Gründüngung gegen Unkraut: Welche Arten den Boden schnell schließen
- Senf, Buchweizen, Raps und Ölrettich schließen ihren Bestand schnell und nehmen auflaufendem Unkraut vor allem das Licht.
- Wurzelunkräuter gräbst du vor der Saat möglichst vollständig aus, denn zerteilte unterirdische Pflanzenteile können wieder austreiben.
- Sonnenblumen, Sommerwicken, Serradella und Weißklee starten langsam. Solange der Boden zu sehen ist, jätest du selbst.
- Ein falsches Saatbett lässt Unkrautsamen vor der Gründüngung keimen, damit du die Keimlinge flach abhacken kannst.
- Schneide den Bestand vor der Samenreife, sonst wird die Gründüngung selbst zum unerwünschten Aufwuchs.
Ein abgeerntetes Beet bleibt nicht lange leer. Liegt der Boden offen, läuft Unkraut auf, und du jätest im Herbst dieselbe Fläche wie im Frühjahr. Gründüngung besetzt den Platz vorher: Ein dichter Bestand nimmt den Keimlingen das Licht. Ich säe freie Beete deshalb gleich nach der Ernte ein und grabe vorher aus, was mit Wurzeln überdauert.
Das trifft Unkraut, das aus Samen aufläuft. Quecke und Giersch können aus Wurzelstücken wieder austreiben und müssen vor der Saat aus dem Beet. Nebenbei schützt die Pflanzendecke den Boden vor VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten., Verkrustung und Erosion. Diese Grundlagen findest du im Überblick dazu, was Gründüngung im Boden leistet.
Wie unterdrückt Gründüngung Unkraut?
Drei Wirkungen werden der Gründüngung zugeschrieben: Lichtentzug, Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe sowie Allelopathie. Den größten Anteil hat das Licht.
Lichtentzug: die geschlossene Decke
Senf, Buchweizen, Raps und Ölrettich schließen ihren Bestand schnell. Auflaufendes Unkraut unterdrücken diese Arten vor allem durch Lichtkonkurrenz, weil den Keimlingen unter dem Blätterdach das Licht fehlt. Es zählt also, wie schnell du den Boden nicht mehr siehst. Gelbsenf entwickelt sich anfangs zügig und bedeckt den Boden rasch. Beim Ölrettich übernimmt das die rasch wachsende Grünmasse.
Die Lichtkonkurrenz trifft auflaufendes Unkraut, also Keimlinge aus Samen. Wurzelunkräuter können dagegen aus zerteilten unterirdischen Pflanzenteilen erneut austreiben. Bei ihnen verlässt du dich deshalb nicht auf die Decke, sondern gräbst vor der Saat.
Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe
Ein wachsender Bestand nimmt gelöste Nährstoffe auf und verbraucht Wasser. Beides kann dem Unkraut fehlen, das daneben keimt. Dieselbe Konkurrenz trifft aber auch dein Gemüse, denn lebende Gründüngung kann bei Trockenheit mit der HauptkulturDie Hauptkultur ist die Gemüseart, die im Gartenjahr am längsten auf einem Beet steht, zum Beispiel Tomaten. Nach ihr richtet sich die Beetplanung: Vor-, Nach- und Zwischenkulturen werden um sie herum eingeplant. um Wasser konkurrieren. Zwischen Gemüsereihen behältst du sie deshalb im Blick. Mehr dazu steht im Ratgeber, wie Gründüngung den Wasserhaushalt des Bodens verändert.
Allelopathie: eine Wirkung, mit der du nicht planen kannst
Allelopathie heißt, dass eine Pflanze Stoffe abgibt, die andere Pflanzen beim Keimen oder Wachsen hemmen können.
Roggen und Buchweizen wird diese Wirkung nachgesagt. Im Beet lässt sie sich nicht von der Lichtkonkurrenz trennen. Bleibt es unter dichtem Buchweizen sauber, siehst du nicht, ob der Schatten oder ein Pflanzenstoff der Grund ist. Wähle die Art deshalb danach, wie schnell sie den Boden deckt. Eine mögliche Hemmwirkung nimmst du als Zugabe, ohne dich darauf zu verlassen.
