Glockenpaprika vorziehen: von der Aussaat bis zum Auspflanzen
- Der Name Glockenpaprika steht auch für Capsicum baccatum, deshalb prüfst du den Artnamen auf der Tüte.
- Capsicum annuum ist kein Lichtkeimer: Die Samen kommen 0,5 bis 1 cm tief in die Erde.
- Die Keimdauer von Capsicum annuum liegt bei 7 bis 14 Tagen.
- Pikiert wird je nach Anleitung ab den ersten Laubblättern bis zum Stadium mit zwei Blattpaaren.
- Abgehärtet wird tagsüber ab mindestens 15 °C, anfangs geschützt und ohne direkte Sonne.
- Ins Freiland kommt Paprika erst nach Ende der Frostgefahr und so tief, wie sie im Anzuchttopf stand.
Glockenpaprika braucht einen langen Vorlauf im Haus, bevor sie ins Beet, in den Kübel oder ins Gewächshaus darf. In dieser Zeit brauchen die Samen erst Wärme, die Sämlinge dann viel Licht und die Wurzeln Erde, die feucht, aber nicht nass ist. Ich ziehe meine Paprika auf der Fensterbank vor und gehe dabei jedes Jahr dieselben Schritte durch: Aussaat, Keimung, PikierenPikieren heißt, dicht aufgelaufene Sämlinge zu vereinzeln: Du setzt die jungen Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, damit jedes genug Platz zum Wachsen hat., AbhärtenAbhärten heißt, drinnen vorgezogene Jungpflanzen vor dem Auspflanzen schrittweise an das Wetter im Freien und an die volle Sonne zu gewöhnen. Dafür stehen sie zunächst tagsüber draußen im Schatten. und Auspflanzen. Davor steht bei Glockenpaprika eine Frage: Welche Art steckt in der Tüte?
Welche Art steckt in deiner Samentüte?
Lies vor dem Säen den botanischen Namen auf der Tüte. Der Name Glockenpaprika ordnet eine Sorte nicht eindeutig Capsicum annuum zu, denn er wird auch für Capsicum baccatum verwendet. Mindestens ein Saatgutanbieter verkauft unter diesem Namen eine Sorte von Capsicum baccatum. Capsicum annuum ist die Art der Gemüsepaprika, zu der die fleischigen, eckigen Blocktypen und die Spitzpaprika gehören.
Die Keimwerte in dieser Anleitung gelten für Capsicum annuum. Steht auf deiner Tüte Capsicum baccatum, richtest du dich bei Temperatur und Keimdauer nach den Angaben auf der Tüte.
Ich schreibe beim Säen den Artnamen von der Tüte mit aufs Etikett. Beim Pikieren und Auspflanzen sehe ich so noch, welche Art in welchem Topf steht.
Wann du Glockenpaprika aussäst
Wegen der langen Anzuchtphase säst du Paprika im Februar im Haus aus. Je nach Kulturziel reichen die Empfehlungen für die Vorkultur von Januar bis Anfang April. Frühe Aussaaten brauchen besonders gute Lichtbedingungen, und Sämlinge mit zu wenig Licht wachsen lang und weich. Ein früher Termin setzt also einen sehr hellen Platz voraus.
Von der Aussaat bis zur Pflanzung ins Kleingewächshaus werden für Paprika etwa 60 Tage veranschlagt. Für Jungpflanzen, die auf den Balkon sollen, rechnet die Anzucht mit mindestens 10 Wochen.
Leg den Aussaattermin deshalb vom geplanten Pflanztermin aus fest. Wie du ihn an deine Gegend anpasst, steht in der Anleitung dazu, wann du Paprika je nach Region aussäst. Zum Abhaken der Termine kannst du dir den Aussaatkalender für Paprika und Chili ausdrucken.
Aussaat Schritt für Schritt
Für die Aussaat nimmst du torffreie Aussaaterde mit geringem Nährstoffgehalt und feiner, lockerer Struktur. Ich säe in Schalen mit Saatrillen und pikiere die Sämlinge später. Säst du dagegen einzeln in Multitopfplatten, entfällt das Pikieren.
- Füll die Schale mit Aussaaterde und feuchte sie an, ohne dass Wasser stehen bleibt.
- Zieh flache Saatrillen und leg die Körner einzeln hinein.
- Bedecke die Samen mit Erde, bis sie 0,5 bis 1 cm tief liegen.
- Stell die Schale an einen warmen Platz und miss dort mit einem Thermometer nach.
- Halte die Erde gleichmäßig feucht, ohne Staunässe. Eine Abdeckung nimmst du ab, sobald die ersten Keimlinge erscheinen.
| Aussaat in der Schale | Wert |
|---|---|
| Saattiefe bei Capsicum annuum | 0,5 bis 1 cm |
| Abstand der Körner in der Rille | etwa 2 cm |
| Abstand zwischen den Saatrillen | etwa 4 cm |
Bei älterem Saatgut zeigt dir eine Probeaussaat vorab, ob es noch keimt. Geöffnete Tüten lagerst du kühl und trocken.
