Natürliche Schädlingsbekämpfung im Kartoffelanbau: So gehst du gegen Kartoffelkäfer & Co. vor
- Kartoffelkäfer, ihre orangefarbenen Eigelege auf den Blattunterseiten und die Larven sammelst du schon ab den ersten Käfern von Hand ab.
- Blattläuse können an Kartoffeln Viren übertragen, eine Bekämpfung ist im Garten aber in der Regel nicht nötig.
- Marienkäfer, Schwebfliegen und Florfliegen förderst du im Hobbygarten, statt gezüchtete Nützlinge auszubringen.
- In den ersten 3 Jahren nach dem Umbruch von Grünland pflanzt du zur Vorbeugung gegen Drahtwürmer keine Kartoffeln.
- Durchwuchskartoffeln entfernst du aus Folgekulturen, weil Schädlinge und Krankheiten sonst zwischen den Anbaujahren überdauern können.
- Ein Pflanzenschutzmittel kommt nur infrage, wenn seine Kennzeichnung nichtberufliche Anwender ausdrücklich zulässt.

Sobald ich den ersten Kartoffelkäfer auf dem Laub entdecke, fange ich mit dem Absammeln an. Dafür drehe ich die Blätter um und suche die Unterseiten nach orangefarbenen Eigelegen ab. Natürlicher Pflanzenschutz besteht für mich aber nicht aus einem einzelnen Handgriff gegen einen einzelnen Schädling.
Er ist eine Reihenfolge, die vor dem Pflanzen beginnt und nach der Ernte weitergeht. Jede Stufe kann das Risiko senken, keine schließt Befall aus. Wie du die Stufen im eigenen Garten zusammensetzt, zeige ich dir hier.
So baust du den natürlichen Pflanzenschutz auf: die Stufen im Überblick
In der Tabelle siehst du, was du auf jeder Stufe tust und welchem Schädling sie vor allem gilt.
| Stufe | Was du tust | Zielt vor allem auf |
|---|---|---|
| Vorbeugen | zertifiziert virusfreies Pflanzgut legen, in den ersten 3 Jahren nach Grünlandumbruch keine Kartoffeln pflanzen, gegen Zystennematoden resistente Sorten wählen | Viren, Drahtwürmer, NematodenNematoden sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer im Boden. Verschiedene Gattungen können viele Pflanzenarten schädigen; bestimmte andere Arten werden dagegen gezielt als Nützlinge gegen Schädlingslarven im Boden eingesetzt. |
| Von Hand eingreifen | Käfer, orangefarbene Eigelege und Larven absammeln | Kartoffelkäfer |
| NützlingeNützling ist kein biologischer Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für wildlebende Tiere, die dem Menschen nützen: Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei. fördern | Korb- und DoldenblütlerDoldenblütler (Apiaceae) sind eine Pflanzenfamilie, deren Blüten meist in Doppeldolden, seltener in einfachen Dolden stehen. Dazu gehören Nutzpflanzen wie Möhre, Petersilie, Sellerie, Dill und Kümmel, aber auch tödlich giftige Wildpflanzen wie Schierling. anbieten, vorhandene Gegenspieler schonen | Blattläuse |
| Aufräumen | alle Knollen ernten, Durchwuchs entfernen, kranke Reste nicht kompostieren | Schädlinge und Krankheiten, die überdauern |
| Letzte Stufe | nur Mittel, deren Kennzeichnung nichtberufliche Anwender zulässt, genau nach Gebrauchsanweisung | Ausnahmefälle |
Die Schädlinge selbst stelle ich hier nur so weit vor, wie du es zum Handeln brauchst. Die genauen Erkennungsmerkmale findest du im Beitrag darüber, woran du Kartoffelkäfer, Drahtwurm und Blattläuse an mehligkochenden Sorten erkennst. Suchst du Methoden für einen bestimmten Schädling, hilft dir der Überblick über natürliche Methoden gegen einzelne Kartoffelschädlinge.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Offener, frostfreier Platz mit tiefgründigem, nährstoffreichem und wasserspeicherndem Boden; in Trockenphasen gut wässern. Auch große Gefäße sind möglich.
