Hundszunge anbauen: Boden, Aussaat und Pflege über zwei Gartenjahre
- Die Hundszunge ist zweijährig: Sie blüht im zweiten Jahr nach der Aussaat und stirbt nach der Samenbildung meist ab.
- Vor der Aussaat gräbst du Wurzelunkräuter wie Quecke und Giersch samt Wurzeln aus.
- Eine Bodenuntersuchung ermittelt Phosphat, Kalium und Kalkbedarf und ist die Grundlage fürs Düngen und Kalken.
- Aussaattermin, Saattiefe und Abstand übernimmst du von der Samentüte.
- Die Gewöhnliche Hundszunge ist giftig und enthält Pyrrolizidinalkaloide, ihre Blüten gehören nicht ins Essen.

Wer Hundszunge sät, sieht die erste Blüte erst im zweiten Jahr. So lange ist das Beet belegt, und umgraben kannst du es in dieser Zeit nicht mehr. Ich nehme mir deshalb vor der Aussaat mehr Zeit für den Boden als bei einjährigen Sommerblumen. Hier geht es um die Gewöhnliche Hundszunge, Cynoglossum officinale: wie du den Boden prüfst und vorbereitest, wie du säst und wie du das Beet über den Winter bis zur Blüte pflegst.
Die Gewöhnliche Hundszunge enthält Pyrrolizidinalkaloide und ist giftig. Bestimmte Pyrrolizidinalkaloide können die Leber schädigen. Blüten kommen nur dann in Speisen, wenn ihre Art sicher bestimmt und ihre Eignung zum Verzehr geklärt ist; die giftige Hundszunge gehört nicht dazu. Ich arbeite am Hundszungenbeet immer mit Handschuhen und pflanze sie nicht dorthin, wo kleine Kinder spielen.
Was die Zweijährigkeit für dein Beet bedeutet
Die Hundszunge ist zweijährig. Pflanzen mit diesem Rhythmus blühen im zweiten Jahr nach der Aussaat, bilden Samen und sterben danach meist ab. Für dich heißt das: Das Beet ist von der Aussaat bis nach der Samenbildung im zweiten Jahr belegt, erst dann ist Platz für eine Folgekultur. Im Beetplaner kannst du die Belegung deines Beets über beide Jahre planen.
Was die Hundszunge botanisch auszeichnet, welche Arten es gibt und wie sie sich selbst aussät, steht im Beitrag darüber, wie du die Hundszunge im naturnahen Garten einsetzt. Welche Bienen, Hummeln und anderen Bestäuber die Hundszunge besuchen, liest du im Bienen-Ratgeber. Für Wildbienen lässt sie sich mit einer Nisthilfe kombinieren; wie Hundszunge und Insektenhotel zusammen einen Lebensraum schaffen, steht in einem eigenen Beitrag.
Den Boden prüfen, bevor du gräbst
Ich fange bei jedem neuen Beet mit der Fingerprobe an. Sie gelingt an feuchtem, nicht nassem Feinboden und gibt dir eine grobe Einschätzung der BodenartDie Bodenart beschreibt, wie grob oder fein die Körner eines Bodens sind, und bestimmt mit, wie gut er Wasser und Nährstoffe hält. Man unterscheidet Sand, Schluff und Ton, Lehm ist eine Mischung aus allen dreien.. Dazu reibe ich etwas Erde zwischen Daumen und Zeigefinger. Knirscht sie und zerfällt, überwiegt Sand. Lässt sie sich zu einer Rolle formen, ist mehr Lehm oder Ton dabei.
Genauer wird es mit einer Bodenanalyse aus dem Labor. Sie erfasst standardmäßig Phosphat, KaliumKalium ist neben Stickstoff und Phosphor einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Es regelt den Wasserhaushalt der Pflanze, festigt ihr Gewebe und macht sie widerstandsfähiger gegen Frost sowie Schaderreger wie Pilze und Insekten. und den pH-Wert, auf Wunsch auch den HumusgehaltHumus ist die tote organische Substanz im Boden. Er entsteht, wenn Bodenlebewesen abgestorbene Pflanzenteile, tote Tiere und Pilze zersetzen; der Humusgehalt gibt an, wie viel davon ein Boden enthält.. Üblicherweise weist der Befund außerdem den Kalkbedarf aus und ist damit die Grundlage für eine sachgerechte Düngung. Ob du kalkst oder düngst, entscheidest du also nach dem Befund und nicht nach Gefühl.
Kalk oder Dünger auf Verdacht ausbringen. Ob dein Boden Kalk braucht, zeigt der Kalkbedarf im Befund. Ohne Befund bringe ich beides nicht aus.
Das Saatbett vorbereiten
Zuerst kommen die Wurzelunkräuter raus. Quecke und Giersch grabe ich mitsamt ihren Wurzeln aus, bevor ich ans Säen denke. Steckt der Boden voller Unkrautsamen, bearbeitest du ihn vor der abschließenden Saatbettbereitung wiederholt flach. Wurde auf der Fläche gebaut, lockere ich vorhandene Verdichtungen vor der Aussaat.