Ist Paprika ein Dunkelkeimer?
Capsicum annuum gehört nicht zu den Lichtkeimern. Die Samen brauchen zum Keimen also kein Licht, und deshalb liest du oft, Paprika sei ein Dunkelkeimer. Für die Aussaat heißt das: Die Körner kommen unter die Erde und nicht obenauf. Zum Keimen brauchen sie Wärme und gleichmäßige Feuchte. Licht wird wichtig, sobald die ersten Keimlinge erscheinen. Für Glockenpaprika der Art Capsicum baccatum folgst du auch hier den Angaben auf der Tüte.
„Paprika keimt nur in völliger Dunkelheit.“ Daraus, dass Paprika kein Lichtkeimer ist, folgt das nicht. Die Erdschicht über den Samen ist ihre Abdeckung. Stellst du die Schale trotzdem dunkel, hol sie heraus, sobald sich die ersten Keimlinge zeigen, denn ab dann brauchen sie viel Licht.
Keimung: Wärme, Feuchte und Geduld
Stell die Schale warm, denn die Samen brauchen Wärme zum Keimen. Die folgenden Werte gelten für Capsicum annuum.
| Keimung bei Capsicum annuum | Wert |
|---|---|
| Aussaattemperatur in einer Anleitung | 20 °C |
| Untere Keimtemperatur | 20 bis 25 °C |
| Obere Keimtemperatur | 25 bis 28 °C |
| Keimdauer | 7 bis 14 Tage |
Gieß in dieser Phase mäßig, denn zu nasses Substrat hemmt das Wurzelwachstum und begünstigt Welkepilze. Bei torffreier Erde kann die Oberfläche schon trocken sein, während es weiter unten noch nass ist. Wer nur nach der Oberfläche gießt, kann die Wurzeln also in zu nasser Erde halten. Ich prüfe deshalb vor dem Gießen mit dem Finger, ob die Erde unter der Oberfläche noch feucht ist.
Nach der Keimung: hell und etwas kühler
Sind die ersten Keimlinge da, kommt die Abdeckung ab. Ab jetzt brauchen die Sämlinge viel Licht, zum Beispiel an einem hellen Südfenster. Die Temperatur senkst du gegenüber der Keimphase ab. Für die Zeit nach der Keimung werden 18 bis 20 °C bei hellem Stand genannt. Licht und weniger Wärme helfen, dass die Sämlinge nicht lang und weich wachsen.
Halte die Luft um die Sämlinge nicht zu feucht, denn hohe Luftfeuchtigkeit kann Pilzbefall begünstigen.
Die Schale bleibt nach dem AuflaufenAuflaufen nennt man es, wenn nach der Aussaat die Keimlinge sichtbar aus der Erde kommen. Man sagt dann auch, die Saat ist aufgegangen. warm und abgedeckt stehen. Lange, weiche Stängel können dann darauf hindeuten, dass Licht fehlt oder es zu warm ist. Stell die Sämlinge heller und etwas kühler.
Pikieren: wann und wie
Beim Pikieren setzt du die Sämlinge aus der Schale einzeln in eigene Töpfe. Je nach Anleitung pikierst du ab den ersten Laubblättern bis zum Stadium mit zwei Blattpaaren. Die ersten Laubblätter zeigen sich in der Triebmitte, über den KeimblätternKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen..
- Füll Töpfe mit 8 bis 10 cm Durchmesser mit gedüngtem Kultursubstrat.
- Bohr mit dem PikierstabDer Pikierstab ist ein Werkzeug zum Pikieren: Mit ihm bohrst du Pflanzlöcher in die Erde, hebst Sämlinge vorsichtig aus dem Aussaatgefäß und drückst ihre Wurzel ins neue Loch. ein Loch in die Erde.
- Lockere den Sämling mit dem Pikierstab aus der Schale. Ich fasse ihn dabei an einem Keimblatt an, nie am Stängel.
- Setz ihn ins Loch, drück die Erde rundum an und gieß an.
Aussaaterde hat einen geringen Nährstoffgehalt, das Substrat zum Pikieren ist dagegen gedüngt. Mit dem Umsetzen ziehen die Sämlinge also auch in nährstoffreichere Erde um. Ziehst du für das Kleingewächshaus vor, liegen die Temperaturen nach dem Einwurzeln bei etwa 18 °C.
Überzählige Sämlinge gehören auf den Kompost und nicht in die Küche. Paprika eignet sich nicht zum Verzehr als Sprossen oder Microgreens.
Jungpflanzen bis zum Auspflanzen pflegen
Nach dem Pikieren bleiben die Töpfe hell stehen. Gieß weiter mäßig, sodass die Erde feucht, aber nicht nass ist, und prüf die Feuchte auch unter der Oberfläche. Halte die Jungpflanzen hell und warm, bis das Abhärten beginnt.
