Fleischtomaten ausgeizen und aufbinden: schwere Früchte sicher tragen
- Fleischtomaten werden als Stabtomaten eintriebig gezogen: Geiztriebe in den Blattachseln kommen weg, sobald sie etwa 5 cm lang sind.
- Erst ausgeizen, dann aufbinden: Der freigelegte Haupttrieb lässt sich locker in Achterschlingen am Stab führen.
- Schwere Rispen brauchen eigenen Halt – ein Haken, eine Schlaufe oder ein zweiter Stab, bevor die Rispe den Trieb abknickt.
- Weiches, breites Bindematerial und Spielraum zum Dickenwachstum verhindern Einschnürungen am Stängel.

Fleischtomaten: ein Trieb, wenige Rispen, viel Gewicht
Fleischtomaten sind Stabtomaten mit den schwersten Früchten im Tomatenbeet. Der Haupttrieb wächst die ganze Saison weiter, und an jeder Rispe hängen Früchte, die zusammen mehr wiegen als bei jeder anderen Tomate. Deshalb greifen bei Fleischtomaten zwei Pflegemaßnahmen ineinander, die sonst getrennt behandelt werden: das AusgeizenAusgeizen ist das Entfernen der Geiztriebe, also der Seitentriebe, die bei Tomaten in den Blattachseln wachsen. Ohne Ausgeizen bildet die Pflanze sehr viel Blattmasse und trägt später Früchte., das die Pflanze auf einen Trieb konzentriert, und das Aufbinden, das diesen Trieb und seine Rispen trägt.
Dieser Beitrag zeigt dir, wie du beides zu einer Pflegerunde verbindest, welche Rispen einen eigenen Halt brauchen und welche Fehler die Pflanze teuer bezahlt. Die Grundlagen des Ausgeizens gibt es hier nur als Anriss; was Fleischtomaten sonst von der Aussaat bis zur Ernte brauchen, steht im Beitrag darüber, wie du Fleischtomaten vom Samen bis zur Ernte begleitest.
Ausgeizen bei Fleischtomaten: der Anriss
GeiztriebeAls Geiztriebe bezeichnet man bei Tomaten die Seitentriebe. Bei Stabtomaten, deren Haupttrieb immer weiter wächst, brichst du sie beim Ausgeizen regelmäßig aus. wachsen in den BlattachselnDie Blattachsel ist der Winkel zwischen Blattstiel und Zweig oder Stängel, also die Stelle, an der ein Blatt am Spross ansetzt. Aus ihr wachsen häufig Seitentriebe, bei Tomaten etwa die Geiztriebe. zwischen Haupttrieb und Blatt; sie werden entfernt, sobald sie etwa 5 cm lang sind, am besten seitlich mit den Fingern ausgebrochen, solange sie weich sind. Fleischtomaten ziehst du eintriebig: ein Haupttrieb, alle Geiztriebe weg, die Blütenrispen bleiben selbstverständlich stehen. Warum die Kraft nur so in die Früchte fließt und was der Wuchstyp damit zu tun hat, erklärt der Beitrag darüber, warum Tomaten ausgegeizt werden und wann du es lassen kannst; jeden Handgriff zeigt die Anleitung dazu, wie du Stabtomaten Schritt für Schritt ausgeizt.
Aufbinden: der Haupttrieb kommt an den Stab
Gestützt wird von Anfang an, nicht erst, wenn die Pflanze kippt: Der Tomatenstab kommt schon beim Pflanzen ins Loch, dann verletzt er später keine Wurzeln. Für Fleischtomaten wählst du den stabilsten Stab, den du hast – Holz, Metall oder ein kräftiger Spiralstab –, und schlägst ihn tief ein, denn die Last am Ende der Saison ist beachtlich. Wie Tomaten grundsätzlich gestützt und angebunden werden, trägt der Tomaten-Ratgeber im Abschnitt darüber, wie Tomaten ausgegeizt, gestützt und aufgebunden werden; hier geht es um die Fleischtomaten-Variante.
Der Haupttrieb wird locker in einer Achterschlinge an den Stab gebunden: Die Schnur läuft einmal um den Stab, kreuzt sich und legt sich dann als weite Schlaufe um den Stängel. So drückt nichts direkt auf den Trieb, und der Stängel hat Platz, dicker zu werden. Als Material eignen sich Bast, weiche Tomatenschnur, Stoffstreifen oder Pflanzenclips; dünner Draht und Bindfaden schneiden ein. Die Schlinge setzt du direkt unter einem BlattansatzDer Blattansatz ist die Stelle am Trieb oder Stängel, an der ein Blatt entspringt. Dort ist der Trieb oft zu einem Knoten verdickt; direkt darüber, im Winkel zwischen Blatt und Trieb, liegt die Blattachsel., damit sie nicht nach unten rutscht, und mit jedem Wachstumsschub kommt eine neue Schlinge dazu. Am Spiralstab drehst du den Trieb vorsichtig in die Windungen ein, an der Schnur im Gewächshaus wickelst du ihn hoch.
Zu fest gebunden. Ein Stängel, der beim Anbinden gerade so in die Schlaufe passt, ist im Hochsommer eingeschnürt – oberhalb der Stelle stockt die Versorgung, die Rispen darüber bleiben klein. Immer so locker binden, dass ein Finger zwischen Schlinge und Stängel passt, und alte Bindungen im Sommer nachprüfen.
