Rasenkrankheiten erkennen und behandeln: Pilzflecken deuten, Ursachen abstellen
- Nicht jeder Fleck ist ein Pilz: Trockenruhe, Staunässe, Verdichtung oder Larven können ähnliche Schäden verursachen.
- Schneeschimmel braucht keine Schneedecke; feuchte Bedingungen zwischen 0 und 20 °C begünstigen ihn.
- Rotspitzigkeit bildet rosafarbenes, später rotes gallertartiges Pilzgewebe; befallene Gräser sterben üblicherweise nicht ab.
- Dollarflecken beginnen als etwa 1 bis 2 cm große gelbliche Flecken, Rost zeigt orangefarbene Fruchtkörper auf den Halmen.
- Tote Gräser rechst du erst nach dem Abtrocknen vorsichtig heraus.
- Lange nasse Blätter, Schatten und wenig Luftbewegung begünstigen Pilze; Gießen am frühen Morgen hilft vorzubeugen.
Ein brauner Fleck im Rasen, ein rötlicher Schimmer auf den Halmen, ein Ring aus welkem Gras: Das sieht schnell nach Krankheit aus. Hinter solchen Stellen können aber ebenso Trockenheit, Staunässe oder Larven stecken, und dann geht jede Pilzbehandlung an der Ursache vorbei. Bei einem neuen Fleck knie ich mich deshalb zuerst hin, schaue mir die Halme aus der Nähe an und ziehe am Rand an ein paar Büscheln. Erst danach entscheide ich, ob ich es mit einem Pilz zu tun habe und was die Fläche braucht.
Gemeint sind hier Pilzkrankheiten, die im Gartenrasen auftreten können: Schneeschimmel, Typhula-Fäule, Rotspitzigkeit, Dollarflecken, Rost und Hexenringe.
Pilz, Trockenheit oder Larven: erst die Ursache eingrenzen
Nicht jede verfärbte Stelle ist eine Krankheit. Aufhellungen und Wachstumsstörungen können durch NährstoffmangelNährstoffmangel heißt, dass eine Pflanze von einem oder mehreren Nährstoffen zu wenig bekommt oder aufnehmen kann. Sie bleibt dann im Wachstum zurück und zeigt Verfärbungen, etwa hellgrünes oder vergilbendes Laub. entstehen, ebenso durch Trockenheit, Staunässe, Wurzelschäden oder BodenverdichtungBodenverdichtung bedeutet, dass der Boden zusammengedrückt ist und seine lockere Struktur verloren hat, vor allem durch Betreten oder Befahren in feuchtem Zustand. Wurzeln dringen dann kaum ein, und Regenwasser bleibt oft in Pfützen stehen.. Mit dieser Tabelle schließt du die naheliegenden Verwechslungen aus.
| Was du siehst | Möglicher Hintergrund | So prüfst du |
|---|---|---|
| Brauner etablierter Rasen nach einer Trockenphase | Trockenruhe statt Absterben möglich | Eine 5 bis 8 cm tief entnommene braune Probe im Topf feucht halten; neue grüne Spitzen nach etwa einer Woche weisen auf verbliebene Vitalität hin |
| Nesterweise vergilbender Rasen, der sich leicht herausziehen lässt | Engerlinge, die die Wurzeln schädigen | Nachgraben und nach weißlichen, C-förmigen Larven mit braunem Kopf suchen |
| Kahle Stellen, Gräser dicht über dem Boden abgefressen | Larven der Wiesenschnake (Tipula) | Nachgraben; die Larven sind bis zu 4 cm lang, graubraun und walzenförmig und fressen besonders nachts |
| Gelbfärbung vor allem an älteren Blättern | kann auf Stickstoffmangel hinweisen | BodenuntersuchungEine Bodenanalyse ist die Laboruntersuchung einer Bodenprobe, die du aus vielen Einstichen einer Fläche zusammenmischst. Sie zeigt, welche Nährstoffe im Boden stecken und wie viel Kalk er braucht, und ist die Grundlage für bedarfsgerechtes Düngen.; leicht löslichen Stickstoff dabei gesondert beauftragen |
| Auffällige Einzelflecken auf einer Fläche, die ein Hund nutzt | Urinstellen | Beobachten, wo der Hund sich löst |
| Pilzgeflecht, gallertartiges Pilzgewebe oder orangefarbene Fruchtkörper an den Gräsern | Hinweis auf eine Pilzkrankheit | Mit der Übersicht der Schadbilder unten abgleichen |
Bei Fraßverdacht steche ich am Rand des Flecks ein Stück Narbe mit dem Spaten ab und schaue in den Wurzelbereich. Findest du dort keine Larven und ist der Rasen nicht bloß trockenheitsbedingt braun, lohnt der genaue Blick auf die Halme.
