Anbaujahre behältst du das ebenfalls im Blick. Passende Vor- und Nachfrüchte zeigt der Ratgeber, welche Fruchtfolge zu Futterkohl passt.

Unkraut in der Jugendphase

Am Anfang wächst Markstammkohl langsam, und genau in dieser Zeit braucht er eine wirksame Unkrautregulierung. Ich hacke dann zwischen den Reihen und ziehe Unkraut in der Reihe von Hand.

Sorte und Anbauform zusammen planen

Die Bewertung von Camaro und Furchenkohl gilt für den Sommerzwischenfruchtanbau. Für diese Anbauform ist eine frühe Julisaat vorgesehen, als Hauptfrucht säst du dagegen im April und Mai. Ich prüfe deshalb vor dem Saatgutkauf, ob eine Sortenbewertung zu meiner Anbauform passt. Den passenden Termin erklärt der Ratgeber, wann du Futterkohl am besten säst. Meine Termine trage ich in den Aussaatkalender für Futterpflanzen zum Ausdrucken ein.

Standort, Aussaat, Pflege und Ernte: was davon die Qualität betrifft

Die Anbauschritte selbst beschreibt der Ratgeber, wie du Futterkohl Schritt für Schritt anbaust. Hier steht nur, was davon direkt die Qualität betrifft.

Standort und Boden. Auf dem Wildacker kommt Futterkohl bei durchlässigem Boden mit einem pH-Wert von 4,5 bis 8 zurecht, das ist eine Toleranzspanne und kein Optimum. Feuchte, staunasse und saure Böden begünstigen zugleich die Kohlhernie, ein saurer Boden bleibt also trotz dieser Toleranz ein Risiko für deinen Bestand. Wie Standort, Boden und Winterhärte bei Futterpflanzen zusammenhängen, zeigt der Überblick zu Futterpflanzen und Weide.

Aussaat. Markstammkohl ist feinsamig und braucht ein sorgfältiges Saatbett mit gutem Bodenschluss. Kräftige Jungpflanzen vom Gartensaatgut stehen in der Reihe 30 cm auseinander. Zwischen den Reihen lässt du 50 cm, ob du nun vereinzelst oder auspflanzt.

Düngen. Markstammkohl kann viel Stickstoff aufnehmen. Im Feldanbau teilt man die Stickstoffdüngung auf eine Gabe vor der Saat und eine weitere bei etwa 30 cm Pflanzenhöhe auf. Wie du mit organischer Düngung arbeitest, zeigt der Ratgeber, wie Futterkohl im Öko-Anbau gelingt.

Schutz vor der Kohlfliege. Die Kleine Kohlfliege legt etwa ab Mitte April Eier. Lege deshalb direkt nach Saat oder Pflanzung ein Kulturschutznetz mit weniger als 1 mm Maschenweite auf und schließe die Ränder dicht. Bedenke dabei, dass das Netz auch Nützlingen den Zugang verwehren kann.

Ernte und Lagerung. Markstammkohl aus der Zweitfrucht erntest du ab Mitte Oktober, als Frischfutter oder für Silage. Den Zeitpunkt richtest du nach der Trockensubstanz aus, im Lager kontrollierst du auf Schimmel. Wie Frost, Ernte und Konservierung zusammenspielen, vertieft der Ernte-Ratgeber.

Futterwert und Tiere. Welche Inhaltsstoffe Futterkohl mitbringt, erklärt der Ratgeber, welchen Futterwert Futterkohl hat. Markstammkohl eignet sich für Rinder, Schafe und Ziegen als Ergänzung zu rohfaserreichen Rationen, bei Milchziegen kann Kohl aber den Milchgeschmack beeinträchtigen. Den Einsatz je Tierart beschreibt der Ratgeber, für welche Nutztiere sich Futterkohl eignet.

