Wegwarte für Garten-Einsteiger: Warum sie genügsam ist und welche Pflege übers Jahr reicht
- Die wilde Wegwarte ist eine ausdauernde, winterharte Staude der Winterhärtezone 3a.
- Sie eignet sich auch für nährstoffarme, durchlässige Böden und braucht guten Wasserabzug.
- Auf Dauer von Gräsern oder Gebüsch überwachsen zu werden, verträgt sie schlecht.
- Sie blüht von Juli bis Oktober, jedes Blütenköpfchen ist nur an einem Tag geöffnet.
- Teilbereiche bleiben bis zum Frühjahr ungemäht, damit Pflanzen und überwinternde Insekten ihren Fortpflanzungszyklus abschließen.

Du suchst eine Gartenblume für den Anfang, die im Spätsommer blüht und dich nicht ständig mit Pflege beschäftigt? Dann ist die wilde Wegwarte eine gute Wahl. Ärger macht sie eher, wenn du zu viel tust: Dünger kann vor allem die Gräser um sie herum fördern, und von Gräsern überwachsen zu werden, verträgt sie auf Dauer schlecht. Ich schaue bei meinen Wegwarten im Sommer deshalb vor allem auf eines: ob Gras an die Pflanzen heranwächst.
Die Wegwarte heißt botanisch Cichorium intybus. Zur selben Art zählen auch Gemüseformen wie Radicchio, Zuckerhut und die Wurzelzichorie. Hier geht es um die wilde Form als Staude im Blumengarten.
Warum passt die Wegwarte zu Garten-Einsteigern?
Die wilde Wegwarte ist eine ausdauernde Pflanze. Hast du sie einmal im Garten, säst du sie nicht jedes Frühjahr neu. Sie gilt als winterharte Staude und wird der Winterhärtezone 3a zugeordnet, den Winter verbringt sie also draußen im Beet. Auch beim Boden ist sie bescheiden, denn sie eignet sich ebenso für nährstoffarme, durchlässige Böden.
| Eigenschaft | Angabe | Was das für dich bedeutet |
|---|---|---|
| Lebensdauer der Wildform | ausdauernd | einmal ansiedeln, danach nur noch pflegen |
| WinterhärteWinterhärte, auch Frosthärte genannt, beschreibt, wie viel Frost eine Pflanze verträgt. Winterharte Arten überstehen den Winter im Freien, empfindliche musst du vor dem Frost ernten oder schützen. | winterharte Staude, Zone 3a | bleibt über Winter im Beet |
| Boden | auch nährstoffarm, durchlässig | magerer Gartenboden reicht ihr |
| Licht | volle Sonne | sonnigen Platz wählen |
| Blütezeit | Juli bis Oktober | Blüte in Spätsommer und Herbst |
| Wuchshöhe | 20 bis 80 cm, einzelne Angaben bis 150 cm | Platz nach oben einplanen |
| Gefäß | topfgeeignet | auch Kübel oder Hochbeet möglich |
| Ausbreitung | verwilderungsfähig | kann sich selbst aussäen |
| Insekten | gilt als nützlingsfreundlich | Blütenangebot für Nützlinge |
Viele heimische Blumenwiesen haben ihren Hauptblühzeitraum häufig im Frühsommer, etwa im Mai und Juni. Die Wegwarte blüht dagegen von Juli bis Oktober und bringt damit Blüten in die Zeit nach diesem Höhepunkt.
Pflegeleicht heißt allerdings nicht pflegefrei. Zwei Dinge hast du von Anfang an im Blick: Gräser und Gebüsch dürfen sie nicht überwachsen, und Wasser muss gut aus dem Boden abziehen können.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Geeignet ist ein vollsonniger Platz mit nährstoffreichem, gut durchlässigem Boden.
- Bodenart
Kalkhaltige, lehmige und sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist nährstoffreicher, gut durchlässiger Boden.