Neben jeden neuen Fleck lege ich einen Zollstock und mache ein Foto. Beim nächsten Rundgang vergleiche ich, ob der Fleck größer geworden ist und ob sich an den Halmen etwas verändert hat.
Pilzkrankheiten im Rasen und ihre Schadbilder
Findest du an den Halmen Pilzgeflecht, gallertartiges Gewebe oder Fruchtkörper, ordnest du den Befall mit dieser Übersicht ein.
| Krankheit | Woran du sie erkennst |
|---|---|
| Schneeschimmel | Flecken anfangs etwa 2,5 bis 5 cm groß, sie können bis auf 30 cm anwachsen; weißgraues bis rötliches Pilzgeflecht, schimmelige Fleckenränder möglich; befallene Gräser wirken feucht und schleimig |
| Typhula-Fäule | befallene Gräser wirken trocken und papierartig; kann zusammen mit Schneeschimmel auftreten |
| Rotspitzigkeit | unregelmäßige Schadflecken; zunächst rosafarbenes, später rotes gallertartiges Pilzgewebe; geweihartige rötliche Pilzfäden wachsen aus den befallenen Halmen |
| Dollarfleckenkrankheit | zunächst etwa 1 bis 2 cm große gelbliche Flecken, die sich bis auf 5 cm vergrößern können |
| Rost | orangefarbene Pilzfruchtkörper auf den Halmen |
| Hexenringe | wasserabweisendes Pilzgeflecht im Boden, das Graswurzeln austrocknen lassen kann |
Am Fleckbild allein lässt sich der Erreger nicht sicher bestimmen, denn Schneeschimmel und Typhula-Fäule können zum Beispiel als Mischinfektion auftreten. Die Vorbeugung setzt trotzdem an denselben Punkten an: Lange nasse Blätter, Schatten und geringe Luftbewegung begünstigen Pilzkrankheiten im Rasen allgemein. Auch ohne exakte Diagnose kannst du also an diesen Bedingungen arbeiten.
Schneeschimmel: kühle Nässe und Laub begünstigen ihn
Im Winter begünstigen kühl-feuchte Phasen bei 0 bis 8 °C, Staunässe und liegen gebliebenes Laub Pilzkrankheiten wie Schneeschimmel. Eine feuchte Laubdecke ist damit ein Risiko, das du mit dem Rechen selbst beseitigen kannst. Unterscheiden musst du Schneeschimmel vor allem von der Typhula-Fäule. Bei Schneeschimmel wirken die befallenen Gräser feucht und schleimig, bei Typhula-Fäule trocken und papierartig. Beide können allerdings gemeinsam auftreten.
„Schneeschimmel kommt nur nach einer langen Schneedecke.” Das stimmt nicht. Der Pilz braucht keinen Schnee, feuchte Bedingungen bei Temperaturen zwischen 0 und 20 °C begünstigen ihn auch ohne Schnee.
