Bodenanalyse für Hobbygärtner: Probe nehmen, Werte deuten, gezielt düngen
- Eine Bodenanalyse zeigt die pflanzenverfügbaren Nährstoffvorräte und ist die Grundlage für Düngerwahl und Düngermenge.
- Die gängige Standardanalyse erfasst Phosphor, Kalium, Magnesium und pH-Wert, Spurenelemente und Nmin beauftragst du gesondert.
- Für die Mischprobe setzt du 10 bis 15 gleichmäßig verteilte Einstiche je einheitlich genutzter Fläche.
- Im Gemüsebeet stichst du 25 bis 30 cm tief.
- Der passende pH-Bereich hängt von Bodenart und Humusgehalt ab, Moorbeetpflanzen haben eigene Ansprüche.
- Bei Versorgungsstufe E kann die Düngung mit dem betreffenden Nährstoff vorübergehend entfallen.
- Eine grundlegende Bodenuntersuchung wiederholst du etwa alle 3 bis 5 Jahre.

Von oben siehst du keinem Beet an, wie viel Phosphor, Kalium oder Magnesium darin steckt. Genau daraus entsteht ein Düngefehler, der sich leicht vermeiden lässt: Dünger landet auf einem Boden, der mit diesem Nährstoff längst versorgt ist. Bevor ich im Frühjahr Dünger kaufe, lege ich deshalb den letzten Laborbericht neben meinen Beetplan.
Eine Bodenanalyse ermittelt die pflanzenverfügbaren Nährstoffvorräte deines Bodens. Sie ist die Grundlage dafür, ob du überhaupt düngen musst, mit welchem Dünger und in welcher Menge. Hier gehst du mit mir den ganzen Weg: von der Probe im Beet über die Frage Heimtest oder Labor bis zur Deutung von pH-Wert und Versorgungsstufen.
Was eine Bodenanalyse zeigt und was nicht
Die gängige Standardanalyse für Gartenboden erfasst Phosphor, Kalium, Magnesium und den pH-Wert. Weitere Parameter beauftragst du beim Labor gesondert, auch Eisen und den pflanzenverfügbaren Stickstoff. Kläre deshalb vor dem Einschicken, welche Werte du brauchst.
| Parameter | In der Standardanalyse | Was du wissen solltest |
|---|---|---|
| pH-Wert | ja | beschreibt die Bodenreaktion und ersetzt keine Untersuchung des Magnesiumgehalts |
| Phosphor, Kalium, Magnesium | ja | zeigt Unter- oder Überversorgung und erlaubt eine gezielte Düngerauswahl |
| Pflanzenverfügbarer Stickstoff (Nmin) | nein | muss gesondert bestimmt werden und bleibt eine Momentaufnahme |
| Eisen und andere Spurenelemente | nein | Spurenelementanalyse gesondert mit dem Labor vereinbaren |
Nmin ist der mineralische Stickstoff im Boden. Pflanzen nehmen Nährstoffe über die Wurzeln in mineralisch gelöster Form auf, organisch gebundener Stickstoff muss erst mineralisiert werden. Weil sich der verfügbare Stickstoff im Lauf der Kultur verändert, zeigt ein Nmin-WertDer Nmin-Wert gibt an, wie viel mineralischer Stickstoff (Nitrat und Ammonium) im Boden steckt und damit den Pflanzen zur Verfügung steht. Er wird per Bodenprobe im Labor bestimmt und hilft dir, Stickstoff bedarfsgerecht zu düngen. immer nur den Stand am Tag der Probe.
Stickstoff treibt das Wachstum von Blättern und Trieben, Phosphor wirkt im Energiehaushalt der Pflanze, Kalium regelt ihren Wasserhaushalt. Was die einzelnen Nährstoffe leisten und wie du eine NPK-Angabe liest, erklärt der Abschnitt zu NPK, Spurenelementen und Pflanzenbedarf im Ratgeber Düngen, Boden und Kompost.
Vermutest du eine Schadstoffbelastung in deinem Boden, ist die untere Bodenschutzbehörde die zuständige Anlaufstelle. Die gängige Standardanalyse für Gartenboden misst Nährstoffe und pH-Wert.
Dein Boden unter der Lupe: Bodenart, Struktur und pH-Wert
Ob ein pH-Wert oder ein Humusgehalt gut ist, entscheidet die Bodenart. Bevor du den Bericht liest, lohnt sich deshalb ein Blick auf deinen Boden selbst.
Welche Bodenart hast du?
