Grünkohl im Bioanbau: organisch düngen, Boden pflegen, Schädlingen vorbeugen
- Grünkohl mag nährstoffreiche, tiefgründige Böden mit einem pH-Wert von 6,8 bis 7,5.
- Gekalkt wird nur nach Bodenuntersuchung und nie oberhalb des passenden pH-Bereichs.
- Vor dem Pflanzen reifen Kompost einarbeiten, während der Kultur regelmäßig organisch nachdüngen.
- Kompost allein deckt die Stickstoffversorgung nicht, Hornspäne ergänzen sie im Biogarten.
- Zwischen Kreuzblütlern mindestens vier Jahre Anbaupause einhalten, Senf und Raps zählen mit.
- Kulturschutznetz mit 0,6 bis 0,8 mm Maschenweite direkt nach der Pflanzung auflegen.
- Kohlherniebefallene Wurzeln gehören in den Restmüll, nie auf den Kompost.

Grünkohl steht vom Frühsommer bis in den Winter auf demselben Beet. In dieser langen Zeit braucht er Nährstoffe, einen lockeren Boden und Schutz vor Kohlschädlingen. Im Biogarten sorgst du dafür mit Kompost und HorndüngerHorndünger ist der Oberbegriff für organische Dünger aus gemahlenen Hörnern und Hufen von Rindern, etwa Hornmehl und Hornspäne. Sie liefern vor allem Stickstoff und geben ihn je nach Körnung schneller oder langsamer ab., mit Fruchtfolge und Gründüngung und mit einem Kulturschutznetz. Ich plane mein Grünkohlbeet deshalb schon bei der Vorfrucht und nicht erst am Pflanztag.
Bioanbau heißt im Garten: du düngst organisch, pflegst den Boden über Fruchtfolge, Gründüngung und Mulch und beugst Schädlingen vor. Als organische Stickstoffdünger eignen sich im Biogarten Hornmehl, Horngrieß und Hornspäne.
Hier geht es um diese Bausteine bei Boden, Düngung und Pflanzenschutz. Aussaat, Ernte und Vorrat streife ich am Ende nur kurz.
Welchen Boden braucht Grünkohl im Biobeet?
Grünkohl bevorzugt nährstoffreiche, tiefgründige Böden, die Wasser gut halten. Für den pH-Wert gilt bei ihm ein Bereich von 6,8 bis 7,5. Welcher Zielwert zu deinem Beet passt, hängt zusätzlich von Bodenart und Humusgehalt ab. Die Grundlagen für alle Kohlarten findest du im Kohl-Ratgeber im Abschnitt Standort und Boden. Licht und Windschutz behandelt der Ratgeber zur Standortwahl für Grünkohl.
Erst messen, dann kalken
Bevor ich kalke oder kräftig dünge, lasse ich den Boden untersuchen. Ob ein Beet Kalk braucht, richtet sich nach Bodenart und Befund. Liegt der pH-Wert schon im passenden Zielbereich, wird nicht gekalkt.
So nimmst du eine Bodenprobe für dein Gemüsebeet.
- Stich 10 bis 15 Teilproben aus den oberen 30 cm, über die ganze Fläche verteilt.
- Misch sie zu einer Probe und schick etwa 500 g davon ans Bodenlabor.
- Nimm die Probe im Herbst bis Frühjahr oder nach der Ernte, nicht unmittelbar nach einer Düngung.
- Beprobe verschiedene Nutzungsbereiche getrennt, das Gemüsebeet also für sich.
- Die Standardanalyse bestimmt pH, Phosphor, Kalium und Magnesium; löslichen Stickstoff und Humus beauftragst du gesondert.
Kompost und schonende Bodenbearbeitung
Reifen Kompost arbeitest du vor dem Auspflanzen ins Beet ein. Seine organische Substanz lockert schwere Böden und verbessert bei leichten Böden die Speicherung von Wasser und Nährstoffen. Weil Grünkohl Böden mit gutem Wasserhaltevermögen bevorzugt, hilft ihm Kompost auf Sand gleich doppelt: als Nährstoffquelle und als Wasserspeicher. Zeigt die Bodenuntersuchung stark erhöhte Phosphor- oder Kaliumwerte, fällt die Kompostgabe kleiner aus.
