Baumpflege im Garten: Wasser, Boden, Gesundheit und Regeln fürs Kürzen
- Junge Obstbäume können beim Anwachsen etwa 50–100 Liter je Gießgang brauchen, gegossen wird auf den ursprünglichen Wurzelballen.
- Dünge nach dem Bedarf, den eine Bodenprobe zeigt. Obst- und Ziergehölze bekommen nach Mitte Juli keine stickstoffhaltigen Einzel- oder Mehrnährstoffdünger mehr.
- Welke kann von Wassermangel kommen, aber auch von Wurzelschäden durch anhaltende Überwässerung: Prüf erst die Bodenfeuchte, dann gieß.
- Vor dem Fällen oder starken Rückschnitt fragst du bei deiner Gemeinde nach, ob eine Baumschutzsatzung gilt, auch auf dem eigenen Grundstück.
Ein frisch gepflanzter Baum braucht dich in den ersten Jahren am meisten. Bei neu gepflanzten Hausbäumen reicht die Phase mit regelmäßigem Zusatzwasser etwa über die ersten 3–5 Jahre. Dazu kommen ein Pfahl, der den Baum hält, und eine freie BaumscheibeDie Baumscheibe ist die Bodenfläche rund um den Stamm eines Baums oder Strauchs, die du frei von Gras und Unkraut hältst oder mulchst. So nehmen Gräser und Unkraut dem Gehölz weniger Wasser und Nährstoffe weg.. Später gießt du vor allem bei lang anhaltender Trockenheit, kontrollierst Krone und Stamm und klärst vor starkem RückschnittBeim Rückschnitt kürzt du Triebe oder Stängel einer Pflanze ein, bei Stauden oft bis knapp über den Boden. Je nach Zeitpunkt räumt er alte Stängel ab, regt eine Nachblüte an oder bremst das Aussamen., was erlaubt ist. Ich gehe meine Bäume nach einem festen Jahresplan durch. Den Plan findest du weiter unten als Tabelle, davor erkläre ich die einzelnen Arbeiten.
Die Baumscheibe ist die offene Bodenfläche rund um den Stamm, auf der weder Rasen noch Beet wächst. Auf ihr gießt, mulchst und düngst du.
Was braucht ein junger Baum in den ersten Jahren?
Ein neu gepflanzter Hausbaum braucht üblicherweise etwa 3 Jahre eine Verankerung als Anwuchshilfe. In dieser Zeit prüfst du die Bindung am Pfahl, damit sie nicht in die Rinde einschneidet. Die Baumscheibe junger Obstbäume hältst du in den ersten Jahren frei von Gras. So muss der junge Baum Wasser und Nährstoffe nicht mit dem Rasen teilen.
Auch der Stamm junger Obstbäume braucht Schutz. Ein Weißanstrich an Stamm und unteren Leitästen senkt das Risiko temperaturbedingter Rindenschäden.
Beim ersten Gartenrundgang im Frühjahr fasse ich jede Baumbindung an. Drückt sie in die Rinde, löse ich sie und binde den Baum locker neu an.
Wie gießt du Bäume richtig?
Jungbäume: Das Wasser gehört auf den Ballen
Bei einem frisch gepflanzten Baum zielst du mit dem Wasser vor allem auf den ursprünglichen WurzelballenDer Wurzelballen ist das Geflecht aus Wurzeln und anhaftender Erde, das beim Austopfen oder Ausgraben einer Pflanze zusammenhält. Ist daran kaum noch Erde zu sehen, ist er stark durchwurzelt.. Bei Obstbäumen achtest du besonders in den ersten 2–3 Standjahren auf Zusatzwasser. Das gilt vor allem bei schwachen Unterlagen und auf leichten Böden. Sandige Böden halten wenig Wasser und müssen häufiger gegossen werden. Ein junger Obstbaum auf schwacher Unterlage in Sandboden gehört deshalb von Anfang an in deinen festen Gießplan.
Ein junger Obstbaum kann beim Anwachsen etwa 50–100 Liter je Gießgang brauchen. Frisch gepflanzte Gehölze benötigen bei sommerlicher Trockenheit zum Einwachsen etwa 2–3 Wassergaben pro Woche. Sandboden speichert in einer 10 cm starken Schicht ungefähr 5 l/m² Wasser, Lehmboden in derselben Schicht ungefähr 22 l/m².