Eine erste Einschätzung liefert dir die Fingerprobe. Nimm feuchte Erde zwischen Daumen und Finger und versuche, sie zu formen. Zerfällt sie körnig, ist der Sandanteil hoch. Klebt sie und lässt sich gut formen, ist der Boden tonreich.
Sandreiche Böden speichern wenig Wasser und Nährstoffe. Tonreiche Böden lassen Wasser langsamer durch und neigen deshalb eher zu Staunässe. Tonminerale und organische Substanz binden positiv geladene Nährstoffionen austauschbar und geben sie später an die Bodenlösung ab. Tonböden puffern den pH-Wert zudem stärker als leichte Böden. Zeigen zwei Böden denselben pH-Wert, brauchen sie deshalb noch lange nicht dieselbe Kalkmenge.
Bodenstruktur: was keine Laborzahl zeigt
Gefüge, Verdichtungen, Feuchtigkeit und Wurzelbild beurteilst du mit der Spatendiagnose. Stich dazu eine Scholle ab, heb sie heraus und schau sie dir von der Seite an: Wo zerfällt die Erde krümelig, wo liegt sie dicht, wie weit reichen die Wurzeln?
Verdichtung verkleinert den Porenraum und behindert Luftversorgung, Wasserbewegung und Wurzelwachstum. Über verdichteten Schichten kann sich Staunässe halten, und der Sauerstoffmangel kann Wurzelfäulnis auslösen und die Nährstoffaufnahme stoppen. Eine dichte Schicht kann also Mangelsymptome hervorrufen, obwohl der Laborbericht ausreichende Vorräte zeigt.
Humus ernährt die Bodenorganismen. Ihre Tätigkeit setzt Nährstoffe frei, und die Gänge der Regenwürmer fördern Durchlüftung und Versickerung. Besonders in leichten Böden verbessert Humus die Fähigkeit, Wasser und Nährstoffe zu halten.
Als Orientierung gelten für leichte bis mittlere Gartenböden etwa 3 bis 4 % Humus, für schwere Gartenböden etwa 6 %. Steht ein Humusgehalt in deinem Bericht, vergleichst du ihn mit dem Wert für deine Bodenart.
Der pH-Wert: ein Zielbereich je Boden und Pflanze
Einen einheitlichen Zielbereich für alle Pflanzen gibt es nicht. Der passende pH-Wert richtet sich nach Bodenart, Humusgehalt und den Pflanzen, die du anbaust. Diese Bereiche strebst du an, besondere Ansprüche wie die von Moorbeetpflanzen ausgenommen:
| Bodenart | Gartenboden, je nach Humusgehalt | Gemüse |
|---|---|---|
| Sand | pH 5,0 bis 6,5 | pH 5,4 bis 5,8 |
| Lehmiger Sand | keine eigene Angabe | pH 5,8 bis 6,2 |
| Stark sandiger Lehm | keine eigene Angabe | pH 6,2 bis 6,6 |
| Lehm | pH 5,5 bis 7,0 | pH 6,6 bis 7,0 |
| Ton, tonreicher Boden | pH 6,0 bis 7,5 | pH 6,8 bis 7,2 |
Ein ungeeigneter pH-Wert kann Nährstoffe in schwer löslichen Verbindungen festlegen. Liegt er zu hoch, kann ein Spurennährstoffmangel entstehen, obwohl die Nährstoffe im Boden vorhanden sind. Außerhalb von pH 5,5 bis 7,0 nimmt außerdem die Löslichkeit vieler Phosphatverbindungen stark ab.
Manche Pflanzen haben deutlich eigene Ansprüche:
| Pflanze | Bevorzugter pH-Wert | Hinweis |
|---|---|---|
| Rhododendron | überwiegend 4,5 bis 5,5 | obere ToleranzBei Pflanzensorten bedeutet Toleranz: Die Pflanze wird von einer Krankheit oder einem Schaderreger zwar befallen, verkraftet das aber so gut, dass in der Regel keine Ertragseinbußen zu befürchten sind. bis etwa pH 6,0 |
| Kulturheidelbeeren | 4 bis 5 | kalkarmes Gießwasser, kein üblicher Gartenkompost |
| Himbeeren | 5 bis 6,5 | gut durchlüfteter, humoser Boden |
| Gartenrosen | 5,5 bis 6,5 | Angabe bezogen auf Kleinstrauchrosen |
| Erdbeeren | neutral bis schwach sauer | lockerer, humusreicher Boden ohne Staunässe |
| Kohlgemüse | 7 | angestrebt zur Vorbeugung gegen Kohlhernie |
| Rasen | 4,8 bis 5,2 auf Sand bis 5,9 bis 6,3 auf tonreichen Böden | Zielbereich hängt von der Bodenart ab |
Rhododendren, Heidelbeeren und Eriken brauchen sauren Boden. Kalk und übliche Gartenkompostgaben sind für sie nicht angezeigt, weil Gartenkompost den pH-Wert erhöht.
