Stielmus (Rübstiel): Blattgemüse ernten, Reste als Gründüngung nutzen
- Stielmus, auch Rübstiel genannt, ist ein Kreuzblütler, den du wegen seiner jungen Blätter und Blattstiele anbaust.
- Gesät wird von Mitte März bis Anfang August direkt ins Freiland.
- Bei der Sorte Namenia sind die Blätter nach etwa 6 Wochen erntereif.
- Die Reste schneidest du vor der Samenbildung und arbeitest sie flach ein, danach wartest du meist etwa 2–3 Wochen.
- In der Fruchtfolge zählt Stielmus zu den Kohlgewächsen, die erst nach 4 Jahren auf dieselbe Fläche zurückkehren.
- Luftstickstoff bindet Stielmus nicht, das können nur Leguminosen.

Stielmus ist schnell gesät und schnell geerntet. Da liegt es nahe, es als Lückenfüller auf jedes Beet zu säen, das gerade frei ist. Für die Fruchtfolge hat das Folgen, denn Stielmus ist ein KreuzblütlerKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen. und zählt zu den Kohlgewächsen. Ich plane es deshalb wie eine Kohlkultur ein und nutze nach der Ernte die Reste für den Boden.
Was ist Stielmus?
Stielmus heißt auch Rübstiel und wird wegen seiner jungen Blätter und Blattstiele angebaut. Botanisch gehört es zur Art Brassica rapa. Zur selben Art zählen Speiserüben, Pak Choi, Tatsoi und Mizuna, außerdem die Rübsen, die als Gründünger gesät werden.
Im Rheinland und in Westfalen hat Stielmus Tradition. Dort kommt es mit Kartoffelpüree und Bratwurst auf den Tisch.
Kreuzblütler sind eine Pflanzenfamilie, botanisch Brassicaceae. Dazu gehören Kohl, Rettich, Radieschen, Rauke und Kresse, aber auch die Gründünger Senf, Ölrettich, Raps und Rübsen. In der Fruchtfolge behandelst du sie alle als eine Gruppe.
Wie säe ich Stielmus aus?
Stielmus säst du direkt ins Freiland. Das SaatfensterDas Aussaatfenster ist der Zeitraum im Jahr, in dem eine Pflanzenart sinnvoll ausgesät werden kann. Es richtet sich vor allem nach dem Temperaturanspruch der Art, der Bodentemperatur und der Frostgefahr. reicht von Mitte März bis Anfang August. Besonders geeignet sind leichte, humose Sandböden. Stielmus wächst aber auch auf anderen Gartenböden, auf denen Gemüse gedeiht. Such dafür einen sonnigen Platz aus.
Ich lockere den abgetrockneten Boden mit der Grabgabel und harke ihn feinkrümelig und eben. Danach ziehe ich Saatrillen. Für die Sorte Namenia gilt eine Saattiefe von etwa 2–3 cm, die Samen werden mit Erde bedeckt. Diese Sorte keimt bei 10–16 °C. Bis die Keimlinge erscheinen, vergehen 7–14 Tage. Ich halte die Saat feucht, bis sie aufgelaufen ist.
Im Erwerbsanbau liegen die Reihen 15–25 cm auseinander. Für den Abstand in der Reihe und die Saatmenge hältst du dich an die Angabe auf der Saatguttüte deiner Sorte.
Die Werte im Überblick:
| Angabe | Wert | Gilt für |
|---|---|---|
| Aussaat | Mitte März bis Anfang August, direkt ins Freiland | Stielmus allgemein |
| Saattiefe | etwa 2–3 cm, mit Erde bedeckt | Sorte Namenia |
| Keimtemperatur | 10–16 °C | Sorte Namenia |
| Keimdauer | 7–14 Tage | Sorte Namenia |
| Reihenabstand | 15–25 cm bei Direktsaat in Reihen, Abstand in der Reihe nach Saatguttüte | Erwerbsanbau |
| Erntereife der Blätter | nach etwa 6 Wochen | Sorte Namenia |
| Kulturdauer | 60–80 Tage | allgemeiner Anbau im Freiland |
Wann ist Stielmus erntereif?
Geerntet wird jung, denn genutzt werden die jungen Blätter und Blattstiele. Bei der Sorte Namenia sind die Blätter nach etwa 6 Wochen erntereif. Für den Stielmusanbau im Freiland allgemein werden 60–80 Tage Kulturdauer angesetzt. Plane mit der Angabe deiner Sorte und schau auf die Pflanzen. Ich schneide Blätter samt Stielen und nehme nur so viel, wie ich am selben Tag verarbeite.
Wie bewahre ich die Ernte auf?
Im Kühlschrank hält sich Stielmus in einem feuchten Tuch 2–3 Tage. Für einen Vorrat blanchierst du es und frierst es ein. Tiefgekühlt bleibt es 3 Monate lagerfähig.
Was bringt Stielmus dem Boden und was nicht?
Ein stehender Bestand bedeckt den Boden und schützt ihn vor VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten., Verkrustung und Erosion. Eingearbeitete Reste versorgen das BodenlebenBodenleben ist die Gesamtheit der Lebewesen im Boden, von Bakterien, Pilzen und Algen bis zu Tieren wie Regenwürmern. Sie zersetzen Pflanzenreste zu Nährstoffen, legen Humus an und bauen die Bodenstruktur auf. mit organischem Material, und verrottende Wurzeln hinterlassen Kanäle für Wasser und Luft. Das gilt für jede Gründüngung, die Grundlagen liest du im Überblick dazu, was Gründüngung im Boden leistet.