Ich messe einmal, wie lange mein Schlauch braucht, um eine 10-Liter-Gießkanne zu füllen. Dann weiß ich, wie lange er am Ballen laufen muss, und schätze die Menge nicht nach Gefühl.
Wasser ins Belüftungsrohr gießen. Bei jungen Stadtbäumen kann es dort am erreichbaren Wurzelraum vorbeilaufen. Gieß stattdessen auf den Ballen.
Mengen und Abstände je nach Wachstumsphase, Jahreszeit und Baumart findest du im Ratgeber dazu, wie oft und wie viel du Bäume gießt.
Eingewachsene und immergrüne Bäume
Eingewachsene Hausbäume brauchen zusätzliches Wasser vor allem in lang anhaltenden Trockenperioden. Wird das Wasser knapp, versorgst du langlebige Gehölze vor dem Rasen, denn Rasen erholt sich von Trockenphasen meist besser. Halte dich dabei an lokale Anordnungen zur Wasserentnahme und an die Hinweise deines Wasserversorgers.
Immergrüne Gehölze können auch im Winter austrocknen. Bei Bedarf gießt du sie an frostfreien Tagen. Steht unter dem Baum ein Beet, nimmt der Baum dort ebenfalls Wasser auf. Das rechnest du mit ein, wenn du die Unterpflanzung gießt.
Wassertropfen in der Mittagssonne verbrennen die Blätter? Bei den meisten Pflanzenblättern entstehen dadurch keine Verbrennungsflecken. Ich gieße trotzdem lieber morgens, weil nasse Blätter dann abtrocknen können und Pilzerkrankungen weniger begünstigt werden.
Wann und wie düngst du einen Baum?
Bodenprobe statt Schätzen
Einen Hausbaum düngst du nach Bedarf, und den Bedarf beurteilst du mit einer BodenprobeEine Bodenanalyse ist die Laboruntersuchung einer Bodenprobe, die du aus vielen Einstichen einer Fläche zusammenmischst. Sie zeigt, welche Nährstoffe im Boden stecken und wie viel Kalk er braucht, und ist die Grundlage für bedarfsgerechtes Düngen.. Die Untersuchung zeigt, wie der Boden mit Nährstoffen versorgt ist. Danach wählst du den passenden Dünger aus. Ich nehme die Probe an mehreren Stellen der Baumscheibe und mische die Erde, bevor ich sie einschicke.
Ein Bodenbefund ordnet die Nährstoffgehalte in Versorgungsstufen ein. Die Stufe C steht für eine optimale Versorgung.
Die Mengenangabe auf der Düngerpackung passt zur Stufe C nur unverändert, wenn sonst weder Dünger noch Kompost dazukommt. Versorgst du die Baumscheibe ohnehin mit Kompost, übernimmst du die Packungsmenge also nicht einfach. Dann richtest du dich nach dem Befund.
Obst- und Ziergehölze bekommen nach Mitte Juli keine stickstoffhaltigen Einzel- oder Mehrnährstoffdünger mehr. Damit gibst du den Trieben Zeit auszureifen.
Bei Thuja lohnt im Befund der Blick auf den Säuregrad. Kalkreichen Boden verträgt sie, auf zu saurem Boden kann sie schlechter wachsen und anfälliger für Krankheiten werden.
Mulch und Wurzelraum
Eine MulchschichtEine Mulchschicht ist eine Abdeckung des Bodens, meist aus organischem Material wie Laub, Stroh oder Rasenschnitt. Sie schützt den Boden, hält ihn feucht, verringert Erosion und hemmt Unkraut. auf der Baumscheibe hält Feuchtigkeit im Boden und hilft dir, Gießwasser zu sparen. Den Stammfuß selbst lässt du frei. Über den Wurzeln soll der Boden locker bleiben. Parke deshalb nicht auf der Baumscheibe und lagere dort weder Holz noch Baumaterial.