So nimmst du die Bodenprobe richtig
Das Labor misst nur, was im Beutel landet. Ob der Befund zu deinem Beet passt, entscheidet deshalb die Probenahme.
Wann du die Probe nimmst
Nimm die Probe vor der Düngung. Geeignet sind das zeitige Frühjahr und der späte Herbst vor der Bodenbearbeitung. Ich steche meine Proben im zeitigen Frühjahr, bevor der erste Dünger aufs Beet kommt.
Eine Mischprobe je Nutzung
Rasen, Gemüsebeete, Staudenflächen und Gehölzflächen untersuchst du jeweils mit einer eigenen Mischprobe. Eine Mischprobe steht immer für eine einheitlich genutzte Fläche.
Rasen und Gemüsebeet landen im selben Eimer. Beide Flächen werden unterschiedlich tief beprobt und brauchen je eine eigene Mischprobe, sonst passt der Befund zu keiner von beiden.
Schritt für Schritt zur Mischprobe
Spaten oder Bohrstock, ein sauberer Eimer, saubere Kunststoffbeutel, ein wasserfester Stift und eine Skizze deiner Flächen.
- Fläche abgrenzen: Leg fest, welche einheitlich genutzte Fläche die Probe abbilden soll.
- Einstiche verteilen: Setz 10 bis 15 Einstiche gleichmäßig über die Fläche. Wege, Ränder und die Nähe des Komposts sparst du aus.
- Richtig tief stechen: Die Tiefe richtet sich nach der Nutzung, die Tabelle unten zeigt die Werte. Nimm an jeder Stelle die ganze Schicht bis zur Zieltiefe mit.
- Gründlich mischen: Gib alle Einzelproben in den sauberen Eimer, such Steine und Wurzeln heraus und misch die Erde gut durch.
- Abfüllen und beschriften: Füll etwa 500 g der Mischprobe in einen sauberen Kunststoffbeutel und beschrifte ihn mit Fläche und Datum.
- Einschicken: Ob die Probe vorher trocknen soll und wie du sie verpackst, gibt das Labor vor.
Ich ziehe die Einstiche im Zickzack über das Beet, so bleibt keine Ecke außen vor.
| Fläche | Einstichtiefe | Hinweis |
|---|---|---|
| Gemüsebeet | 25 bis 30 cm | Oberboden erfassen |
| Rasen | 8 bis 10 cm | eigene Mischprobe |
| Sträucher und Obstbäume | 0 bis etwa 30 cm | bearbeitete Bodenschicht |
| Rhododendron | 0 bis 30 cm | äußerer Wurzelbereich; 500 g auf pH, Phosphor, Kalium und Magnesium untersuchen lassen |
Vor dem Stechen zeichne ich eine Skizze, auf der jede Fläche einen Namen bekommt. Genau dieser Name steht später mit dem Datum auf dem Beutel, und die Skizze hefte ich zum Laborbericht.
Heimtest oder Labor: was du von beiden erwarten kannst
Mit einem pH-Messgerät oder einem Leitfähigkeitsmesser kannst du zu Hause messen. Ein Leitfähigkeitsmessgerät zeigt den Gesamtsalzgehalt, kann aber keine einzelnen Nährstoffe bestimmen. Bei pH-Messungen im Substrat lieferten gepflegte und kalibrierte Glaselektroden brauchbare Werte, untersuchte Metallelektroden erreichten keine ausreichende Genauigkeit.