- Anbauort
Die angebotene Sorte „BIO Zichoriensalat“ lässt sich im Hochbeet ziehen.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Die Wildform und Sorten zur Wurzelnutzung im Mai/Juni direkt säen. Blattsorten im April für die Sommer- oder im Juni/Juli für die Winterkultur direkt oder in Töpfe säen und ausreichend große Jungpflanzen auspflanzen.
Pflege
- Pflege
Bei Kultur in trockeneren Gebieten bei Bedarf zusätzlich bewässern und zugleich guten Wasserabzug sicherstellen.
- Düngung
Bei der Blattzichorie Catalogna Special ist in dauerhaften Salatbeständen gewöhnlich keine zusätzliche Düngung nötig; bei nachgewiesenem Nährstoffmangel gilt dies nicht.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die Pflanze ist mehrjährig.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich für Steingärten, Blumenrabatten, Beete und Kiesgärten.
Standort und Aussaat in Kürze
Die Wegwarte braucht volle Sonne, ihr Lichtzeigerwert liegt mit 9 am oberen Ende der Skala. Mager darf der Boden sein, durchlässig muss er sein. Grundsätzliches zu Licht und Boden steht im Wildblumen-Ratgeber unter Standort und Boden, mehr zur Art im Porträt der Wegwarte als robuste Wildstaude.
Gesät wird von Juni bis Juli, die Wildform direkt an Ort und Stelle. Die Samen sind keine Lichtkeimer: Die Hamburger Schulgartenanleitung nennt für die Wildform eine Erdbedeckung von etwa 1,5 bis 2 cm. SaatbettDas Saatbett ist die vorbereitete obere Bodenschicht eines Beetes, in die du säst. Es soll eben, frei von Steinen und groben Schollen und feinkrümelig sein, und zwar umso feiner, je feiner die Samen sind., Abstände und Ausdünnen erklärt die Anleitung, wann und wie du Wegwarte aussäst, die Grundlagen dazu der Wildblumen-Ratgeber unter Aussaat und Pflanzung.
Welche Pflege braucht die Wegwarte wirklich?
Die Pflege der Wegwarte dreht sich um vier Punkte: Konkurrenz, Nährstoffe, Wasser und den Schnitt.
Gräser und Gebüsch auf Abstand halten
Wenn Gräser oder Gebüsch über die Wegwarte hinauswachsen, verträgt sie das auf Dauer schlecht. Bei mir steht dieser Punkt deshalb an erster Stelle. Ich ziehe Gras, das sich an meine Wegwarten heranschiebt, mit der Hand samt Wurzeln heraus. Wachsen Sträucher heran, schneide ich sie zurück, bevor sie die Pflanze überragen. Steht die Wegwarte in einer Wiese, hilft die Mahd: Zu seltenes Mähen kann auf Dauer die Gräser fördern. Wie oft du mähst, richtet sich nach Standort und Wüchsigkeit der Fläche.
Düngen: an ihrem Platz eher nicht
Die Wegwarte eignet sich auch für nährstoffarme Böden. In mageren Blumenwiesen wird auf Dünger verzichtet, damit konkurrenzstarke Gräser nicht zusätzlich gefördert werden. Zu viel schnell verfügbarer Stickstoff fördert Gräser, und genau deren Überwuchs verträgt die Wegwarte schlecht. Dünger kann an ihrem Platz deshalb vor allem der Konkurrenz helfen.
Vermutest du trotzdem einen Nährstoffmangel, lass zuerst den Boden untersuchen. Eine Standarduntersuchung ermittelt üblicherweise Phosphat, Kalium und den Kalkbedarf als Grundlage für eine sachgerechte Düngung.
„Kompost ist kein Dünger, davon kann es nicht zu viel geben.“ Das stimmt nicht: Auch Kompost und StallmistStallmist ist ein Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung, etwa von Rindern oder Pferden, bei dem der Dung der Tiere meist mit Einstreu vermischt ist. Er verbessert den Boden und liefert zugleich reichlich Nährstoffe. sind Dünger, und zu hohe Gaben können den Boden mit Nährstoffen anreichern. An einem mageren Wegwarten-Platz arbeite ich deshalb keinen Kompost ein.