Bei Stielmus kommt eine Grenze dazu: Es liefert keinen zusätzlichen Stickstoff.
„Stielmus reichert Stickstoff im Boden an.“ Das stimmt so nicht. Nur LeguminosenHülsenfrüchte sind die in einer Hülse reifenden Samen von Schmetterlingsblütlern wie Erbse, Bohne und Linse; die Pflanzen heißen Hülsenfrüchtler oder Leguminosen. Die meisten binden mit Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft. bringen über die Bindung von Luftstickstoff zusätzlichen Stickstoff ein. Ein Kreuzblütler wie Stielmus nimmt Stickstoff auf, der schon im Boden ist, und gibt ihn beim Verrotten wieder frei.
Für die FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. heißt das: Was die Reste nachliefern, hängt von Aufwuchs, Jahreszeit, Bodenfeuchte und Temperatur ab. Eine Düngung ersetzt es nicht automatisch.
Wie nutze ich die Reste als Gründüngung?
Nach der Ernte bleiben Wurzeln, Stängelreste und ältere Blätter auf dem Beet. Diese Reste nutzt du wie eine Gründüngung. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Gründüngung wird gewöhnlich kurz vor der Blüte geschnitten, spätestens aber vor der Samenbildung. Bei der Art Brassica rapa reicht die Blütezeit von Mai bis August. Reifen die Samen aus, sät sich der Bestand selbst aus und läuft später als unerwünschter Aufwuchs auf.
Früh schneiden hat einen zweiten Vorteil. Junge Pflanzen werden im Boden schneller umgesetzt als alte, und verholzte Reste können beim Verrotten vorübergehend Stickstoff binden. Wer vor der Blüte schneidet, verhindert also die SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat. und bekommt zugleich Material, das schneller verrottet.
So gehst du vor:
- Schneide den Bestand ab, bevor sich Samen bilden, und zerkleinere dicke Stängel.
- Lass die Masse bei Bedarf anwelken.
- Arbeite sie nur flach ein. Tief vergraben kann frische Grünmasse unter Luftabschluss faulen.
- Warte danach meist etwa 2–3 Wochen, bevor du neu säst oder pflanzt. Schau nach, wie weit die Reste zersetzt sind.
Kranke Pflanzen nutzt du nicht als Mulch. Sie kommen vorsorglich in die Biotonne, weil ein kleiner Gartenkomposter sie nicht sicher hygienisiert.
Die Grünmasse wird im Frühherbst sofort eingearbeitet. Dabei werden Nährstoffe frei, die ausgewaschen werden können, bevor die nächste Kultur sie nutzt. Lass die Masse im Frühherbst zunächst uneingearbeitet.
Ich richte mich beim Schnitt nach den Pflanzen und nicht nach dem Kalender. Sobald ich die ersten Blütenknospen sehe, schneide ich die Reste ab und lasse sie auf dem Beet anwelken.
Wo hat Stielmus Platz in der Fruchtfolge?
Stielmus rechnest du in die Fruchtfolge der Kohlgewächse ein. Für sie wird eine Wiederkehr auf derselben Fläche erst nach 4 Jahren empfohlen. Das gilt auch, wenn du die Pflanzen nur einarbeitest, denn Gründünger zählen in der Fruchtfolge zu ihrer Pflanzenfamilie.
Ein Grund dafür ist die KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen.. Von Rübsen, der Gründünger-Form derselben Art, wird im Gemüsegarten abgeraten. Sie sind mit Kohl, Rettich und Radieschen verwandt und bringen das Risiko der Kohlhernie mit.
Daraus folgt, wie du Stielmus einsetzt. Es belegt einen Platz in der Kohl-Fruchtfolge, und von einer reinen Gründüngung mit dieser Art wird im Gemüsegarten abgeraten. Sä Stielmus also dort, wo ohnehin Kohlgewächse an der Reihe sind, und nimm zum Begrünen freier Beete eine andere Art.
Dafür eignet sich Phacelia, weil sie mit keiner gängigen Gemüseart verwandt ist. Der druckbare Kalender zeigt dir, wann du welchen Gründünger säst.
Was kommt nach Stielmus aufs Beet?
Als Folgekultur scheiden Kohl, Rettich und Radieschen aus. Direkt nach Stielmus säst du auch weder Senf noch Ölrettich oder Raps, denn Gründünger derselben Familie folgen nicht unmittelbar aufeinander. Wähle eine Kultur aus einer anderen Familie und richte die Düngung nach ihrem Bedarf.
Gibt es in deinem Garten schon Probleme mit Kohlhernie an Kohl, gilt ein strengerer Rahmen. Die Hausgartenberatung empfiehlt dann einen Fruchtwechsel von fünf bis sechs Jahren und den Verzicht auf Kreuzblütler, auch als Gründüngung. Stielmus setzt in dieser Zeit ebenfalls aus.
Ich trage jedes Beet mit Kreuzblütlern samt Jahr in meinen Plan ein. Vor jeder Aussaat schaue ich dort nach, welche Fläche für Kohlgewächse frei ist. Du kannst dafür deine Beetbelegung im Beetplaner festhalten.




