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Hülsenfrüchte biologisch anbauen: Saatgut, Hacke, Mulch und Nützlinge statt Chemie

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Bohnen und Erbsen sind Schwachzehrer und brauchen auf ausreichend versorgtem Boden keine zusätzliche Düngung.
  • Bio-Saatgut stammt aus ökologischer Vermehrung; bei der Sortenwahl zählen Resistenzen und Toleranzen.
  • Bei Gartenbohnen ist Unkrautentfernen in den ersten 4 bis 6 Wochen nach der Aussaat besonders wichtig.
  • Rasenschnitt kommt angewelkt, dünn und wiederholt als Mulch aufs Beet.
  • Ein Kulturschutznetz direkt nach der Aussaat kann Erbsenwickler abhalten, garantiert aber nichts.

Ohne Kunstdünger und Spritzmittel verschiebt sich die Arbeit an Bohnen und Erbsen nach vorn. Ein Netz gegen den Erbsenwickler muss liegen, bevor die Falter ihre Eier ablegen, und Unkraut entfernst du, solange die Bohnen noch klein sind. Ich plane meine Hülsenfrüchte deshalb vom Saatgut aus und lege Netz und Hacke bereit, bevor ich säe.

Beim Dünger hast du es leichter. Bohnen und Erbsen sind Schwachzehrer und brauchen auf ausreichend versorgtem Boden keine zusätzliche Düngung, also auch keinen chemischen Dünger. Die Arbeit im Biogarten liegt deshalb vor allem bei Saatgut, Unkraut, Mulch und Pflanzenschutz.

Mini-Checkliste

Meine Bio-Routine für Bohnen und Erbsen:

  • Bio-Saatgut mit Resistenzangaben wählen
  • ausdauernde Wurzelunkräuter vor dem ersten Mulchen ausgraben
  • Erbsen direkt nach der Aussaat mit einem Kulturschutznetz abdecken
  • Bohnen nach dem Auflaufen hacken
  • Rasenschnitt angewelkt und dünn als Mulch auflegen
  • Blütenstände und junge Triebe auf Läuse ansehen
  • an den Fuß der Pflanzen gießen statt über das Laub

Welches Saatgut gehört in den Biogarten?

Bio-Saatgut stammt aus ökologischer Vermehrung. Achte außerdem darauf, dass es gesund ist. Bei Erbsen helfen gesundes Saatgut und eine weit gestellte Fruchtfolge, Krankheiten und Schädlinge zu begrenzen. Gegen die Fettfleckenkrankheit an Bohnen gehört gesundes Saatgut zu den wichtigen vorbeugenden Maßnahmen.

Im ökologischen Gemüsebau zählen Toleranzen und Resistenzen gegen Krankheiten und Schädlinge zu den wichtigen Auswahlkriterien. Auf der Saatguttüte lese ich deshalb zuerst die Resistenzangaben. Drei Beispiele für Sorten mit solchen Eigenschaften:

Sorte Art Eigenschaften
Mascotte Buschbohne resistent gegen Mosaikvirus und Fettfleckenkrankheit, für Kübel geeignet
Norli Zuckererbse reift früh, wächst niedrig und standfest, resistent gegen Fusarium-Welke
Sweet Horizon Zuckererbse reift mittelspät, resistent gegen Brennflecken und Echten Mehltau

Bei Puffbohnen, auch Ackerbohnen genannt, zählen Reifezeit, Standfestigkeit und Krankheitstoleranz. Für Sojabohnen ist die rechtzeitige Abreife an deinem Standort ein entscheidendes Kriterium. Im Beitrag darüber, welche Hülsenfrüchte sich für den Einstieg eignen, findest du passende Arten für den Start.

Eigenes Erbsensaatgut gewinnen

Von samenfesten Sorten kannst du Erbsensaatgut selbst gewinnen. Du erntest dafür brüchige, trockene Hülsen bei trockenem Wetter. Vor dem Auslösen der Samen lagern die Hülsen noch 2 bis 3 Wochen trocken nach. Gut, kühl und trocken gelagert bleibt Erbsensaatgut etwa 3 bis 4 Jahre verwendbar.

Wie hältst du Unkraut ohne Herbizide klein?

