Zitronengras: Aroma, Verwendung in der Küche und der Vergleich mit Zitrone und Zitronenmelisse
- Zitronengras (Cymbopogon spp.) ist ein tropisches Süßgras; in der Küche zählt vor allem der helle, zarte untere Stängelabschnitt von etwa 10 cm.
- Das Aroma steckt in ätherischen Ölen, nicht in Saft oder Säure – Stängel anquetschen, mitkochen, vor dem Servieren herausnehmen.
- Zitronenmelisse überwintert im Freiland, Zitronengras nicht: Unter etwa 10 °C stellt es das Wachstum ein, das Winterquartier liegt bei etwa 10 bis 15 °C.
- Für den Vorrat behält Zitronengras beim Einfrieren mehr Aroma als beim Trocknen – dafür in etwa 10 cm lange Stücke schneiden.
- Zitronengras ist ein Küchenkraut, keine Medizin.

Du hast frisches Zitronengras in der Hand und fragst dich, ob du es wie eine Zitrone behandeln kannst – auspressen, reiben, in den Salat? Das geht schief, denn Zitronengras liefert weder Saft noch Säure, sondern ein Aroma aus ätherischen Ölen, das nur durch Anquetschen und Mitkochen ins Gericht kommt. Ich ziehe vor dem Kochen die äußeren harten Blätter ab und quetsche den Stängelgrund mit dem Messerrücken an, bevor er in den Topf geht. Dieser Artikel klärt, was Zitronengras ist, wie du es in der Küche einsetzt, was von der traditionellen Verwendung zu halten ist und wie es sich gegen Zitrone, Limette und Zitronenmelisse schlägt.
Was Zitronengras ist – und warum es keine Zitrone ist
Zitronengras trägt den botanischen Namen Cymbopogon spp. und ist ein tropisches Süßgras. Es hat mit Zitruspflanzen nichts zu tun; der Name bezieht sich allein auf den Duft. Die Pflanze wächst in dichten Horsten aus langen, schmalen Blättern, die am Grund zu festen, hellen Stängeln zusammenlaufen. Als Tropenpflanze gedeiht Zitronengras am besten bei Temperaturen von etwa 20 bis 30 °C und stellt unterhalb von etwa 10 °C sein Wachstum ein.
Für die Küche zählt nur ein kleiner Teil der Pflanze: der helle, zarte untere Stängelabschnitt von etwa 10 cm. Die grünen Blätter darüber sind faserig, scharfkantig und taugen höchstens zum Aufgießen. Das Aroma sitzt in ätherischen Ölen, die erst beim Zerdrücken oder Zerschneiden der Zellen freiwerden – deshalb schmeckt ein unversehrter Stängel im Topf kaum, ein angequetschter dagegen deutlich.
Empfehlungen für den Garten
Aussaat und Vermehrung
- Saattiefe
Samen nur leicht andrücken oder sehr flach etwa 0,5–1 cm tief säen.
Wie Zitronengras schmeckt und wo es Zitrone, Limette und Zitronenmelisse ersetzt
Zitronengras schmeckt frisch-zitronig mit einer herben, leicht würzigen Note, aber ohne die Säure einer Zitrone oder Limette. Genau darin liegt der Unterschied in der Anwendung: Zitrusfrüchte säuern ein Gericht und bringen Flüssigkeit mit, Zitronengras aromatisiert, ohne den Säuregehalt oder die Konsistenz zu verändern. Wer eine Brühe, ein Curry oder eine Kokosmilchsauce zitronig würzen will, ohne sie sauer zu machen, greift zum Gras. Wer Säure braucht – im Dressing, zum Abschmecken am Ende – bleibt bei Zitrone oder Limette. Beides zusammen ist üblich: Zitronengras kocht mit, Limettensaft kommt zum Schluss dazu.
Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ist der zweite Vergleichspartner, weil sie das gleiche Duft-Versprechen im Namen trägt. Sie ist ein Blattkraut: Du erntest Blätter, nicht Stängel, und die Blätter kommen frisch, eingelegt, getrocknet oder eingefroren zum Einsatz. Ihr Aroma wirkt milder und blattgrüner als das herbe, würzige Zitronengras. Im Garten trennen die beiden Welten: Zitronenmelisse ist mehrjährigMehrjährige oder ausdauernde Pflanzen leben mehrere Jahre und überstehen den Winter mit Überdauerungsorganen, Speicherorganen oder ausgedehnten Wurzeln. Krautige Mehrjährige heißen Stauden, auch Zwiebel- und Knollenpflanzen gehören dazu., überwintert als etablierte Pflanze im FreilandFreiland ist die offene Anbaufläche unter freiem Himmel, im Garten also das normale Beet. Anders als im Gewächshaus oder im begehbaren Folientunnel wachsen die Pflanzen dort ohne feste Schutzhülle., steht sonnig bis halbschattig und wird etwa 20 bis 90 cm hoch. Zitronengras ist frostempfindlich und muss frostfrei überwintern. Ich stelle beide getrennt auf: das Gras im Kübel, den ich im Herbst hereinhole, die Melisse im Beet, wo sie bleibt.
