Glockenblumen in der Blumenwiese: passende Arten, Boden abmagern, richtig mähen
- Für frische Wiesen passt die Wiesen-Glockenblume, für magere Rasen auf Sand die Rundblättrige Glockenblume.
- Die Saatgutmischung muss zum vorhandenen Boden passen; nährstoffreicher Gartenboden ist kein Magerstandort.
- Lehmigen Boden erst lockern, dann bei Bedarf Sand einarbeiten; die Menge hängt von der Bodenbeschaffenheit ab.
- Keine Stickstoffdüngung in der Wiese, damit Gräser nicht stärker gefördert werden als Kräuter und Blumen.
- Den Mähtermin nach der Samenbildung der Glockenblumen und der anderen Wiesenpflanzen richten.
- Beim Teilen braucht jedes etwa faustgroße Teilstück mindestens ein austriebsfähiges Auge.

Glockenblumen in einer Blumenwiese wachsen nicht im gepflegten Beet, sondern zwischen Gräsern und anderen Kräutern. Bevor ich dort säe oder pflanze, nehme ich mir deshalb zuerst den Boden vor. Ein nährstoffreicher Gartenboden wird nicht zum Magerstandort, nur weil Wildblumen darauf wachsen sollen. Und Stickstoffdünger fördert in der Wiese die Gräser stärker als die Kräuter und Blumen, um die es dir geht.
Was Glockenblumen in der Blumenwiese leisten
Mehrere Glockenblumen sind von Natur aus in Wiesen und Magerrasen zu Hause. Die Wiesen-Glockenblume (Campanula patula) wächst an frischen, meist extensiv genutzten Wiesenstandorten. Die Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) kommt unter anderem in Sand- und HalbtrockenrasenEin Halbtrockenrasen ist eine spezielle Form des Magerrasens auf ungedüngten Standorten. Er bleibt nur durch Mahd oder Beweidung offen, sonst würde dort Wald wachsen, und ist Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten. vor. Mit ihnen holst du also Pflanzen in die Wiese, die dort ihren natürlichen Standort haben.
Für Wildbienen haben Glockenblumen in der Wiese eine eigene Aufgabe: Du kannst sie gezielt als Nahrungspflanzen für Scherenbienen einsetzen. Ich plane sie deshalb als festen Teil der Wiesenfläche ein und nicht als Beetstauden, die zufällig dazwischen stehen. Im Ratgeber zum Naturgarten erfährst du, welche Glockenblumen im Naturgarten Wildbienen fördern und welche Rolle sie dort insgesamt spielen.
Welche Glockenblumen passen in die Wiese?
Für die Wiese wähle ich Glockenblumen nach ihrem natürlichen Standort aus und nicht nach der Blütenfarbe.
| Art | Natürlicher Standort oder Ansprüche | So setze ich sie ein |
|---|---|---|
| Wiesen-Glockenblume (Campanula patula) | frische, meist extensiv genutzte Wiesenstandorte | auf frischen Wiesenflächen |
| Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) | unter anderem Sand- und Halbtrockenrasen sowie mäßig trockene bis mäßig frische Silikatmagerrasen | auf mageren Flächen, auch auf Sand |
| Nesselblättrige Glockenblume (Campanula trachelium) | lichte Wälder und Gebüsche | am Wiesenrand vor Sträuchern |
| Karpaten-Glockenblume (Campanula carpatica) | sonnige Standorte mit kalkhaltigem, lehmig-humosem und frischem Boden | am Beetrand neben der Wiese |
Die Wiesen-Glockenblume kommt von frischen Wiesen, die Rundblättrige auch von Sand- und Halbtrockenrasen. Auf einer frischen Fläche bist du mit der Wiesen-Glockenblume deshalb näher an ihrem natürlichen Standort als mit der Rundblättrigen.
Die Nesselblättrige Glockenblume wächst von Natur aus in lichten Wäldern und Gebüschen. Ich setze sie deshalb dorthin, wo die Wiese an Sträucher grenzt. Die Karpaten-Glockenblume bevorzugt sonnige Plätze mit kalkhaltigem, lehmig-humosem und frischem Boden; sie bekommt bei mir einen Platz am Beetrand neben der Wiese.
Weitere Arten stellt der Überblick über Glockenblumenarten vom Steingarten bis zum Balkon vor. Im Standort-Ratgeber liest du, welcher Platz nach Licht, Feuchte und Schutz zu welcher Glockenblume passt.
Wie magerst du lehmigen Boden mit Sand ab?