Rotspitzigkeit: rote Pilzfäden an den Halmen
Rotspitzigkeit zeigt sich in unregelmäßigen Schadflecken. An den Gräsern bildet sich zunächst rosafarbenes, später rotes gallertartiges Pilzgewebe, und aus den befallenen Halmen wachsen geweihartige rötliche Pilzfäden. Befallene Gräser sterben üblicherweise nicht ab und können wieder austreiben. Bevor ich solche Stellen nachsäe, warte ich deshalb ab und beobachte, wo die Gräser von selbst wieder grün werden.
Dollarflecken und Rost
Die Dollarfleckenkrankheit beginnt mit etwa 1 bis 2 cm großen gelblichen Flecken. Diese können sich bis auf 5 cm vergrößern. Rost erkennst du an orangefarbenen Pilzfruchtkörpern auf den Halmen.
Hexenringe: Das Problem sitzt im Boden
Bei schädigenden Hexenringen sitzt wasserabweisendes Pilzgeflecht im Boden. Es kann die Graswurzeln austrocknen lassen. Tiefes Lockern und kräftiges Wässern gelten als Maßnahmen mit nicht gesicherter Wirkung. Ich steche an solchen Stellen mit dem Spaten ein und prüfe, ob der Boden unter dem Ring trockener ist als daneben. Danach beobachte ich, wie sich der Ring im Lauf der Saison verändert.
Was Pilzkrankheiten im Rasen begünstigt
Pilze im Rasen hängen an Bedingungen, die du zum Teil selbst beeinflusst. Diese Punkte begünstigen einen Befall:
- Nasse Blätter, Schatten, stehende Luft: Lange nasse Blätter, Schatten und geringe Luftbewegung begünstigen Pilzkrankheiten.
- Laub: Unter einer Laubdecke entstehen feuchte, schlecht belüftete Bedingungen, und eine feuchte Laubdecke begünstigt Schneeschimmel.
- Verdichteter Boden: Er erschwert die Durchwurzelung und begünstigt Staunässe sowie Sauerstoffmangel.
- Zu dichte Saat: Eine überhöhte Saatmenge verstärkt die Konkurrenz zwischen den Keimlingen und kann Pilzkrankheiten begünstigen.
- Stumpfe Messer: Ausgefranste Schnittstellen können Pilzen als Eintrittspforten dienen.
Zwei dieser Punkte hängen zusammen. Verdichteter Boden begünstigt Staunässe, und Staunässe begünstigt Schneeschimmel. Ein verdichteter Rasen schafft also genau die Nässe, die diesem Pilz entgegenkommt.
Befallene Stellen behandeln: Schritt für Schritt
Bei Rasenpilzen gehst du in Stufen vor: erst die Bedingungen verbessern, dann beobachten, dann mechanisch eingreifen.
- Feuchtequellen abstellen. Reche Laub und liegen gebliebenes Schnittgut ab, damit die Gräser Licht bekommen und darunter keine feuchte, schlecht belüftete Schicht entsteht. Gieße nur, wenn es nötig ist, und dann am frühen Morgen.
- Abtrocknen lassen. Nach starkem Pilzbefall folgt mechanische Bodenpflege erst, wenn die Fläche abgetrocknet ist.
- Tote Gräser herausrechen. Abgestorbenes Gras rechst du nach dem Abtrocknen vorsichtig heraus; nach Schneeschimmel unterstützt das die natürliche Regeneration. Ich arbeite dafür mit dem Federrechen nur die Flecken durch, nicht die ganze Fläche.
- Beobachten. Bei Rotspitzigkeit können die Gräser wieder austreiben. Gib der Fläche Zeit und prüfe bei jedem Rundgang, wo sie wieder grün wird.
