Scheerkohl richtig düngen: Kompost, Horndünger und wann es genug ist
- Schnittkohl braucht für seinen Blattaufwuchs eine gute Nährstoffversorgung, doch was schon im Boden steckt, zählt mit.
- Als Kompost-Grundgabe im Frühjahr höchstens 3 l je m² geben; Kompost allein deckt die Stickstoffversorgung von Gemüse nicht.
- Stickstoff liefern Hornmehl, Horngrieß oder Hornspäne; Hornmehl ist schneller umgesetzt als Hornspäne.
- Horndünger spätestens Ende August ausbringen, auch wenn du Scheerkohl im September für den Winter säst.
- Beim Schnitt den Vegetationskegel unverletzt lassen, damit eine weitere Ernte nachwachsen kann.
- Eine Bodenuntersuchung liefert die Düngeempfehlung; löslichen Stickstoff beauftragst du gesondert.

Scheerkohl schneidest du mehrmals, und nach dem Schnitt soll kräftiges neues Blattwerk nachwachsen. Dafür braucht Schnittkohl eine gute Nährstoffversorgung. Gut versorgt heißt aber nicht viel gedüngt, denn was schon im Beet steckt, zählt mit. Ich plane die Düngung deshalb vom Bodenvorrat aus und ergänze nur, was fehlt.
Bremer Scheerkohl ist ein schnellwachsender Schnittkohl aus der Art Brassica napus und eine Kulturform des Rapses. Kopfkohl, Blumenkohl und Grünkohl gehören dagegen zur Art Brassica oleracea. Deren Düngermengen übertrage ich deshalb nicht einfach auf Scheerkohl. Wie sich die Kohlarten unterscheiden, zeigt der Abschnitt Arten, Ernteorgane und Herkunft im Ratgeber Kohl anbauen. Was Scheerkohl sonst ausmacht und wie du ihn verwendest, steht im Porträt des Bremer Scheerkohls.
Wie viel Dünger braucht Scheerkohl?
Wie viel Dünger dein Scheerkohl braucht, hängt davon ab, wie viel Stickstoff schon im Boden steckt. In einem Versuch im frostfreien Folienhaus wurde Bremer Scheerkohl ohne zusätzliche Düngung kultiviert. Der Boden brachte dort bereits einen Vorrat an mineralischem Stickstoff mit.
Im Folienhausversuch lag der vorhandene Nmin-Vorrat bei 159 bis 175 kg N/ha in 0 bis 30 cm Bodentiefe. Nmin steht für den mineralischen, löslichen Stickstoff im Boden. Eine Standard-Bodenanalyse erfasst ihn nicht, du beauftragst ihn gesondert.
Schnittkohl braucht also eine gute Versorgung, aber sie muss nicht vollständig aus Dünger kommen. Dünger ergänzt, was der Boden nicht liefert. Ein Folienhaus ist allerdings kein Freilandbeet, deshalb leitest du aus dem Versuch keine Dosis für deinen Garten ab.
Grunddüngung: Kompost vor der Aussaat
Die Grundlage bildet reifer Kompost. Für die jährliche GrunddüngungDie Grunddüngung ist die Düngergabe unmittelbar zu Beginn einer Kultur oder der Wachstumszeit. Was die Pflanzen danach noch brauchen, bekommen sie mit einer oder mehreren Nachdüngungen, den sogenannten Kopfdüngungen. im Gemüsegarten gelten im Frühjahr höchstens 3 l Kompost je m² Gartenboden. Sind Phosphor oder Kalium im Boden stark erhöht, schränkst du diese Gabe ein. Kompost allein deckt die Stickstoffversorgung von Gemüse nicht, deshalb plane ich den Stickstoff getrennt.
Ich verteile den Kompost vor der Aussaat gleichmäßig über das Beet und arbeite ihn flach ein.
Scheerkohl reagiert empfindlich auf Staunässe und verdichteten Boden, und gekalkt wird nur nach Bodenart und Bodenuntersuchung, nie oberhalb des passenden pH-Zielbereichs. Wie du Boden und Platz auswählst, erklärt der Ratgeber welcher Standort und Boden zu Scheerkohl passt. Die Grundlagen dazu stehen im Abschnitt Standort und Boden des Ratgebers Kohl anbauen.
Stickstoff ergänzen: Hornmehl, Horngrieß oder Hornspäne?
Als organische Stickstoffdünger eignen sich Hornmehl, Horngrieß und Hornspäne. Hornmehl und Hornspäne unterscheiden sich darin, wie schnell sie im Boden umgesetzt werden. Für Hornmehl rechnest du mit etwa 6 Wochen bis zur vollständigen Umsetzung. Die größeren Hornspäne brauchen dafür mehrere Monate.