Für eine Blumenwiese soll die Saatgutmischung zum vorhandenen Boden passen. Auf frischem Boden kann es deshalb sinnvoller sein, die Arten anzupassen, statt die ganze Fläche für Magerrasenpflanzen umzubauen. Ob dein Boden lehmig ist, prüfe ich mit der Fingerprobe an mehreren Stellen der Fläche.
Für die Fingerprobe nimmst du feuchte, aber nicht nasse Erde zwischen die Finger und achtest auf Körnigkeit, Formbarkeit und Klebrigkeit. Sand lässt sich nicht formen, Lehm ist körnig und formbar, Ton fühlt sich schmierig und klebrig an. Der Schlüssel gilt für Böden mit höchstens 4 % organischer Substanz.
Genaueres über die Nährstoffe verrät eine Laborprobe. Dafür mischst du 10 bis 15 über die Fläche verteilte Einstiche. Davon gibst du etwa 500 g zur Untersuchung. Die Standarduntersuchung erfasst üblicherweise PhosphatPhosphat ist die Form, in der der Pflanzennährstoff Phosphor im Garten meist angegeben wird: als Phosphatgehalt im Befund der Bodenuntersuchung und als Phosphatanteil auf Düngerpackungen, dort mit dem Kürzel P2O5., Kali und Kalkbedarf, StickstoffStickstoff (N) ist ein Hauptnährstoff der Pflanzen und vor allem für das Wachstum von Trieben und Blättern nötig. Er ist Baustein von Eiweiß und steckt im Erbgut und im Blattgrün (Chlorophyll). musst du gesondert beauftragen.
So arbeitest du Sand in lehmigen Boden ein
Bearbeite die Fläche im Frühjahr erst, wenn der Boden ausreichend abgetrocknet ist. Wurzelunkräuter lockerst du mit der Grabegabel und entfernst Rhizom- und Wurzelstücke sorgfältig. Steht nach Regen lange Wasser auf der Fläche, beseitigst du auch tiefer liegende Verdichtungen. Länger anhaltende Staunässe verursacht Sauerstoffmangel im Wurzelbereich und begünstigt Wurzel- und Stammgrundfäule. Erst danach arbeitest du bei Bedarf Sand oder anderes mineralisches Material ein, damit der Boden durchlässiger wird.
Eine feste Menge für jede Fläche gibt es nicht, denn sie hängt von der Bodenbeschaffenheit ab. Ich arbeite deshalb in Etappen und mache nach jeder Etappe erneut die Fingerprobe.
Kompost zur Verbesserung in die Wiesenfläche einarbeiten. Kompost lockert zwar schwere Böden, doch für Wildstauden, die kargen Boden bevorzugen, ist eine Kompostgabe zur Anreicherung nicht sinnvoll. Außerdem kann auch Kompost den Boden mit Phosphat überversorgen.
Kalk gibst du nur, wenn der gemessene pH-Wert für deine BodenartDie Bodenart beschreibt, wie grob oder fein die Körner eines Bodens sind, und bestimmt mit, wie gut er Wasser und Nährstoffe hält. Man unterscheidet Sand, Schluff und Ton, Lehm ist eine Mischung aus allen dreien. zu niedrig ist. Die pH-Zielbereiche je Bodenart und das Sandbeet für trockenheitsverträgliche Beetstauden beschreibt der Stauden-Ratgeber im Abschnitt Standort und Boden.
Wie legst du das Saatbett für die Wiese an?
Für die Aussaat schaffst du eine ebene, feinkrümelige Fläche, die frei von problematischen Wurzelunkräutern ist. Wie tief gesät wird, hängt an der Art; ich halte mich an die Angabe auf der Saatgut-Tüte der Mischung. Bis zur Keimung muss die Saatfläche ständig ausreichend feucht bleiben. Im Aussaat-Ratgeber steht, wann und wie du Glockenblumen aussäst und bis zum Auspflanzen pikierst. Die Saattermine hast du mit dem Aussaatkalender für Stauden zum Ausdrucken im Blick.
Fingerprobe an mehreren Stellen gemacht. Saatgutmischung passend zum Boden gewählt. Wurzelunkräuter samt Rhizomstücken entfernt. Verdichtungen gelockert und bei Bedarf Sand eingearbeitet. Fläche eben und feinkrümelig. Kein Stickstoffdünger ausgebracht.
Düngen: Warum die Wiese keinen Stickstoff bekommt
Bei der Umstellung von Rasen zur Blumenwiese lässt du die Stickstoffdüngung weg. Sonst förderst du die Gräser stärker als die Kräuter und Blumen, die du dir wünschst. Das betrifft auch die Nachbarn der Glockenblumen: Düngung kann Wiesen-Margeriten aus dem Bestand verdrängen.