Ein bestehendes Gemüsebeet lockere ich mit dem Sauzahn, ohne die Bodenschichten zu wenden. Im Frühjahr ziehe ich ihn dafür kreuzweise in etwa 20 cm Abstand durch. Umgraben ist vor allem bei Neuanlagen und sehr schweren Böden sinnvoll. Bearbeitet wird der Boden erst, wenn keine Erde mehr an den Geräten haften bleibt.
Organisch düngen: Kompost, Hornspäne und Pflanzenjauche
Kohl zählt zu den Starkzehrern. Grünkohl bekommt deshalb vor dem Auspflanzen reifen Kompost ins Beet und während der Kultur regelmäßig Nachschub. Kompost allein deckt die Stickstoffversorgung von Gemüse allerdings nicht. Den fehlenden Stickstoff ergänzt du im Biogarten mit Horndünger. Ich nehme dafür Hornspäne und arbeite sie zusammen mit dem Kompost vor dem Pflanzen ein.
Für starkzehrende Kohlkulturen gibt es eine organische Kombination aus 2,5 kg Kompost und 80 g Hornspänen je Quadratmeter. Das ist eine Variante und keine Pflicht; was dein Boden schon mitbringt, zeigt die Bodenuntersuchung.
Während der Kultur dünge ich mit Pflanzenjauche nach, meist mit BrennnesseljaucheBrennnesseljauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Brennnesselblättern, die zehn bis 14 Tage in Wasser gären. Sie liefert schnell verfügbaren Stickstoff und eignet sich besonders für stark zehrendes Gemüse.. Für Kohl wird Pflanzenjauche in der Regel 1:10 mit Wasser verdünnt und an die Wurzeln gegossen. Wann die nächste Gabe fällig ist, mache ich am Wuchs fest und schaue dabei auf die Blätter. Brennnesseljauche wird oft auch nachgesagt, sie mache Kohl widerstandsfähiger gegen Schädlinge. Ich nutze sie als Dünger; beim Pflanzenschutz setze ich auf Netz und Kontrolle.
Steht dein Grünkohl im Kübel, kann er im Sommer je nach Versorgung eine stickstoffbetonte Nachdüngung brauchen. Was im begrenzten Wurzelraum sonst zählt, steht im Ratgeber, wie Grünkohl im Kübel gelingt. Den Bedarf im Detail vertieft der Ratgeber dazu, welche Nährstoffe Grünkohl über die Saison braucht.
Fruchtfolge und Gründüngung: Stickstoff aus der Vorfrucht
Im ökologischen Kohlanbau eignen sich Leguminosen als Vorfrucht, weil sie zur Stickstoffversorgung beitragen. Das kann ein Leguminosengemenge sein oder eine Leguminosen-Zwischenfrucht. Als Gründüngung vor Kohl sind Phacelia und Buchweizen geeignet, ich säe Phacelia. Phacelia ist mit keiner gängigen Gemüseart verwandt und passt deshalb gut in eine Kohlfruchtfolge. Gründüngung kann außerdem leichte Böden wasserspeichernder und schwere Böden durchlässiger machen.
Zwischen Kreuzblütlern auf demselben Beet halte ich mindestens vier Jahre Pause ein. Die Pause soll der KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. vorbeugen. Zu den Kreuzblütlern zählen neben den Kohlarten auch Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse, Senf, Ölrettich und Raps. Nach dem Grünkohl folgen bei mir weniger nährstoffbedürftige Kulturen aus anderen Familien, etwa Möhren, Kopfsalat oder Spinat. Damit ich den Überblick behalte, plane ich meine Beete mit dem Beetplaner für den Gemüsegarten und notiere, wo Kreuzblütler standen.
Gelbsenf als Gründüngung vor Grünkohl säen. Senf ist ein Kreuzblütler und zählt zur KohlpauseDie Kohlpause ist eine mehrjährige Anbaupause, in der auf einem Beet weder Kohl noch andere Kreuzblütler wie Radieschen, Rettich oder Rucola wachsen. Sie beugt der Kohlhernie vor, einer Wurzelkrankheit dieser Pflanzenfamilie.. Wer ihn vor Kohl sät, verkürzt damit genau die Anbaupause, die der Kohlhernie vorbeugen soll. Senf, Ölrettich und Raps meidest du vor Kohl deshalb.
