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Grünkohl und Frost: Warum schon Kälte den Geschmack mildert

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 5 Min.Von der samen.live Redaktion

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Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Kälte, nicht Frost: Niedrige Temperaturen fördern bei Grünkohl die Zuckeranreicherung und einen milderen Geschmack.
  • Bei Kälte verbraucht Grünkohl weniger Zucker, bei Sonnenlicht bildet er weiter Zucker, der sich in den Blättern anreichert.
  • Einige moderne Züchtungen schmecken auch ohne vorherige Kälte mild.
  • Als grober Richtwert verträgt winterlicher Grünkohl etwa −10 °C, abhängig von Sorte, Zustand, Standort und Witterung.
  • Gefrorene Blätter erntest du erst, wenn sie an der Pflanze langsam aufgetaut sind.
Grünkohl mit stark gekrausten, blaugrünen Blattspitzen in dichter Rosette
Foto: Sayanti Roy · Pexels License · Quelle ↗

Wartest du mit der Grünkohlernte auf den ersten Frost, weil die Blätter vorher angeblich zu herb schmecken? Das Warten kannst du dir sparen, denn für den milderen Geschmack reichen niedrige Temperaturen. Frost ist dafür keine Voraussetzung. Ich ernte die ersten Blätter, sobald die Tage kühl werden, und warte nicht auf die erste Frostnacht.

Warum schmeckt Grünkohl nach kalten Tagen milder?

Der Unterschied entsteht im Zuckerhaushalt der Blätter. Bei Kälte verbraucht Grünkohl weniger Zucker. Scheint die Sonne, bildet er trotzdem weiter Zucker, und der reichert sich in den Blättern an.

Bei vielen Grünkohlsorten steigt so der Zuckergehalt, und der Geschmack wird milder. Minusgrade braucht es dafür nicht, kühle Temperaturen genügen. Für den Geschmack zählt also das Zusammenspiel aus Kälte, die den Zuckerverbrauch bremst, und Licht, bei dem weiter Zucker entsteht.

Aussaatkalender Grünkohl
GartenkalenderVorkultur: Mai, Juni, Juli; Aussaat: Mai, Juni, Juli; Blüte: April, Mai; Ernte: Januar, November, Dezember; Pflanzung: Juni, JuliJFMAMJJASONDVorkulturVorkultur: MaiVorkultur: JuniVorkultur: JuliAussaatAussaat: MaiAussaat: JuniAussaat: JuliBlüteBlüte: AprilBlüte: MaiErnteErnte: JanuarErnte: NovemberErnte: DezemberPflanzungPflanzung: JuniPflanzung: JuliVorkulturAussaatBlüteErntePflanzung

Braucht Grünkohl Frost, damit er gut schmeckt?

Mythos-Check

„Grünkohl schmeckt erst nach dem ersten Frost.“ Das stimmt so nicht. Niedrige Temperaturen fördern die Zuckeranreicherung und einen milderen Geschmack, auch wenn es nie friert.

Einige moderne Züchtungen enthalten von Natur aus mehr Zucker. Sie schmecken deshalb auch ohne vorherige Kälteeinwirkung mild. Bei verwandten Kohlformen sieht es ähnlich aus. Kohlröschen, eine Kreuzung aus Grünkohl und Rosenkohl, brauchen für ihren milden Geschmack keinen Frost, und neuere Rosenkohlsorten benötigen ihn nicht zwingend.

Für deine Ernte heißt das: Du richtest dich nach dem Erntefenster deiner Sorte und nicht nach der ersten Frostnacht. Je nach Sorte reicht dieses Fenster von Oktober bis März.

Marias Erfahrung

Im Herbst koste ich vor der Ernte ein rohes Blatt direkt am Beet. Danach entscheide ich, ob die Blätter in den Salat oder in den Topf kommen.

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Wie viel Frost verträgt Grünkohl?

Grünkohl gilt als winterhart, und seine Blätter lassen sich auch über den Winter ernten. Nur bei besonders strenger Kälte gilt das nicht.