Das Labor bestimmt in der Standarduntersuchung Phosphor, Kalium, Magnesium und pH-Wert und ordnet die Nährstoffe in Versorgungsstufen ein. Damit gleichst du den Bedarf deiner Pflanzen mit dem Angebot im Boden ab.
| Frage | Messung zu Hause | Laboranalyse |
|---|---|---|
| Was du erfährst | pH-Wert; per LeitfähigkeitDie Leitfähigkeit, oft als EC-Wert angegeben, ist ein Messwert für die Menge gelöster Salze, etwa Düngesalze, in Erde oder Wasser. Gemessen wird, wie gut die Probe Strom leitet: Je mehr Salze gelöst sind, desto höher der Wert. nur den Gesamtsalzgehalt | Phosphor, Kalium, Magnesium und pH-Wert, auf Auftrag auch Spurenelemente und Nmin |
| Einordnung | Messwert ohne Versorgungsstufe | Versorgungsstufe je Nährstoff |
| Verlässlichkeit | hängt von Gerät, Pflege und Kalibrierung ab | Messmethode des pH-Werts beachten |
| Wofür | Kontrolle zwischen zwei Analysen | Grundlage für Düngerwahl und Düngermenge |
Achte im Bericht darauf, wie der pH-Wert gemessen wurde. In einer Calciumchlorid-Suspension liegt er 0,5 bis 1 Einheiten unter dem Wert einer wässrigen Suspension. Vergleichst du einen eigenen Messwert mit dem Laborwert oder zwei Berichte miteinander, nimm deshalb nur Werte derselben Methode.
Den pH-Wert prüfe ich zwischen zwei Laboranalysen selbst nach, notiere ihn aber getrennt von den Laborwerten. Für die Düngeplanung nimmst du die Laboranalyse, den Heimtest nutzt du zur Kontrolle dazwischen. Welche Geräte es gibt, wie du damit richtig misst und wie du die Anzeige abliest, erklärt der Ratgeber, welcher Bodentester sich für den Hausgarten eignet.
Den Laborbericht lesen
Zwei Angaben tragen die Deutung: die Versorgungsstufe jedes Nährstoffs und der pH-Wert.
Versorgungsstufen: C ist das Ziel
GehaltsklasseDie Gehaltsklasse ist eine Einstufung im Bodenuntersuchungsbefund, die angibt, wie gut der Boden mit einem Nährstoff wie Phosphor, Kalium oder Magnesium versorgt ist. Sie reicht von A für niedrige bis E für besonders hohe Versorgung. C steht für eine anzustrebende mittlere Versorgung. Liegt ein Nährstoff darüber, ersetzt du nur einen Teil des Entzugs oder setzt die Düngung mit ihm aus.
| Stufe | Bedeutung | Folge für die Düngung |
|---|---|---|
| C | anzustrebende mittlere Versorgung | bedarfsgerecht nach Kultur düngen |
| D | hohe Versorgung | nur 50 % des erwarteten Entzugs durch Düngung ersetzen |
| E | sehr hohe Versorgung | Düngung mit diesem Nährstoff vorübergehend aussetzen |
Die Stufen gelten für jeden Nährstoff einzeln. Ist Phosphat sehr hoch versorgt, beurteilst du Kalium und Magnesium trotzdem für sich.
„Die Menge auf der Düngerpackung passt immer.“ Stimmt nicht: Sie setzt eine optimale Bodenversorgung voraus und gilt nur, wenn du nicht zusätzlich Kompost oder andere Dünger gibst. Steht ein Nährstoff in deinem Bericht in Stufe D oder E, brauchst du entsprechend weniger davon.
pH-Wert einordnen, Kalk nur nach Befund
Halte den gemessenen pH-Wert neben den Zielbereich für deine Bodenart und deine Kulturen. Gekalkt wird nur, wenn der Wert unter dem Bereich liegt, der zu Bodenart und Humusgehalt passt. Liegt er darüber, bringst du weder kalkhaltige Dünger noch Kompost aus.
Regelmäßige Kompostgaben von etwa 3 l/m² im Jahr können im Hausgarten bereits genug Kalzium nachliefern. Wer so arbeitet, kalkt deshalb erst, wenn ein Befund den pH-Wert tatsächlich zu niedrig zeigt. Mengen und Rhythmus für kohlensauren Kalk findest du im Ratgeber Düngen, Boden und Kompost im Abschnitt zu pH-Wert und Kalk.
