Kräuter · Kräuter · Wissen

Löwenzahn: vom Heilkraut zum Gartenkraut – Kulturgeschichte, Anbau und Ernte

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Alle Teile des Löwenzahns sind essbar; üblich ist der Verzehr der grünen oder der gelb gebleichten Blätter, die Wurzel wird geröstet als koffeinfreier Kaffeeersatz genutzt.
  • Gezüchteter Kultur-Löwenzahn hat weniger Bitterstoffe und mehr Blattmasse als die Wildform – das ist der eigentliche Schritt vom Unkraut zum Gemüse.
  • Aussaat von März bis September als Lichtkeimer bei 15–20 °C, Keimdauer 14–28 Tage, 30 cm Reihenabstand und 10–30 cm in der Reihe; zusätzliche Düngung ist im Garten nicht nötig.
  • Die zartesten Blätter liefert der Frühjahrsaustrieb vor der ersten Blüte; ab November lässt sich der Löwenzahn mit Wurzel im dunklen Keller treiben und über den Winter bleich ernten.
  • Wildsammlung nur abseits stark befahrener Straßen und behandelter Feldränder – und nur, was du zweifelsfrei bestimmt hast.
Blühender Löwenzahn (Taraxacum officinale) mit gelbem Blütenkorb
Foto: Sonja-Kalee · Pixabay Content License · Quelle ↗

Du mähst ihn im Rasen, hackst ihn aus der Beetkante und liest gleichzeitig, er sei ein Superfood. Beides passt schlecht zusammen, und genau darum geht es hier: Wie ein Wiesenkraut zur Apothekenpflanze, zum Notnahrungsmittel und schließlich zum Kulturgemüse mit eigener Sorte wurde – und was du davon heute im Garten nutzen kannst. Ich lasse in meinem Rasen jedes Jahr einen Streifen ungemäht stehen und ernte dort die ersten Blätter, bevor ich überhaupt ans Beet gehe.

Was der Löwenzahn ist – in drei Sätzen

Löwenzahn ist ein mehrjähriger Korbblütler aus den gemäßigten Zonen, bleibt mit 20–30 cm Höhe und Breite kompakt und blüht von Mai bis Oktober. Ob ein Kraut ein-, zwei- oder mehrjährig lebt und zur trocken-mediterranen oder zur frisch-feuchten Welt gehört, entscheidet über Platz, Gießen und Pflege – die Grundlagen dazu findest du in den Abschnitten zu den zwei Kräuter-Welten und den drei Lebensläufen der Kräuter. Alles Weitere zu dieser Art sammelt der Löwenzahn-Überblick.

Giftig für Haustiere?
Angaben für die Gattung Taraxacum
Hund
Ungiftig
Katze
Ungiftig
Ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Vergiftung sofort Tierarzt kontaktieren. Quelle: ASPCA Toxic Plants · Stand 2026-07-11

Empfehlungen für den Garten

Aussaat und Vermehrung

Saattiefe

Die Samen benötigen Licht zum Keimen.

Aussaatkalender Löwenzahn
GartenkalenderVorkultur: März, April; Aussaat: März, April, Mai, Juni, Juli, August, September; Ernte: Juni, Juli, August, September, Oktober; Pflanzung: JuniJFMAMJJASONDVorkulturVorkultur: MärzVorkultur: AprilAussaatAussaat: MärzAussaat: AprilAussaat: MaiAussaat: JuniAussaat: JuliAussaat: AugustAussaat: SeptemberErnteErnte: JuniErnte: JuliErnte: AugustErnte: SeptemberErnte: OktoberPflanzungPflanzung: JuniVorkulturAussaatErntePflanzung

Vom Wiesenkraut zum Nutzkraut: die Stationen

Der Name verrät die Apotheke

Der Artname officinale bedeutet „aus der Offizin”, der Apotheke. Er steckt in den Namen vieler Pflanzen, die über lange Zeit als Heilkräuter gehandelt wurden, und beim Löwenzahn ist er der älteste Hinweis auf seine Karriere: Bevor er im Rasen störte, stand er als Bitterkraut in der Volksheilkunde. Was heute über seine Inhaltsstoffe bekannt ist und wie die Forschung sie einordnet, liest du gesammelt in welche Inhaltsstoffe im Löwenzahn stecken und wie sie wissenschaftlich bewertet werden. Hier nur der Anriss: Löwenzahn enthält Bitterstoffe aus der Gruppe der Sesquiterpenlactone, außerdem Triterpenalkohole, Phenolglykoside, Flavonoide und Kohlenhydrate; in der Wurzel sitzt Inulin, ein aus Fructosebausteinen aufgebautes Kohlenhydrat. Bei Beschwerden ersetzt kein Kraut den ärztlichen Rat.