Schwere Rispen stützen: das Fleischtomaten-Extra
Bei Fleischtomaten reicht es nicht, den Haupttrieb zu sichern. Eine Rispe mit ausgewachsenen Früchten zieht mit ihrem ganzen Gewicht am Rispenstiel; knickt der Stiel ab, ist die Versorgung unterbrochen, und die Früchte reifen nicht mehr richtig aus oder faulen an der Knickstelle. Deshalb bekommt jede Rispe, die schwer wird, einen eigenen Halt: einen Rispenhaken oder eine Schlaufe, mit der der Rispenstiel am Stab hängt, eine Schnur vom Stab zur Rispe oder eine Auflage auf einer Stabsprosse oder einem zweiten, schräg gesetzten Stab. Wichtig ist, den Rispenstiel nicht zu quetschen und die Stütze anzubringen, solange die Früchte noch klein sind – eine schon abgeknickte Rispe lässt sich nicht mehr retten.
Auch am Boden liegende Früchte sind ein Fleischtomaten-Problem: Eine untere Rispe, die durch das Gewicht auf die Erde sinkt, fault schnell oder wird von Schnecken angefressen. Hier hilft ein niedriger Stab oder ein Stück Brett unter der Rispe, und die untersten Blätter, die ohnehin die Erde berühren, dürfen weg.
Bei meinen Fleischtomaten kontrolliere ich jede Rispe, sobald die Früchte größer als eine Walnuss sind, und hänge sie mit einer Schlaufe aus altem Strumpfstoff an den Stab. Vorher habe ich mehr als eine Rispe verloren, weil der Stiel über Nacht abgeknickt war – und die Früchte waren gerade richtig schön geworden.
Die Pflegerunde: erst ausgeizen, dann aufbinden
Die Reihenfolge ist kein Dogma, aber sie spart Handgriffe: Zuerst geizt du aus, dann liegt der Haupttrieb frei und lässt sich sauber am Stab führen, und zum Schluss prüfst du die Rispen. Am besten arbeitest du am Vormittag eines trockenen Tages, dann trocknen die kleinen Bruchstellen der Geiztriebe schnell ab, bevor Pilzsporen sie finden. Regelmäßigkeit schlägt Gründlichkeit: Ein kurzer Rundgang bei jedem Gießen fängt Geiztriebe klein und Rispen rechtzeitig. Ich nehme mir dafür einen festen Wochentag und gehe mit Bindematerial in der Tasche durch die Reihe – erst alle Pflanzen ausgeizen, dann in einem zweiten Durchgang aufbinden, so vergesse ich keine.
Eine Runde, vier Blicke.
- Blattachseln: Geiztriebe ausbrechen, solange sie weich sind.
- Haupttrieb: neue Achterschlinge unter dem obersten Blattansatz, alte Schlingen auf Einschnürung prüfen.
- Rispen: jede schwer werdende Rispe bekommt einen Haken oder eine Schlaufe.
- Stab: sitzt er noch fest, oder braucht die Pflanze eine zweite Stütze?
Luft, Licht und weniger Pilzdruck: der Anriss
Ausgeizen und Aufbinden halten die Fleischtomate offen: Luft zieht durch, das Laub trocknet nach Regen und Tau schneller ab, und Pilzkrankheiten wie die Kraut- und BraunfäuleDie Kraut- und Braunfäule, kurz Braunfäule oder Krautfäule, ist eine Pilzkrankheit vor allem an Tomaten und Kartoffeln, ausgelöst durch Phytophthora infestans. Sie verursacht braune Flecken an Blättern, Stängeln und Früchten. finden weniger nasse Blätter. Bei Fleischtomaten zählt das doppelt, weil die großen Früchte lange am Stock hängen und Feuchtigkeit länger halten als kleine Beeren. Warum eine luftige Pflanze weniger anfällig ist und wie du Krankheiten grundsätzlich vorbeugst, trägt der Tomaten-Ratgeber im Abschnitt zu den Krankheiten.
Saisonende: die Spitze kappen
Gegen Ende der Saison bilden Fleischtomaten weiter neue Blüten, die nicht mehr zu reifen Früchten werden. Dann kappst du den Haupttrieb ein Blatt über der obersten Rispe, die noch ausreifen kann, und entfernst neue Blütenansätze – die Kraft geht in die hängenden Früchte statt in Neuwuchs. Ich mache das, sobald die Nächte kühl werden, und ernte die letzten Fleischtomaten notfalls grün zum Nachreifen im Haus.
Fazit: zwei Handgriffe, eine Pflanze
Fleischtomaten verzeihen wenig: Ein übersehener Geiztrieb kostet Kraft, eine schlecht gebundene Rispe die schönsten Früchte. Wer Ausgeizen und Aufbinden als eine Runde begreift – ausbrechen, anbinden, Rispen sichern, Bindungen prüfen –, hat die Pflanze mit wenig Aufwand im Griff und erntet Fleischtomaten, die ganz oben am Stab genauso gut aussehen wie an der ersten Rispe unten.