Scheerkohl ist etwa fünf bis sieben Wochen nach der Aussaat erstmals schnittreif. Hornmehl zur Aussaat wird also ungefähr bis zum ersten Schnitt umgesetzt, während Hornspäne über diesen Zeitraum hinaus nachliefern.
| Dünger | Wofür | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Reifer Kompost | Grundgabe im Frühjahr | höchstens 3 l je m²; bei stark erhöhten Phosphor- oder Kaliumwerten einschränken |
| Hornmehl | Stickstoff mit schneller Umsetzung | vollständig umgesetzt nach etwa 6 Wochen |
| Horngrieß | organischer Stickstoff | wie alle HorndüngerHorndünger ist der Oberbegriff für organische Dünger aus gemahlenen Hörnern und Hufen von Rindern, etwa Hornmehl und Hornspäne. Sie liefern vor allem Stickstoff und geben ihn je nach Körnung schneller oder langsamer ab. nicht später als Ende August |
| Hornspäne | Stickstoff mit langer Umsetzung | braucht mehrere Monate |
| PflanzenjauchePflanzenjauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Pflanzen wie Brennnessel, Beinwell, Löwenzahn oder Giersch, die in Wasser gären. Ihre Nährstoffe stehen den Pflanzen schnell zur Verfügung. | flüssige Nachdüngung | für starkzehrendes Gemüse wie Kohl in der Regel 1:10 mit Wasser verdünnt, an die Wurzeln |
| Reiner Stickstoffdünger | Böden mit hohen Phosphat- und Kaligehalten | Bedarf per Bodenuntersuchung klären |
Die Hornmengen, die für Kopfkohl oder Blumenkohl beschrieben sind, gehören zu anderen Kulturen mit eigenem Bedarf. Ich taste mich vom Bodenbefund aus heran und schaue nach dem ersten Schnitt auf den Wiederaustrieb.
Flüssig nachdüngen mit Pflanzenjauche
Pflanzenjauche, etwa aus Brennnesseln, ist die flüssige Form der organischen Düngung. Für starkzehrendes Gemüse wie Kohl wird sie in der Regel im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnt und an die Wurzeln gegossen. Bei großer Hitze und Trockenheit gibst du Flüssigdünger nur in niedriger Konzentration. Du gießt ihn dann auf vorher angefeuchteten Boden und nicht über die Pflanzen.
Ich gieße Jauche bodennah an den Fuß der Pflanzen und halte die Blätter dabei trocken. Wie du den Boden vorher gleichmäßig anfeuchtest, liest du im Ratgeber wie du Scheerkohl richtig gießt.
Nach dem Schnitt: den Wiederaustrieb versorgen
Für eine weitere Ernte muss beim Schneiden der Vegetationskegel unverletzt bleiben.
Der Vegetationskegel ist die Wachstumszone an der Triebspitze, aus der neue Blätter entstehen. Bleibt er beim Schnitt heil, kann die Pflanze für die nächste Ernte nachwachsen.
Jeder neue Aufwuchs braucht wieder Nährstoffe. Nach einem Schnitt schaue ich mir an, wie zügig und in welcher Farbe das Beet nachwächst. Blasses Laub und ein zögerlicher Wiederaustrieb können auf fehlenden Stickstoff hindeuten. Dieselben Zeichen können aber andere Ursachen haben: Ständige Überwässerung kann Wurzeln faulen lassen und Wassermangelsymptome trotz feuchten Bodens verursachen. Deshalb prüfe ich zuerst die Erde. Ist sie in Ordnung, lege ich bis Ende August Hornmehl nach, weil es schneller umgesetzt wird als Hornspäne.
Zu tief in die Pflanze schneiden. Ist der Vegetationskegel verletzt, fehlt die Voraussetzung für eine weitere Ernte, und Dünger bringt sie nicht zurück.
Frühjahrssaat oder Herbstsaat: Wann düngst du was?
Bremer Scheerkohl wird im März und April gesät oder im September für eine Winterernte. Für die Frühjahrssaat passt die Kompost-Grundgabe im Frühjahr direkt vor die Aussaat. Horndünger bringst du im Gemüsegarten auch bei Herbstkulturen nicht später als Ende August aus. Wer im September sät, sät also nach diesem Stichtag, und die Herbstsaat wächst mit dem, was bis dahin im Boden ist.
Für die Septembersaat wähle ich deshalb ein Beet, auf dem die Vorkultur gut versorgt stand, und lasse den Stickstoffvorrat nach deren Ernte messen. Aussaat, Abstände und Pflege im Einzelnen findest du im Ratgeber wie du Scheerkohl ohne typische Anfängerfehler anbaust.
Über- und Unterdüngung vermeiden
Gegen beides hilft messen statt raten. Eine Bodenuntersuchung ermöglicht eine Düngeempfehlung anhand der vorhandenen Nährstoffversorgung. Die Standardanalyse bestimmt den pH-Wert sowie pflanzenverfügbares Phosphor, Kalium und Magnesium. Löslichen Stickstoff und Humusgehalt beauftragst du gesondert, und für Scheerkohl lohnt sich gerade der Stickstoffwert. Zeigt der Befund hohe Phosphat- und Kaligehalte, werden reine Stickstoffdünger empfohlen.
