Gemüse · Kohl · Anbau

Scheerkohl anbauen: Licht, Boden und der passende Platz im Garten

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Als Kohl mag Scheerkohl Sonne und kommt auch mit Halbschatten zurecht, also mit bis zu etwa vier Stunden direkter Sonne am Tag.
  • Der Boden soll fruchtbar und gut durchlässig sein, Senken mit Staunässe meidest du.
  • Für Kohlkulturen im Garten wird ein Boden-pH von 6,5 bis 7 empfohlen.
  • Als Kreuzblütler zählt Scheerkohl zur Kohl-Anbaupause, genau wie Radieschen und Rettich.
  • Bremer Scheerkohl wird bereits nach 4 bis 6 Wochen geerntet.
  • Im Kübel braucht er freie Ablauflöcher und faserreiches, möglichst torffreies Substrat.
Lockere grüne Blätter des Scheerkohls (Schnittkohl) im Beet
Foto: Marina Leonova · Pexels License · Quelle ↗

Du willst Scheerkohl anbauen und überlegst, ob er ins sonnige Hauptbeet muss oder ob die halbschattige Ecke am Zaun reicht. Bevor ich säe, gehe ich mit drei Fragen über die Fläche. Wie viele Stunden direkte Sonne fallen dorthin? Wie fühlt sich der Boden zwischen den Fingern an? Und stand dort in den letzten Jahren Kohl oder ein anderer Kreuzblütler? Wer diese Fragen überspringt, sät leicht in eine Senke mit Staunässe oder auf ein Beet, auf dem im Vorjahr Radieschen standen.

Was ist Scheerkohl?

Scheerkohl, auch Schnittkohl genannt, ist ein Kohl, den du jung schneidest. Als Kohl gehört er zu den Kreuzblütlern, und das bestimmt mit, auf welches Beet er darf. Welche Kohlarten es gibt und was du jeweils erntest, zeigt der Überblick über Kohlarten, Ernteorgane und Herkunft.

Aussaatkalender Scheerkohl
GartenkalenderVorkultur: Februar, März, April, Mai, Juni; Aussaat: April, Mai, Juni, JuliJFMAMJJASONDVorkulturVorkultur: FebruarVorkultur: MärzVorkultur: AprilVorkultur: MaiVorkultur: JuniAussaatAussaat: AprilAussaat: MaiAussaat: JuniAussaat: JuliVorkulturAussaat

Wie viel Sonne braucht Scheerkohl?

Kohl bevorzugt einen sonnigen Standort, kommt aber auch mit Halbschatten gut zurecht. Für Scheerkohl heißt das: Neben dem Hauptbeet kommen auch Plätze infrage, die nur einen Teil des Tages Sonne bekommen.

Zahl im Blick

Als Richtwert für Halbschatten gelten bis zu etwa vier Stunden direkte Sonne am Tag. Für Gemüse allgemein wird ein Minimum von rund drei Stunden direkter Sonne empfohlen.

Ich zähle an einem klaren Tag, wann direkte Sonne auf die Fläche fällt und wann Haus, Hecke oder Nachbarbeet sie beschatten. Die Stunden schreibe ich auf, statt mich auf den Eindruck von der Terrasse aus zu verlassen. Weil Kohl Halbschatten verträgt und für Gemüse rund drei Stunden direkte Sonne als Minimum gelten, kann eine Ecke mit Vormittagssonne reichen. Voraussetzung ist, dass sie auf diese drei Stunden kommt.

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Welcher Boden passt zu Scheerkohl?

Der Boden soll fruchtbar und gut durchlässig sein, wobei Kohl auch schwere Tonböden verträgt. Wie dein Boden beschaffen ist, findest du mit ein paar Handgriffen heraus.

Bodenart mit der Fingerprobe bestimmen

Ich nehme vor jeder neuen Fläche eine Fingerprobe mit leicht feuchter Erde. Sandboden zerfällt dabei körnig, toniger Boden klebt und lässt sich gut ausrollen. Kompost hilft in beiden Fällen: Auf Sand verbessert er das Wasserhaltevermögen, auf schweren Böden die Krümelstruktur und die Durchlüftung.