Als grober Richtwert verträgt winterlicher Grünkohl etwa −10 °C. Einen festen Wert, ab dem Schäden sicher eintreten, gibt es nicht. Wie viel Frost deine Pflanzen tatsächlich aushalten, hängt von Sorte, Entwicklungszustand, Gesundheit, Standort und Witterung ab.

Anders sieht es bei Palmkohl aus. Die Sorte ‘Nero di Toscana’ ist nur bedingt frosthart und wird deshalb vor stärkeren Frösten beerntet. Du erkennst Palmkohl an weichen, schwarzgrünen und blasigen Blättern, die sich deutlich von den krausen Grünkohltypen unterscheiden.

Schutz in rauen Lagen und im Kübel

In rauen Lagen schützt Vlies den Grünkohl im Winter gegen Kahlfrost und eisigen Wind. Außerdem schützt es überwinterndes Gemüse vor Wintersonne. Ich lege das Vlies locker auf und fixiere die Ränder rundum. Steigen die Temperaturen stark an, nimmst du es an einem trüben Tag ab, damit sich darunter keine Hitze staut.

Im Kübel ist der Winter heikler als im Beet. Der Wurzelballen friert dort schneller als im Gartenboden, und Wurzeln reagieren empfindlicher auf Minusgrade als die oberirdischen Pflanzenteile. Isoliere deshalb Topfwände, Oberfläche und Boden, aber lass Gießen und Wasserabfluss weiter zu.

Sitzen Kohlmottenschildläuse unter den Blättern, lass befallene Pflanzen nicht bis zum nächsten Frühjahr im Beet. Sie dienen dem Schädling sonst als Winterquartier. Wie du die Pflanzen bis in die kalte Jahreszeit begleitest, liest du in der Anleitung zur Grünkohl-Pflege von der Jungpflanze bis zum Winter.

Welche Sorte eignet sich für die Winterernte?

Für die Herbst- und Winterernte eignet sich zum Beispiel ‘Westlandse Winter’, der kompakt wächst. ‘Rosco’ ist eine frostbeständige Sorte mit dunkelvioletten, stark gekrausten Blättern. Wie sich Sommer- und Winterformen bei Kohl allgemein unterscheiden, erklärt der Abschnitt Sorten und Jahreszeiten im Kohl-Ratgeber.

Ernten nach einer Frostnacht: erst auftauen lassen

Ich gehe nach einer Frostnacht erst ans Beet, wenn die Blätter an der Pflanze aufgetaut sind.

Häufiger Fehler

Blätter noch gefroren pflücken. Gefrorene Blätter von Wintergemüse erntest du erst nach langsamem Auftauen an der Pflanze.

Dann brichst du einzelne Blätter mit ihrem Stiel ab. Die Blattspreiten rupfst du später in der Küche von den Stielen. Bei der ersten Ernte lässt du mindestens die 5–6 jüngsten Blätter am Strunk. Grünkohl welkt nach der Ernte schnell, deshalb holst du nur so viel, wie du gleich verarbeitest.

Wie du Grünkohl blattweise erntest und die Blätter frisch hältst, zeigt dir der Ratgeber zur blattweisen Grünkohlernte.

Anbau: So steht dein Grünkohl in der kühlen Zeit bereit

Damit du in der kühlen Jahreszeit ernten kannst, säst du Grünkohl je nach gewünschter Ernte von Ende Mai bis Ende Juli. Für die Herbst- und Winterernte pflanzt du ihn von Anfang Juni bis Anfang August. Die einzelnen Schritte zeigt dir die Anleitung, wie du Grünkohl von der Aussaat bis zur Ernte anbaust, und die Termine findest du im Aussaatkalender für Kohl zum Ausdrucken.

Grünkohl bevorzugt einen sonnigen Standort, verträgt aber auch Schatten. Ich gebe ihm trotzdem ein sonniges Beet, weil bei Sonnenlicht der Zucker entsteht, den die Kälte in den Blättern hält. Mehr zu Licht und Boden steht im Kohl-Ratgeber unter Standort und Boden.