Volksnamen: Pusteblume, Butterblume, Kuhblume

Kaum eine Pflanze trägt so viele Namen. Pusteblume beschreibt den Fruchtstand mit seinen Flugsamen, Butterblume die Farbe, Kuhblume den Standort auf der Weide. Die Namen zeigen, dass der Löwenzahn nie unbekannt war – er war nur so allgegenwärtig, dass ihn niemand anbauen musste.

Notnahrung und Kaffeeersatz

In Zeiten, in denen frisches Grün im Frühjahr knapp war, kamen die jungen Rosettenblätter in den Salat. Die Wurzel wurde geröstet und ergab ein malzig schmeckendes, koffeinfreies Getränk, das als Kaffeeersatz diente. Beides ist keine Erfindung der Superfood-Jahre, sondern Küche aus dem Mangel heraus – und beides funktioniert heute genauso.

Der Schritt zum Gemüse: Bleichen und Züchten

Zwei Handgriffe machten aus dem herben Wiesenkraut ein Gemüse. Der erste ist alte Gartentechnik: Wer den Löwenzahn vor der Ernte vor Licht schützt, bekommt bleiche, mildere Blätter – im Hausgarten reicht dafür ein umgedrehter Topf über der Rosette, im Winter der Keller (dazu unten mehr). Der zweite Schritt ist die Züchtung: Gezüchteter Löwenzahn hat einen geringeren Bitterstoffanteil und mehr Blattmasse als die Wildform. Mit Kultursorten wie ‘Lyonell’ steht der Löwenzahn heute neben Salat und Spinat im Saatgutregal.

Mythos-Check

„Löwenzahn schlägt Karotte und Spinat bei den Nährstoffen.” Solche Vergleichszahlen kursieren überall. Belegt ist, dass Löwenzahn ein essbares Kraut mit Bitterstoffen, Flavonoiden und Inulin in der Wurzel ist – das genügt als Grund, ihn zu ernten, ohne ihn zum Wunder zu erklären.

Anzeigen

Löwenzahn im Garten anbauen

Wer Löwenzahn gezielt säen will, gewinnt zweierlei: milde Kulturblätter statt herber Wildware und die Kontrolle über den Standort. Die Kultursorte ‘Lyonell’ wünscht sich einen tiefgründigen, nährstoffreichen Lehmboden. Zusätzliche Düngung braucht Kultur-Löwenzahn im Garten nicht.

Zahl im Blick

Aussaat von März bis September. Löwenzahn ist Lichtkeimer: 0–1 cm tief säen, also oberflächennah und höchstens dünn bedeckt. Er keimt bei 15–20 °C in 14–28 Tagen. Reihensaat mit 30 cm Reihenabstand, in der Reihe 10–30 cm Platz je Pflanze; rechne mit einer Kulturdauer von 28–70 Tagen.

Ich säe in flache Rillen, drücke die Samen nur an und kontrolliere beim Gießen, ob die Rille feucht bleibt – Saatgut darf während und nach der Keimung nicht austrocknen. Den passenden Termin für deine Region liest du im Aussaatkalender für Löwenzahn ab.

Bei der Nachbarschaft gelten Estragon, Ringelblume, Kamille, Parakresse und Süßkraut als unverträgliche Partner. Mischkultur unterstützt, sie garantiert nichts – mit dem Mischkultur-Werkzeug prüfst du deine Beetkombination im Ganzen.

Tipp

Löwenzahn blüht von Mai bis Oktober und verteilt seine Flugsamen weit. Wer ihn im Beet halten will, schneidet die Blütenstände ab, bevor sie zur Pusteblume werden. Lass trotzdem einen Teil deiner Kräuter bis zur Blüte stehen – blütenbesuchende Insekten nutzen sie als Nahrungsquelle.

Ernten: Blätter, Blüten, Wurzeln

Blätter – zart nur im Frühjahr

Die besten Blätter liefert der Frühjahrsaustrieb, geerntet vor der ersten Blüte. Später im Jahr werden die Blätter immer bitterer. Ich schneide die Rosetten im zeitigen Frühjahr und probiere vorher ein Blatt, weil ich am Geschmack merke, wie herb der Bestand gerade steht.

