Blumenwiese als CO2-Speicher: Wie viel sie bindet und wie du es misst
- Eine Modellrechnung für dauerhaft erhaltene Ackerblühstreifen ergab im Mittel einen Bodenzuwachs von rund 1,8 t CO2 je Hektar und Jahr.
- Auf 120 Gießener Campus-Grünflächen hatten Wildblumenwiesen mehr Bodenkohlenstoff als kurz geschnittener Rasen, auch die frühere Nutzung wirkte mit.
- Im Münchner CO2-Flussmodell gaben Grasflächen im Jahresmittel mehr CO2 ab, als sie aufnahmen, weil die Bodenatmung die Photosynthese überstieg.
- Für den Kohlenstoffvorrat im Boden braucht es Kohlenstoffgehalt, Trockenrohdichte, Steinanteil und Beprobungstiefe; Wiederholungsproben sind frühestens nach 3 bis 5 Jahren sinnvoll.
- Als CO2-Kompensation zählt nur zusätzlicher, dauerhaft erhaltener Kohlenstoff; Verlagerung zwischen Flächen bringt dem Klima nichts.

Wenn du einen Rasen in eine Blumenwiese verwandeln willst, stößt du schnell auf große Zahlen zum Klimaschutz. Ich prüfe bei jeder CO2-Angabe zuerst drei Dinge: ob KohlenstoffKohlenstoff ist ein chemisches Element und der Hauptbestandteil des Humus. Pflanzen holen ihn als Kohlendioxid aus der Luft und bilden daraus bei der Photosynthese Zucker. oder CO2 gemeint ist, für welche Fläche sie gilt und ob gemessen oder gerechnet wurde. Erst dann weiß ich, was die Zahl über eine Gartenwiese aussagt. Für den Hektarwert gibt es eine Modellrechnung, für den Vergleich mit Rasen eine Untersuchung aus Gießen und für die Messung ein klares Verfahren.
Wie viel CO2 speichert ein Hektar Wiese pro Jahr?
Eine konkrete Zahl liefert eine Modellrechnung für dauerhaft erhaltene Ackerblühstreifen. Das sind Bereiche am Feldrand oder im Feldinneren, die gezielt mit einer Saatmischung angelegt werden. Im Mittel ergab die Rechnung einen jährlichen Bodenzuwachs von rund 1,8 t CO2 je Hektar. Gemittelt wurde über einen Zeitraum von 20 Jahren. In Kohlenstoff ausgedrückt entspricht das 0,5 t je Hektar und Jahr.
0,5 t Kohlenstoff und rund 1,8 t CO2 je Hektar und Jahr beschreiben denselben Zuwachs im Boden. Speichert der Boden 1 kg organischen Kohlenstoff zusätzlich, sind das rechnerisch rund 3,67 kg CO2. Schau deshalb bei jeder Angabe nach, ob Kohlenstoff oder CO2 gemeint ist.
Für deine Gartenwiese ist der Wert ein Anhaltspunkt, kein Messergebnis. Er stammt aus einem Modell, gilt für Streifen auf Ackerland und setzt voraus, dass die Fläche dauerhaft bestehen bleibt. Wenn ich die Zahl weitergebe, nenne ich diese drei Bedingungen immer mit. Wie viel deine eigene Wiese bindet, zeigt nur eine Messung im Boden deiner Fläche.
Speichert eine Blumenwiese mehr CO2 als ein Rasen?
Auf 120 untersuchten Grünflächen des Gießener Campus hatten Wildblumenwiesen höhere Bodenkohlenstoffvorräte als kurz geschnittene Rasenflächen. Die Pflanzendecke war dabei nicht der einzige Faktor, denn auch die frühere Nutzung einer Fläche beeinflusste den Vorrat. Eine feste Mehrmenge je Quadratmeter lässt sich aus dem Vergleich deshalb nicht ableiten.