Nach dem Umgraben lasse ich das SaatbettDas Saatbett ist die vorbereitete obere Bodenschicht eines Beetes, in die du säst. Es soll eben, frei von Steinen und groben Schollen und feinkrümelig sein, und zwar umso feiner, je feiner die Samen sind. sich setzen. Vor der Aussaat bearbeite ich es nur noch flach, bis die Oberfläche fein und eben ist. Kompost oder Dünger arbeite ich nur ein, wenn der Befund aus der Bodenanalyse dafür spricht.
Fingerprobe gemacht, Bodenbefund liegt vor, Quecke und Giersch samt Wurzeln entfernt, Verdichtungen gelockert, Saatbett gesetzt und nur noch flach bearbeitet.
Hundszunge aussäen
Für die Aussaat brauchst du Saatgut der Gewöhnlichen Hundszunge. Ist dir die regionale Herkunft wichtig, achte auf die Zertifikate VWW Regiosaaten oder Regiozert: Sie dienen als Herkunftsnachweis für gebietseigenes Wildpflanzensaatgut. Aussaattermin, SaattiefeDie Saattiefe gibt an, wie dick die Erdschicht über einem Samenkorn nach der Aussaat ist. Als Faustregel bedeckst du einen Samen höchstens dreimal so dick mit Erde, wie das Korn selbst ist. und Abstand übernehme ich von der Samentüte.
Statt direkt an Ort und Stelle zu säen, kannst du Zweijahresblumen wie die Hundszunge auch in einem Anzuchtbeet im Freiland vorziehenVorziehen heißt, Samen im Haus, im Gewächshaus oder im Frühbeet auszusäen und dort zu Jungpflanzen heranzuziehen. Später pflanzt du sie ins Beet oder in den Kübel aus.. Berühren sich die Jungpflanzen dort gegenseitig, pikierst du sie auf etwa 5 cm Abstand. An ihren endgültigen Platz setze ich sie erst als kräftige Jungpflanzen.
Bis die Keimlinge erscheinen, halte ich die Saatfläche feucht. Wie Wildblumen grundsätzlich gesät werden, liest du unter Aussaat und Pflanzung von Wildblumen.
Ich stecke an jedes Ende der Saatreihe einen Stab und notiere Aussaatdatum und Saatgutherkunft im Gartenbuch. Die Notiz brauche ich im zweiten Jahr, wenn ich das Beet räume und neu belege.
Den Boden bis zur Blüte pflegen
Im ersten Jahr halte ich vor allem das BeikrautBeikraut nennt man jede Pflanze, die zwischen den angebauten Kulturpflanzen mitwächst, egal ob wild oder domestiziert, nützlich oder schädlich. Das Wort ist neutral gemeint, während „Unkraut“ eine persönliche Wertung ausdrückt. zwischen den Jungpflanzen zurück. Ich jäte von Hand und trage dabei Handschuhe, weil die Hundszunge giftig ist. Verkrustet die Oberfläche nach starkem Regen, lockere ich sie flach mit der Handhacke und halte Abstand zu den Pflanzen. Für eine Nachdüngung gilt dasselbe wie vor der Aussaat: Maßstab ist der Bodenbefund.
Wie du die Hundszunge in jeder Wachstumsphase richtig gießt, steht in einem eigenen Beitrag.
Über den Winter ins zweite Jahr
Weil die Hundszunge erst im zweiten Jahr blüht, überwintern die Jungpflanzen im Beet. Wer sie beim Aufräumen im Herbst herausreißt, hat im folgenden Jahr keine Blüte. Ich lasse deshalb die Markierungsstäbe über den Winter stehen.
Ob die Pflanzen eine Abdeckung brauchen, hängt an ihrer WinterhärteWinterhärte, auch Frosthärte genannt, beschreibt, wie viel Frost eine Pflanze verträgt. Winterharte Arten überstehen den Winter im Freien, empfindliche musst du vor dem Frost ernten oder schützen.. Die Angabe dazu steht im oben verlinkten Beitrag zum Einsatz der Hundszunge im naturnahen Garten. Eine Decke aus Laub oder Reisig lege ich nur auf, wenn diese Angabe dafür spricht.
Nach der Blüte
Nach der Samenbildung stirbt die Hundszunge meist ab, dann ist das Beet frei für die Folgekultur. Willst du Samen für die nächste Aussaat sammeln, ernte sie bei trockenem Wetter, sobald sie ausgereift sind und sich leicht aus ihren Hüllen lösen. Blumensamen, die sich aufbewahren lassen, trocknest du vollständig nach und lagerst sie in beschrifteten Tüten trocken, kühl und dunkel bis zur Aussaat. Auch bei dieser Arbeit trage ich Handschuhe.