Bei Gartenbohnen zählt vor allem die Zeit nach der Aussaat. In den ersten 4 bis 6 Wochen ist es besonders wichtig, konkurrierendes Unkraut gründlich zu entfernen. Sobald die Saat aufgelaufen ist, regulierst du es mechanisch mit der Hacke. Sojabohnen entwickeln sich in der Jugend langsam und reagieren deshalb empfindlich auf Unkrautkonkurrenz.

Marias Erfahrung

Ich nehme die Hacke mit, wenn ich nach den jungen Bohnen schaue, und arbeite nur die oberste Erdschicht durch. Was direkt an den Stängeln wächst, ziehe ich mit der Hand heraus.

Tipp

Vor Adzukibohnen kann ein falsches Saatbett die spätere Unkrautkonkurrenz begrenzen. Du bereitest das Beet dafür vor, lässt die ersten Unkräuter keimen und hackst sie flach weg, bevor du säst.

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Wie mulchst du Bohnen und Erbsen richtig?

Mulch kann Beikraut unterdrücken und ergänzt damit die Hacke. Rasenschnitt lässt du vorher anwelken und legst ihn dünn auf, sodass der Boden noch leicht durchscheint. Statt einer dicken Schicht legst du lieber wiederholt nach. Um die Stängel lasse ich einen schmalen Rand frei.

Ausdauernde Wurzelunkräuter reduziert Mulch allerdings nur bedingt, und bei Bohnen soll gerade die Zeit nach der Aussaat frei von Konkurrenz bleiben. Solche Wurzeln grabe ich deshalb aus, bevor ich zum ersten Mal mulche.

Mythos-Check

„Je dicker der Mulch, desto besser.“ Für Rasenschnitt stimmt das nicht. Er gehört angewelkt und in dünnen Schichten auf das Beet, damit er nicht verklebt oder schimmelt.

Wie schützt du Hülsenfrüchte ohne Spritzmittel vor Schädlingen?

Ohne Spritzmittel arbeitest du mit Barrieren, dem passenden Zeitpunkt und genauem Hinsehen. Die Tabelle ordnet die Schädlinge aus diesem Abschnitt ihren Maßnahmen zu.

Schädling Betrifft Was du ohne Spritzmittel tun kannst
Erbsenwickler Erbsen, Eiablage im Mai und Juni Kulturschutznetz direkt nach der Aussaat, frühe Aussaat, früh blühende Sorten
Bohnenfliege Buschbohnen Kulturschutznetz oder Vorkultur im Topf
Grüne Erbsenlaus Erbsen, Kolonien an Blütenständen und jungen Trieben kräftiger Wasserstrahl, Gegenspieler fördern
Blattläuse Bohnen von Hand zerdrücken, Gegenspieler fördern
Schwarze Bohnenlaus Puffbohnen frühe Aussaat senkt das Befallsrisiko

Netze gegen Erbsenwickler und Bohnenfliege

Erbsenwickler legen ihre Eier im Mai und Juni ab. Etwa 1 Woche danach schlüpfen die Larven und dringen in die Hülsen ein. Wer das Netz erst auflegt, wenn die ersten Hülsen befallen sind, kommt also zu spät: Die Larven sitzen dann schon darin. Ich lege das Kulturschutznetz deshalb direkt nach der Aussaat über die Erbsen.

Netze können Erbsenwickler abhalten, verlass dich aber nicht allein darauf. Frühe Aussaat und früh blühende Sorten können den Befall zusätzlich verringern, wenn die Blüte dadurch nicht in den Hauptflug der Falter fällt.

Buschbohnen kannst du gegen Schäden durch die Bohnenfliege ebenfalls mit einem Kulturschutznetz schützen. Die andere Möglichkeit ist, sie im Topf vorzuziehen.

Blattläuse: erst abspritzen, dann zerdrücken

Grüne Erbsenläuse sitzen häufig in Kolonien an Blütenständen und jungen Trieben. Genau dort schaue ich beim Gießen zuerst nach. Bei Befall versuchst du zunächst, die Läuse mit einem kräftigen Wasserstrahl abzuspritzen. An Bohnen kannst du Blattläuse auch von Hand zerdrücken.