Passt dazu

Wenn du Grünkohl mit Kompost, natürlicher Düngung und Nützlingen ziehen willst, lies weiter, wie du Grünkohl nach Bio-Grundsätzen anbaust.

Grünkohl-Rezeptideen für die milde Winterernte

Grünkohl lässt sich roh und gegart verwenden. Junge Blätter eignen sich für beides, ältere können zäh werden und kommen besser in den Topf. Roh oder schonend gegart bleiben möglichst viele seiner Inhaltsstoffe erhalten.

Vor dem Waschen trenne ich die Blätter ab und zerteile sie. Dann wasche ich sie mit mehrmaligem Wasserwechsel, weil an ihnen Erde und Sand haften. Diese Zubereitungen passen zu den Blättern aus der kühlen Jahreszeit:

  • Klassisch: gegart mit Kasseler oder Mettwurst.
  • Warm und leicht: kurz blanchiert, gedünstet und mit Feta und Pinienkernen serviert.
  • Wintersalat: blanchiert und fein gehackt, mit Äpfeln, Walnüssen und Granatapfelkernen.
  • Suppe: mit Tomaten und Kichererbsen.
  • Roh: in Streifen für Salat oder im Smoothie.
  • Chips: Streifen mit gewürztem Olivenöl benetzt und im Ofen geröstet.
Tipp

Für rohen Salat entfernst du Strunk und äußere Blätter. Die inneren Blätter wäschst du und schneidest sie in Streifen.

Palmkohl schmeckt feiner als Grünkohl und passt in die toskanische Suppe Ribollita.

Wie lange hält sich frisch geernteter Grünkohl?

Eingeschlagen in ein feuchtes Tuch hält sich frischer Grünkohl im Kühlschrank 4–5 Tage. Vor dem Einfrieren blanchierst du die Blätter 3 Minuten. Mehr zur Vorratshaltung steht im Kohl-Ratgeber unter Ernte und Lagerung.

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Häufige Fragen

Warum wird Grünkohl nach Frost milder im Geschmack?
Den Ausschlag gibt die Kälte, nicht der Frost. Bei niedrigen Temperaturen verbraucht Grünkohl weniger Zucker, während er bei Sonnenlicht weiter Zucker bildet, der sich in den Blättern anreichert. Bei vielen Sorten schmeckt er dadurch milder, auch wenn es nie friert.
Stimmt es, dass Grünkohl nur nach Frost geerntet werden sollte?
Nein. Niedrige Temperaturen reichen für den milderen Geschmack, Frost ist dafür keine Voraussetzung. Einige moderne Züchtungen schmecken sogar ohne vorherige Kälte mild. Ernten kannst du, sobald das Erntefenster deiner Sorte beginnt, und das reicht je nach Sorte von Oktober bis März.
Wie erntest du Grünkohl nach einer Frostnacht richtig?
Warte, bis die gefrorenen Blätter an der Pflanze langsam aufgetaut sind. Dann brichst du einzelne Blätter mit Stiel ab und lässt bei der ersten Ernte mindestens die 5–6 jüngsten Blätter am Strunk. Nimm nur so viel mit, wie du gleich verarbeitest, denn Grünkohl welkt nach der Ernte schnell.
Worin unterscheidet sich Grünkohl von anderen Kohlarten bei der Frosttoleranz?
Für winterlichen Grünkohl gilt etwa −10 °C als grober Richtwert, abhängig von Sorte, Pflanzenzustand, Standort und Witterung. Herbstlicher Chinakohl verträgt mit etwa −4 °C deutlich weniger, und wiederholtes Frieren und Tauen kann bei ihm Fäulnis fördern. Brokkoli liegt im Herbst mit −5 bis −7 °C dazwischen.
Ist Federkohl dasselbe wie Grünkohl?
Nicht unbedingt. Federkohl ist kein Sortenname, sondern eine Gruppenbezeichnung für krause Grünkohltypen, die aber auch für Palmkohltypen verwendet wird. Palmkohl hat weiche, schwarzgrüne und blasige Blätter und ist nur bedingt frosthart. Für eine Ernte mitten im Winter lohnt deshalb ein Blick auf die Blattform.
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