Gießen nur bei Bedarf
Der Feuchtebedarf der Wegwarte liegt im frischen Bereich. Ihr Feuchtezeigerwert von 4 ordnet sie eher der trockeneren Hälfte der Skala zu. In trockeneren Gegenden gießt du bei Bedarf zusätzlich und sorgst zugleich für guten Wasserabzug. Ob Bedarf besteht, zeigt dir die SpatenprobeDie Spatenprobe ist eine einfache Bodenbeurteilung vor Ort: Du stichst mit dem Spaten eine Erdscheibe aus und prüfst sie durch Anschauen, Riechen und Fühlen auf Krümelstruktur, Verdichtungen, Wurzeln und Regenwurmgänge., bevor du größere Wassermengen gibst. Ich steche dafür neben der Pflanze ein und prüfe, ob die Erde in etwa 20 cm Tiefe noch feucht ist. Ist sie trocken, gießt du morgens und direkt an den Wurzelbereich.
Schneiden: Teilbereiche bis zum Frühjahr stehen lassen
Bei Flächen mit Wegwarte bleiben Teilbereiche bis zum nächsten Frühjahr ungemäht. So können die Pflanzen und überwinternde Insekten ihren Fortpflanzungszyklus abschließen. Stehen gelassene Stängel können Insekten als Winterquartier und Eiablageplatz dienen. Ausgereifte Fruchtstände unterstützen außerdem das Nahrungsangebot des Stieglitzes, der Sämereien nutzt. Krankes Pflanzenmaterial schneidest du dagegen auch bei zurückhaltendem RückschnittBeim Rückschnitt kürzt du Triebe oder Stängel einer Pflanze ein, bei Stauden oft bis knapp über den Boden. Je nach Zeitpunkt räumt er alte Stängel ab, regt eine Nachblüte an oder bremst das Aussamen. heraus. Ob sich die Blüte durch gezielte Pflege verlängern lässt, behandelt der Beitrag mit Pflegekniffen für eine längere Wegwarten-Blüte.
Wenn Schädlinge auftauchen
Blattläuse an jungen Triebspitzen streifst du als erste Maßnahme vorsichtig mit behandschuhten Fingern ab. Verfärbte oder welke Pflanzenteile können auf eine Krankheit hindeuten, kranke Teile kommen aus dem Beet. Welche Krankheiten und Schädlinge an der Wegwarte vorkommen, erklärt der Ratgeber, wie du Befall an der Wegwarte erkennst und natürlich vorbeugst.
Die Wegwarte im Jahreslauf
Frühjahr
Jetzt schneidest du die Stängel zurück, die über Winter stehen geblieben sind. Einzelne abgestorbene Stängel dürfen auch länger als ein Jahr stehen bleiben, denn manche Wildbienen können darin nisten und ihre Nachkommen dort schlüpfen. Danach ziehst du Gras aus dem Umfeld der Pflanzen, solange es noch niedrig ist.
Sommer
Ab Juli blüht die Wegwarte. Jetzt kontrollierst du die Umgebung auf aufkommende Gräser und die Triebspitzen auf Blattläuse. Bei längerer Trockenheit machst du die Spatenprobe, bevor du gießt. Willst du neue Pflanzen ziehen, säst du von Juni bis Juli.
Herbst
Die Blüte reicht bis in den Oktober. Auf nährstoffarmen, durchlässigen und trockenen Blumenwiesen kann eine einzige Mahd im Herbst ausreichen, beispielsweise Mitte bis Ende September. Ein vollständiger Schnitt zu diesem Termin nimmt der Wegwarte aber ihre letzten Blühwochen, weil sie bis Oktober blüht. In den ungemähten Teilbereichen blüht sie weiter und bildet Samen. Möchtest du Samen sammeln, erntest du bei trockenem Wetter, sobald sie ausgereift sind und sich leicht aus ihren Hüllen lösen.