Willst du milde Blätter außerhalb dieses Fensters, hilft das Bleichen: die Pflanze einige Tage vor der Ernte vor Licht schützen. Üblich ist der Verzehr der grünen oder der gelben, gebleichten Blätter.

Die Winterbleiche im Keller

Für gebleichte Winterernte gräbst du Löwenzahnpflanzen ab November mit Wurzel aus, schlägst sie senkrecht in feuchten Sand ein und treibst sie im dunklen Keller. Die bleichen Blätter erntest du über den Winter. Das ist dieselbe Idee, mit der der Löwenzahn einst vom Wiesenkraut zum Gemüse wurde – nur eben bei dir im Keller.

Blüten und Wurzeln

Alle Teile der Pflanze sind essbar. Die Blüten hast du von Mai bis Oktober; sie werden traditionell zu Sirup und Gelee verkocht und schmücken frisch Salate. Die Wurzeln sind das Ausgangsmaterial für den gerösteten Kaffeeersatz und tragen das Inulin.

Achtung

Beim Wildsammeln zählt der Ort. Löwenzahn von stark befahrenen Straßen verzehrst du nicht; an Feldrändern ist mit Pflanzenschutzmittel-Kontamination zu rechnen. Achte auf Verwechslungen und ernte nur, was du zweifelsfrei bestimmt hast – im Zweifel bleibt die Pflanze stehen. Löwenzahn ist ein Korbblütler, und bei Korbblütlern sind Kreuzreaktionen bekannt; wer eine Allergie vermutet, klärt das ärztlich ab.

Passt dazu

Wie du ein anderes heimisches Wildkraut erkennst, sammelst und verarbeitest, zeigt dir der Ratgeber zum Löffelkraut als würzigem Wildkraut für die Küche.

In der Küche: kurz angerissen

Junge Blätter kommen roh in den Salat oder werden gedünstet; die Wurzel wird geröstet und gemahlen zum koffeinfreien Getränk. Für Tee aus Blättern oder Wurzelstücken gießt du mit sprudelnd kochendem Wasser auf, lässt ihn mindestens fünf Minuten ziehen – so werden in seltenen Fällen vorhandene Keime abgetötet, was besonders für Säuglinge, kleine Kinder und Kranke zählt – und trinkst ihn frisch, statt ihn mehrere Stunden stehen zu lassen, weil hitzeresistente Sporen das Aufbrühen überstehen können.

Setzt du Blüten oder Blätter in Öl an, gilt die Botulismus-Linie: Unter Luftabschluss können sich in selbst angesetzten Öl-Zubereitungen Botulinumtoxine bilden. Nichts auf Vorrat ansetzen, im Kühlschrank aufbewahren, spätestens am Tag nach der Herstellung verbrauchen. Konkrete Gerichte, Mengen und Techniken findest du in den Rezepten und Zubereitungstipps für Löwenzahn.

Anzeigen

Trocknen und aufbewahren

Blätter, Blüten und zerteilte Wurzeln trocknest du wie andere Kräuter: im Backofen bei etwa 40 bis 50 °C mit einen Spalt breit geöffneter Tür oder an einem geschützten Ort mit mindestens 30 °C, etwa auf dem Speicher. Fertig sind luftgetrocknete Blätter, wenn sie beim Anfassen rascheln. Lagere alles luftdicht, lichtgeschützt und trocken, prüfe verschlossene Gefäße regelmäßig auf Schimmel und verbrauche getrocknete Kräuter am besten innerhalb von 12 Monaten – danach lassen Geschmack und Aroma nach.

Marias Erfahrung

Ich trockne die Wurzelstücke getrennt von den Blättern und beschrifte jedes Glas mit Pflanzenteil und Datum. Beim Öffnen rieche ich jedes Mal kurz hinein und sortiere aus, was muffig wirkt.

Löwenzahn in Kosmetik und Körperpflege

Blüten und Blätter des Löwenzahns werden traditionell für Ölauszüge, Bäder und Auflagen genutzt. Für selbst gemachte Pflege zählen frische Zutaten, saubere Behälter sowie hygienisches Herstellen und Benutzen. Wasserarme oder wasserfreie Zubereitungen wie ein Ölauszug entziehen Mikroorganismen eine wichtige Lebensgrundlage; wässrige Mischungen wie eine Blütenmaske rührst du frisch an. Stelle kleine Mengen her und verbrauche sie zügig, entnimm aus Tiegeln mit Spatel oder Wattestäbchen, und alles, was Geruch, Aussehen oder Konsistenz verändert hat, kommt weg. Auch natürliche Pflanzenextrakte können Allergien auslösen – neue Zubereitungen testest du an einer kleinen Hautstelle. Ölauszüge für die Haut bleiben im Bad und nicht in der Küche.

