Gelbsenf: wie er Nährstoffe festhält und an die Folgekultur weitergibt
- Gelbsenf bindet keinen Luftstickstoff, er nimmt vorhandenen Bodenstickstoff auf und speichert ihn.
- Nach der Ernte gesät, kann er Reststickstoff aufnehmen und die Nitratauswaschung über Winter verringern.
- Im Frühherbst stehen lassen, denn früh eingearbeitet werden Nährstoffe frei und können ausgewaschen werden.
- Junge Pflanzen rotten schneller, verholzte Reste können vorübergehend Stickstoff binden.
- Die Folgekultur erhält den gespeicherten Stickstoff nicht vollständig, deshalb Düngung nach Bodenprobe planen.
- Als Kreuzblütler braucht Gelbsenf mindestens 3–5 Jahre Abstand zu anderen Kreuzblütlern.

Wenn im August ein Gemüsebeet abgeerntet ist, kann noch Reststickstoff im Boden stecken, den keine Pflanze mehr braucht. Bleibt das Beet über den Winter offen, kann dieser Stickstoff als Nitrat ausgewaschen werden. Ich säe auf solche Beete Gelbsenf, damit dort etwas wächst, das den Rest aufnimmt und später an die nächste Kultur weitergibt. Wie viel davon ankommt, hängt von Boden und Witterung ab, aber auch davon, wann und wie du den Senf beendest.
Gelbsenf, auch Weißer Senf genannt, heißt botanisch Sinapis alba und gehört zu den Kreuzblütlern. Er ist einjährig, nicht winterhart und gilt als schwachzehrend. Als Gründüngung im Garten braucht er keine zusätzliche Düngung. Nicht verwechseln solltest du ihn mit Sarepta-Senf, der eigenen Art Brassica juncea, die auch als Blattsenf angebaut wird. Was Blattsenf als Gründünger leistet, ist ein eigenes Thema.
| Merkmal | Gelbsenf |
|---|---|
| Botanischer Name | Sinapis alba, auch Weißer Senf |
| Familie | Kreuzblütler (Brassicaceae) |
| Lebensdauer | einjährig, nicht winterhart |
| Wuchshöhe | 80–120 cm |
| Blütezeit | Juni bis September |
| Entwicklungsdauer als Gründüngung im Hausgarten | Angaben von 4–10 Wochen |
| Wurzel | tiefwurzelnd, ohne feste Tiefenangabe für den Garten |
| Nährstoffbedarf | schwachzehrend, keine zusätzliche Düngung nötig |
| Stickstoff aus der Luft | nein, nur vorhandener Bodenstickstoff |
Welche Nährstoffe nimmt Gelbsenf auf?
Gelbsenf arbeitet wie jede Gründüngung mit dem, was im Boden gelöst vorliegt. Er nimmt gelöste Nährstoffe auf, legt sie in seiner Pflanzenmasse fest und gibt sie beim Verrotten wieder frei. Seine Wurzeln reichen dabei auch in tiefere Bodenschichten.
Stickstoff: aus dem Boden, nicht aus der Luft
Gelbsenf ist keine Leguminose. Nur Leguminosen wie Klee, Wicken und Lupinen binden mithilfe von Wurzelbakterien Luftstickstoff und bringen so zusätzlichen Stickstoff ins Beet. Gelbsenf nutzt den Stickstoff, der schon im Boden vorhanden ist. Im feldbaulichen Zwischenfruchtanbau hat er ein hohes Potenzial, diesen Bodenstickstoff aufzunehmen und zu speichern. Für deine Planung heißt das: Gelbsenf vermehrt den Stickstoff im Beet nicht, er hält ihn fest und reicht ihn später an die nächste Kultur weiter.
Für Senf im Feldanbau wird bei 20–30 dt/ha oberirdischer Biomasse eine Stickstoffaufnahme von 40–90 kg/ha angegeben. Das sind Ackerwerte. Rechne sie nicht auf dein Beet um, sie zeigen nur die Größenordnung im Feld.
Phosphor, Kalium und Spurenelemente
Mit den gelösten Nährstoffen gelangen auch Phosphor, Kalium und SpurenelementeSpurenelemente sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in kleinen Mengen brauchen, ohne die sie aber nicht normal wachsen: Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Bor, Molybdän und Chlor. Man nennt sie auch Spurennährstoffe oder Mikronährstoffe. in den Aufwuchs. Was davon im Senf steckt, hängt davon ab, was dein Boden bereithält. Eine gezielte Versorgung mit einem einzelnen Spurenelement erwartest du von Gelbsenf besser nicht. Für Phosphor und Kalium rechne ich nur mit dem, was er aufnimmt und beim Verrotten wieder abgibt.