Lockern, ohne die Schichten zu wenden

Ein bestehendes Gemüsebeet lockere ich im Frühjahr mit dem Sauzahn. Ich ziehe ihn kreuzweise in etwa 20 cm Abstand durch die Erde, ohne die Bodenschichten zu wenden. Umgraben ist vor allem bei Neuanlagen und sehr schweren Böden sinnvoll. Mit jeder Bodenarbeit wartest du, bis keine Erde mehr an den Geräten haften bleibt.

pH-Wert messen statt schätzen

Für Kohlkulturen im Garten wird ein Boden-pH von 6,5 bis 7 empfohlen. Welcher Wert für dein Beet passt, hängt auch von Bodenart und Humusgehalt ab. Eine Standard-Bodenanalyse bestimmt den pH sowie pflanzenverfügbares Phosphor, Kalium und Magnesium. Löslichen Stickstoff und den Humusgehalt beauftragst du gesondert.

Mini-Checkliste

So nimmst du die Bodenprobe

  • Stich 10 bis 15 Teilproben, verteilt über die ganze Fläche.
  • Nimm jede Teilprobe aus den oberen 30 cm.
  • Vermenge alles zu einer Mischprobe und schick etwa 500 g davon ans Bodenlabor.
  • Probe im Herbst bis Frühjahr oder nach der Ernte, nicht unmittelbar nach einer Düngung.
  • Beprobe unterschiedlich genutzte Bereiche getrennt.
Häufiger Fehler

Kalk nach Gefühl streuen. Ob ein Beet Kalk braucht, richtet sich nach Bodenart und Bodenuntersuchung. Liegt der pH schon oberhalb des passenden Zielbereichs, wird nicht gekalkt.

Stellen, die du für Scheerkohl meidest

Meide Senken und Beetstellen, an denen nach Regen lange Wasser steht. Feuchte bis staunasse Böden begünstigen Infektionen mit Kohlhernie, besonders bei 20 bis 25 °C. Wo die Krankheit schon auftrat, braucht die Fläche eine langjährige Kohl-Anbaupause, denn die Dauersporen können bis zu 20 Jahre im Boden überdauern.

Beet, Kübel oder Hochbeet: welche Anbauform passt?

Scheerkohl lässt sich im Gartenbeet, im Kübel und im Hochbeet ziehen. Die Tabelle zeigt, was jeweils dafür spricht und worauf du achtest.

Anbauform Was dafür spricht Worauf du achtest
Gartenbeet Die Wurzeln frieren langsamer durch als im Kübel. Anbaupause für Kreuzblütler, keine Senken mit Staunässe
Kübel und Balkonkasten Anbau auch ohne Gartenboden, Erde frei wählbar freie Ablauflöcher, torffreies Substrat, kleine Gefäße brauchen häufiger Wasser
Hochbeet Erde erwärmt sich schneller, Anbau auch bei ungeeignetem Gartenboden trocknet schneller aus; frisch mit Reisig, Kompost und Gärtnererde aufgebaut, setzt es im ersten Jahr viel Stickstoff frei

Im Gartenbeet: erst die Vorkultur klären

Als Kreuzblütler zählt Scheerkohl zur Kohl-Anbaupause, genau wie Radieschen, Rettich, Rucola, Senf, Ölrettich und Raps. Vorbeugend kommt ein Kreuzblütler nur alle 3 bis 5 Jahre wieder auf dasselbe Beet. Den Wechsel planst du im Beetplaner für deine Fruchtfolge, passende Beetnachbarn findest du im Mischkultur-Werkzeug und das Grundsätzliche im Kohl-Ratgeber unter Fruchtfolge und Mischkultur.

