Gartenpraxis · Gründünger & Bodenkur · Pflege

Gelbsenf: wie er Nährstoffe festhält und an die Folgekultur weitergibt

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Gelbsenf bindet keinen Luftstickstoff, er nimmt vorhandenen Bodenstickstoff auf und speichert ihn.
  • Nach der Ernte gesät, kann er Reststickstoff aufnehmen und die Nitratauswaschung über Winter verringern.
  • Im Frühherbst stehen lassen, denn früh eingearbeitet werden Nährstoffe frei und können ausgewaschen werden.
  • Junge Pflanzen rotten schneller, verholzte Reste können vorübergehend Stickstoff binden.
  • Die Folgekultur erhält den gespeicherten Stickstoff nicht vollständig, deshalb Düngung nach Bodenprobe planen.
  • Als Kreuzblütler braucht Gelbsenf mindestens 3–5 Jahre Abstand zu anderen Kreuzblütlern.
Gelbsenf in Vollblüte, Feldbestand aus kleinen gelben Blüten in dichten Trauben über grünen Stängeln, Hintergrund unscharf
Foto: Jamie92 · Pixabay Content License · Quelle ↗

Wenn im August ein Gemüsebeet abgeerntet ist, kann noch Reststickstoff im Boden stecken, den keine Pflanze mehr braucht. Bleibt das Beet über den Winter offen, kann dieser Stickstoff als Nitrat ausgewaschen werden. Ich säe auf solche Beete Gelbsenf, damit dort etwas wächst, das den Rest aufnimmt und später an die nächste Kultur weitergibt. Wie viel davon ankommt, hängt von Boden und Witterung ab, aber auch davon, wann und wie du den Senf beendest.

Gelbsenf, auch Weißer Senf genannt, heißt botanisch Sinapis alba und gehört zu den Kreuzblütlern. Er ist einjährig, nicht winterhart und gilt als schwachzehrend. Als Gründüngung im Garten braucht er keine zusätzliche Düngung. Nicht verwechseln solltest du ihn mit Sarepta-Senf, der eigenen Art Brassica juncea, die auch als Blattsenf angebaut wird. Was Blattsenf als Gründünger leistet, ist ein eigenes Thema.

Merkmal Gelbsenf
Botanischer Name Sinapis alba, auch Weißer Senf
Familie Kreuzblütler (Brassicaceae)
Lebensdauer einjährig, nicht winterhart
Wuchshöhe 80–120 cm
Blütezeit Juni bis September
Entwicklungsdauer als Gründüngung im Hausgarten Angaben von 4–10 Wochen
Wurzel tiefwurzelnd, ohne feste Tiefenangabe für den Garten
Nährstoffbedarf schwachzehrend, keine zusätzliche Düngung nötig
Stickstoff aus der Luft nein, nur vorhandener Bodenstickstoff

Welche Nährstoffe nimmt Gelbsenf auf?

Gelbsenf arbeitet wie jede Gründüngung mit dem, was im Boden gelöst vorliegt. Er nimmt gelöste Nährstoffe auf, legt sie in seiner Pflanzenmasse fest und gibt sie beim Verrotten wieder frei. Seine Wurzeln reichen dabei auch in tiefere Bodenschichten.

Stickstoff: aus dem Boden, nicht aus der Luft

Gelbsenf ist keine Leguminose. Nur Leguminosen wie Klee, Wicken und Lupinen binden mithilfe von Wurzelbakterien Luftstickstoff und bringen so zusätzlichen Stickstoff ins Beet. Gelbsenf nutzt den Stickstoff, der schon im Boden vorhanden ist. Im feldbaulichen Zwischenfruchtanbau hat er ein hohes Potenzial, diesen Bodenstickstoff aufzunehmen und zu speichern. Für deine Planung heißt das: Gelbsenf vermehrt den Stickstoff im Beet nicht, er hält ihn fest und reicht ihn später an die nächste Kultur weiter.

Zahl im Blick

Für Senf im Feldanbau wird bei 20–30 dt/ha oberirdischer Biomasse eine Stickstoffaufnahme von 40–90 kg/ha angegeben. Das sind Ackerwerte. Rechne sie nicht auf dein Beet um, sie zeigen nur die Größenordnung im Feld.