Krankheiten und Schädlinge: vorbeugen und richtig deuten
An Obstbäumen begegnen dir Pilzkrankheiten wie MehltauMehltau ist die Bezeichnung für Pilzkrankheiten, die einen weißlichen oder grauen Belag auf den Blättern bilden. Man unterscheidet Echten Mehltau, der bei Trockenheit und Hitze auftritt, und Falschen Mehltau, der bei kühlem, feuchtem Wetter auftritt., Schorf oder Monilia, dazu Schädlinge wie Blattläuse und Apfelwickler. Ich schaue bei meinen Rundgängen deshalb immer auch in Krone und Laub.
Was Symptome bedeuten können
Verfärbte oder verformte Blätter und Veränderungen an der Rinde sind Hinweise, keine Diagnose. Welke kann bei Wassermangel auftreten, aber auch nach Wurzelschäden durch anhaltende Überwässerung. Bevor ich zur Kanne greife, grabe ich deshalb am Ballenrand mit der Hand und fühle, wie feucht die Erde ist.
Braun werdende, absterbende Thujazweige können von Trockenheit kommen. Sie sind damit kein eindeutiger Hinweis auf Düngermangel. Ob Nährstoffe fehlen, zeigt dir die Bodenprobe, deshalb düngst du nicht auf Verdacht. Kannst du ein Schadbild nicht einordnen, zeig Blätter oder Zweige einer Fachperson, bevor du etwas unternimmst.
So beugst du vor
Ein Baum, der zu Boden und Lage passt, verursacht weniger Pflegeaufwand und braucht weniger Zusatzwasser. Bei einer Neupflanzung fragst du in der Baumschule außerdem nach Sorten, die als widerstandsfähig gelten.
Gieß auf die Baumscheibe statt über die Krone, denn eine Beregnung von oben benetzt auch die Blätter. Laub mit Krankheitsbefall rechst du im Herbst zusammen. So können weniger SchaderregerSchaderreger ist im Pflanzenschutz der Sammelbegriff für Schädlinge und Krankheitserreger, die Pflanzen befallen: etwa Insekten oder Fadenwürmer (Nematoden) sowie Pilze, Bakterien und Viren. unter dem Baum überwintern. NützlingeNützling ist kein biologischer Fachbegriff, sondern eine Sammelbezeichnung für wildlebende Tiere, die dem Menschen nützen: Sie fressen Schädlinge wie Blattläuse, bestäuben Pflanzen oder tragen zur Bodenfruchtbarkeit bei. wie Marienkäfer fressen Blattläuse und können einen Befall bremsen, verhindern können sie ihn nicht sicher.
Pflanzenschutzmittel nur als letztes Mittel
Spritzungen auf Verdacht lasse ich weg. Bleibt ein Befall trotz Vorbeugung hartnäckig, kommt chemischer Pflanzenschutz höchstens als letztes Mittel infrage.
Nimm nur ein Mittel mit Zulassung für den Haus- und Kleingarten. Halte dich an die Gebrauchsanweisung, trag die dort empfohlene Schutzausrüstung und beachte die Wartezeit bis zur Ernte. Bewahre das Mittel in der Originalverpackung in einem abschließbaren Schrank auf, außer Reichweite von Kindern und Tieren. Reste gehören zur Schadstoffsammlung, nie in Ausguss, Gully, Garten oder Hausmüll. Bedenke auch, dass solche Mittel Nützlinge treffen können.
Ältere Bäume regelmäßig kontrollieren
Bei älteren Hausbäumen kontrollierst du Gesundheit und Schädlingsbefall, dazu die Standsicherheit. Für die Standsicherheit brauchst du gegebenenfalls eine Fachperson. Ich schaue mir die Krone im Winter genau an, wenn kein Laub die Äste verdeckt. Wie eine Kontrolle abläuft und woran du Schäden an Krone, Stamm und Wurzelbereich erkennst, beschreibt ein eigener Ratgeber.
