Winterfeste Kleintier-Wiese: Narbe schonen und Igeln, Vögeln, Insekten helfen
- Lass über Winter einen Altgrasstreifen stehen: Er dient Tieren als Quartier und Vögeln als Sitzwarte.
- Verholzte Staudenstängel, Blütenreste und Samenstände bleiben bis zum Frühjahr stehen, als Insektenquartier und Vogelfutter.
- Falllaub von der Wiese unter Hecken und Bäume rechen, dort darf es als Mulchschicht liegen bleiben.
- Nicht walzen bei nassem Boden und nicht, wenn Nachtfrost die Pflanzen erstarren lässt.
- Das Igelquartier ruhig und geschützt anlegen, mit trockenem Laub oder Stroh, und den Winterschlaf nicht stören.
- Meisenknödel ohne Netz anbieten, Körnerfutter in Futtersäulen oder Silofutterhäusern.
Im Herbst ist die Versuchung groß, die Kleintier-Wiese einmal komplett kurz zu mähen und das Laub abzurechen. Damit nimmst du Igeln, Vögeln und Insekten aber genau das weg, was sie über den Winter brauchen: Quartier und Futter. Ich gehe deshalb mit einem festen Plan in den Winter. Ein Teil der Wiese bleibt stehen, der Boden wird geschont, und Futter und Wasser stehen dort, wo ich sie vom Weg aus erreiche.
Mit Kleintieren meine ich in diesem Ratgeber die Wildtiere deines naturnahen Gartens. Hältst du Kaninchen oder Meerschweinchen und suchst Hinweise zum Winterfutter mit Heu, lies nach, wie du die Futterwiese für gehaltene Kleintiere übers Jahr pflegst und nutzt.
Eine Kleintier-Wiese ist eine mehrjährigeMehrjährige oder ausdauernde Pflanzen leben mehrere Jahre und überstehen den Winter mit Überdauerungsorganen, Speicherorganen oder ausgedehnten Wurzeln. Krautige Mehrjährige heißen Stauden, auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gehören dazu. Gräser- und Kleemischung, die etwa 10 bis 20 cm hoch wird. Die Mischung Kiepenkerl-Kleintierwiese zum Beispiel enthält Futtergräser und Weißklee und ist für Beweidung oder Heugewinnung gedacht. Im naturnahen Garten nutzen auch Wildtiere die Fläche, und um die geht es hier.
Was über den Winter auf der Wiese stehen bleibt
Auf einer naturnahen Wiese sollten über Winter Altgrasstreifen stehen bleiben. Sie dienen Tieren als Quartier und Vögeln als Sitzwarte. Verholzte Staudenstängel und Blütenreste, die du nicht abschneidest, bieten kleinen Insekten Plätze zum Überwintern. Stehen gelassene Samenstände von Wegerich, Beifuß und Disteln sind im Winter Futter für Finken, Ammern und Sperlinge. Wer im Herbst die ganze Fläche herunterschneidet, nimmt also Quartier, Sitzwarte und Futter in einem einzigen Arbeitsgang weg.
Ich mähe deshalb nie die ganze Fläche. Am Rand zur Hecke bleibt ein Streifen Altgras stehen, und die Ecke mit Wegerich und Disteln lasse ich bis zum Frühjahr in Ruhe.
An die Enden des Altgrasstreifens stecke ich im Herbst zwei Bambusstäbe. So sehe ich auch unter Schnee, wo ich nicht hintreten und im Frühjahr nicht zu früh mähen will.
Der letzte Schnitt vor dem Winter
Wenn du im Herbst noch einmal mähst, orientier dich an der Schnitthöhe deiner Mischung. Für die Kiepenkerl-Kleintierwiese ist eine Schnitthöhe von 4 bis 5 cm angegeben. Das Schnittgut rechst du danach ab, weil eine dicke Matte aus liegen gelassenem Schnittgut die GrasnarbeDie Grasnarbe ist die zusammenhängende Pflanzendecke, die Gräser auf Wiesen, Weiden und Rasenflächen bilden. Ist sie dicht, hält die Fläche Tritt gut aus und Unkräuter finden kaum Platz. ersticken und teilweise absterben lassen kann. Welcher Mährhythmus übers Jahr zu deiner Fläche passt, liest du im Ratgeber, wie du eine bestehende Kleintier-Wiese langfristig pflegst.