- Bodenart
Tonige, lehmige, sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist tiefgründiger, nährstoffreicher und wasserspeichernder Boden; organische Substanz zur Bodenverbesserung.
- Anbauort
Die Pflanze lässt sich auch in großen Gefäßen oder speziellen Kartoffel-Pflanzsäcken kultivieren.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Für die übliche Gartenvermehrung zertifiziert virusfreie Pflanzkartoffeln verwenden. Vor dem Pflanzen können sie hell und frostfrei vorgekeimt werden, damit das Wachstum früher beginnt.
Pflege
- Pflege
In trockenen Perioden gut wässern; den Boden im Herbst mit organischem Material verbessern.
- Düngung
Im Beet brauchen Kartoffeln gewöhnlich keine Zusatzdüngung. Auf armen Böden können spätere Hauptkultursorten zur Zeit des zweiten Anhäufelns von stickstoffbetontem organischem Dünger profitieren. Für Gefäßkultur organischen Universaldünger einmischen oder bei nachlassendem Nährstoffangebot flüssig nachdüngen.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die mehrjährige Knollenpflanze wird einjährig kultiviert.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich für Terrassen- und Gefäßbepflanzung.
Vor dem Pflanzen: Fläche, Pflanzgut und Sorte wählen
Als Grundlage setze ich voraus, dass Kartoffeln erst nach einer Anbaupause von 4 bis 6 Jahren wieder auf dieselbe Fläche kommen. Studentenblumen und Prunkbohnen gelten als gute Nachbarn, verlass dich beim Schädlingsschutz aber nicht darauf, weil sich solche Effekte schwer nachweisen lassen. Wie du beides über die Jahre planst, steht unter Fruchtfolge und Mischkultur bei Kartoffeln, und welche Nachbarn zu Kartoffeln passen, prüfst du im Mischkultur-Planer.
Zertifiziertes Pflanzgut statt Knollen aus dem Vorrat
Ich lege zertifiziertes, virusfreies Pflanzgut und keine Knollen aus dem eigenen Vorrat. Wer ökologisch anbaut, nimmt Pflanzgut aus ökologischer Vermehrung. Zertifizierte Ware sichert dir außerdem Rechtsansprüche gegenüber dem Lieferanten, falls du etwas reklamieren musst.
Vorgekeimte Knollen, die du in erwärmten Boden legst, laufen zügig auf. Das unterstützt die Vorbeugung gegen Rhizoctonia, die dir weiter unten bei der Diagnose noch einmal begegnet. Im Pflanzkalender siehst du, wann Kartoffeln in die Erde kommen. Wie Vorkeimen und Legen Schritt für Schritt gehen, erkläre ich für den ersten eigenen Kartoffelanbau.
Alte Sorten gelten oft als besonders robust. Gegenüber neuen Virusstämmen können alte Kartoffelsorten aber anfällig sein. Robust ist eine Sorte also nicht schon deshalb, weil sie alt ist.
Drahtwurm: auf die Vorgeschichte der Fläche achten
Drahtwürmer sind Larven, die im Boden leben und an den Knollen fressen. Zur Vorbeugung pflanzt du in den ersten 3 Jahren nach dem Umbruch von Grünland, Kleegras oder Stilllegungsflächen keine Kartoffeln. Wenn du eine Wiese zum Gemüsebeet machst, setzt du dort in dieser Zeit andere Kulturen. Eine intensive Bodenbearbeitung kann die Larven im Boden zusätzlich dezimieren.
Ob Drahtwürmer da sind, lässt sich mit Kartoffelködern ermitteln. Auf humusreichem Boden versagt dieser Test allerdings, sodass ein Köder ohne Fraßspuren dort nichts beweist.