„Gelbsenf schließt schwer lösliches Phosphat auf und macht es für die Nachfrucht verfügbar.“ Darauf solltest du nicht bauen. Von Buchweizen ist bekannt, dass er im Boden gebundenes Phosphat mobilisieren kann. Doch selbst eine hohe Phosphatmobilisierung durch Zwischenfrüchte führt nicht automatisch zu einer besseren Phosphatverfügbarkeit für die FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten..
Empfehlungen für den Garten
Aussaat und Vermehrung
- Saattiefe
Die Samen 1-2 cm tief säen.
Gelbsenf als Nitratfänger: was nach der Ernte zählt
Nach der Ernte kann Reststickstoff im Beet bleiben. Zwischenfrüchte nehmen ihn auf und können so die Gefahr verringern, dass Nitrat über Winter ausgewaschen wird. Für eine Gründüngung nach der Gemüseernte eignen sich besonders August und September. Gelbsenf bedeckt den Boden nach zügiger Anfangsentwicklung rasch, sodass das Beet nicht lange offen liegt. Bei einer späten Saat ist Blattmasse bis zum Frost das Ziel, nicht die Blüte.
Ich lasse meinen Bestand im Herbst stehen, bis er abfriert, und schaue erst im Frühjahr wieder genauer hin. So bleibt der Stickstoff in den Pflanzen, solange keine Kultur da ist, die ihn nutzen könnte.
Den Senf schon im Frühherbst einarbeiten, damit das Beet früh frei ist. Bei der Rotte werden die gesammelten Nährstoffe dann frei und können ausgewaschen werden, bevor eine Folgekultur sie aufnimmt. Lass den Bestand im Frühherbst stehen.
Warum ein abgefrorener Senf weniger schützt als ein Winterbestand
Gelbsenf ist nicht winterhart. Winterharte Zwischenfrüchte, die bis zum Frühjahr wachsen, schützen aufgenommenen Stickstoff besser vor winterlicher AuswaschungAuswaschung ist der Verlust von Nährstoffen, die Niederschlagswasser aus dem Wurzelraum in tiefere Bodenschichten und bis ins Grundwasser spült. Besonders betroffen ist Nitrat, die Form, in der mineralischer Stickstoff im Boden größtenteils vorliegt. als früh beendete Bestände. Ein Senf, der im Herbst abfriert, hält den Stickstoff über Winter deshalb weniger sicher fest als ein Bestand, der bis zum Frühjahr grün bleibt.
Dafür musst du ihn nicht aktiv beenden. Abgefrorene Gründüngung bleibt über Winter als Mulch liegen. Im Frühjahr arbeitest du die Reste flach ein. Brauchst du für feine Saaten ein feines Saatbett, rechst du sie stattdessen ab und kompostierst sie.
Wie werden die Nährstoffe nach dem Einarbeiten frei?
Eingearbeitete Senfmasse versorgt das Bodenleben mit organischem Material. Bei dessen Zersetzung werden die gespeicherten Nährstoffe wieder frei. Wie diese Nährstoffwirkung ausfällt, hängt von Pflanzenart, Aufwuchs, Jahreszeit, Bodenfeuchte und Temperatur ab.
Junge Pflanzen rotten schneller
Junge Zwischenfruchtpflanzen haben ein engeres C/N-Verhältnis als ältere und werden deshalb schneller umgesetzt. Verholzte Reste verrotten langsamer und können dabei vorübergehend Stickstoff aus dem Bodenvorrat binden. Lässt du den Senf verholzen, kann die Rotte der Folgekultur also zunächst Stickstoff entziehen, statt ihr welchen zu liefern. Ich prüfe vor dem Mähen deshalb, ob die Stängel schon hart werden.
Das C/N-Verhältnis gibt an, wie viel KohlenstoffKohlenstoff ist ein chemisches Element und der Hauptbestandteil des Humus. Pflanzen holen ihn als Kohlendioxid aus der Luft und bilden daraus bei der Photosynthese Zucker. eine Pflanzenmasse im Verhältnis zu ihrem Stickstoff enthält. Ein enges Verhältnis heißt relativ viel Stickstoff, und solche Masse setzen die Bodenlebewesen schneller um.
Flach einarbeiten statt vergraben
Frische Senfmasse arbeitest du nur flach ein. Tief vergraben kann sie unter Luftabschluss faulen, statt zu verrotten. Im Hausgarten wird Gründüngung gewöhnlich kurz vor der Blüte geschnitten, dickstängeliges Material zerkleinerst du vor dem Mulchen. Zeitpunkt, Mulch und Wartezeit für alle Arten findest du in der Übersicht, wie du Gründüngung mähst und einarbeitest.
Was hat deine Folgekultur davon?