Mulchen und Hacken: den Boden während der Kultur schützen
Zwischen den Grünkohlpflanzen schützt eine Mulchdecke den Boden. Im Sommer vermindert Mulch Verdunstung und VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten.. Angetrockneten Rasenschnitt lege ich nur so aus, dass er den Boden gerade bedeckt, und ergänze ihn dafür öfter. Wo ich nicht mulche, hacke ich regelmäßig flach. Das unterdrückt Beikräuter und vermindert ebenfalls die Verdunstung.
Frei gewordene Nachbarbeete säe ich im Herbst ein. Eine herbstliche Begrünung durchwurzelt den Boden und schützt ihn vor AuswaschungAuswaschung ist der Verlust von Nährstoffen, die Niederschlagswasser aus dem Wurzelraum in tiefere Bodenschichten und bis ins Grundwasser spült. Besonders betroffen ist Nitrat, die Form, in der mineralischer Stickstoff im Boden größtenteils vorliegt..
Mulch hält das Wasser länger im Boden und hilft so beim Gießen mit. Wassermangel kann Grünkohlblätter vergilben lassen, deshalb achte ich von Anfang August bis Mitte September besonders auf die Bodenfeuchte. Wie viel und wie du gießt, erklärt der Kohl-Ratgeber im Abschnitt Gießen.
Welche Pflege Grünkohl von der Jungpflanze bis in den Winter braucht, zeigt der Ratgeber zur Pflege von Grünkohl in allen Phasen.
Pflanzenschutz im Biogarten: Netz, Kontrolle, Nützlinge
Im Biogarten steht die Vorbeugung an erster Stelle, und ihre Grundlage ist ein Kulturschutznetz. Gegen KohlerdflöheErdflöhe sind winzige, sprungstarke Blattkäfer, die Blätter von Kohlgewächsen wie Radieschen, Rucola und Kohl siebartig durchlöchern. Am häufigsten sind Kohlerdflöhe, kleine Käfer mit gelben Streifen an der Seite. wird ein Netz mit 0,6 bis 0,8 mm Maschenweite verwendet. Es kommt direkt nach der Pflanzung auf das Beet und bleibt bis zur Ernte an den Rändern dicht geschlossen. Ein solches Netz kann den Befall durch Schadinsekten verhindern oder vermindern. Auch Grünkohljungpflanzen, die noch im Topf stehen, lassen sich schon mit einem feinen Netz gegen zufliegende Kohlschädlinge schützen.
Grünkohl kommt von Anfang Juni bis Anfang August ins Beet, und ab Juli erscheint die neue Käfergeneration der Kohlerdflöhe. Die jungen Pflanzen stehen also gerade dann frisch im Beet, wenn die neuen Käfer auftauchen. Deshalb lege ich das Netz noch am Pflanztag auf.
Ich spanne das Netz über Bügel und lasse an den Seiten genug Stoff, um die Ränder rundum mit Erde zu beschweren. Wächst der Grünkohl in die Höhe, setze ich die Bügel höher. Zum Nachsehen hebe ich das Netz nur an einer Seite an und schließe es danach sofort wieder dicht.
Unter dem Netz schaue ich regelmäßig nach, auch auf den Blattunterseiten. Raupen, etwa die des Kohlweißlings, sammle ich ab und entferne befallene Blätter. Absammeln und das Entfernen befallener Pflanzenteile können den Schaden begrenzen, wenn trotz Netz ein Befall auftritt. Wann welche Kohlschädlinge unterwegs sind, steht im Kohl-Ratgeber im Abschnitt Schädlinge und Pflanzenschutz.
Nützlinge fördern
Nützlinge brauchen im Garten Nahrung und Verstecke. Ungefüllte Blüten sowie Laub- und Totholzhaufen bieten ihnen Nahrung oder Rückzugsräume. Ich lasse deshalb in einer Gartenecke Laub und Totholz liegen und setze ungefüllt blühende Pflanzen in die Nähe des Kohlbeets. Einen befallsfreien Kohl garantieren Nützlinge nicht, das Netz ersetzen sie also nicht.
„Duftende Kräuter zwischen dem Kohl halten Schädlinge fern.“ Günstige Wirkungen von Pflanzennachbarn sind schwer nachzuweisen, und Erfahrungsberichte widersprechen sich teilweise. Nachbarlisten sind deshalb kein Wirkversprechen: Mischkultur kann unterstützen, sie garantiert nichts.
