Biologische Schädlingsbekämpfung im Garten: Prinzipien, Geschichte und Grenzen
- Biologische Schädlingsbekämpfung nutzt natürliche Gegenspieler: räuberische und parasitische Tiere sowie Pilze, Viren und Bakterien, die sich gegen Schadinsekten richten.
- Ein gewisser Befall gehört dazu, denn er ist die Nahrungsgrundlage der Gegenspieler.
- Ein erwachsener Siebenpunkt-Marienkäfer frisst etwa 40 bis 50 Blattläuse pro Tag.
- Gekaufte Nützlinge kommen überwiegend im Gewächshaus zum Einsatz; im Freiland ist ihr Einsatz teurer und weniger effizient.
- Der Erfolg vieler Nützlinge hängt von Tageslänge, Lichtstärke, Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab.
- Pflanzenschutzmittel kommen im Hausgarten erst infrage, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen.

Wenn an meinen Bohnen die ersten Blattläuse sitzen, hole ich nicht die Spritze, sondern die Lupe. Ich suche zwischen den Kolonien nach Larven von Marienkäfern, Florfliegen und SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse., bevor ich irgendetwas entscheide. Genau das ist der Kern der biologischen Schädlingsbekämpfung: Du nutzt die natürlichen Gegenspieler der Schädlinge und greifst selbst erst ein, wenn es nötig wird. Das kann viel leisten, hat aber Grenzen, und die solltest du kennen, bevor du Nützlinge bestellst oder einen Befall einfach laufen lässt.
Was ist biologische Schädlingsbekämpfung?
Biologische Schädlingsbekämpfung nutzt natürliche Gegenspieler von Schädlingen. Dazu gehören räuberische Tiere wie blattlausfressende Marienkäfer und parasitische Tiere wie SchlupfwespenSchlupfwespen sind nützliche Insekten, die mit ihrem Legestachel Eier in Schädlinge wie Blattläuse legen. Die Larve wächst im Inneren der befallenen Tiere heran und ernährt sich von ihnen.. Auch Pilze, Viren und Bakterien zählen dazu, sofern sie sich gegen Schadinsekten richten. Das Ziel ist, Schädlinge zu regulieren, nicht sie auszurotten.
Im Garten gibt es dafür zwei Wege. Du förderst die Gegenspieler, die ohnehin da sind, oder du kaufst Nützlinge und bringst sie gezielt aus. Gekaufte Nützlinge kommen überwiegend im Gewächshaus zum Einsatz. Im Freiland ist ihr Einsatz im Vergleich teurer und weniger effizient.
Räuber fressen ihre Beute direkt, so wie blattlausfressende Marienkäfer und ihre Larven Blattläuse erbeuten. Parasitische Wespen legen ihre Eier in geeignete Wirtsinsekten, in denen sich dann ihre Larven entwickeln. Krankheitserreger wie Pilze, Viren und Bakterien richten sich gegen die Schadinsekten selbst.
Woher kommt die Idee?
Natürliche Feinde gegen Schädlinge einzusetzen, ist eine alte Idee. Schon im alten China siedelten Bauern Ameisen in Zitrusplantagen um, damit sie dort Schädlinge bekämpften.
Als Meilenstein der modernen Methode gilt ein Marienkäfer. In Kalifornien wurde Rodolia cardinalis gegen die Australische Wollschildlaus angesiedelt. Der Erfolg weckte breites Interesse an biologischen Verfahren.
Mit dem Aufkommen synthetischer Pestizide geriet die biologische Schädlingsbekämpfung zunächst in den Hintergrund. Zurück kam sie, als die negativen Auswirkungen chemischer Mittel deutlich wurden. Einen großen Anteil daran hatte Rachel Carsons Buch „Der stumme Frühling“.
Heute ist sie ein fester Teil des integrierten Pflanzenschutzes. Dort werden zuerst geeignete Kulturmaßnahmen ausgeschöpft. Besteht danach weiter Bekämpfungsbedarf, werden biologische oder biotechnische Verfahren bevorzugt.
Nach welchen Prinzipien funktioniert sie?