Welche Arten unterdrücken Unkraut gut?
Ordne die Arten danach, wie schnell sie den Boden schließen. Oben in der Tabelle stehen Arten mit schneller Decke, unten solche, die am Anfang deine Hilfe brauchen.
| Art | Verhalten gegenüber Unkraut | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| Gelbsenf | entwickelt sich anfangs zügig, bedeckt den Boden rasch | KreuzblütlerKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen. |
| Ölrettich | bildet rasch Grünmasse, die den Boden bedeckt | Kreuzblütler |
| Raps | schließt den Bestand schnell | Kreuzblütler |
| Buchweizen | schließt den Bestand schnell | vor der SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen. schneiden |
| Phacelia | bildet reichlich Grünmasse, wird 60–100 cm hoch | UntersaatEine Untersaat ist eine zweite Pflanzenart, die du zusätzlich zwischen oder unter eine Hauptkultur säst. Sie wächst zunächst mit und entwickelt sich nach der Ernte der früher erntereifen Hauptkultur weiter. in Kartoffeln: im Feldversuch nicht in jeder Situation weniger Spätverunkrautung |
| Sommerwicke | deckt anfangs schwach, mit zunehmender Wüchsigkeit besser; im Zwischenfruchtanbau gilt die Unkrautunterdrückung als gut | im jungen Bestand jäten |
| Serradella | entwickelt sich in der Jugend anfangs zögernd | im jungen Bestand jäten |
| Weißklee | entwickelt sich in der Jugend langsam, bleibt mit 20–30 cm niedrig | als Untersaat zwischen Gemüse nutzbar |
| Sonnenblume | bis zum 5-Blattstadium nur geringe Konkurrenzkraft gegenüber BeikräuternBeikraut nennt man jede Pflanze, die zwischen den angebauten Kulturpflanzen mitwächst, egal ob wild oder domestiziert, nützlich oder schädlich. Das Wort ist neutral gemeint, während „Unkraut“ eine persönliche Wertung ausdrückt. | früh jäten |
| Lein | junge Pflanzen im Ölleinanbau mit geringer Konkurrenzkraft | Bestand anfangs besonders auf Unkraut kontrollieren |
| Tagetes patula | braucht im Feldanbau 4–8 Wochen, bis der Boden geschlossen ist | Unkraut früh regulieren |
Tiefe Wurzeln und schnelle Decke sind zwei verschiedene Eigenschaften. Sonnenblumen können standortabhängig deutlich mehr als 1 m tief wurzeln. Gegen Beikräuter sind die jungen Pflanzen trotzdem konkurrenzschwach. Wer vor allem Unkraut unterdrücken will, wählt also nach dem Tempo der Decke und nicht nach der Wurzeltiefe.
Lange Tage beeinflussen Gelbsenf stark. Soll er vor allem Blattmasse bilden, säst du ihn deshalb günstiger spät, Anfang bis Mitte August. Wann welche Art in den Boden kommt, zeigt der Ratgeber, wie du Gründüngung Jahreszeit für Jahreszeit mit dem Gemüseanbau planst. Die SaatfensterDas Aussaatfenster ist der Zeitraum im Jahr, in dem eine Pflanzenart sinnvoll ausgesät werden kann. Es richtet sich vor allem nach dem Temperaturanspruch der Art, der Bodentemperatur und der Frostgefahr. hast du mit dem Aussaatkalender für Gründünger zum Ausdrucken am Beet zur Hand.
Senf, Ölrettich und Raps sind Kreuzblütler wie Kohl, Rettich und Radieschen. Gelbsenf und Ölrettich brauchen im Gemüsebeet mindestens 3–5 Jahre Abstand zu anderen Kreuzblütlern. Steht bei dir viel Kohl, nimmst du Phacelia, denn sie ist mit keiner gängigen Gemüseart verwandt. Die Familienfrage vertieft der Überblick zu Gründünger und Bodenkur im Abschnitt Fruchtfolge und Mischkultur; welche Gründünger sich mit deinem Gemüse vertragen, prüfst du mit dem Werkzeug für Mischkultur-Nachbarn.