Jahresplan: Baumpflege von Frühjahr bis Winter
Ich hänge diesen Plan in den Schuppen und hake ab, was erledigt ist.
| Jahreszeit | Was ansteht |
|---|---|
| Frühjahr | Bindung am Pfahl prüfen und bei Bedarf lockern; Baumscheibe junger Obstbäume von Gras freihalten; Bodenprobe nehmen und nur nach Befund düngen |
| Sommer | Jungbäume bei Trockenheit auf den Ballen gießen, eingewachsene Bäume vor allem bei lang anhaltender Trockenheit; Obst- und Ziergehölze nach Mitte Juli nicht mehr mit stickstoffhaltigen Einzel- oder Mehrnährstoffdüngern versorgen; Sommerschnitt an Steinobst bei Temperaturen über 25 °C auf kühlere Tage verschieben |
| Herbst | Laub mit Krankheitsbefall zusammenrechen; Schläuche, Gießsäcke und anderes wasserführendes Zubehör entleeren und frostgeschützt lagern; nicht frostsichere Außenleitungen entleeren und absperren |
| Winter | Immergrüne Gehölze bei Bedarf an frostfreien Tagen gießen; Weißanstrich an jungen Obstbäumen prüfen; Krone ohne Laub kontrollieren; Winterschnitt an Kernobst ist bei trockenem Wetter bis etwa −5 °C möglich |
Schnitt und Werkzeug in Kürze
Beim Pflegeschnitt alter Streuobstbäume nimmst du je Eingriff in der Regel höchstens 30 % der Kronenmasse heraus. Schnittführung am Astring, Drei-Schnitt-Technik und passendes Werkzeug erklärt der Ratgeber zu den Grundregeln, die bei jedem Baumschnitt gelten. Für die einzelnen Baumformen zeigt ein eigener Ratgeber, wie du Hochstamm, Halbstamm, Busch und Spalier schneidest.
Als Orientierung eignet sich eine Gartenschere für dünnere Zweige bis etwa 2 cm Durchmesser. Für Äste bis etwa 4,5 cm Durchmesser nimmst du die Astschere, für dickere die Säge. Welche Geräte zur Grundausstattung gehören und wie du sicher damit arbeitest, steht im Überblick über Gartenwerkzeug, Auswahl und sicheres Arbeiten.
Bäume kürzen auf dem eigenen Grundstück: was du vorher klärst
Auch auf deinem eigenen Grundstück darfst du nicht jeden Baum nach Belieben fällen oder stark zurückschneiden. In vielen Gemeinden gelten Baumschutzsatzungen. Sie legen fest, welche Bäume geschützt sind, häufig ab einem bestimmten Stammumfang. Für einen geschützten Baum brauchst du dann eine Genehmigung, bevor du ihn fällst oder stark einkürzt. Die Regeln unterscheiden sich von Ort zu Ort, deshalb fragst du vor dem Kürzen bei deiner Gemeinde nach.
Fürs Häckseln des Schnittguts gelten Ruhezeiten: Motorisierte Häcksler dürfen in deutschen Wohngebieten im Freien werktags grundsätzlich zwischen 20 und 7 Uhr nicht laufen. An Sonn- und Feiertagen gilt das ganztägig, dazu kommen gesetzliche Ausnahmen und örtliche Zusatzregeln. Was für andere Motorgeräte gilt, erfährst du ebenfalls bei der Gemeinde, mehr zum sicheren Arbeiten im Werkzeug-Überblick.
Verkehrssicherung und Haftung
Als Baumbesitzer sorgst du dafür, dass von deinem Baum keine Gefahr für andere ausgeht. Das nennt sich Verkehrssicherungspflicht. Fällt ein morscher Ast auf ein Auto oder einen Menschen, kannst du haftbar gemacht werden. Die Kontrolle älterer Bäume auf Gesundheit und Standsicherheit ist deshalb auch eine rechtliche Frage. Ob deine private Haftpflichtversicherung solche Schäden abdeckt, steht in deiner Police. Im Zweifel fragst du beim Versicherer nach.
Wann holst du einen Fachbetrieb?
Einen Fachbetrieb für Baumpflege holst du in diesen Fällen:
- Der Baum ist groß oder alt, und die Krone ist verzweigt und schwer zu überblicken.
- Äste ragen über Straße, Gehweg oder Stromleitungen.
- Die Standsicherheit ist fraglich.
- Es stehen Arbeiten in der Krone oder mit der Motorsäge an.
- Du kannst Krankheitszeichen oder starken Schädlingsbefall nicht einordnen.
Ich schneide selbst nur, was ich vom Boden oder von einer standsicheren Leiter aus sicher erreiche. Alles andere gebe ich an einen Fachbetrieb ab.