So nimmst du die Bodenprobe für die Düngeplanung.
- 10 bis 15 Teilproben über die Fläche verteilt aus den oberen 30 cm stechen.
- Die Teilproben zu einer MischprobeEine Mischprobe ist eine Bodenprobe, die aus Erde von mehreren Stellen derselben Fläche zusammengemischt wird. So zeigt die Untersuchung im Labor den Zustand der ganzen Fläche und nicht nur den einer einzelnen Stelle. vermengen und etwa 500 g ans Bodenlabor schicken.
- Im Herbst bis Frühjahr oder nach der Ernte beproben, nicht unmittelbar nach einer Düngung.
- Nutzungsbereiche getrennt beproben.
- Löslichen Stickstoff und Humus gesondert beauftragen.
Rechne auch mit, was das Beet selbst liefert. Ein frisch mit Reisig, Kompost und Gärtnererde aufgebautes Hochbeet setzt im ersten Jahr viel organisch gebundenen Stickstoff frei. In so einem Hochbeet dünge ich im ersten Jahr keinen Stickstoff nach, ohne den Vorrat zu kennen. Bei einem Hochbeet mit mineralischer Erde liefert dagegen eine jährliche Kompostgabe von 3 l je m² die Grundnährstoffe. Stickstoff ergänzt du dort nach Bedarf der Kultur.
„Mit organischem Dünger kann man nicht überdüngen.“ Das stimmt so nicht. Auch für Kompost gilt im Gemüsegarten eine Obergrenze, und bei stark erhöhten Phosphor- oder Kaliumwerten wird die Gabe eingeschränkt.
Ich notiere für jedes Beet, was darauf stand und womit ich gedüngt habe. Vor der Scheerkohl-Aussaat lese ich diese Notiz, bevor ich zum Horndünger greife.
Scheerkohl im Topf und Kübel düngen
Für Gemüse im Gefäß eignen sich faserreiche, möglichst torffreie Kompostsubstrate, die Luft, Wasser und Nährstoffe speichern. Bestandteile torffreier oder torfreduzierter Erden können allerdings Stickstoff binden, auch wenn das Substrat vorgedüngt ist. Tritt ein Stickstoffmangel auf, lässt er sich mit stickstoffbetonter Flüssigdüngung ausgleichen. Wer torffrei pflanzt, rechnet deshalb von Anfang an mit dieser Nachdüngung.
Das Gefäß braucht freie Ablauflöcher, damit sich kein Wasser staut. Bei torffreier Erde prüfe ich vor dem Gießen und Düngen die Feuchte unter der schnell abtrocknenden Oberfläche.
Mischkultur und Fruchtfolge: Nährstoffe über das Beet hinaus planen
Im Mischkulturbeet wachsen Stark- und SchwachzehrerSchwachzehrer sind Gemüse und Kräuter mit geringem Stickstoffbedarf, etwa Feldsalat, Radieschen, Rucola, Bohnen und Erbsen. Sie sind die genügsamste der drei Gruppen, nach denen man Kulturen für die Fruchtfolge einteilt. zusammen, deshalb unterscheiden sich die Nährstoffansprüche der einzelnen Pflanzen. Ich dünge dort pflanzenweise und nicht das ganze Beet gleich. Gemüse derselben Pflanzenfamilie sollen nicht unmittelbar nebeneinander stehen, also auch kein Kohlrabi, Radieschen oder Rucola direkt neben Scheerkohl. Passende Beetnachbarn prüfst du mit dem Werkzeug für Mischkultur, eine bessere Ernte garantiert aber keine Nachbarschaft.
Scheerkohl ist eine Kulturform des Rapses, und Raps zählt zu den KreuzblütlernKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen., die bei der Kohl-Anbaupause berücksichtigt werden. In der Fruchtfolge behandelst du ein Scheerkohlbeet deshalb wie ein Kohlbeet. Kreuzblütler sollten vorbeugend nur alle 3 bis 5 Jahre wieder am selben Platz stehen. Als Gründüngung vor Kohl eignen sich Phacelia oder Buchweizen, während Senf, Ölrettich und Raps vermieden werden.
Eine Leguminosen-Gründüngung kann über KnöllchenbakterienKnöllchenbakterien, auch Rhizobien genannt, sind Bodenbakterien, die mit Hülsenfrüchtlern wie Erbsen und Bohnen zusammenleben. In kleinen Knöllchen an deren Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft und machen ihn für die Pflanze nutzbar. Stickstoff binden und die FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. versorgen, sie braucht allerdings selbst Abstand zu Bohnen und Erbsen. Diesen Vorrat rechnest du bei der Düngung mit. Den Wechsel über mehrere Jahre behältst du mit dem Beetplaner im Blick.