Mischungen: wenn eine Art die Lücke der anderen deckt
In Feldversuchen konnten Zwischenfruchtmischungen mit unterschiedlichen Wuchsformen Lücken im Bestand ausgleichen und Unkraut besser unterdrücken als die einzelnen Arten in Reinsaat. Buchweizen lässt sich in Mischungen mit Phacelia, Alexandrinerklee und Sommerwicke kombinieren. Die Sommerwicke deckt anfangs schwach, Buchweizen schließt schnell: In einer solchen Mischung kann die schnelle Art die offene Phase der langsamen überbrücken.
Ich säe Buchweizen gern zusammen mit Phacelia und halte mich bei fertigen Mischungen an die Saatmenge auf der Packung. Prüfe vorher jede enthaltene Pflanzenfamilie gegen deine Gemüsefruchtfolge.
Womit kombiniere ich Gründüngung gegen Unkraut?
Die Gründüngung deckt die Zeit ab, in der ihr Bestand geschlossen ist. Davor, währenddessen und danach brauchst du weitere Handgriffe.
Vor der Saat: falsches Saatbett und dichte Saat
Gegen Samenunkräuter kann das falsche Saatbett helfen, auch Stale Seedbed genannt. Richte das Beet saatfertig her und säe noch nicht. Die Unkrautsamen im Beet keimen, und du hackst die Keimlinge flach ab. Wähle dafür einen sonnigen Tag mit abgetrocknetem Boden, damit die entwurzelten Pflanzen rasch vertrocknen. Erst danach säst du die Gründüngung.
Für das falsche Saatbett werden im Arznei- und Gewürzpflanzenbau je nach Jahreszeit mindestens 1–3 Wochen Vorlauf genannt, bei Hackfrüchten 3–4 Wochen. Beide Spannen gelten für diese Kulturen. Vor einer Gründüngung richtest du dich nach dem Beet: Gehackt wird, sobald die Keimlinge zu sehen sind.
Der Vorlauf kostet Zeit, in der das Beet offen liegt. Für Senf werden im Hausgarten 4–10 Wochen Entwicklungsdauer angegeben, und die kommen zum Vorlauf hinzu. Plane das falsche Saatbett also nur ein, wenn die Fläche lange genug frei bleibt.
Bei der Saat selbst lassen Lücken im Bestand Licht auf den Boden. Verteile das Saatgut breitwürfig, reche es ein, drücke es an und halte die Saat bis zum Auflaufen feucht. Die Saatmenge nimmst du von der Saatguttüte deiner Sorte. Alle Handgriffe zeigt die Anleitung, wie du deine erste Gründüngung Schritt für Schritt anlegst.
Im jungen Bestand: jäten, solange der Boden zu sehen ist
Bis sich die Decke schließt, keimt Unkraut neben der Saat. Bei den langsamen Arten aus der Tabelle dauert diese Phase länger. Tagetes patula steht dort ganz unten, weil im Feldanbau 4–8 Wochen vergehen, bis der Boden geschlossen ist. Entsprechend früh regulierst du dort das Unkraut.
Ich gehe durch den jungen Bestand, solange ich den Boden noch sehe, und ziehe von Hand heraus, was ich nicht gesät habe. In einer breitwürfigen Saat komme ich mit der Hacke nicht zwischen die Pflanzen, deshalb erledige ich das früh.
Im Klee: Schröpfschnitt
Wächst Unkraut über einen jungen Kleebestand hinaus, kann ein Pflegeschnitt helfen, der SchröpfschnittEin Schröpfschnitt ist ein früher Schnitt im ersten Jahr nach dem Aussäen einer Blumenwiese. Er kürzt schnell wachsende Beikräuter zurück, damit die langsameren eingesäten Wildkräuter nicht überwuchert werden und genug Licht bekommen.. Im Rotklee setzt du ihn so hoch an, dass er nur die Beikräuter erfasst. Im Alexandrinerklee kann der Schnitt den Unkrautwuchs verringern und zugleich die Bestockung des Klees fördern. Auf Phacelia überträgst du das nicht, denn für sie wird im Gemüsebau kein Zwischenschnitt empfohlen.