Symbol und Alltag

Der Löwenzahn wächst durch Pflasterfugen, kommt nach dem Mähen wieder und schickt seine Samen mit dem Wind auf die Reise. Genau deshalb steht er in Bildern, Gedichten und Kinderspielen für Ausdauer und Vergänglichkeit zugleich – die gelbe Blüte am Morgen, die Pusteblume wenige Tage später. Für dich als Gärtnerin oder Gärtner ist er beides: die Pflanze, die du aus der Beetkante ziehst, und das Gemüse, das du eine Reihe weiter säst. Dass sich das nicht widerspricht, ist die eigentliche Geschichte vom Unkraut zum Nutzkraut.

Jetzt dran

Suche im Rasen die Stelle mit den kräftigsten Rosetten, stelle einen Topf darüber und probiere in einigen Tagen die gebleichten Blätter. Schmeckt es dir, säst du im nächsten Fenster eine Reihe Kultur-Löwenzahn mit 30 cm Reihenabstand ins Beet.

Passendes Saatgutaus dem samen.live Shop
Sperli Löwenzahn SPERLI's Lyonell
Sperli Löwenzahn SPERLI's Lyonell
Zum Shop
Kiepenkerl Löwenzahn Dandelion
Kiepenkerl Löwenzahn Dandelion
Zum Shop

Häufige Fragen

Was macht den Löwenzahn als Superfood so besonders?
Superfood ist ein Werbewort, das dir dieser Artikel nicht bestätigt. Belegt ist, dass alle Teile der Pflanze essbar sind, dass sie Bitterstoffe aus der Gruppe der Sesquiterpenlactone, Triterpenalkohole, Phenolglykoside, Flavonoide und Kohlenhydrate enthält und dass in der Wurzel Inulin steckt. Was den Löwenzahn im Alltag auszeichnet, ist eher, dass er vor deiner Tür wächst und sich im Beet gezielt kultivieren lässt.
Wie bereitet man Löwenzahnwurzel für die Herstellung von natürlichem Kaffeeersatz vor?
Du gräbst die Wurzeln aus, bürstest sie unter Wasser sauber, zerteilst sie und lässt die Stücke vollständig trocknen. Danach röstest du sie ohne Fett in der Pfanne, bis sie dunkel sind und malzig duften, und mahlst sie nach dem Abkühlen. Aufgebrüht ergibt das ein malzig schmeckendes, koffeinfreies Getränk. Röstgrad und Menge pro Tasse tastest du nach deinem Geschmack ab.
Wann ist die beste Jahreszeit für die Ernte von Löwenzahnblättern und -wurzeln?
Blätter schmecken am besten aus dem Frühjahrsaustrieb, geerntet vor der ersten Blüte; im Lauf des Jahres werden sie immer bitterer. Wer milde Blätter außerhalb dieser Zeit will, bleicht die Pflanze, indem er sie einige Tage vor der Ernte vor Licht schützt. Für die Winterernte gräbst du Pflanzen ab November mit Wurzel aus und treibst sie senkrecht in feuchtem Sand im dunklen Keller. Die Blüten hast du von Mai bis Oktober.
Stimmt es, dass Löwenzahn als Unkraut keinen Nährwert hat?
Nein. Unkraut ist ein Wort für den Standort, nicht für den Wert der Pflanze – es bedeutet nur, dass sie dort wächst, wo du sie nicht gesät hast. Löwenzahn ist ein Lebensmittel, alle Teile sind essbar, und er enthält unter anderem Bitterstoffe, Flavonoide, Phenolglykoside und in der Wurzel Inulin. Als Kulturform mit weniger Bitterstoffen steht er längst im Saatgutregal.
Welche Kriterien sind beim Kauf von Löwenzahnsamen für den eigenen Anbau wichtig?
Entscheide zuerst zwischen Wildform und Kultursorte: Gezüchteter Löwenzahn bringt mehr Blattmasse und weniger Bitterstoffe, die Wildform ist herber. Achte auf die Kulturangaben auf der Tüte – Aussaatzeit, Saattiefe, Abstände – und lagere das Saatgut kühl und trocken. Bei älteren Beständen zeigt dir eine Probeaussaat, ob die Samen noch keimen.
Zuletzt geprüft:
↑