Ein Befund aus München ergänzt das Bild. Im Münchner CO2-Flussmodell wirkten Grasflächen im Jahresmittel als Quelle: Ihre Bodenatmung lag über der PhotosynthesePhotosynthese ist der Vorgang, bei dem grüne Pflanzen mithilfe von Sonnenlicht aus Wasser und Kohlenstoffdioxid Zucker und Stärke herstellen. Als Nebenprodukt entsteht Sauerstoff, den sie an die Luft abgeben., sie gaben also mehr CO2 ab, als sie aufnahmen.
Der Vorrat ist die Menge Kohlenstoff, die zu einem Zeitpunkt im Boden steckt. Der Fluss beschreibt, wie viel CO2 eine Fläche über das Jahr aufnimmt oder abgibt. Beide Größen messen etwas anderes.
Gießen hat Vorräte im Boden verglichen, das Münchner Modell den CO2-Fluss im Jahresmittel. Ein hoher Vorrat heißt deshalb nicht, dass eine Fläche im laufenden Jahr noch Kohlenstoff dazugewinnt. Wenn ich gefragt werde, ob sich die Umwandlung eines Rasens fürs Klima lohnt, lege ich die drei Befunde nebeneinander:
| Befund | Fläche | Art der Angabe | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Gießener Campus-Untersuchung | 120 Grünflächen | Bodenkohlenstoffvorrat | Wildblumenwiesen höher als kurz geschnittener Rasen; frühere Nutzung wirkte mit |
| Münchner CO2-Flussmodell | Grasflächen | CO2-Fluss im Jahresmittel | Quelle, weil die Bodenatmung die Photosynthese überstieg |
| Modellrechnung Ackerblühstreifen | dauerhaft erhaltene Streifen | Bodenzuwachs, gemittelt über 20 Jahre | 0,5 t Kohlenstoff oder rund 1,8 t CO2 je Hektar und Jahr |
Wie Kohlenstoff in den Boden kommt und was ihn dort hält
Mit der Photosynthese holen Pflanzen CO2 aus der Luft und legen den Kohlenstoff in ihrer Biomasse fest. Sterben Blätter, Stängel oder Wurzeln ab, kann daraus HumusHumus ist die tote organische Substanz im Boden. Er entsteht, wenn Bodenlebewesen abgestorbene Pflanzenteile, tote Tiere und Pilze zersetzen; der Humusgehalt gibt an, wie viel davon ein Boden enthält. entstehen. Gleichzeitig gelangt über die Bodenatmung wieder CO2 in die Luft. Ob eine Fläche unterm Strich Kohlenstoff gewinnt, entscheidet also die Bilanz aus beidem.
Wie viel organische Substanz sich im Boden an Minerale bindet, hängt auch an der Wiese selbst. In einem Feldversuch mit eingebrachten Bodenmineralen begünstigten Pflanzenvielfalt und Produktivität im Grünland die Bildung mineralgebundener organischer Substanz. Die Menge hing dabei wesentlich davon ab, welches Mineral eingebracht worden war. Eine feste Speichermenge für eine bestimmte Wiese ergibt sich aus dem Versuch nicht.
Was du bei Anlage und Pflege für den Kohlenstoff tun kannst
Standort, Aussaat und Mahd folgen auch hier den Regeln jeder Blumenwiese; die Grundlagen findest du im Überblick, wie du Standort, Aussaat und Mahd einer Wildblumenwiese planst. Feines Kräutersaatgut wird meist mit 1 bis 3 g/m² ausgebracht, maßgeblich bleibt aber die Empfehlung der jeweiligen Mischung. Stark beschattete Flächen eignen sich nicht für die übliche mehrjährigeMehrjährige oder ausdauernde Pflanzen leben mehrere Jahre und überstehen den Winter mit Überdauerungsorganen, Speicherorganen oder ausgedehnten Wurzeln. Krautige Mehrjährige heißen Stauden, auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gehören dazu. Blumenwiese. Für den Kohlenstoff kannst du vor allem zwei Dinge steuern: dass die Fläche dauerhaft bleibt und dass sie artenreich bleibt.