Welche Nachbarn zu Grünkohl passen, schlägst du im Mischkultur-Werkzeug für Gemüsebeete nach.
Kohlhernie und Falscher Mehltau: vorbeugen im Biobeet
Die Kohlhernie befällt die Wurzeln. Der Erreger überdauert als Dauerspore bis zu 20 Jahre im Boden. Temperaturen von 20 bis 25 °C und feuchte bis staunasse Böden begünstigen Infektionen besonders. Ich sorge deshalb dafür, dass sich im Beet kein Wasser staut, und halte die Anbaupause ein. Wucherungen an den Wurzeln und welkende Pflanzen können auf Kohlhernie hinweisen. Befallene Pflanzen kommen samt Wurzeln aus dem Beet, die Geräte reinige ich danach gründlich.
Kohlherniebefallene Wurzeln gehören in den Restmüll, nie auf den Kompost. Die DauersporenDauersporen sind mikroskopisch kleine Sporen, mit denen manche Krankheitserreger im Boden überdauern, etwa der Erreger der Kohlhernie. Sie bleiben über mehrere Jahre lebensfähig und können dann erneut Pflanzen infizieren. überdauern bis zu 20 Jahre im Boden, und dein Kompost landet später wieder in den Beeten. Mit ihm kann der Erreger in Beete wandern, die bisher gesund waren.
Um Falschem Mehltau bei Jungpflanzen vorzubeugen, sorgst du für gute Lüftung, vermeidest Taubildung und lässt die Blätter rasch abtrocknen. Ich gieße vorgezogene Pflanzen deshalb an die Erde und stelle sie luftig. Flecken auf den Blättern sind nur ein Hinweis und keine sichere Diagnose; mehr dazu steht im Kohl-Ratgeber im Abschnitt Krankheiten.
Aussaat, Ernte und Vorrat in Kürze
Aussaat und Pflanzung
Gesät wird Grünkohl von Mai bis Juli, gepflanzt von Anfang Juni bis Anfang August. Die Termine zum Ausdrucken stehen im Aussaatkalender für Kohl, Anzucht und Auspflanzen erklärt der Kohl-Ratgeber im Abschnitt Aussaat, Anzucht und Pflanzung. Den ganzen Ablauf bis zur Vorratshaltung zeigt der Ratgeber, wie du Grünkohl vom Saatbeet bis auf den Teller bringst.
Ernte und Geschmack
Geerntet wird Grünkohl je nach Sorte von Oktober bis März. Bei der ersten Ernte lässt du mindestens die 5 bis 6 jüngsten Blätter am Strunk; die Handgriffe zeigt der Ratgeber, wie du Grünkohl blattweise erntest. Für einen milderen Geschmack musst du nicht auf Frost warten, denn bei vielen Sorten steigt der Zuckergehalt schon durch Kälte.
Aufbewahren
Frischer Grünkohl hält im Kühlschrank 4 bis 5 Tage, wenn du ihn in ein feuchtes Tuch wickelst. Länger als 7 Tage lagere ich ihn dort nicht. Zum Einfrieren blanchierst du die Blätter vorher 3 Minuten; mehr zur Lagerung steht im Kohl-Ratgeber im Abschnitt Ernte und Lagerung.
Sorten
Für die Herbst- und Winterernte eignet sich zum Beispiel die kompakt wachsende Sorte Westlandse Winter. Palmkohl „Nero di Toscana“ ist dagegen nur bedingt frosthart. Sommer- und Winterformen erklärt der Kohl-Ratgeber im Abschnitt Sorten und Jahreszeiten, was Kälte mit Grünkohl macht, der Beitrag über Grünkohl bei Kälte und Frost.
Nährwerte
| Roher Grünkohl, je 100 g essbarer Anteil | Tabellenwert |
|---|---|
| Energie | 53 kcal |
| Gesamtballaststoffe | 8,39 g |
| Vitamin C | 156,009 mg |
Grünkohl ist ein Lebensmittel und kein Heilmittel. Nährwerte und Verwendung aller Kohlarten behandelt der Kohl-Ratgeber im Abschnitt Küche und Nährwerte.