| Zitronengras | Zitronenmelisse | Zitrone / Limette | |
|---|---|---|---|
| Botanik | Cymbopogon spp., Süßgras | Melissa officinalis, LippenblütlerLippenblütler sind eine Pflanzenfamilie, deren verwachsene Blütenblätter eine Ober- und eine Unterlippe bilden. Typisch sind ein vierkantiger Stängel und paarweise gegenüberstehende Blätter, die beim Zerreiben oft auffallend riechen; dazu gehören Küchenkräuter wie Salbei, Thymian und Majoran. | Zitruspflanze |
| Genutzter Teil | heller, zarter Stängelgrund von etwa 10 cm | Blätter | Saft und Schale |
| Was es ins Gericht bringt | Zitrusaroma ohne Säure, mitgekocht | mildes Blattaroma, meist frisch | Säure, Frische, Flüssigkeit |
| Winter im Garten | nicht freiland-winterhart, Winterquartier etwa 10 bis 15 °C | überwintert als etablierte Pflanze im Freiland | Kübelpflanze, frostfrei |
| Vorrat | einfrieren in etwa 10 cm langen Stücken | eingelegt, getrocknet oder eingefroren | – |
Zitronengras würzt, Zitrone säuert. Das Aroma des Grases steckt in ätherischen Ölen, die beim Anquetschen austreten und beim Kochen ins Gericht übergehen; Saft oder Säure liefert es nicht. Deshalb kann es eine Zitrone in der Sauce ergänzen, aber im Dressing nicht ersetzen.
Ob Zitronenverbene als drittes Zitruskraut in deinem Garten steht, ändert an dieser Einteilung nichts: Auch sie ist ein Blattkraut, das du wie Melisse über die Blätter nutzt, nicht über einen Stängelgrund.
Zitronengras in der Küche: vorbereiten, mitkochen, aufgießen
Die Vorbereitung ist bei jedem Gericht gleich. Du entfernst die äußeren, harten Blätter, bis der helle, zarte Stängelgrund frei liegt, und kappst den grünen, faserigen oberen Teil. Dann quetschst du den Stängel mit dem Messerrücken oder dem Boden eines Topfes an, bis er aufplatzt. Für Currypasten oder Marinaden schneidest du den Stängelgrund fein und mörserst ihn; für Suppen und Brühen bleibt er in größeren, angequetschten Stücken.
In Suppen, Currys und Eintöpfen wandert das Gras früh in den Topf und kocht mit. Ich gebe die angequetschten Stücke gleich mit der Brühe auf und fische sie vor dem Servieren wieder heraus, weil die Fasern beim Essen stören. Bittere Noten hinterlässt Zitronengras dabei nicht – anders als Zitrusschale, die bei langem Kochen bitter werden kann. Klassische Anwendungen sind thailändische Tom-Yam-Suppe, vietnamesische Pho, malaysisches Rendang oder indonesische Gerichte mit Kokosmilch, Chili, Knoblauch und Ingwer. Mit genau diesen Zutaten harmoniert es auch in Marinaden für Fisch, Geflügel und Grillgemüse, und in der Fusionküche taucht es in Risotto, Desserts und Cocktails auf – überall dort, wo eine Zitrusnote ohne Säure gefragt ist.
Wenn ein Rezept Zitronengras verlangt, du aber nur Zitrone hast, passt Zitronenschale als Notlösung eher als Saft – sie bringt Aroma statt Säure. Gib sie in Streifen ins Gericht und nimm sie wie den Stängel wieder heraus, damit sie beim langen Kochen nicht bitter wird.
Für Tee gilt die allgemeine Kräuterteeregel. Ich gieße den angequetschten Stängel mit sprudelnd kochendem Wasser auf und lasse ihn mindestens fünf Minuten ziehen, damit in seltenen Fällen vorhandene Keime sicher abgetötet werden – das ist besonders für Säuglinge, kleine Kinder und Kranke wichtig. Den aufgegossenen Tee lässt du nicht über mehrere Stunden stehen, weil hitzeresistente Sporen das Aufbrühen überstehen können. Abgekühlt und auf Eis serviert ergibt derselbe Aufguss einen Eistee, gern mit Ingwer oder Minze.