Bei Puffbohnen senkt eine frühe Aussaat das Risiko eines Befalls mit der Schwarzen Bohnenlaus. Im frühen Gartenanbau vertragen Puffbohnen Frost bis etwa −5 °C. Wer sie früh sät, nutzt also diese Frostverträglichkeit und senkt zugleich das Läuserisiko.

Nützlinge ins Beet holen

Die Larven der Schwebfliegen gehören zu den natürlichen Gegenspielern der Blattläuse. Korb- und Doldenblütler können Schwebfliegen fördern. Dill ist ein Doldenblütler und zugleich ein geeigneter Mischkulturpartner für Erbsen, deshalb säe ich ihn zwischen meine Erbsenreihen.

Eine solche Nachbarschaft kann die Gegenspieler unterstützen, garantieren kann sie nichts. Jede Art braucht dabei bis zu ihrer endgültigen Größe genug Platz, damit die Nachbarn sie nicht bedrängen. Welche Nachbarn zu Bohnen und Erbsen passen, prüfst du im Mischkultur-Planer.

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Wie beugst du Krankheiten ohne Chemie vor?

Gegen Krankheiten setzt du im Biogarten auf Vorbeugung: gesundes Saatgut, Fruchtwechsel und möglichst trockenes Laub.

An Bohnen kann die Fettfleckenkrankheit auftreten, ausgelöst durch bakterielle Erreger. Gesundes Saatgut und das Entfernen erkrankter Pflanzen gehören zu den wichtigen vorbeugenden Maßnahmen. Die Buschbohne Mascotte ist gegen die Krankheit resistent.

Erbsen und Puffbohnen kann der Falsche Mehltau (Peronospora viciae) befallen. Gieß an den Fuß der Pflanzen statt über das Laub, denn Feuchtigkeit begünstigt ihn. Fruchtwechsel gilt zusätzlich als Vorbeugung.

Zahl im Blick

Die Erreger der Fettfleckenkrankheit vermehren sich bei etwa 20 °C gut. Falschen Mehltau begünstigen Feuchtigkeit und Temperaturen von 15 bis 20 °C. In solchen Phasen drehe ich an Erbsen und Puffbohnen einzelne Blätter um und schaue mir Bohnenblätter und Hülsen genauer an.

Flecken oder Beläge, die du dabei findest, können auf eine Krankheit hindeuten, sind aber keine sichere Diagnose. Wie die Befallsbilder aussehen, zeigt der Beitrag darüber, wie du Schädlingen und Krankheiten an Hülsenfrüchten vorbeugst.

Achtung

Sind Pflanzen im Kübel an Wurzelfäule erkrankt oder abgestorben, verwendest du diese Erde nicht noch einmal.

Standort, Aussaat, Pflege, Dünger und Ernte kurz gefasst

Was für jeden Anbau von Hülsenfrüchten gilt, fasse ich hier nur kurz zusammen. Ausführlich steht es in unserem Überblick zu Standort, Aussaat, Pflege, Düngen und Ernte von Hülsenfrüchten.

Standort und Boden

Hülsenfrüchte brauchen einen Standort ohne Staunässe, und Bohnen wie Erbsen stehen gern sonnig. Eine gute Bodenstruktur und mehr Humus verbessern die Wasserspeicherung des Gartenbodens. Bodenprobe, pH-Wert und Lockerung erklärt der Beitrag, wie du den Boden für Hülsenfrüchte vorbereitest.

Aussaat

Für die Freilandaussaat von Busch- und Stangenbohnen soll die Bodentemperatur über 10 °C liegen. Puffbohnen und Erbsen säst du früher im Jahr. Im Beitrag darüber, wann du welche Hülsenfrucht säst, stehen die Termine je Art, zum Aufhängen gibt es den Aussaatkalender für Hülsenfrüchte zum Ausdrucken.

Rankhilfen und Gießen

Stangenbohnen säst du direkt an Kletterhilfen, die schon vor der Aussaat stehen. Hohe Erbsensorten brauchen Reisig oder ein Netz zum Klettern. Wasser wird vor allem wichtig, wenn die Hülsen wachsen, und ob du nachgießen musst, zeigt dir der Griff in die Erde.