Laub: von der Wiese unter die Hecke
Falllaub gehört von Rasenflächen herunter. Unter Bäumen und Hecken darf es dagegen als schützende MulchschichtEine Mulchschicht ist eine Abdeckung des Bodens, meist aus organischem Material wie Laub, Stroh oder Rasenschnitt. Sie schützt den Boden, hält ihn feucht, verringert Erosion und hemmt Unkraut. liegen bleiben. Ich reche das Laub deshalb von der kurzen Wiesenfläche an den Rand unter die Hecke, statt es abzufahren.
„Eine dicke Mulchdecke schützt die Kleintier-Wiese über den Winter.“ Auf der Grasnarbe selbst bin ich damit vorsichtig, denn dauerhaftes Mulchen kann Schnecken im Garten fördern. MulchMulch ist eine Schicht, mit der du offenen Gartenboden bedeckst, meist aus organischem Material wie Rasenschnitt, Stroh oder Laub. Sie schützt den Boden, hält ihn feucht und hemmt Unkraut. gehört auf Beete, und dort gilt eine Schicht von etwa 2 bis 3 cm als allgemeiner Richtwert.
Den Boden über Winter schonen
Eine Wiese walzt du nicht, solange der Boden nass ist, weil er dabei verdichten kann. Auch wenn Nachtfrost die Pflanzen erstarren lässt, bleibt die Walze im Schuppen. Bei Nässe und Frost gehe ich nicht quer über die Fläche, sondern bleibe auf dem Weg am Rand. Wo ich trotzdem hinüber muss, etwa zur Futterstelle, lege ich Trittplatten aus.
Hat sich eine Stelle stark verdichtet, kann ein mechanischer Eingriff nötig sein, um sie zu lockern. Das hebe ich mir für einen Zeitpunkt auf, an dem der Boden abgetrocknet ist.
Kalk und Bodenprobe: erst messen
Kalk streue ich nicht auf Verdacht auf die Wiese. Liegt der gemessene pH schon über dem Zielbereich, der zu deiner BodenartDie Bodenart beschreibt, wie grob oder fein die Körner eines Bodens sind, und bestimmt mit, wie gut er Wasser und Nährstoffe hält. Man unterscheidet Sand, Schluff und Ton, Lehm ist eine Mischung aus allen dreien. passt, gehören weder Kalk noch kalkhaltige Dünger auf die Fläche. Wie Boden und Standort bei Futterpflanzen zusammenspielen, erklärt der Überblick zu Standort, Boden und Winterhärte von Futterpflanzen.
Winterquartiere für Igel, Insekten und Vögel
Das Igelquartier
Ein Igelwinterquartier gehört an einen ruhigen, geschützten Platz und braucht trockenes Stroh oder Laub als Nistmaterial. Das Laub, das ohnehin von der Wiese unter die Hecke wandert, liefert damit das Nistmaterial gleich mit, wenn du es an einem trockenen Tag zusammenrechst. Ich schichte den Haufen in der ruhigsten Ecke unter der Hecke auf und lege Reisig darüber, damit der Wind ihn nicht verteilt.
Winterschlafende Igel brauchen üblicherweise kein zusätzliches Futter und sollen nicht gestört werden. Den Haufen hebe ich deshalb bis zum Frühjahr nicht an und schaue auch nicht hinein. Damit Igel den Garten überhaupt erreichen, braucht ein geschlossener Zaun eine Öffnung am Boden.
Für quadratische Igeldurchlässe reichen die Empfehlungen von mindestens 10 × 10 cm bis zu einem empfohlenen Maß von 13 × 13 cm.
Ein sichtbar verletzter oder erkennbar kranker Igel braucht tierärztliche Hilfe. Anzeichen dafür können Apathie, Torkeln oder schwaches Einrollen sein.
Quartiere für Insekten und Vögel
Kleine Insekten finden ihre Überwinterungsplätze in den Stängeln und Blütenresten, die du stehen lässt. Ich schneide sie deshalb erst im Frühjahr zurück und lasse daneben einen lockeren Reisighaufen in der Hecke liegen. Vögel nutzen das Altgras als Sitzwarte. Nistkästen hänge ich schon im Herbst auf, weil Vögel sie im Winter als Schlafplatz nutzen können.