Nematoden: resistente Sorten und Tagetes gezielt einsetzen
Die Kartoffelzystennematoden Globodera rostochiensis und Globodera pallida sind Quarantäneschädlinge. Das vorgeschriebene Bekämpfungsprogramm gegen sie verbindet resistente Kartoffelsorten mit Anbaupausen. Beim Pflanzgutkauf achte ich deshalb auf die Resistenzangaben der Sorte.
Gegen Nematoden der Gattung Pratylenchus wird ein Tagetes-Anbau empfohlen, der mindestens 3 Monate dauert. Bei Befall mit Trichodorus wird von Tagetes patula dagegen abgeraten. Ob Tagetes auf deinem Beet passt, hängt also davon ab, welche Nematoden im Boden sitzen. Gemeint ist dabei ein eigener Anbau auf der Fläche, nicht einzelne Studentenblumen als Nachbarn.
In der Saison: Kartoffelkäfer absammeln, Blattläuse den Nützlingen überlassen
Kartoffelkäfer natürlich bekämpfen: Käfer, Gelege und Larven absammeln
Gegen den Kartoffelkäfer setze ich im Garten aufs Absammeln. Dabei nimmst du alles ab, was du findest: die Käfer, ihre orangefarbenen Eigelege auf den Blattunterseiten und die Larven. Ich beginne schon bei den ersten Käfern, weil aus jedem übersehenen Gelege Larven schlüpfen können.
Ich nehme mir beim Absammeln jede Pflanze einzeln vor und halte ein Gefäß darunter. Die Blätter drehe ich um, weil die Gelege auf der Unterseite sitzen und von oben nicht zu sehen sind. Blattstücke mit Gelegen knipse ich ab und nehme sie mit aus dem Beet.
Beim selben Gang schaue ich mir das übrige Laub an. Eingerollte oder fleckige Blätter können andere Ursachen haben, die ich weiter unten einordne. Ein Spritzmittel ist beim Käfer für mich die letzte Stufe, und was dafür gilt, steht am Ende.
Blattläuse: Gegenspieler fördern statt spritzen
Blattläuse können an Kartoffeln Viren übertragen. Eine Bekämpfung ist im Garten trotzdem in der Regel nicht nötig. Selbst eine Spritzung gegen Läuse verhindert nicht zuverlässig, dass das Kartoffel-Y-Virus übertragen wird, weil die Übertragung schnell geht. Läuse an Kartoffeln sind im Garten also kein Grund zum Spritzen, auch nicht aus Sorge vor dem Y-Virus.
Zu den natürlichen Gegenspielern der Läuse gehören Marienkäfer, SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse., Florfliegen, Blattlausschlupfwespen und räuberische Gallmücken. Schwebfliegen kannst du mit Korb- und Doldenblütlern am Beetrand anlocken und fördern. Im Hobbygarten ist es sinnvoller, die vorhandenen Nützlinge zu fördern, als gezüchtete auszubringen. Das Ausbringen hat sich vor allem in geschützten Anbauräumen bewährt. Bevor ich bei Läusen überhaupt etwas tue, schaue ich nach, ob schon Marienkäfer oder andere Gegenspieler an der Kolonie sitzen.
Nach der Ernte: aufräumen, damit Schädlinge schlechter überdauern
Bei der Ernte nehme ich zur Vorbeugung gegen die Kraut- und KnollenfäuleKnollenfäule meint meist den Befall von Kartoffelknollen durch den Pilz Phytophthora infestans, den Erreger der Kraut- und Knollenfäule; die Knollen faulen oft erst im Lager. Allgemeiner heißt so jede Fäulnis an Knollen, auch an Blumenknollen. alle Knollen auf, auch die kleinen. Was trotzdem im Boden bleibt, treibt im Folgejahr als Durchwuchskartoffel aus. Solche Pflanzen ziehst du aus den Folgekulturen heraus, weil Kartoffelkrankheiten und Schädlinge in ihnen von einem Anbaujahr ins nächste überdauern können. Die Wirkung der Anbaupause bleibt also nur erhalten, wenn in dieser Zeit keine Kartoffel auf der Fläche nachwächst.