Gegenspieler brauchen Beute
Ein Nützling lebt von seiner Beute. Deshalb gehört es zur Förderung natürlicher Gegenspieler, einen gewissen Schädlingsbefall als ihre Nahrungsgrundlage zu tolerieren. Wie viel einzelne Tiere schaffen, zeigen die Zahlen für zwei Blattlausjäger:
| Gegenspieler | Blattläuse |
|---|---|
| Siebenpunkt-Marienkäfer, erwachsen | etwa 40 bis 50 pro Tag |
| Larve des Siebenpunkt-Marienkäfers | etwa 600 während ihrer Entwicklung |
| Larve der Grünen Florfliege | etwa 400 während ihrer gesamten Larvenentwicklung |
Aus beidem folgt etwas für die Praxis. Wer jede Kolonie sofort entfernt, nimmt genau den Larven die Nahrung, aus denen die nächsten Käfer werden, denn eine einzige Larve des Siebenpunkt-Marienkäfers vertilgt während ihrer Entwicklung etwa 600 Blattläuse. Ich lasse deshalb an Bohnen und Rosen einzelne Kolonien stehen und schaue mit der Lupe nach, welche Larven dazwischen sitzen.
Gegenspieler brauchen Lebensraum
Bei blattlausfressenden Schwebfliegen fressen nur die Larven Blattläuse, die erwachsenen Tiere leben von Pollen und Nektar. Laubhaufen, Totholz, Steinhaufen und unaufgeräumte Gartenecken bieten außerdem vielen Tieren Nahrung und Rückzugsräume. Wie du Wiese, Altgras und offene Bodenstellen als Lebensräume für Nützlinge gestaltest, steht im Ratgeber Nützlinge & Schädlinge.
Welche Methoden gehören dazu?
Die einzelnen Verfahren reiße ich hier nur an. Ausführlich stehen sie im Ratgeber Nützlinge & Schädlinge, jeweils im genannten Abschnitt.
Nützlinge fördern und einsetzen. Zum Fördern gehören Nahrung, Verstecke und Nistplätze. Gezielt ausgebrachte Nützlinge brauchen dagegen passende Bedingungen, die ich weiter unten bei den Grenzen zeige. Den Einsatz selbst findest du unter „Biologische Verfahren“.
Krankheitserreger von Insekten. Auch Pilze, Viren und Bakterien, die sich gegen Schadinsekten richten, zählen zu den biologischen Verfahren. Was davon im Hausgarten infrage kommt, steht im selben Abschnitt.
Pflanzliche Mittel und Hausmittel. BrennnesseljaucheBrennnesseljauche ist ein selbst angesetzter Flüssigdünger aus Brennnesselblättern, die zehn bis 14 Tage in Wasser gären. Sie liefert schnell verfügbaren Stickstoff und eignet sich besonders für stark zehrendes Gemüse., SchmierseifeEine Schmierseifenlösung ist in Wasser aufgelöste Schmierseife, die als altes Hausmittel auf Pflanzen gesprüht wird. Sie legt sich als flüssiger Film über Schädlinge wie Blattläuse, die dadurch ersticken. und Rapsöl wird viel nachgesagt. Ein Beispiel zeigt die Grenze: Ein untersuchter Brennnesselauszug blieb vorbeugend gegen die Schwarze Bohnenlaus an Bohnen wirkungslos. Wie du solche Mittel einordnest, steht unter „Pflanzliche Mittel, Jauchen und Hausmittel“.
Barrieren, Netze und Fallen. Gegen zufliegende Schadinsekten legst du KulturschutznetzeEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen. mit weniger als 1 mm Maschenweite gleich nach Saat oder Pflanzung auf. Die Ränder schließt du dicht, und das Netz bleibt bis zur Ernte liegen. Mehr dazu unter „Barrieren, Netze und Fallen“.
Standort, Boden und Düngung. Kulturmaßnahmen kommen vor jeder Bekämpfung. Ein Beispiel ist Kopfkohl, der bei übermäßigen Stickstoffgaben anfälliger für Krankheiten wird. Den Weg von der Bodenprobe zur passenden Düngung beschreibt der Abschnitt „Standort, Boden und Düngung“.
Fruchtfolge und Mischkultur. Mischkultur unterstützt, garantiert aber nichts, denn positive Effekte treten nicht unter allen Standort-, Licht-, Boden- und Pflegebedingungen gleich auf. Welche Pflanzen gute oder schlechte Nachbarn sind und wie du den Fruchtwechsel deiner Beete planst, klärst du mit unseren Werkzeugen; die Grundlagen stehen unter „Fruchtfolge und Mischkultur“.