Phosphor, Kalium und Spurenelemente

Mit den gelösten Nährstoffen gelangen auch Phosphor, Kalium und Spurenelemente in den Aufwuchs. Was davon im Senf steckt, hängt davon ab, was dein Boden bereithält. Eine gezielte Versorgung mit einem einzelnen Spurenelement erwartest du von Gelbsenf besser nicht. Für Phosphor und Kalium rechne ich nur mit dem, was er aufnimmt und beim Verrotten wieder abgibt.

Mythos-Check

„Gelbsenf schließt schwer lösliches Phosphat auf und macht es für die Nachfrucht verfügbar.“ Darauf solltest du nicht bauen. Von Buchweizen ist bekannt, dass er im Boden gebundenes Phosphat mobilisieren kann. Doch selbst eine hohe Phosphatmobilisierung durch Zwischenfrüchte führt nicht automatisch zu einer besseren Phosphatverfügbarkeit für die Folgekultur.

Empfehlungen für den Garten

Aussaat und Vermehrung

Saattiefe

Die Samen 1-2 cm tief säen.

Aussaatkalender Gelbsenf
GartenkalenderAussaat: April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober; Blüte: Juni, Juli, August, SeptemberJFMAMJJASONDAussaatAussaat: AprilAussaat: MaiAussaat: JuniAussaat: JuliAussaat: AugustAussaat: SeptemberAussaat: OktoberBlüteBlüte: JuniBlüte: JuliBlüte: AugustBlüte: SeptemberAussaatBlüte

Gelbsenf als Nitratfänger: was nach der Ernte zählt

Nach der Ernte kann Reststickstoff im Beet bleiben. Zwischenfrüchte nehmen ihn auf und können so die Gefahr verringern, dass Nitrat über Winter ausgewaschen wird. Für eine Gründüngung nach der Gemüseernte eignen sich besonders August und September. Gelbsenf bedeckt den Boden nach zügiger Anfangsentwicklung rasch, sodass das Beet nicht lange offen liegt. Bei einer späten Saat ist Blattmasse bis zum Frost das Ziel, nicht die Blüte.

Ich lasse meinen Bestand im Herbst stehen, bis er abfriert, und schaue erst im Frühjahr wieder genauer hin. So bleibt der Stickstoff in den Pflanzen, solange keine Kultur da ist, die ihn nutzen könnte.

Häufiger Fehler

Den Senf schon im Frühherbst einarbeiten, damit das Beet früh frei ist. Bei der Rotte werden die gesammelten Nährstoffe dann frei und können ausgewaschen werden, bevor eine Folgekultur sie aufnimmt. Lass den Bestand im Frühherbst stehen.

Warum ein abgefrorener Senf weniger schützt als ein Winterbestand

Gelbsenf ist nicht winterhart. Winterharte Zwischenfrüchte, die bis zum Frühjahr wachsen, schützen aufgenommenen Stickstoff besser vor winterlicher Auswaschung als früh beendete Bestände. Ein Senf, der im Herbst abfriert, hält den Stickstoff über Winter deshalb weniger sicher fest als ein Bestand, der bis zum Frühjahr grün bleibt.

Dafür musst du ihn nicht aktiv beenden. Abgefrorene Gründüngung bleibt über Winter als Mulch liegen. Im Frühjahr arbeitest du die Reste flach ein. Brauchst du für feine Saaten ein feines Saatbett, rechst du sie stattdessen ab und kompostierst sie.

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Wie werden die Nährstoffe nach dem Einarbeiten frei?

Eingearbeitete Senfmasse versorgt das Bodenleben mit organischem Material. Bei dessen Zersetzung werden die gespeicherten Nährstoffe wieder frei. Wie diese Nährstoffwirkung ausfällt, hängt von Pflanzenart, Aufwuchs, Jahreszeit, Bodenfeuchte und Temperatur ab.

Junge Pflanzen rotten schneller

Junge Zwischenfruchtpflanzen haben ein engeres C/N-Verhältnis als ältere und werden deshalb schneller umgesetzt. Verholzte Reste verrotten langsamer und können dabei vorübergehend Stickstoff aus dem Bodenvorrat binden. Lässt du den Senf verholzen, kann die Rotte der Folgekultur also zunächst Stickstoff entziehen, statt ihr welchen zu liefern. Ich prüfe vor dem Mähen deshalb, ob die Stängel schon hart werden.

Kurz erklärt

Das C/N-Verhältnis gibt an, wie viel Kohlenstoff eine Pflanzenmasse im Verhältnis zu ihrem Stickstoff enthält. Ein enges Verhältnis heißt relativ viel Stickstoff, und solche Masse setzen die Bodenlebewesen schneller um.