Mehrjährig anlegen statt jedes Jahr neu
Eine mehrjährige Garten-Blühmischung kann 10 Jahre und länger auf derselben Fläche bestehen. EinjährigeEinjährige, auch Annuelle genannt, sind Pflanzen, deren Lebenszyklus üblicherweise innerhalb eines Jahres beendet ist. Sie legen als Pflanze keine Ruhezeit ein, nur ihre Samen überdauern ungünstige Zeiten. Sommerblumenflächen werden dagegen im Spätherbst gemäht und im Frühjahr neu angelegt, der Boden wird dafür vor der Aussaat umgebrochen. Die Modellzahl für den Bodenzuwachs gilt für dauerhaft erhaltene Streifen; einer Fläche, die jedes Frühjahr umgebrochen wird, fehlt genau diese Voraussetzung. Prüf beim Kauf deshalb Artenliste, Lebensdauer und Standortangaben. Dass auf der Tüte Wildblumenmischung steht, heißt noch nicht, dass heimische Wiesenarten darin sind.
Auch beim Aufwand liegt die dauerhafte Fläche vorn. Für mehrjährige Garten-Blühmischungen werden etwa 1 bis 2 Minuten Pflege je m² und Jahr angegeben. Einjährige Mischungen liegen bei etwa 5 bis 8 Minuten. Mehr zum Pflegeaufwand steht im oben verlinkten Wildblumen-Überblick.
Mager halten: kein Dünger, Mähgut abräumen
Gedüngt wird eine dauerhafte, artenreiche Blumenwiese nicht routinemäßig, und auch Kompost kommt vor der Aussaat nicht in den Boden. Dünger würde die konkurrenzstarken Gräser zusätzlich fördern. Auch die Wiesen-Margerite kann durch Düngung aus dem Bestand verdrängt werden.
„Mit Kompost baut die Wiese mehr Humus auf und speichert mehr CO2.“ Kompost ist wie StallmistStallmist ist ein Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung, etwa von Rindern oder Pferden, bei dem der Dung der Tiere meist mit Einstreu vermischt ist. Er verbessert den Boden und liefert zugleich reichlich Nährstoffe. ein Dünger und kann bei zu hohen Gaben Nährstoffe anreichern. Für eine dauerhafte Blumenwiese wird der Boden deshalb vor der Aussaat nicht damit angereichert. Und selbst wenn mehr Kohlenstoff im Boden landet: Wird er nur von einer Fläche auf eine andere verlagert, ist für das Klima nichts gewonnen.
Bei der Mahd gilt dasselbe Ziel. Das Mähgut wird nach kurzem Antrocknen abgeräumt, weil liegen gelassenes Material eine Filzschicht bildet. Mit dem Mähgut verlässt zwar Biomasse die Fläche. Liegen gelassen würde es aber als MulchschichtEine Mulchschicht ist eine Abdeckung des Bodens, meist aus organischem Material wie Laub, Stroh oder Rasenschnitt. Sie schützt den Boden, hält ihn feucht, verringert Erosion und hemmt Unkraut. düngen, und Dünger fördert genau die konkurrenzstarken Gräser. Ich lasse das Mähgut kurz antrocknen und räume es dann vollständig von der Fläche.
Auf wüchsigen Standorten kann regelmäßiges Abräumen bei nicht zu spätem Schnitt eine Abmagerung bewirken. Rechne dafür mit 5 bis 10 Jahren, ein sicheres Ergebnis ist es nicht. Wie oft und wann du mähst, hängt an Standort und Wüchsigkeit; Termine und Schnitthöhe findest du im Grundlagenteil zum Mähen und zur Pflege im Jahreslauf.
Wie wird die CO2-Speicherung gemessen?
Bodenkohlenstoff bestimmen lassen
Wie viel Kohlenstoff im Boden deiner Wiese steckt, zeigt eine Bodenmessung. Für den Vorrat werden vier Größen gebraucht: Kohlenstoffgehalt, Trockenrohdichte, Steinanteil und Beprobungstiefe. Erst zusammen ergeben sie, wie viel Kohlenstoff in einer bestimmten Bodenschicht liegt. Ein Gehalt allein reicht dafür nicht.