Natürlich oder chemisch. Chemische Mittel können auch Nützlinge treffen. Vor einem Nützlingseinsatz musst du deshalb mögliche Nebenwirkungen zuvor eingesetzter Pflanzenschutzmittel auf die Nützlinge berücksichtigen. Den ausführlichen Vergleich findest du unter „Natürlich oder chemisch: was der Vergleich hergibt“.
Wann solltest du eingreifen?
Nicht jeder Schädling richtet gleich einen relevanten Schaden an. Im Erwerbsanbau arbeitet der integrierte Pflanzenschutz deshalb mit Schwellenwerten. Sie geben an, ab welcher Befallsstärke sich eine Behandlung wirtschaftlich lohnt. Für dein Beet brauchst du keine Tabelle, sondern eine feste Reihenfolge und am Ende eine klare Frage: Drohen erhebliche Ernteverluste?
Schritt 1: Erst bestimmen
Ein gezielter Nützlingseinsatz setzt voraus, dass du den Schädling genau bestimmst. Nicht jedes Symptom stammt von einem Tier: Welke und gelbe Blätter bei Topf- und Wintergartenpflanzen können auch durch übermäßiges Gießen und Sauerstoffmangel im Wurzelbereich entstehen. Manches Tier ist zudem beides, denn Ohrwürmer fressen Blattläuse, können aber auch weichschaliges Obst wie Kirschen und Weintrauben anfressen. Ich drehe bei jedem Verdacht die Blätter um, weil bei der Gewächshaus-Weißen-Fliege Erwachsene wie flache, ungeflügelte Larven vor allem auf den Blattunterseiten sitzen. Wie du Nützlinge und Schädlinge auseinanderhältst, steht unter „Nützling oder Schädling: erst einordnen, dann handeln“.
Schritt 2: Gegenspieler suchen und Befall tolerieren
Bevor du eingreifst, schau nach, ob schon Gegenspieler am Befall sitzen. Die Eier der Grünen Florfliege erkennst du an ihren etwa 5 mm langen Stielchen. Solange keine erheblichen Verluste drohen, kann ein gewisser Befall als Nahrung für diese Tiere bleiben. Unter Glas und am Blumenfenster zeigen dir Gelbtafeln Weiße Fliegen, Minierfliegen und TrauermückenTrauermücken sind Mücken, die feuchte Umgebung lieben und ihre Eier auf oder in die Erde legen. Schaden richten vor allem ihre weißen Larven an: Sie fressen an Wurzeln, besonders bei Aussaaten und Stecklingen. früh an, für Thripse nimmst du Blautafeln. Wie du solche Kontrollen aufbaust, steht unter „Monitoring: hinsehen, bevor du eingreifst“.
Schritt 3: Sofort handeln, wo es einfach geht
Raupen, Kartoffelkäfer und Schnecken entfernst du durch Absammeln unmittelbar. Bei früh erkanntem oder geringem Raupenbefall an Kohl und Buchsbaum kann gezieltes Absammeln schon ausreichen. Beim Buchsbaumzünsler lohnt der Blick ab dem Frühjahr, denn überwinterte Raupen werden ab etwa 7 °C wieder aktiv und beginnen zu fressen.
Zwei Ausnahmen beachte ich beim Absammeln. Weinbergschnecken sind geschützt und dürfen im Garten nicht gezielt bekämpft werden. Tigerschnegel lasse ich sitzen, weil sie unter anderem andere Nacktschnecken und deren Eier fressen.
Für die typischen Gemüseschädlinge gibt es einen eigenen Ratgeber, wie du Kohl, Kartoffeln und Möhren gezielt vor Kohlweißling, Kartoffelkäfer und Möhrenfliege schützt.
Schritt 4: Nützlinge rechtzeitig vorbereiten
Planst du einen gezielten Nützlingseinsatz, bereitest du ihn schon bei beginnendem Befall vor. Nach dem Ausbringen sind regelmäßige Erfolgskontrollen nötig. Aus ihnen kann sich ergeben, dass du nachbestellen oder auf einen anderen Nützling wechseln musst.
Ich notiere mir, wann ich Nützlinge ausgebracht habe und was ich bei jeder Kontrolle sehe. Nach diesen Notizen entscheide ich, ob ich nachbestelle oder den Nützling wechsle.
Schritt 5: Chemie nur als letzter Schritt
Pflanzenschutzmittel erwägst du im Hausgarten erst, wenn andere Maßnahmen erfolglos geblieben sind und erhebliche Ernteverluste drohen.