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Häufige Fragen

Welche Qualitätsmerkmale sind beim Futterkohlanbau besonders wichtig?
Bei Markstammkohl ist der Erntezeitpunkt bei 12 bis 15 % Trockensubstanz angegeben. Dazu kommt der Sortentyp, denn Sorten mit niedrigem Wuchs haben höhere Trockenmassegehalte als stängelige. Die Frosthärte sollte zu deiner geplanten Nutzung passen. Und der Bestand muss sauber sein, weil Schimmelpilzgifte schon auf dem Feld oder erst im Lager ins Futter kommen können.
Welche besonderen Temperaturbereiche kann Futterkohl überstehen?
Für voll ausgewachsenen Markstammkohl wird eine Kältetoleranz von −12 °C angegeben. Die Angabe zum Gartensaatgut von Markstammkohl liegt bei etwa −10 °C. Für an Kälte gewöhnten Futterkohl auf dem Wildacker werden bis −15 °C genannt. Die Frosthärte hängt also von Entwicklungsstand und Abhärtung ab, für junge Pflanzen gibt es keinen eigenen Wert.
Stimmt es, dass Futterkohl nur in warmen Klimazonen erfolgreich angebaut werden kann?
Nein. Markstammkohl stammt zwar aus dem Mittelmeerraum, doch für voll ausgewachsene Pflanzen wird eine Kältetoleranz von −12 °C angegeben. Als Zweitfrucht wird er ab Mitte Oktober geerntet, also in der kühlen Jahreszeit. Die Frostangabe gilt allerdings für entwickelte Pflanzen und nicht pauschal für jeden Bestand.
Wie grenzt sich Markstammkohl von anderen Futterkohl-Sorten ab?
Typisch für Markstammkohl sind ein verdickter Trieb und eine hohe Blattmasse, wobei es blattarme und blattreiche Typen gibt. Genutzt werden die Blätter, ganze Pflanzen gehen als Frischfutter oder Silage in die Verwertung. Furchenkohl ist im Sommerzwischenfruchtanbau mit sehr geringem Ertrag und geringer Frostempfindlichkeit bewertet. Auf dem Wildacker wächst Furchenkohl mindestens zweijährig.
Wie beeinflusst der pH-Wert des Bodens Futterkohl?
Auf dem Wildacker kommt Futterkohl bei durchlässigem Boden mit einem pH-Wert von 4,5 bis 8 zurecht, das ist eine Toleranzspanne und kein Optimum. Saure, feuchte und staunasse Böden begünstigen die Kohlhernie, die Kohlpflanzen besonders stark bei 20 bis 25 °C infiziert. Liegt dein gemessener pH-Wert schon oberhalb des Zielbereichs deiner Bodenart, gibst du weder Kalk noch kalkhaltige Dünger.
Wie führt man eine Bodenanalyse vor dem Futterkohlanbau richtig durch?
Für eine Bodenuntersuchung im Gemüsebeet beprobst du die Schicht von 0 bis 25 cm. Aus 10 bis 15 Einzelproben derselben Fläche stellst du eine Mischprobe zusammen. Mit dem gemessenen pH-Wert entscheidest du über das Kalken: Liegt er oberhalb des bodenartabhängigen Zielbereichs, kommen weder Kalk noch kalkhaltige Dünger aufs Beet.
Wie wirkt sich die Fruchtfolge auf den erfolgreichen Futterkohlanbau aus?
Für Markstammkohl im Feldbau und für Futterkohl im ökologischen Zwischenfruchtanbau gilt eine Anbaupause von mindestens 5 Jahren zu anderen Kreuzblütlern. Senf, Raps, Kresse, Rettich und Radieschen zählen dabei mit. Erbsen, Bohnen und Salat eignen sich auf abgeernteten Gartenbeeten als Vorfrüchte. Für Getreide und Hülsenfrüchte wird Markstammkohl ein guter Vorfruchtwert zugeschrieben.
Was ist Futterkohl und welche botanischen Eigenschaften zeichnen ihn aus?
Futterkohl ist ein Kreuzblütler, der als Futterpflanze angebaut wird und auf dem Wildacker bis zu 2 m hoch werden kann. Markstammkohl bildet einen verdickten Trieb, eine hohe Blattmasse und eine kräftige Hauptwurzel, die sich in der Ackerkrume verzweigt. Als Kreuzblütler bildet Futterkohl keine stickstoffbindende Knöllchensymbiose und geht keine arbuskuläre Mykorrhizasymbiose ein.
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