Flach einarbeiten statt vergraben

Frische Senfmasse arbeitest du nur flach ein. Tief vergraben kann sie unter Luftabschluss faulen, statt zu verrotten. Im Hausgarten wird Gründüngung gewöhnlich kurz vor der Blüte geschnitten, dickstängeliges Material zerkleinerst du vor dem Mulchen. Zeitpunkt, Mulch und Wartezeit für alle Arten findest du in der Übersicht, wie du Gründüngung mähst und einarbeitest.

Was hat deine Folgekultur davon?

Den Stickstoff aus dem Senf bekommt die Folgekultur nicht vollständig. Wie viel ankommt, hängt von Boden, Witterung und Umbruch ab. Eine Gründüngung ersetzt zusätzliche Düngung deshalb nicht automatisch, deine Folgedüngung sollte den Aufwuchs aber berücksichtigen. Nach dem flachen Einarbeiten wartest du meist etwa 2–3 Wochen, bevor du säst oder pflanzt.

Düngung nach Bodenprobe planen

Eine Bodenuntersuchung ermittelt die pflanzenverfügbaren Nährstoffe und hilft dir, Art und Menge einer nötigen Düngung festzulegen. Die Grunduntersuchung erfasst Phosphat, Kalium und den Kalkbedarf. Kalken solltest du nur, wenn der pH-Wert für deine Bodenart zu niedrig ist. Bevor ich nach dem Senf dünge, lege ich den Befund daneben und schaue, wie dicht der Bestand stand.

Mini-Checkliste

So entsteht die Mischprobe für dein Gemüsebeet.

  • 10–15 Einzelproben über die einheitlich genutzte Fläche verteilen
  • jede Probe aus 25–30 cm Tiefe nehmen
  • alles zu einer Mischprobe von etwa 500 g vereinigen

Viel Phosphor und Kalium im Boden? Dann den Senf abräumen

Zeigt der Befund erhöhte Phosphor- und Kaliumvorräte, entfernst du den Großteil des Senfs von der Fläche. Die Masse nutzt du auf einem geringer versorgten Beet weiter. Ist keins frei, kommt sie auf den Kompost.

Welche Folgekultur passt?

Bei der Planung zählen Pflanzenfamilie und Stickstoffbedarf der Folgekultur gemeinsam. Senf ist wie Kohl, Rettich und Radieschen ein Kreuzblütler und kann in deren Fruchtfolge Kohlhernie fördern. Zu anderen Kreuzblütlern hältst du im Gemüsebeet deshalb mindestens 3–5 Jahre Abstand. Wie du ihn als Vor-, Zwischen- oder Nachfrucht einbaust, zeigt der Beitrag, wie du Gelbsenf im Fruchtwechsel einplanst.

Was Gelbsenf sonst noch kann: kurz eingeordnet

Bodenstruktur und Erosionsschutz

Eine Gründüngungsdecke schützt Gartenboden vor Verschlämmung, Verkrustung und Erosion. Die Wurzeln von Gelbsenf lockern zudem tiefer liegende Bodenschichten. Was das für Struktur, Humus und Bodenleben bedeutet, erklärt der Beitrag, wie Gelbsenf Bodenstruktur und Bodenleben verbessert.

Nematoden

Für eine Wirkung gegen Rübennematoden wird nematodenresistenter Gelbsenf verwendet, denn die Art umfasst auch konventionelle Sortentypen. Im Feldanbau kann eine resistente Senfsorte Rübennematoden zurückdrängen, verlass dich im Garten aber nicht darauf. Wie realistisch das ist, ordnet der Beitrag ein, was Gelbsenf gegen Nematoden ausrichten kann.

Aussaat

Weil Gelbsenf stark auf lange Tage reagiert, sind für eine Gründüngung, die vor allem Blätter bilden soll, Saattermine Anfang bis Mitte August günstiger. Im Garten verwendest du 5 g Saatgut/m². Zeitpunkt, Methode und Saattiefe je nach Zweck findest du im Beitrag, wann und wie du Gelbsenf säst.

Wachstum

Für Senf als Gründüngung im Hausgarten liegen die Angaben zur Entwicklungsdauer bei 4–10 Wochen. Wie du ihn als schnellen Gründünger anbaust und wo er im Garten passt, zeigt der Beitrag, wie du Gelbsenf als schnell wirkenden Gründünger einsetzt.