Im Hausgarten darfst du nur Pflanzenschutzmittel verwenden, die für nichtberufliche Anwender gekennzeichnet und für Pflanze und Schadorganismus zugelassen sind. Halte dich an Gebrauchsanleitung, Schutzvorgaben und Wartezeit, und halte Kinder und Haustiere fern. Auf befestigten Flächen wie Terrassen, Bürgersteigen und Einfahrten ist der Einsatz grundsätzlich verboten. Lagere Mittel in der Originalverpackung in einem abschließbaren Schrank, und bring Reste zur Sondermüll-Sammelstelle.
Ist der Schädling sicher bestimmt? Sitzen schon Gegenspieler am Befall? Kannst du absammeln? Drohen erhebliche Ernteverluste, obwohl alles andere nicht gereicht hat? Erst wenn die letzte Frage ein Ja bekommt, kommt ein zugelassenes Mittel infrage.
Wo wird biologisch gearbeitet?
Im Hausgarten
Im Hausgarten liegt der Schwerpunkt auf Förderung und Handarbeit. Gekaufte Nützlinge sind im Freiland im Allgemeinen aufwendiger und weniger effizient als im Gewächshaus. Weil zugleich ein tolerierter Befall die Gegenspieler vor Ort ernährt, kümmerst du dich im Beet zuerst um die Tiere, die schon da sind. Ich lasse auf abgeernteten Beeten Lückenfüller wie Ringelblumen, Zinnien oder Schmuckkörbchen blühen.
Für das Gemüsebeet gibt es einen eigenen Ratgeber, wie du Schädlinge mit Mischkultur, Absammeln und Früherkennung fernhältst. Für Zierpflanzen zeigt ein weiterer, welche Schädlinge Blumenbeete befallen und wie du sie umweltfreundlich schützt.
Im Gewächshaus, im Wintergarten und auf der Fensterbank
Gegen die Gewächshaus-Weiße-Fliege kann die Schlupfwespe Encarsia formosa eingesetzt werden, auch im Kleingewächshaus. Befallene Beet- und Balkonpflanzen können den Schädling einschleppen. Ich schaue mir deshalb jede neue Pflanze genau an, bevor sie ins Gewächshaus kommt. Da hohe Temperaturen die Vermehrung der Weißen Fliege begünstigen, lüftest du das Kleingewächshaus bei Sonne rechtzeitig und beschattest die Kulturen bei Bedarf.
Bei Trauermücken an Topfpflanzen arbeiten zwei Hilfen zusammen. Gelbtafeln fangen die flugfähigen Erwachsenen, gegen die Larven in der Erde werden Steinernema-feltiae-Nematoden eingesetzt. Leimtafeln hängst du im Gewächshaus auf Höhe der Kultur auf, aber nicht direkt neben die Nützlingsträger. Für Trauermücken, Fruchtfliegen und andere Plagegeister gibt es eine eigene Übersicht, welche Nützlinge gegen welche Fliegen helfen.
In Landwirtschaft, Obst- und Weinbau
Auch auf großen Flächen wird biologisch gearbeitet. Ein bekanntes Beispiel sind Trichogramma-Wespen gegen den Maiszünsler. Die Wespen parasitieren seine Eier, sodass aus befallenen Eiern Wespen statt Maiszünslerraupen schlüpfen.
Zweimal ausgebracht, erreichten Trichogramma-Wespen in elf historischen Maisversuchen gegen den Maiszünsler Wirkungsgrade von 35 bis 81 % gegenüber unbehandelten Kontrollen. Die breite Spanne zeigt, wie stark der Erfolg von Versuch zu Versuch schwankt.
Im Obst- und Weinbau dienen Pheromonfallen gegen Schadschmetterlinge vor allem dazu, den Falterflug zu überwachen.
Wo stößt biologische Schädlingsbekämpfung an Grenzen?
Biologische Verfahren senken Risiken, sie garantieren nichts. Die folgenden Grenzen kennst du besser, bevor du dich auf sie verlässt.
