Kirschtomaten vermehren: sortenrein zum eigenen Saatgut
- Kirschtomaten vermehrst du nur aus samenfesten Sorten – F1-Hybriden spalten in der nächsten Generation auf.
- Tomaten bestäuben sich meist selbst, Hummeln können aber Pollen zwischen Sorten tragen: Abstand, Abbinden oder eine Sorte je Beet sichern die Sortenreinheit.
- Einzelne Blütenrispen vor dem Öffnen mit Vlies abbinden, nach dem Fruchtansatz freigeben und markieren.
- Mutterpflanzen auslesen: gesund, sortentypisch, reich tragend – und Saatgut von mehreren Pflanzen mischen.
- Samen gewinnen, gären, waschen, trocknen: das Verfahren steht Schritt für Schritt im Cocktailtomaten-Ratgeber.
- Aussaat ab Mitte März, 0,5 bis 1 cm tief; bei 20 bis 25 °C keimen die Samen in sieben bis vierzehn Tagen.

Kirschtomaten vermehren: sortenrein zur nächsten Ernte
Kirschtomaten sind dankbare Kandidaten für eigenes Saatgut, denn sie tragen reich, reifen über Monate und liefern in jeder Frucht genug Samen für die nächste Saison. Der Haken sitzt in der Blüte: Tomaten bestäuben sich zwar meist selbst, aber nicht immer – und wer mehrere Sorten im Garten hat, kann in der nächsten Saison eine Überraschung ernten. Darum geht es hier: wie du Kirschtomaten sortenrein vermehrst, welche Mutterpflanzen du auswählst und welche Sorten sich überhaupt eignen.
Das eigentliche Gewinnen der Samen – Gären, Waschen, Trocknen – beschreibt Schritt für Schritt der Ratgeber zum Saatgut von Cocktailtomaten; hier bleibt es bei der Kurzfassung. Ich vermehre dieselbe Kirschtomate schon lange weiter und habe dabei gelernt, dass die Sortenreinheit die eigentliche Arbeit ist, nicht das Glas mit dem Fruchtfleisch.
Samenfeste Kirschtomaten: worauf du beim Kauf achtest
Vermehren lassen sich nur samenfeste Sorten; F1-HybridenF1-Hybriden sind Sorten, deren Saatgut aus der gezielten Kreuzung zweier ausgewählter Elternlinien stammt. Die Pflanzen dieser ersten Nachkommengeneration (F1) wachsen häufig sehr einheitlich, ihre eigenen Samen bringen die Sorte aber nicht zuverlässig wieder hervor. spalten in der nächsten Generation auf. Auf der Tüte steht das Entscheidende: samenfest oder open pollinated ja, F1 nein. Bewährte samenfeste Kirschtomaten sind zum Beispiel ‘Black Cherry’ und ‘Gardener’s Delight’; ‘Sungold’ dagegen ist eine F1-Sorte, die du jedes Jahr neu kaufst. Welche Sorten es sonst gibt, wie Wuchstyp und Fruchtgröße zusammenhängen und was Kirsch- von Cocktailtomaten unterscheidet, steht im Tomaten-Ratgeber im Abschnitt zu den Sorten.
Selbstbestäuber mit Ausnahmen: warum Kirschtomaten sich kreuzen können
Die Tomatenblüte ist so gebaut, dass Staubbeutel und Narbe eng beieinanderliegen; meist landet der eigene Pollen auf der eigenen Narbe, bevor ein Insekt überhaupt vorbeischaut. Trotzdem passiert Fremdbestäubung: Hummeln rütteln an den Blüten, um Pollen zu lösen, und tragen dabei Pollen von Sorte zu Sorte. Bei manchen kleinfrüchtigen und alten Sorten ragt die Narbe zudem etwas weiter aus der Blüte, was die Chance auf Fremdpollen erhöht. Das Ergebnis siehst du nicht an der Frucht dieses Jahres – die schmeckt wie immer –, sondern erst an den Nachkommen in der nächsten Saison.
Selbstbestäubung heißt, Pollen und Narbe stammen aus derselben Blüte – die Nachkommen bleiben sortenecht. Fremdbestäubung heißt, Pollen einer anderen Sorte landet auf der Narbe – die Frucht sieht normal aus, aber die Samen darin tragen eine Kreuzung. Sortenrein wird Saatgut also durch das, was vor dem FruchtansatzFruchtansatz ist das Entstehen einer Frucht aus einer Blüte, besonders bei Obstbäumen, aber auch bei Fruchtgemüse. Außerdem nennt man die junge, sich gerade entwickelnde Frucht selbst so. passiert.
Sortenrein halten: Abstand, Abbinden, eine Sorte je Beet
Für den Hausgarten gibt es drei Werkzeuge:
- Abstand: Sorten so weit auseinander pflanzen, wie der Garten hergibt, mit höheren Kulturen dazwischen. Auf kleinen Flächen reicht das allein selten.
- Abbinden: Einzelne, noch geschlossene Blütenrispen mit einem Vlies- oder Organzabeutel verschließen. Die Blüten bestäuben sich im Beutel selbst; sobald kleine Früchte angesetzt sind, kommt der Beutel ab und die Rispe bekommt ein farbiges Band. Nur diese Früchte liefern das Saatgut. Das ist im kleinen Garten der sicherste Weg.
- Trennung: Je Beet oder Gewächshaus nur eine Sorte, oder Sorten so versetzt anbauen, dass sie nicht gleichzeitig blühen.
Für das Abbinden brauchst du keine Spezialausrüstung – kleine Vliesbeutel, wie sie für Obst oder als Geschenkverpackung verkauft werden, und etwas Bindfaden. Ich binde je Mutterpflanze ein paar Rispen ab; das gibt mehr Saatgut, als ich je aussäe.