Spurenelemente und Mangelsymptome deuten
Symptome an Blättern sind Hinweise, keine Diagnose. Mangel an Stickstoff, Phosphor, Kalium oder Magnesium zeigt sich häufig zuerst an älteren Blättern, Eisenmangel dagegen an jüngeren.
| Beobachtung | Kann hindeuten auf | Was du prüfst |
|---|---|---|
| Junge Blätter gelblich bis gelbweiß, Hauptadern zunächst grün | Eisenmangel; ManganmangelManganmangel ist eine Unterversorgung der Pflanze mit dem Spurenelement Mangan. Er zeigt sich zuerst an jüngeren Blättern, etwa als abgestorbene Punkte oder Streifen, und entsteht oft, weil Mangan bei hohem pH-Wert oder Trockenheit für die Wurzeln nicht verfügbar ist. lässt sich nicht immer sicher abgrenzen | pH-Wert im Bericht; Eisen und Mangan gesondert analysieren lassen |
| Jüngere Blätter hellgrün bis gelb | Schwefelmangel | Blatt- oder Ganzpflanzenanalyse |
| Ältere Blätter hellen zuerst auf | Mangel an Stickstoff, Phosphor, Kalium oder Magnesium | Versorgungsstufen im Bericht; Nmin gesondert |
| Nadelgehölze mit gelben Spitzen oder vergilbten älteren Nadeljahrgängen | Magnesiummangel | Bodenanalyse mit pH-Wert; bei unauffälligen Bodenwerten Nadelanalyse |
| Vergilbung mit Blattfall | Nährstoffmangel, aber auch Lichtmangel, Temperaturschwankungen oder Wasserstress | Standort, Wasserversorgung und Boden |
Trockenheit, Staunässe, Wurzelschäden und Verdichtung können ähnliche Bilder hervorrufen. Wurzeln nehmen Nährsalze in Wasser gelöst auf, deshalb kann Trockenheit Mangelsymptome auslösen, obwohl genug Nährstoffe im Boden sind. Wenn Blätter vergilben, steche ich zuerst neben der Pflanze den Spaten ein und prüfe Feuchte und Wurzeln, bevor ich über Nährstoffe nachdenke.
Eisenchlorosen gehen häufig auf eine eingeschränkte Verfügbarkeit bei zu hohem pH-Wert zurück, nicht auf einen zu kleinen Eisenvorrat. Da der pH-Wert in jeder Standardanalyse steht, gibt dir der Bericht bei gelben jungen Blättern schon einen ersten Hinweis, auch ohne Eisenmessung.
Auch hohe Werte können stören. Ein Phosphatüberschuss kann die Verfügbarkeit von Eisen und Zink vermindern, ein hohes Kaliumangebot die Magnesiumaufnahme beeinträchtigen. Bei Bor liegen Mangel und schädlicher Überschuss besonders nahe beieinander. Einen Nährstoffmangel nachweisen kann eine Blatt- oder Ganzpflanzenanalyse.
Vom Laborwert zur Düngermenge
Dünger brauchst du nur für die Lücke zwischen dem, was die Pflanze braucht, und dem, was der Boden liefert. Der Düngebedarf entspricht deshalb nicht dem Nährstoffbedarf: Vorrat im Boden und NachlieferungBeim Düngen meint Nachlieferung die Nährstoffe, vor allem Stickstoff, die der Boden selbst für die Pflanzen freisetzt: aus dem Bodenvorrat, aus organischer Düngung der Vorjahre und aus Vorfrüchten oder Gründüngung. Diese Menge zieht man vom Düngebedarf ab. ziehst du ab. Ein Rechenbeispiel für Stickstoff:
| Posten | Stickstoff in g N/m² |
|---|---|
| Bedarf der Kultur | 15 |
| abzüglich Bodenvorrat | 5 |
| abzüglich geschätzter Nachlieferung | 7 |
| verbleibender Düngebedarf | 3 |
Radieschen benötigen ungefähr 9 g N/m² je Kultur. Rosenkohl kommt auf ungefähr 30 g N/m² je Kultur. In beiden Fällen rechnest du Bodenvorrat und Nachlieferung an, bevor du düngst. Welche deiner Kulturen viel und welche wenig zehren, berücksichtigst du bei der Planung mit dem Beetplaner. Eine einzelne Stickstoffgabe im Garten sollte 10 g N/m² nicht überschreiten.
Produktmenge in g/m² = Düngebedarf in g/m² × 100 ÷ Nährstoffgehalt des Düngers in %. Beispiel: Sollen 5 g Stickstoff je m² ausgebracht werden und enthält der Dünger 20 % Stickstoff, ergibt das rechnerisch 25 g Dünger je m².
Kompost, Stallmist und Gründüngung bringen ebenfalls Nährstoffe mit, die du anrechnest. Im Gemüsedüngeverfahren mit einer jährlichen Kompostgrundgabe von 3 l/m² deckt der Kompost den Phosphatbedarf und weitgehend den Kaliumbedarf. Ausreichend verfügbaren Stickstoff liefert er dabei nicht automatisch. Für Beete mit Stauden, Rosen und Ziersträuchern zeigt ein eigener Ratgeber, wie du Zierpflanzen nach dem Analyseergebnis düngst und den pH-Wert korrigierst.