Die Bedingungen müssen passen
Der Erfolg vieler eingesetzter Nützlinge hängt von Tageslänge, Lichtstärke, Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Für einige Nützlinge sind die nötigen Bedingungen gut bekannt:
| Nützling und Einsatz | Bedingung |
|---|---|
| FlorfliegenlarvenFlorfliegenlarven sind die räuberischen Larven der zarten, hellgrünen Florfliege. Mit langen Saugzangen saugen sie Blattläuse, Spinnmilben, Thripse und andere Kleininsekten aus und gelten deshalb im Garten als wichtige Nützlinge. gegen Blattläuse an Grünpflanzen im Wintergarten | Temperaturen über 5 °C |
| Blattlausfressende Gallmückenlarven im Wintergarten | Luftfeuchte über 70 % und offener Boden; Winterruhe bei Tageslängen unter 16 Stunden |
| Encarsia-Schlupfwespen gegen Weiße Fliegen im Wintergarten | mindestens 4.200 Lux; Luftfeuchtigkeit von 60 bis 70 % |
| Heterorhabditis-Nematoden gegen Dickmaulrüsslerlarven an Kübelzierpflanzen im Freien | feuchter Boden mit einer Temperatur über 12 °C; Einsatzfenster Mitte April bis Mitte Mai sowie September |
Ich messe im Wintergarten Temperatur und Luftfeuchte, bevor ich Nützlinge bestelle. Bei den NematodenNematoden sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer im Boden. Verschiedene Gattungen können viele Pflanzenarten schädigen; bestimmte andere Arten werden dagegen gezielt als Nützlinge gegen Schädlingslarven im Boden eingesetzt. prüfe ich die Temperatur im Boden, nicht die der Luft.
Nützlinge brauchen Zeit
Ein Nützling muss sich erst entwickeln, bevor er frisst. Die Larven der Grünen Florfliege schlüpfen 2 bis 10 Tage nach der Eiablage. Danach dauert ihre Larvenentwicklung etwa 2 bis 3 Wochen. Beim Siebenpunkt-Marienkäfer entstehen nach der Verpuppung in ungefähr 2 Wochen neue Käfer. Absammeln entfernt Raupen, Kartoffelkäfer und Schnecken dagegen unmittelbar, deshalb kombiniere ich beides.
Viele Verfahren mindern, statt zu beseitigen
Pheromonfallen für Obstwickler bewirken allein nur eine geringe Befallsminderung. Bei der Kirschfruchtfliege reicht der Wegfangeffekt von Gelbtafeln nicht aus, um den Befall wesentlich zu vermindern. Auch auf Duftpflanzen ist kein Verlass: Eine zuverlässige Schneckenabwehr durch ausgepflanzten Lavendel oder Rosmarin ist wissenschaftlich nicht belegt.
Natürliche Feinde haben ihren eigenen Speiseplan
Der Igel hält die Schnecken klein? Schnecken machen beim Igel nur etwa 5 % der Nahrung aus. Ähnlich bei Hunden und Katzen: Einen bereits vorhandenen Mäuse- oder Rattenbefall in Gebäuden beseitigen sie nicht.
Bei Nagern im Haus kommt ein Gesundheitsrisiko dazu, denn Kot und Urin von Wanderratten können Lebensmittel und Tierfutter mit Krankheitserregern verunreinigen. Mäusekot entfernst du nur mit Einmalhandschuhen, feuchtest ihn vorher an und nimmst keinen Staubsauger. In Innenräumen lüftest du vorher mindestens 30 Minuten und trägst eine FFP2- oder FFP3-Maske. Geräte mit Schall, Ultraschall oder elektromagnetischen Feldern haben sich gegen Ratten nach bisherigem Kenntnisstand als wirkungslos erwiesen.
Auch sanfte Hilfen haben Nebenwirkungen
Leimringe und Klebetafeln können Nützlinge, kleine Vögel und Fledermäuse töten. Wenn du sie überhaupt einsetzt, begrenzt du sie auf die Aktivitätsphase des Zielschädlings. Elektrische UV-Insektenvernichter darfst du im Außenbereich nicht verwenden.
Wo Selbsthilfe endet
Manche Tiere sind tabu, auch wenn sie stören. Maulwürfe stehen unter besonderem Artenschutz und dürfen weder gefangen noch getötet werden. Die Europäische Hornisse ist besonders geschützt, Eingriffe an ihrem Nest müssen behördlich geklärt werden.
Beim Eichenprozessionsspinner endet jede Selbsthilfe. Seine Brennhaare können Haut und Augen reizen sowie Atembeschwerden und allergische Reaktionen auslösen. Nester und Haare lässt du von Fachleuten entfernen.