Blüte, Selbstaussaat und Aufwand

Blühender Gelbsenf ist nützlingsfreundlich. Soll er für Insekten blühen, beendest du ihn nach der Blüte, aber vor der Samenreife, damit er sich nicht selbst aussät. Ob du nach Gelbsenf weniger düngen musst, hängt von Boden und Aufwuchs ab, eine feste Ersparnis lässt sich für den Hausgarten nicht beziffern. Beides ordnet die Gründünger-Übersicht zu Mähen, Einarbeiten sowie Aufwand und Nutzen ein.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Weißem Senf und Gelbsenf?
Es gibt keinen, beide Namen meinen dieselbe Art: Sinapis alba aus der Familie der Kreuzblütler. Sarepta-Senf ist dagegen eine eigene Art, Brassica juncea, die auch als Blattsenf angebaut wird. Weißer Senf wird im Garten als Gründüngung genutzt und braucht dafür keine zusätzliche Düngung.
Stimmt es, dass Gelbsenf Stickstoff aus der Luft binden kann wie Leguminosen?
Nein. Nur Leguminosen wie Klee, Wicken und Lupinen binden mithilfe von Wurzelbakterien Luftstickstoff und bringen so zusätzlichen Stickstoff ins Beet. Gelbsenf nimmt den Stickstoff auf, der schon im Boden vorhanden ist, und speichert ihn in seiner Pflanzenmasse. Beim Verrotten gibt er ihn wieder frei, die Folgekultur erhält davon aber nicht alles.
Wie funktioniert die Nährstoffbindung durch Gelbsenf als Gründünger?
Gelbsenf nimmt während des Wachstums gelöste Nährstoffe aus dem Boden auf, darunter vorhandenen Bodenstickstoff, und legt sie in seiner Pflanzenmasse fest. Nach dem Einarbeiten zersetzt das Bodenleben diese Masse und setzt die Nährstoffe wieder frei. Wie viel davon die Folgekultur erreicht, hängt von Boden, Witterung und Umbruch ab. Eine Düngung ersetzt Gelbsenf deshalb nicht automatisch.
Warum ist die Frostempfindlichkeit von Gelbsenf ein Vorteil im Gartenbau?
Gelbsenf ist nicht winterhart und friert ab, deshalb musst du ihn vor der nächsten Kultur nicht aktiv beenden. Die abgefrorenen Reste bleiben über Winter als Mulch liegen und werden im Frühjahr flach eingearbeitet. Der Nachteil: Winterharte Zwischenfrüchte, die bis zum Frühjahr wachsen, schützen aufgenommenen Stickstoff besser vor winterlicher Auswaschung als ein früh beendeter Bestand.
Welche Rolle spielen Bodenlebewesen bei der Zersetzung von Gelbsenf-Biomasse?
Eingearbeitete Senfmasse versorgt das Bodenleben mit organischem Material, und bei dessen Zersetzung werden die gespeicherten Nährstoffe frei. Junge Pflanzen haben ein engeres C/N-Verhältnis und werden schneller umgesetzt als ältere. Verholzte Reste verrotten langsamer und können dabei vorübergehend Stickstoff aus dem Bodenvorrat binden. Frische Masse arbeitest du nur flach ein, denn tief vergraben kann sie unter Luftabschluss faulen.
Wie wird Gelbsenf praktisch in die Fruchtfolge integriert?
Gelbsenf ist ein Kreuzblütler wie Kohl, Rettich und Radieschen und kann in deren Fruchtfolge Kohlhernie fördern. Halte im Gemüsebeet deshalb mindestens 3–5 Jahre Abstand zu anderen Kreuzblütlern. Bei der Wahl der Folgekultur zählen Pflanzenfamilie und Stickstoffbedarf gemeinsam. Nach dem Einarbeiten wartest du meist etwa 2–3 Wochen bis zur nächsten Saat oder Pflanzung.
Welche Aussaatzeiten und Saatmengen sind bei Gelbsenf als Zwischenfrucht optimal?
Gelbsenf wird von April bis September gesät, im Garten mit 5 g Saatgut/m². Weil er stark auf lange Tage reagiert, sind für eine Gründüngung, die vor allem Blätter bilden soll, Saattermine Anfang bis Mitte August günstiger. Für eine Gründüngung nach der Gemüseernte eignen sich besonders August und September.
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