Den Stickstoff aus dem Senf bekommt die Folgekultur nicht vollständig. Wie viel ankommt, hängt von Boden, Witterung und Umbruch ab. Eine Gründüngung ersetzt zusätzliche Düngung deshalb nicht automatisch, deine Folgedüngung sollte den Aufwuchs aber berücksichtigen. Nach dem flachen Einarbeiten wartest du meist etwa 2–3 Wochen, bevor du säst oder pflanzt.
Düngung nach Bodenprobe planen
Eine Bodenuntersuchung ermittelt die pflanzenverfügbaren Nährstoffe und hilft dir, Art und Menge einer nötigen Düngung festzulegen. Die GrunduntersuchungDie Grunduntersuchung ist der Standardumfang einer Bodenuntersuchung im Labor: Bestimmt werden Phosphor, Kalium, Magnesium und der pH-Wert. Sie zeigt, wie gut der Boden mit diesen Nährstoffen versorgt ist und ob er Kalk braucht. erfasst Phosphat, Kalium und den Kalkbedarf. Kalken solltest du nur, wenn der pH-Wert für deine Bodenart zu niedrig ist. Bevor ich nach dem Senf dünge, lege ich den Befund daneben und schaue, wie dicht der Bestand stand.
So entsteht die MischprobeEine Mischprobe ist eine Bodenprobe, die aus Erde von mehreren Stellen derselben Fläche zusammengemischt wird. So zeigt die Untersuchung im Labor den Zustand der ganzen Fläche und nicht nur den einer einzelnen Stelle. für dein Gemüsebeet.
- 10–15 Einzelproben über die einheitlich genutzte Fläche verteilen
- jede Probe aus 25–30 cm Tiefe nehmen
- alles zu einer Mischprobe von etwa 500 g vereinigen
Viel Phosphor und Kalium im Boden? Dann den Senf abräumen
Zeigt der Befund erhöhte Phosphor- und Kaliumvorräte, entfernst du den Großteil des Senfs von der Fläche. Die Masse nutzt du auf einem geringer versorgten Beet weiter. Ist keins frei, kommt sie auf den Kompost.
Welche Folgekultur passt?
Bei der Planung zählen Pflanzenfamilie und Stickstoffbedarf der Folgekultur gemeinsam. Senf ist wie Kohl, Rettich und Radieschen ein Kreuzblütler und kann in deren Fruchtfolge KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. fördern. Zu anderen Kreuzblütlern hältst du im Gemüsebeet deshalb mindestens 3–5 Jahre Abstand. Wie du ihn als Vor-, Zwischen- oder Nachfrucht einbaust, zeigt der Beitrag, wie du Gelbsenf im Fruchtwechsel einplanst.
Was Gelbsenf sonst noch kann: kurz eingeordnet
Bodenstruktur und Erosionsschutz
Eine Gründüngungsdecke schützt Gartenboden vor VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten., Verkrustung und Erosion. Die Wurzeln von Gelbsenf lockern zudem tiefer liegende Bodenschichten. Was das für Struktur, Humus und Bodenleben bedeutet, erklärt der Beitrag, wie Gelbsenf Bodenstruktur und Bodenleben verbessert.
Nematoden
Für eine Wirkung gegen Rübennematoden wird nematodenresistenter Gelbsenf verwendet, denn die Art umfasst auch konventionelle Sortentypen. Im Feldanbau kann eine resistente Senfsorte Rübennematoden zurückdrängen, verlass dich im Garten aber nicht darauf. Wie realistisch das ist, ordnet der Beitrag ein, was Gelbsenf gegen Nematoden ausrichten kann.
Aussaat
Weil Gelbsenf stark auf lange Tage reagiert, sind für eine Gründüngung, die vor allem Blätter bilden soll, Saattermine Anfang bis Mitte August günstiger. Im Garten verwendest du 5 g Saatgut/m². Zeitpunkt, Methode und Saattiefe je nach Zweck findest du im Beitrag, wann und wie du Gelbsenf säst.
Wachstum
Für Senf als Gründüngung im Hausgarten liegen die Angaben zur Entwicklungsdauer bei 4–10 Wochen. Wie du ihn als schnellen Gründünger anbaust und wo er im Garten passt, zeigt der Beitrag, wie du Gelbsenf als schnell wirkenden Gründünger einsetzt.
Blüte, Selbstaussaat und Aufwand
Blühender Gelbsenf ist nützlingsfreundlich. Soll er für Insekten blühen, beendest du ihn nach der Blüte, aber vor der Samenreife, damit er sich nicht selbst aussät. Ob du nach Gelbsenf weniger düngen musst, hängt von Boden und Aufwuchs ab, eine feste Ersparnis lässt sich für den Hausgarten nicht beziffern. Beides ordnet die Gründünger-Übersicht zu Mähen, Einarbeiten sowie Aufwand und Nutzen ein.