Zwischen Gemüse: Untersaat
Als Untersaat zwischen Gemüse oder Beerenkulturen eignen sich niedrig wachsende Gelb- oder Weißkleearten. Gesät wird in die bereits gepflanzte Kultur, und das Saatgut arbeitest du mit dem letzten Hackgang ein. Weißklee entwickelt sich in der Jugend langsam, und gesät wird erst mit dem letzten Hackgang. Das Hacken davor nimmt dir die Untersaat also nicht ab. Schneide den Klee, sobald er das Gemüse beeinträchtigt, denn lebende Untersaaten können durch Konkurrenz um Wasser den Ertrag mindern.
Sicher ist die Wirkung nicht. In Feldversuchen mit Kartoffeln ging die Spätverunkrautung unter einer Phacelia-Untersaat nicht in allen untersuchten Situationen signifikant zurück.
Nach dem Frost: die Decke als Mulch
Friert die Gründüngung ab, bleibt sie über Winter als Mulch liegen. Samentragende Unkräuter und lebende Wurzelunkräuter gehören dagegen nicht in die Mulchschicht eines Gemüsebeets. Welche Materialien wann passen, liest du im Ratgeber, wie du Gründüngung und Mulchen im Jahresverlauf kombinierst.
Was tun, wenn Unkraut hartnäckig bleibt?
Wurzelunkräuter: ausgraben statt fräsen
Grabe Wurzelunkräuter wie Quecke, Giersch und Ackerwinde vor der Saat möglichst vollständig aus. Aus zerteilten unterirdischen Pflanzenteilen können die Pflanzen erneut austreiben, deshalb zählt jedes Stück. Ich lockere dafür mit der Grabgabel und lese die Wurzeln von Hand aus der Erde. Entsorge das Ausgegrabene über die Biotonne, weil kleine Gartenkomposter keine sichere Hygienisierung gewährleisten.
Die verqueckte Fläche einmal durchfräsen und gleich einsäen. Die Fräse zerteilt die Wurzeln, und zerteilte Stücke können wieder austreiben. So kann eine Gartenfräse die Vermehrung von Wurzelunkräutern sogar fördern.
Treiben nach der Gründüngung einzelne Wurzelunkräuter durch, kann das auf Reste im Boden hindeuten. Grabe an diesen Stellen nach, bevor du die nächste Kultur säst.
Wenn nach dem Winter wieder Unkraut aufläuft
Schnell schließende Bestände wirken vor allem über das Licht. In zweijährigen Feldversuchen in der Soester Börde hielten abfrierende Beisaaten im Winterraps das Unkraut zunächst zurück. Nach dem Abfrieren verhinderten die Beisaaten eine erneute Verunkrautung nicht. Die Wirkung endet also mit der lebenden Decke. Kontrolliere ein abgefrorenes Beet deshalb im Frühjahr und hacke auflaufendes Unkraut flach ab, bevor du säst.
„Einmal Gründüngung, und das Beet bleibt sauber.“ Die Decke unterdrückt auflaufendes Unkraut, solange sie geschlossen steht. Wurzelunkräuter gräbst du trotzdem aus, und im jungen Bestand jätest du weiter.
Wann wird Gründüngung selbst zum Unkraut?
Eine Gründüngung, die aussamt, wird selbst zum unerwünschten Aufwuchs. Schneide den Bestand deshalb, bevor seine Samen ausreifen.
Buchweizen kann als Sommerzwischenfrucht zwischen Gemüsekulturen ab etwa 6 Wochen Samen bilden. Seine Entwicklungszeit wird mit 6–10 Wochen angegeben. Das Samenrisiko beginnt also schon am unteren Ende dieser Spanne. Ich kontrolliere Buchweizen ab der Blüte und schneide, bevor die Körner ausreifen. Körner, die trotzdem ausfallen, lässt du vor dem ersten Frost keimen, damit die aufgelaufenen Pflanzen abfrieren.
Phacelia gilt als verwilderungsfähig, schneide sie deshalb vor der Samenbildung. Wie du den Schnitt als Mulch nutzt oder flach einarbeitest, erklärt der Überblick zu Gründünger und Bodenkur im Abschnitt zum Mähen und Einarbeiten.