Stauden von natürlich nährstoffarmen Standorten düngst du erst, wenn du Mängel erkennst. Übermäßige Düngung kann bei ihnen untypisch starkes Wachstum und eine geringere WinterhärteWinterhärte, auch Frosthärte genannt, beschreibt, wie viel Frost eine Pflanze verträgt. Winterharte Arten überstehen den Winter im Freien, empfindliche musst du vor dem Frost ernten oder schützen. fördern. Die Wiesen-Glockenblume wächst an meist extensiv genutzten Wiesen. Wer die Wiese wie einen Rasen düngt, entfernt sich also von den Verhältnissen, unter denen sie natürlich vorkommt, und hilft vor allem den Gräsern.
Stehen deine Glockenblumen im Beet statt in der Wiese, findest du im Ratgeber dazu, wie du Glockenblumen im Beet bedarfsgerecht düngst.
Gießen: worauf es in der Anwachsphase ankommt
Neu gepflanzte Stauden wässerst du bei anhaltender Trockenheit in den ersten ein bis zwei VegetationsperiodenDie Vegetationsperiode, auch Vegetationszeit, ist der Teil des Jahres, in dem Pflanzen wachsen, blühen und fruchten. Sie beginnt im Allgemeinen, wenn das Tagesmittel der Lufttemperatur mindestens 5 Grad Celsius erreicht. wiederholt durchdringend. Das gilt auch für trockenheitsverträgliche Arten. Vor dem Setzen tauchst du den Topfballen in Wasser, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen. Gegossen wird morgens und direkt im Wurzelbereich, damit weniger Wasser verdunstet und das Laub nicht unnötig nass wird.
Wann mähst du eine Wiese mit Glockenblumen?
Den Mähtermin legst du so fest, dass er die Samenbildung der Pflanzen berücksichtigt, die du fördern willst. Bei mir sind das vor allem die Glockenblumen, deshalb schaue ich vor dem Schnitt nach, ob sie Samen angesetzt haben.
Im Beet kann das rechtzeitige Entfernen verwelkter Blüten bei vielen Stauden die SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat. verhindern. Ein Schnitt vor der Samenbildung kann in der Wiese genauso wirken und den Glockenblumen die Selbstaussaat nehmen.
Ein Teil der dürren Stängel kann außerdem ganzjährig stehen bleiben und Insekten Unterschlupf bieten. Dafür lasse ich am Rand der Wiese einen Streifen stehen.
Ich stecke während der Blüte neben jede Glockenblumen-Gruppe einen Bambusstab. So finde ich die Pflanzen nach dem Verblühen zwischen den Gräsern wieder und kann nachsehen, ob sich Samen gebildet haben.
Glockenblumen teilen
Teilen dient bei Stauden zugleich der Vermehrung und der Verjüngung. Lässt die Blühleistung einer dafür geeigneten Staude nach, kann Teilen und Neupflanzen nach 3 bis 5 Jahren nötig werden. Jedes etwa faustgroße Teilstück braucht mindestens ein austriebsfähiges Auge oder eine vitale Triebspitze; den ganzen Ablauf findest du im Stauden-Ratgeber unter Teilen, Stecklinge und Selbstaussaat.
Krankheiten und Schnecken in der Wiese
Bei Echtem MehltauMehltau ist die Bezeichnung für Pilzkrankheiten, die einen weißlichen oder grauen Belag auf den Blättern bilden. Man unterscheidet Echten Mehltau, der bei Trockenheit und Hitze auftritt, und Falschen Mehltau, der bei kühlem, feuchtem Wetter auftritt. ist trockenes Wetter keine Entwarnung; vorbeugend helfen ausreichende Pflanzabstände, gute Belichtung und eine ausgewogene Nährstoffversorgung. Schnecken sammelst du ab, Weinbergschnecken stehen dagegen unter Schutz und werden nicht bekämpft. Die ganze Stufenfolge aus Vorbeugen, Kontrollieren und Absammeln beschreibt der Stauden-Ratgeber unter Krankheiten und Schädlinge.
Welche Nachbarn passen zu Glockenblumen in der Wiese?
Als Nachbarn nehme ich Margeriten und Tauben-Skabiosen, am Rand einzelne Wilde Karden; alle drei eignen sich für Garten- oder Wildblumenwiesen. Die Fruchtstände der zweijährigen Karde lasse ich über Winter für die Vögel stehen. Grundregeln zu Dichte und Gruppen stehen im Stauden-Ratgeber unter Gestalten und kombinieren.