Im Kübel und Balkonkasten

Auch im Gefäß müssen Licht, Bodenfeuchte, Wuchsverhalten und Pflanzabstände zur Kultur passen. Die Sonnenstunden auf dem Balkon zählst du deshalb genauso wie im Beet. Das Gefäß braucht freie Ablauflöcher, damit sich im Wurzelraum kein Wasser staut. Als Erde eignet sich faserreiches, möglichst torffreies Kompostsubstrat, das Luft, Wasser und Nährstoffe speichert.

Kleine Gefäße brauchen häufiger Wasser als große, deshalb greife ich auf einem sonnigen Balkon lieber zum breiten Kasten als zum kleinen Topf. Bei torffreier Erde prüfe ich vor dem Gießen auch die Feuchte unter der Oberfläche, weil die oberste Schicht schnell abtrocknet. Erde aus Gefäßen mit Kohlhernie oder anderen Wurzelkrankheiten verwendest du nicht wieder.

Im Hochbeet

Ein Hochbeet ermöglicht Gemüseanbau auch dort, wo der vorhandene Gartenboden ungeeignet ist. Seine Erde erwärmt sich schneller und trocknet dadurch auch schneller aus; eine Mulchdecke kann den Feuchteverlust mindern. Was du beim Anbau im Hochbeet besonders beachtest, erklärt der Ratgeber zu Scheerkohl im Hochbeet.

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Welcher Platz passt zu welcher Jahreszeit?

Frühjahr: dort säen, wo die Erde zuerst warm wird

Für Bremer Scheerkohl liegt die Keimtemperatur bei 10 bis 12 °C. Ich stecke im Frühjahr ein Bodenthermometer in die geplante Saatreihe und säe, sobald die Erde dort diesen Bereich erreicht. Die Seitenwände eines Hochbeets erwärmen sich in der Sonne und können den Boden schneller aufheizen. Dort kann die Keimtemperatur für Scheerkohl also früher erreicht sein als im ebenen Beet.

Liegt über einer frühen Saat Verfrühungsvlies, nimmst du es bei deutlich gestiegenen Temperaturen ab, ungefähr ab Mitte Mai. Wähle dafür einen trüben oder regnerischen, möglichst windstillen Tag.

Sommer: Sonne und Wind bestimmen den Wasserbedarf mit

Wie viel Wasser Gemüse braucht, richtet sich nach Kultur und Sorte, Wetter, Substrat sowie Sonne und Wind am Standort. Ein vollsonniger, offener Platz verlangt im Sommer deshalb mehr Aufmerksamkeit beim Gießen als eine geschützte Ecke. Wie oft und wie viel du gießt, erklärt der Ratgeber zum richtigen Gießen von Scheerkohl, die Grundlagen stehen im Kohl-Ratgeber unter Gießen.

Herbst: tiefe Sonne und kalte Kübel

Im Herbst steht die Sonne tiefer, sodass Gebäude und immergrüne Gehölze Flächen beschatten können, die im Sommer frei lagen. Für einen Herbstplatz zählst du die Sonnenstunden noch einmal nach. Im Kübel friert der Wurzelballen schneller durch als im Gartenboden, und Wurzeln reagieren empfindlicher auf Minusgrade als die oberirdischen Pflanzenteile. Für Sätze, die bis in die kalte Zeit stehen sollen, wähle ich deshalb eher das Beet als den Kübel.

Marias Erfahrung

Für jede neue Scheerkohl-Fläche lege ich einen Zettel an. Darauf notiere ich die gezählten Sonnenstunden, das Ergebnis der Fingerprobe, den pH aus der letzten Bodenanalyse und die Kreuzblütler der letzten Jahre. Vor jeder Aussaat hole ich den Zettel wieder hervor.

Aussaat, Pflege und Ernte in Kürze

Aussaat

Bremer Scheerkohl säst du 1 bis 1,5 cm tief. Als Saatgutbedarf rechnest du mit 4 bis 6 g je Quadratmeter. Das Grundsätzliche zu Aussaat, Anzucht und Pflanzung steht im Kohl-Ratgeber.