Tränken, Ruhezonen und Verstecke für Kaninchen oder Meerschweinchen im Gehege sind ein eigenes Thema. Dazu steht mehr im Ratgeber, wie du Tränken, Ruhezonen und Verstecke auf der Kleintier-Wiese planst.
Futter für Wildtiere im Winter
Die stehen gelassenen Samenstände sind Futter, das ohne dein Zutun da ist. Zusätzlich richte ich eine Futterstelle ein, die ich vom Weg aus erreiche, ohne die Wiese zu betreten. Sie steht geschützt, aber mit freiem Blick ringsum, damit Vögel Feinde rechtzeitig sehen.
Futtersäule statt offenem Häuschen
Futtersäulen und Silofutterhäuser verhindern, dass Vögel direkt im Körnerfutter sitzen. Das Futter wird dadurch weniger verunreinigt und weniger durchnässt. Ich fülle Körner deshalb nur in eine Säule und streue sie nicht offen auf ein Brett.
Was in die Futterstelle gehört
Sonnenblumenkerne eignen sich im Winter zum Beispiel für Meisen und Sperlinge. Amseln und Rotkehlchen nehmen auch Obst und getrocknete Beeren an. Für sie lege ich zusätzlich Obst und getrocknete Beeren aus.
Meisenknödel im Netz aufhängen. Vögel können sich in den Netzen verheddern, biete die Knödel deshalb ohne Netz an.
Wasser im Winter: flache Schale, jeden Tag frisch
Igeln kannst du täglich frisches Wasser in einer flachen Schale anbieten, die du regelmäßig reinigst. Ich stelle die Schale nah an den Weg, damit ich sie erreiche, ohne über die nasse Wiese zu gehen. In Frostnächten friert das Wasser zu. Morgens nehme ich das Eis heraus und fülle frisches Wasser ein.
Kontrollgänge durch den Winter
Meine Kontrollgänge mache ich vom Weg aus und betrete die Fläche dabei nicht. Neue Erdhaufen am Wiesenrand schaue ich mir genauer an. Maulwurfshügel sind meist hoch, rund und sitzen mittig über dem Gang. Flachere, asymmetrische Haufen seitlich über schrägen Gängen können dagegen auf Wühlmäuse hindeuten.
Darauf schaue ich bei jedem Gang am Rand entlang:
- Wasserschale: eisfrei und sauber?
- Futtersäule: Futter trocken, nichts verklumpt?
- Igelhaufen: von außen unberührt? Hineinschauen ist tabu.
- Erdhaufen: hoch und rund oder flach und seitlich versetzt?
- Senken: Steht irgendwo Wasser? Die Stelle markiere ich mir für die BodenprobeEine Bodenanalyse ist die Laboruntersuchung einer Bodenprobe, die du aus vielen Einstichen einer Fläche zusammenmischst. Sie zeigt, welche Nährstoffe im Boden stecken und wie viel Kalk er braucht, und ist die Grundlage für bedarfsgerechtes Düngen..
- Altgrasstreifen und Samenstände: Stehen sie noch?
Wenn der Winter vorbei ist
Was im Frühjahr ansteht, vom ersten Pflegegang bis zur NachsaatNachsaat heißt, Lücken in einem bestehenden Pflanzenbestand nachträglich mit frischem Saatgut zu schließen, ohne die Fläche komplett neu anzulegen. Im Garten betrifft das etwa lückigen Rasen oder Wiesenflächen. kahler Stellen, beschreibt der Ratgeber zur saisonalen Pflege und Nutzung der Kleintier-Wiese. Ist die Grasnarbe dicht geblieben, brauchst du keine Pflegenachsaat. Zeitfenster und SaattiefeDie Saattiefe gibt an, wie dick die Erdschicht über einem Samenkorn nach der Aussaat ist. Als Faustregel bedeckst du einen Samen höchstens dreimal so dick mit Erde, wie das Korn selbst ist. je Kultur findest du im Futterpflanzen-Überblick unter Aussaat je Kultur und im Aussaatkalender für Futterpflanzen zum Ausdrucken.