Was die Pflanze nicht aufnimmt, kann ausgewaschen werden. Ein hohes StickstoffangebotDas Stickstoffangebot ist die Menge an Stickstoff, die den Pflanzen im Boden tatsächlich zur Verfügung steht. Fachleute bestimmen diesen pflanzenverfügbaren Stickstoff mit einer Bodenanalyse, der sogenannten Nmin-Methode. im Boden kann außerdem die Nitratanreicherung in Gemüse fördern; das spricht für bedarfsgerechtes Düngen, nicht gegen Gemüse. Mehr dazu steht im Abschnitt Mangel und Überdüngung des Ratgebers Düngen, Boden und Kompost.
Beispiele: vom Befund zum nächsten Schritt
Die folgenden Befunde sind gedachte Beispiele. Sie zeigen, wie du aus einem Wert den nächsten Schritt ableitest.
| Befund | Was er bedeuten kann | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Phosphat in Stufe E, Kalium niedrig | Phosphat ist überreichlich vorhanden, Kalium fehlt | Phosphatdüngung vorübergehend aussetzen, Kalium gezielt als Einzelnährstoff ergänzen statt mit einem NPK-DüngerEin NPK-Dünger ist ein Dünger, der die Hauptnährstoffe Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K) gemeinsam enthält; die Buchstaben im Namen stehen für genau diese Nährstoffe. Die Zahlen auf der Packung nennen ihre Anteile in Prozent. |
| Phosphat und Kalium in Stufe D oder E, das Gemüsebeet soll gedüngt werden | Die Grundnährstoffe sind reichlich vorhanden | Ein reiner Stickstoffdünger kann die zusätzliche NPK-Gabe ersetzen; die Stickstoffmenge nach Bedarf, Vorrat und Nachlieferung bemessen |
| pH-Wert unter dem Zielbereich für Bodenart und Humusgehalt | Eine Kalkung kann sinnvoll sein | Kompostgaben einrechnen, Moorbeetpflanzen auslassen; höchstens 250 g CaCO₃ je m² und Jahr, größere Mengen auf mehrere Jahre verteilen |
| pH-Wert über dem Zielbereich, junge Blätter gelb mit grünen Adern | Eisen kann festgelegt sein, obwohl es im Boden vorhanden ist; Manganmangel ist nicht sicher abzugrenzen | Weder kalkhaltige Dünger noch Kompost ausbringen; Spurenelementanalyse gesondert vereinbaren |
| Alle Nährstoffe in Stufe C, Pflanzen kümmern trotzdem | Trockenheit, Staunässe, Wurzelschäden oder Verdichtung können ähnliche Symptome hervorrufen | Spatendiagnose: Gefüge, Verdichtung, Feuchte und Wurzeln prüfen |
| Kein Stickstoffwert im Bericht | Die Standardanalyse liefert keinen Nmin-Wert | Nmin gesondert bestimmen lassen; der Wert gilt nur für den Tag der Probe |
Zeigt der Befund wenig Humus oder die Spatendiagnose eine verdichtete Schicht, geht es um Bodenverbesserung mit Kompost, Mulch und Gründüngung. Wie du dabei vorgehst, zeigt die Anleitung, wie du den Boden im Gemüsegarten Schritt für Schritt vorbereitest.
Regelmäßig nachmessen und anpassen
Eine grundlegende Gartenbodenuntersuchung wiederholst du etwa alle 3 bis 5 Jahre. Korrigierst du gerade eine Unter- oder Überversorgung, lohnt ein kürzerer Abstand von 2 bis 3 Jahren. Die Folgeprobe nehme ich an denselben Stellen und zur selben Jahreszeit wie die erste und lasse sie nach derselben Methode untersuchen.
Zwischen zwei Analysen beobachtest du die Pflanzen und deutest auffällige Blätter mit Vorsicht. Beim Stickstoff zeigt jeder Messwert nur den Stand am Tag der Probe. Warme, ausreichend feuchte und humusreiche Gartenböden liefern im Sommer häufig genug Nährstoffe nach, sodass du dann nicht automatisch nachdüngen musst.
Leg für jede Fläche ein Blatt an: Datum der Probe, Messmethode des pH-Werts, Versorgungsstufen und was du daraufhin gedüngt hast. Bei der nächsten Analyse legst du die Blätter nebeneinander.