Abhärten: Schritt für Schritt nach draußen
Bevor die Jungpflanzen dauerhaft ins Freie ziehen, gewöhnst du sie an Licht und Temperatur draußen. Raus dürfen sie tagsüber, wenn die Lufttemperatur mindestens 15 °C erreicht. Stell sie anfangs geschützt in den Halbschatten, ohne direkte Sonne, und gewöhn sie später an die Sonne. Ich stelle die Töpfe dafür zuerst an die Hauswand in den Halbschatten und trage sie abends wieder ins Haus.
Nachts kommen die Pflanzen anfangs immer herein. Später holst du sie herein, sobald es nachts unter 10 °C abkühlt. Frostfrei reicht also nicht als Maßstab, denn Paprika kann schon im niedrigen Plusbereich mit Wachstumsstockungen reagieren.
Auspflanzen: Termin, Tiefe und Abstand
Ins Freiland kommt Paprika erst, wenn keine Frostgefahr mehr besteht. Gewöhnlich ist das nach den EisheiligenDie Eisheiligen sind die Namenstage von fünf Heiligen vom 11. bis 15. Mai. Bauernregeln zufolge häufen sich dann späte Frostnächte, deshalb gelten sie im Garten als Merkdatum für die Spätfrostgefahr. Mitte Mai, entscheidend bleibt aber die Witterung. Unter Glas geht es früher los.
| Wohin | Pflanztermin |
|---|---|
| Beheizbares Kleingewächshaus | etwa Mitte April |
| Unbeheiztes Gewächshaus | Anfang bis Mitte Mai |
| Freiland | Mitte Mai bis Anfang Juni, je nach Witterung |
Setz jede Pflanze genauso tief, wie sie im Anzuchttopf stand. Der Platz ist warm, sonnig und windgeschützt, der Boden locker und humusreich. Im Freiland schützt eine Haube oder ein FrühbeetEin Frühbeet, auch Frühbeetkasten genannt, ist ein Beetkasten, der die Wachstumsbedingungen für Gemüse verbessert. Darin kannst du früher aussäen und ein bis drei Wochen früher ernten als im offenen Beet. die Pflanzen nach dem Auspflanzen, bis sie gut angewachsen sind. Ich stecke den Stab beim Pflanzen gleich mit ins Pflanzloch.
In der Reihe stehen die Pflanzen 30 bis 50 cm auseinander. Zwischen den Reihen bleiben ebenfalls 30 bis 50 cm. Jede Pflanze bekommt eine eigene Stütze.
Die Reihen kannst du vorab im Beetplaner einteilen. Für den Kübel empfiehlt sich ein standfestes Gefäß mit mindestens 10 l Volumen. Sein Durchmesser liegt bei etwa 30 cm, und unten muss Wasser ablaufen können, damit keine Staunässe entsteht. Unter Glas kommen Lüften und Triebführung dazu, deshalb lies dort nach, wie du Glockenpaprika im Gewächshaus anbaust.
Nach dem Auspflanzen: Pflege, Pflanzenschutz und Ernte
Mit dem Auspflanzen endet die Anzucht, und die Sommerpflege beginnt. Wie du Glockenpaprika im Garten von der Beetvorbereitung bis zur Ernte anbaust, beschreibt ein eigener Ratgeber. Einen Überblick darüber, was bei Glockenpaprika im Jahreslauf zu tun ist, findest du ebenfalls bei uns.
Pflege: Die Pflanzen bekommen Halt am Stab, und bei großfrüchtiger Gemüsepaprika ist das Entfernen der ersten Blüte vorgesehen. Bei kleinfrüchtigen Peperoni und Chili ist das nicht nötig. Lies dazu, ob und wie du Glockenpaprika schneidest.
Gießen und Düngen: Im Gefäß kann vorgedüngte Erde nach etwa 6 Wochen eine Nachdüngung brauchen, abhängig von der Packungsangabe. Die Grundregeln, wie du Paprika pflegst, gießt und düngst, gelten auch für Glockenpaprika.
Krankheiten und Schädlinge: Schau regelmäßig auf die Blattunterseiten, denn unter Glas sitzen dort zum Beispiel Weiße Fliegen mit ihren Larven. Ausreichender Pflanzabstand lässt Gießwasser schneller abtrocknen und hilft, GrauschimmelGrauschimmel ist eine häufige Pilzkrankheit an Gemüse, Obst und Zierpflanzen, verursacht durch den Pilz Botrytis cinerea. Typisch ist ein grauer, stäubender Pilzbelag auf befallenen Pflanzenteilen, etwa auf Früchten. vorzubeugen. Mehr dazu, wie du Glockenpaprika im Garten pflegst und kontrollierst, steht in einem eigenen Ratgeber.
Ernte und Lagern: Bis zur ersten Ernte rechnest du ab dem Pflanzen mit etwa 6 Wochen als Anhaltspunkt, Sorte und Farbreife legt diese Faustregel aber nicht fest. Blockpaprika erntest du grün oder in der sortentypischen Reifefarbe und schneidest die Früchte mit Messer oder Schere ab. Lagere frische Früchte kühl bei etwa 10 bis 12 °C, denn bei stärkerer Kühlung können sie an Qualität verlieren und Kälteschäden bekommen.