Handbestäubung: wann sie sich lohnt
Für sortenreines Saatgut ist Handbestäubung nicht nötig, weil die Blüte im Beutel sich selbst bestäubt. Nützlich wird sie im geschlossenen Gewächshaus, wo Wind und Hummeln fehlen: Ein weicher Pinsel oder ein sanftes Schütteln der Pflanze an sonnigen Vormittagen löst den Pollen. Und sie ist das Werkzeug, wenn du bewusst zwei Sorten kreuzen willst – dann wird aus dem Vermehren ein Züchten, mit Auslese über mehrere Generationen, bis etwas Stabiles entsteht.
Meine erste Kreuzung war unfreiwillig – eine gelbe Kirschtomate stand zu nah an einer roten, und im Folgejahr trugen die Nachkommen der gelben Sorte plötzlich rote Früchte. Hübsch, aber nicht mehr die Sorte. Seitdem bekommen die Saatgut-Rispen ihren Beutel, bevor sich die erste Blüte öffnet.
Mutterpflanzen auswählen: Auslese für eine reiche Ernte
Reiche Ernte beginnt mit der Wahl der Mutterpflanzen. Beobachte über die Saison und markiere die Pflanzen, die gesund bleiben, sortentypische Früchte tragen, früh dran sind und bis in den Herbst durchtragen; Kirschtomaten werden je nach Sorte von Juli bis Oktober reif, da ist Zeit genug für den Vergleich. Ich markiere im Juli, wenn die ersten Rispen reifen, und korrigiere die Auswahl im August noch einmal. Von diesen Pflanzen – und nur von diesen – nimmst du die abgebundenen Früchte, und zwar von mehreren Mutterpflanzen derselben Sorte, damit die Sorte genetisch breit bleibt und sich über die Jahre nicht auf eine einzige Linie verengt.
Diese Auslese begünstigt mit der Zeit Pflanzen, die mit deinem Boden und deinem Kleinklima zurechtkommen. Ein Versprechen auf mehr Ertrag ist das nicht: Wetter, Pflege und Standort entscheiden jedes Jahr mit. Aber die Richtung stimmt, und kranke oder schwächliche Pflanzen fallen zuverlässig aus dem Saatgut heraus.
Zwei Farben Wollfaden reichen für die ganze Buchführung: eine Farbe für die Mutterpflanze am Stab, eine für die abgebundene Rispe. So findest du im September ohne Zettel die richtigen Früchte.
Samen gewinnen, trocknen, lagern – in Kürze
Die abgebundenen, vollreifen Früchte aufschneiden oder ausdrücken, Fruchtfleisch und Samen mit etwas Wasser bei Zimmertemperatur gären lassen, bis sich eine Kahmhaut bildet und die Samen absinken; dann waschen, bis nichts mehr glitscht, auf einem Kaffeefilter trocknen, bis die Samen beim Biegen brechen, und kühl, trocken und dunkel in beschrifteten Tütchen lagern. Bei Kirschtomaten nimmst du wegen der kleinen Früchte ein paar mehr und passt beim Abgießen auf die winzigen Samen auf. Alles Weitere – Fehlerhilfe, KeimprobeDie Keimprobe ist ein einfacher Test vor der Aussaat: Du legst eine abgezählte Zahl Samen auf feuchtes Küchenpapier und zählst nach der Keimdauer, wie viele gekeimt sind. So siehst du, ob sich älteres Saatgut noch lohnt., Lagerdauer – steht im Cocktailtomaten-Ratgeber.
Rechtlich gilt: Für den eigenen Garten darfst du samenfeste Sorten nachbauen; bei sortengeschützten Sorten ist die Weitergabe in der Regel eingeschränkt, und ein Verkauf braucht eine Zulassung. Beim privaten Tausch bleibst du bei alten, samenfesten Sorten und nennst die Sorte korrekt.
Aussaat aus eigenem Saatgut
Ohne Pflanzenlampe nicht vor Mitte März, das Fenster reicht bis Anfang April. Säe 0,5 bis 1 cm tief in AnzuchterdeAnzuchterde ist eine nährstoffarme, feinkrümelige Erde für die Aussaat und das Vorziehen junger Pflanzen. Die geringe Nährstoffmenge regt die zarten Wurzeln zum Wachsen an., bedecke die Samen leicht und halte sie feucht – bei 20 bis 25 °C keimen sie in sieben bis vierzehn Tagen. Nach den ersten echten Blättern wird pikiert, ein bis zwei Wochen vor dem Auspflanzen abgehärtet, und nach den EisheiligenDie Eisheiligen sind die Namenstage von fünf Heiligen vom 11. bis 15. Mai. Bauernregeln zufolge häufen sich dann späte Frostnächte, deshalb gelten sie im Garten als Merkdatum für die Spätfrostgefahr. Mitte Mai dürfen die Pflanzen ins Freie. Zeitpunkt und Methode im Detail erklärt der Ratgeber zur Aussaat von Kirschtomaten, den kompletten Weg von der Aussaat bis zur Ernte der Anbau-Ratgeber für Kirschtomaten.
Fazit: die Sortenreinheit ist die Arbeit
Kirschtomaten vermehren heißt vor allem: vor der Blüte handeln. Sorten trennen oder Rispen abbinden, Mutterpflanzen markieren, Saatgut von mehreren gesunden Pflanzen mischen – der Rest ist ein Glas mit Fruchtfleisch und etwas Geduld. Ich mache das jedes Jahr mit einer Handvoll Rispen, und die Sorte schmeckt im nächsten Sommer wieder genau so, wie sie soll.