Düngen

Kompost verbessert die Bodenstruktur, deckt allein aber nicht die Stickstoffversorgung von Gemüse. Welche Dünger passen und wie du Über- und Unterdüngung vermeidest, erklärt der Ratgeber zum Düngen von Scheerkohl. Die Grundlagen nach Art und Verwendungszweck stehen im Kohl-Ratgeber unter Düngen.

Schädlinge

Überwinterte Kohlerdflöhe erscheinen meist ab April, und ab dann schaust du regelmäßig nach deinen Saaten. Dagegen lege ich direkt nach der Saat ein Kulturschutznetz mit 0,6 bis 0,8 mm Maschenweite auf und halte es bis zur Ernte geschlossen. Typische Anfängerfehler im Scheerkohl-Beet behandelt der Ratgeber für Hobbygärtner zum Scheerkohl-Anbau, die Grundlagen der Kohl-Ratgeber unter Schädlinge und Pflanzenschutz.

Ernte

Bremer Scheerkohl wird bereits nach 4 bis 6 Wochen geerntet. Die Pflanzen sind dann etwa 10 bis 15 cm hoch. Wie du ihn mehrfach beerntest, zeigt die Anleitung von der Aussaat bis zur Mehrfachernte.

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Häufige Fragen

Wie gelingt der Anbau von Scheerkohl im Garten?
Such dir einen sonnigen bis halbschattigen Platz mit fruchtbarem, gut durchlässigem Boden, auf dem in den letzten Jahren kein Kreuzblütler stand. Bremer Scheerkohl säst du 1 bis 1,5 cm tief. Seine Keimtemperatur liegt bei 10 bis 12 °C. Als Saatgutbedarf rechnest du mit 4 bis 6 g je Quadratmeter.
Welchen Standort braucht Scheerkohl?
Als Kohl bevorzugt Scheerkohl Sonne, kommt aber auch mit Halbschatten zurecht, also mit bis zu etwa vier Stunden direkter Sonne am Tag. Unter rund drei Stunden direkte Sonne sollte der Platz nicht fallen, denn das gilt allgemein als Minimum für Gemüse. Meide außerdem Senken mit stehendem Wasser, weil feuchte bis staunasse Böden Infektionen mit Kohlhernie begünstigen.
Welcher Boden fördert das Wachstum von Scheerkohl?
Der Boden soll fruchtbar und gut durchlässig sein, auch schwere Tonböden verträgt Kohl. Für Kohlkulturen im Garten wird ein pH von 6,5 bis 7 empfohlen, der passende Wert hängt aber auch von Bodenart und Humusgehalt ab. Kalk gibst du nur nach einer Bodenuntersuchung und nicht, wenn der pH schon oberhalb des Zielbereichs liegt.
Wie lässt sich Scheerkohl im Kübel anbauen?
Nimm ein Gefäß mit freien Ablauflöchern, damit sich im Wurzelraum kein Wasser staut. Als Erde eignet sich faserreiches, möglichst torffreies Kompostsubstrat. Kleine Gefäße brauchen häufiger Wasser als große. Bei torffreier Erde prüfst du vor dem Gießen auch die Feuchte unter der schnell abtrocknenden Oberfläche.
Welche Kulturzeit hat Scheerkohl bis zur Ernte?
Bremer Scheerkohl wird bereits nach 4 bis 6 Wochen geerntet. Die Pflanzen sind dann etwa 10 bis 15 cm hoch. Wie du danach mehrfach erntest, beschreibt die Anleitung von der Aussaat bis zur Mehrfachernte.
Wie wirkt sich Mischkultur auf Scheerkohl aus?
Günstige Wirkungen zwischen Gemüsenachbarn lassen sich schwer nachweisen, Nachbarlisten sind deshalb keine Wirkungsversprechen. Bremer Scheerkohl wird schon nach 4 bis 6 Wochen geerntet und kann deshalb als kurze Zwischenkultur stehen. Abgeräumt wird er, bevor er die länger stehende Hauptkultur bedrängt. Beachte, dass Radieschen, Rettich, Rucola und Senf wie Scheerkohl Kreuzblütler sind und bei der Kohl-Anbaupause mitzählen.
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