Ich stecke im Herbst einen Stab an die Ecke, in der die Wegwarten-Stängel bis zum Frühjahr stehen bleiben. Beim Aufräumen sehe ich dann sofort, welchen Bereich ich auslasse.
Winter
Als winterharte Staude bleibt die Wegwarte den Winter über im Beet. Die stehen gelassenen Stängel können Insekten jetzt als Winterquartier dienen. Im Beet hast du in dieser Zeit nichts zu erledigen.
Tipps für deinen Einstieg mit der Wegwarte
Geschlossene Blüten richtig deuten
Jedes Blütenköpfchen der Wegwarte öffnet sich nur an einem Tag. Wann es schließt, hängt von der Jahreszeit und von der BestäubungBestäubung nennt man die Übertragung von Pollen, dem Blütenstaub aus den Staubblättern, auf die Narbe einer Blüte. In unseren Breiten übernehmen vor allem Wind und Insekten diesen Transport. ab. Geschlossene Köpfe gehören also zum normalen Bild und sind für sich genommen kein Grund zur Sorge.
Beim Saatgut auf die Wildform achten
Im Handel begegnet dir die Art in mehreren Nutzungsformen.
Unter dem Namen Cichorium intybus laufen auch Saatgutangebote für Radicchio, Zuckerhut oder Futter-Zichorie. Ihre Aussaatangaben weichen voneinander ab, auch bei der Saattiefe. Wenn du die Wildstaude für den Blumengarten willst, achte auf der Tüte auf den Hinweis Wildform.
Wegwarte im Kübel oder Hochbeet
Die Wegwarte gilt als topfgeeignet und wird auch fürs Hochbeet genannt. Nimm ein größeres Gefäß, weil es Wasser- und Temperaturschwankungen besser puffert als ein kleiner Topf. Abflusslöcher braucht es in jedem Fall, damit sich keine Staunässe bildet. Das Substrat stellst du nach ihrem natürlichen Standort ein, mit Sand wird es magerer. Rechne damit, dass ein Gefäß je nach Größe beim Gießen mehr Aufmerksamkeit braucht als das Beet.
Selbstaussaat lenken
Die Wegwarte gilt als verwilderungsfähig. Lässt du Samenstände ausreifen, können Sämlinge auch an Stellen auftauchen, die du nicht geplant hast. Ich jäte solche Sämlinge, sobald ich sie erkenne, und lasse sie dort stehen, wo sie passen. Willst du die Ausbreitung begrenzen, schneidest du einen Teil der BlütenständeEin Blütenstand (botanisch: Infloreszenz) ist der Teil einer Pflanze, an dem sich der Spross verzweigt und mehrere Blüten trägt. Je nach Bauweise unterscheidet man zum Beispiel Traube, Ähre, Dolde, Köpfchen und Rispe. vor der SamenreifeSamenreife ist der Zustand, in dem Samen voll ausgereift sind und sich zur Ernte eignen. Du erkennst sie daran, dass sich die Samen leicht oder sogar von selbst aus ihrer Samenhülle lösen. ab.
Wie du die Wegwarte gezielt als Bodenverbesserer im Naturgarten einsetzt, steht in einem eigenen Beitrag.
Wegwarte, Zichorie und Heilkraut kurz eingeordnet
Für Zichorienkaffee werden die fleischigen Wurzeln der Wurzelzichorie geröstet, einer Kulturform derselben Art. Kultivierte Zichorien enthalten in ihren Wurzeln Inulin. Wegwartenwurzel gehört bei gesundheitlichen Beschwerden in ärztliche Hände.
Wohin mit der Wegwarte im Garten?
Die Wegwarte eignet sich für Steingärten, Kiesgärten sowie Rabatten und Beete. Mit 20 bis 80 cm Wuchshöhe braucht sie Platz nach oben, und die Aufteilung deiner Flächen kannst du im Planer für deine Beete durchspielen. Passende Partner und Gestaltungsideen findest du im Beitrag, wie du die Wegwarte in den naturnahen Garten einbindest.