Zitronengras und Gesundheit: Tradition ohne Versprechen
Zitronengras hat in Südostasien eine lange Tradition, in der Küche wie in der Volksmedizin: Als Tee, in Kräutermischungen und als Duftpflanze wird es dort seit Generationen genutzt. Diese Tradition darfst du kennen und dir erzählen lassen. Bei Beschwerden ersetzt kein Kraut den ärztlichen Rat.
Für den Hausgebrauch bleibt Zitronengras das, was es ist: ein Lebensmittel, das Suppen, Currys und Tee würzt. Wer mit Zitronengras kocht, tut das für den Geschmack – das reicht als Grund.
Anbau im Überblick: Standort, Pflege, Überwinterung, Vermehrung
Zitronengras gehört zur frisch-feuchten Kräuterwelt, obwohl es die Sonne liebt: Der hinterlegte Standort ist sonnig bis halbschattig, der Boden soll durchlässig bleiben und nicht austrocknen. Gegossen wird deshalb gleichmäßig, bevor die Pflanze schlappt, morgens und an den Fuß statt über das Blatt. Zitronengras gilt als schwachzehrend; Kompost zum Start genügt, üppige Stickstoffgaben machen das Kraut weicher und flacher im Aroma. Die Grundlagen zu Standort, Gießen und Düngen liest du im Kapitel darüber, wie Kräuter nach ihren zwei Welten gepflegt und überwintert werden.
Zum Klima gibt es nur eine Regel: Zitronengras ist eine Tropenpflanze, wächst am besten bei etwa 20 bis 30 °C und stellt unter etwa 10 °C das Wachstum ein. Es verträgt kein Absinken unter etwa 10 °C und kommt spätestens bei Temperaturen von 5 bis 7 °C ins Winterquartier; dort gelten als Richtwert etwa 10 bis 15 °C, hell und frostfrei. Im Freiland überwintert es hierzulande nicht, im Kübel ist das Hereinholen unkompliziert.
Als Abstands-System gelten im Beet 40 cm in der Reihe bei 40 cm Reihenabstand, als frei stehende Horste ohne Stütze; Mais gilt als unverträglicher Nachbar. Aussaat, Bewurzeln gekaufter Stängel und das Teilen von Horsten behandelt die Schritt-für-Schritt-Anleitung dazu, wie du Zitronengras vom Keimen bis zur ersten Ernte ziehst – hier nur so viel: Als Kulturstart sind März bis Juli sowie September bis November hinterlegt, und Zitronengras wird nicht als DauerkulturDauerkultur nennt man Pflanzen, die mehrere Jahre am selben Platz bleiben, immer wieder Ernte bringen und deshalb nicht in die Fruchtfolge eingebunden werden, etwa Rhabarber, Spargel oder Obst. geführt.
Ernte und Vorrat in Kürze
Geerntet werden einzelne Stängel, nicht die ganze Pflanze: Du schneidest sie an der Basis ab oder drehst sie vorsichtig heraus; als Richtwert für den Schnitt gelten etwa 2 bis 3 cm über der Erde, damit neue Triebe nachwachsen. Genutzt wird dann wieder der helle, zarte untere Abschnitt von etwa 10 cm. Ich schneide die Stängel etwa 2 bis 3 cm über der Erde ab und teile sie gleich in etwa 10 cm lange Stücke, die in flachen Dosen in den Froster gehen. Wann der beste Zeitpunkt ist und wie du Stängel für volles Aroma verarbeitest, zeigt der Beitrag darüber, wie du Zitronengras richtig erntest.
Für den Vorrat behält Zitronengras beim Einfrieren mehr Aroma als beim Trocknen; die Stängel werden dafür in etwa 10 cm lange Stücke geschnitten. Eingefrorene Kräuter halten sich bis zu einem Jahr. Ob und wie sich Trocknen trotzdem lohnt, welche Temperaturen dabei gelten und wie du getrocknete Stängel lagerst, ist Thema der Anleitung dazu, wie du Zitronengras trocknest und konservierst. Von Kräuteröl auf Vorrat rät der Grundlagenteil ab, und das gilt auch hier: Selbst angesetztes Zitronengras-Öl gehört in den Kühlschrank und wird spätestens am Tag nach der Herstellung verbraucht, weil sich unter Luftabschluss Botulinumtoxine bilden können.