Damit ich weiß, wo ich nach Durchwuchs suchen muss, halte ich jedes Jahr fest, wo die Kartoffeln standen. Das geht einfach, wenn du deine Beete über die Jahre im Beetplaner einteilst.
Kraut mit Kraut- und Knollenfäule gehört nicht auf den Hausgartenkompost. Ist der Befall extrem, gibst du es in die Biotonne. Pflanzenreste mit Viruserkrankungen kommen ebenfalls nicht auf den eigenen Kompost. Wie du Krautfäule und andere Kartoffelkrankheiten früh bemerkst und ihnen vorbeugst, zeige ich dir gesondert.
Symptome deuten: erst hinschauen, dann handeln
Nicht jede Verfärbung und nicht jedes Loch geht auf den Schädling zurück, an den du zuerst denkst. Blattverfärbungen und Kümmerwuchs können auch von TrockenstressTrockenstress entsteht, wenn eine Pflanze mehr Wasser verdunstet, als sie aus dem Boden nachholen kann. Sie welkt zuerst, bei anhaltendem Mangel werden Blattränder braun und die Wurzeln können dauerhaft geschädigt werden., Staunässe oder Wurzelschäden kommen. Starre, nach oben eingerollte Blätter können auf das Blattrollvirus hindeuten. Beim Y-Virus sind je nach Stamm Mosaik, Strichel oder Knollennekrosen möglich. Ähnliche Knollennekrosen kann auch das Tabak-Rattle-Virus verursachen, sodass zur eindeutigen Klärung eine Laboruntersuchung nötig sein kann.
Jeden Schaden an der Knolle dem Drahtwurm zuschreiben. Schwarze Pocken auf der Schale sind ein typischer Hinweis auf Rhizoctonia, und deren Dry-core-Symptome können Drahtwurmfraß ähneln. Prüf verdächtige Knollen deshalb genau, bevor du von Drahtwurm ausgehst.
Bevor ich eingreife, schaue ich mir Blattober- und Blattunterseiten, die Stängelbasis und bei Verdacht auf Knollenschäden eine Knolle an.
Bei Verdacht auf Kartoffelkrebs schaltest du umgehend den zuständigen Pflanzenschutzdienst ein.
Hausmittel und Spritzmittel: wo ich die Grenze ziehe
BrennnesseljaucheBrennnesseljauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Brennnesselblättern, die zehn bis 14 Tage in Wasser gären. Sie liefert schnell verfügbaren Stickstoff und eignet sich besonders für stark zehrendes Gemüse., SchmierseifenlösungEine Schmierseifenlösung ist in Wasser aufgelöste Schmierseife, die als altes Hausmittel auf Pflanzen gesprüht wird. Sie legt sich als flüssiger Film über Schädlinge wie Blattläuse, die dadurch ersticken. oder Rapsöl werden oft als Hausmittel gegen Läuse und Käfer genannt. Seife und Öl wird nachgesagt, dass sie weichhäutige Insekten wie Läuse benetzen und so schwächen. Jauchen sollen die Pflanzen stärken und Schädlinge mit ihrem Geruch fernhalten. Im Kartoffelbeet setze ich sie nicht ein, weil Läuse dort in der Regel keine Bekämpfung brauchen und ich den Käfer absammle.
Greifst du doch zu einem Pflanzenschutzmittel, kommen für dich als Privatperson nur Mittel infrage, deren Kennzeichnung die Anwendung durch nichtberufliche Anwender ausdrücklich erlaubt.
Halte dich genau an die Gebrauchsanweisung auf der Packung. Trag die dort genannte Schutzkleidung, halte die Wartezeit bis zur Ernte ein und entsorge Reste so, wie es die Packung vorgibt. Bedenke auch, dass ein solches Mittel die Nützlinge treffen kann, die du vorher gefördert hast.