Für den Garten ist eine Bodenanalyse im Labor der praktische Einstieg. Sie erfasst standardmäßig Phosphat, KaliumKalium ist neben Stickstoff und Phosphor einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Es regelt den Wasserhaushalt der Pflanze, festigt ihr Gewebe und macht sie widerstandsfähiger gegen Frost sowie Schaderreger wie Pilze und Insekten. und den pH-Wert und lässt sich um den Humusgehalt ergänzen. Für eine Vorratsberechnung fragst du zusätzlich nach Kohlenstoffgehalt, Trockenrohdichte und Steinanteil und hältst die Beprobungstiefe fest. Ob sich im Boden etwas verändert, zeigen erst Wiederholungsproben. Sinnvoll sind sie frühestens nach 3 bis 5 Jahren. Ich nehme die Wiederholungsprobe an denselben Stellen und aus derselben Tiefe wie die erste.
Lass die erste Analyse vor der Aussaat machen. Dann hast du einen Ausgangswert, mit dem du jede spätere Probe vergleichen kannst.
Die Wiese über die Jahre beobachten
Kohlenstoff siehst du einer Wiese nicht an, ihre Zusammensetzung schon. Das Erscheinungsbild ändert sich im Jahresverlauf und auch von Jahr zu Jahr. Wird eine etablierte Wiese zu selten gemäht, können sich auf Dauer die Gräser durchsetzen, und die Blütenvielfalt kann abnehmen. Im Feldversuch begünstigten Pflanzenvielfalt und Produktivität die mineralgebundene organische Substanz. Wer die Vielfalt seiner Wiese beobachtet, behält also eine Größe im Blick, die auch für den Boden zählt.
Bei einer heimischen Blumenwiese liegt die Hauptblüte häufig im Frühsommer, etwa im Mai und Juni. Ich notiere jedes Jahr zur Hauptblüte, welche Arten blühen und wo sich Gras breitmacht.
CO2-Zertifikate: Wann der Kohlenstoff einer Wiese zählt
Mit Humus lässt sich CO2 nur dann kompensieren, wenn die Speicherung zusätzlich ist und dauerhaft erhalten bleibt. Wandert Kohlenstoff bloß von einer Fläche auf eine andere, entsteht kein Klimanutzen. In die Bilanz gehören außerdem die Treibhausgase, die durch die Maßnahme selbst entstehen, etwa durch Kraftstoffverbrauch und Lachgas. Bei einer Wiese zählt dazu jeder Mähgang mit einem Motorgerät.
Bevor du deine Wiese als Klimaschutz verbuchst, geh diese Fragen durch. Ist der Kohlenstoff zusätzlich gespeichert und nicht nur verlagert? Bleibt die Fläche dauerhaft erhalten? Sind Nebenemissionen wie Kraftstoff und Lachgas eingerechnet? Gibt es einen gemessenen Ausgangswert und eine Wiederholungsprobe nach frühestens 3 bis 5 Jahren?
Was eine Blumenwiese außer Kohlenstoff leistet
Kohlenstoff ist nur ein Teil dessen, was eine Wiese leistet. Was sie Insekten bietet und warum Städte Blühflächen anlegen, findest du im Beitrag über den Wert von Blumenwiesen für Artenvielfalt und Stadtnatur. Für ein Wiesenprojekt auf öffentlicher Fläche brauchst du vorher die Zustimmung des zuständigen Grünflächenamts. Planst du die Wiese als Schulprojekt, muss die Betreuung auch an Wochenenden und in den Ferien organisiert sein.
Bewachsener Boden kann durch Verdunstung die unmittelbare Umgebung kühlen; wie eine Wiese Regenwasser aufnimmt und hält, steht in einem eigenen Beitrag. Pflanzenoberflächen können Staub aufnehmen, eine höhere Ablagerung heißt aber nicht automatisch sauberere Luft; mehr dazu unter wie Blumenwiesen Staub und Schadstoffe aus der Luft filtern. Hitze und Trockenheit können Blüten schneller verblühen lassen und das Angebot an Pollen und Nektar verringern. Wie du Blumenwiesen an Hitze und Trockenheit anpasst, zeigt der Beitrag zum Klimawandel.