Düngen

Braucht der Boden doch etwas, gilt für Kompost ein Richtwert von 1 bis 3 l/m² im Jahr. Frischen Stallmist oder Jauche gibst du Bohnen nicht unmittelbar zur Kultur, und auf reine Stickstoffdüngung verzichtest du. Worauf du bei Kalium und den übrigen Nährstoffen achtest, steht im Beitrag darüber, wie du Hülsenfrüchte mit Nährstoffen versorgst.

Fruchtfolge

Kommt dieselbe Pflanzenfamilie immer wieder auf dasselbe Beet, können sich bodenbürtige Schädlinge und Krankheiten vermehren. Für Busch- und Stangenbohnen beträgt die Fruchtwechselpause 4 Jahre. Der Beitrag darüber, wie du Hülsenfrüchte in einen Fruchtwechsel einplanst, zeigt die Planung, deine Beete legst du im Beetplaner für deinen Gemüsegarten an.

Ernte

Grüne Bohnen sind pflückreif, wenn die Hülsen glatt brechen und die Bruchstellen grün und saftig sind. Roh isst du sie nicht, denn Samen und Hülsen grüner Gartenbohnen enthalten Phasin und müssen ausreichend durchgegart werden. Erbsen für den Frischverzehr pflückst du jung und wiederholt, bevor die Samen hart werden; mehr dazu im Beitrag darüber, wie du Hülsenfrüchte erntest, trocknest und lagerst.

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Häufige Fragen

Warum ist samenfestes Saatgut beim biologischen Anbau von Hülsenfrüchten wichtig?
Samenfeste Sorten kannst du selbst weitervermehren und so eigenes Saatgut für die nächste Saison gewinnen. Kaufst du Saatgut zu, stammt Bio-Saatgut aus ökologischer Vermehrung. Achte außerdem auf Resistenzen und Toleranzen gegen Krankheiten und Schädlinge, denn im Ökoanbau zählen sie zu den wichtigen Auswahlkriterien.
Stimmt es, dass Hülsenfrüchte keinen zusätzlichen Stickstoffdünger benötigen?
Auf ausreichend versorgtem Boden stimmt das: Bohnen und Erbsen sind Schwachzehrer und brauchen dort keine zusätzliche Düngung. Sojasaatgut impfst du vor der Aussaat mit passenden Knöllchenbakterien, weil diese in heimischen Böden normalerweise fehlen. Bei Puff- und Ackerbohnen ist eine solche Impfung in der Regel nicht erforderlich. Die übrigen Nährstoffe müssen trotzdem stimmen, bei Bohnen gehört die Kaliumversorgung dazu.
Welche Rolle spielen Nützlinge beim natürlichen Pflanzenschutz bei Hülsenfrüchten?
Nützlinge gehören zu den natürlichen Gegenspielern der Schädlinge, bei Blattläusen zum Beispiel die Larven der Schwebfliegen. Korb- und Doldenblütler können Schwebfliegen fördern. Nützlinge können einen Befall bremsen, verlassen kannst du dich darauf aber nicht. Bei Blattläusen versuchst du es deshalb zuerst mit einem kräftigen Wasserstrahl und schaust an Blütenständen und jungen Trieben nach.
Warum ist die Fruchtfolge bei Hülsenfrüchten besonders wichtig für die Bodengesundheit?
Wer Hülsenfrüchte immer wieder ins selbe Beet setzt, riskiert, dass sich bodenbürtige Schädlinge und Krankheiten vermehren und die Pflanzen schwächer wachsen. Vor dem nächsten Bohnensatz liegen nach Bohnen oder anderen Hülsenfrüchten mindestens 4 Jahre Pause. Für Erbsen beträgt die Fruchtwechselpause 5 Jahre. Klee, Wicke und Lupine als Gründüngung zählst du dabei zur selben Familie.
Welche Bewässerungsmethoden eignen sich im biologischen Hülsenfruchtanbau?
Gieß durchdringend an den Fuß der Pflanzen statt über das Laub, denn bei Erbsen und Puffbohnen begünstigt Feuchtigkeit den Falschen Mehltau. Mit der Fruchtbildung nach der Blüte steigt der Wasserbedarf von Erbsen stark an. Für Buschbohnen werden nach der Hauptblüte je nach Niederschlag 2 bis 4 zusätzliche Wassergaben empfohlen. Jede Gabe umfasst 20 l/m².
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