- Lücken schließen. Bleiben Lücken, schließt du sie mit einer NachsaatNachsaat heißt, Lücken in einem bestehenden Pflanzenbestand nachträglich mit frischem Saatgut zu schließen, ohne die Fläche komplett neu anzulegen. Im Garten betrifft das etwa lückigen Rasen oder Wiesenflächen. und hältst dich an die Aufwandmenge der Mischung, denn zu dichte Saat kann Pilzbefall begünstigen. Den passenden Zeitraum zeigt dir der Aussaatkalender für Rasen. Bevor du säst, lohnt ein Blick darauf, welche Fehler eine Rasennachsaat scheitern lassen.
Chemischer Pflanzenschutz ist bei Rasenpilzen höchstens der letzte Schritt. Im Hobbygarten darfst du nur Mittel einsetzen, die für nicht berufliche Anwender zugelassen sind, und nur im zugelassenen Anwendungsgebiet nach Gebrauchsanleitung. Trage die vorgeschriebene Schutzkleidung, halte die Wartezeit ein und entsorge Reste nach Vorschrift. Solche Mittel können auch NützlingeNützling ist kein biologischer Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für wildlebende Tiere, die dem Menschen nützen: Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei. treffen.
Ich selbst bleibe bei Rasenpilzen bei Rechen, Laubbesen und angepasster Pflege.
Vorbeugen: Pflege, die Pilzen die Nässe nimmt
Vorbeugen setzt an den Bedingungen an, die Pilze begünstigen: Nässe, Schatten, Laub und verdichteter Boden.
Gießen: Gieße am frühen Morgen, denn das verringert die Verdunstung und hilft, Pilzkrankheiten vorzubeugen. Etablierten Rasen wässerst du durchdringend, das Wasser soll 10 bis 15 cm tief in den Wurzelbereich eindringen.
Mähen: Halte die Messer scharf und mähe nur, wenn die Halme trocken sind. Für Gebrauchsrasen reichen die empfohlenen Schnitthöhen je nach Pflegekonzept von 3 bis 6 cm. Im Schatten lässt du mindestens 4,5 cm stehen.
Laub: Entferne Laub regelmäßig, besonders im Herbst. Auf Schattenflächen gehört auch liegen gebliebenes Schnittgut weg, weil es den Gräsern zusätzlich Licht nimmt.
Boden und Filz: Rasenfilz entfernst du spätestens ab einer Schichtdicke von 1 cm. Beim pflegenden VertikutierenVertikutieren ist ein Pflegeschritt für den Rasen: Scharfe Messer ritzen die Fläche leicht an und holen den Rasenfilz heraus. Rasenfilz ist eine Schicht aus liegen gebliebenem Schnittgut, abgestorbenen Pflanzenresten und Moos. ritzt du die Oberfläche höchstens 0,3 cm tief an. AerifizierenAerifizieren heißt, den Boden unter dem Rasen mit Zinken zu durchlöchern. Die Hohlräume verbessern den Luftaustausch im verdichteten Boden und fördern so Wurzelwachstum und Bodenleben. kann oberflächennahe Verdichtung lockern, eine tiefgründige beseitigt es nicht.
Düngen: Richte die Nährstoffversorgung am Bedarf der Gräser und an einer Bodenuntersuchung aus. Die Grundlagen zu Mähen, Vertikutieren, Gießen und Düngen findest du im Rasen-Ratgeber.
Standort und Gräser: Im tiefen Dauerschatten liefern auch Schattenrasenmischungen langfristig keine ausreichende Begrünung, dort kommen Schattenstauden wie Elfenblumen, Farne und Funkien infrage. Bei der Mischung lohnt ein Blick auf die Sortenprüfung: Sie bewertet Rasengräser auch nach ihrer ResistenzResistenz ist bei Pflanzensorten die Fähigkeit, einen bestimmten Schaderreger abzuwehren: Bei einer resistenten Sorte bleibt ein Befall stark begrenzt, und weder Wachstum noch Ertrag leiden auffällig. gegen Blattflecken, Rost, Rotspitzigkeit und Fäulnis. Die Noten beruhen auf mehreren Prüforten und Jahren und können bei dir vor Ort abweichen.






