Gentechnik im Maisanbau: Chancen, Risiken und was in Deutschland gilt
- Bt-Mais MON810 bildet mithilfe eines Gens aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis ein Protein, das Maiszünslerlarven beim Fressen schädigt.
- Entwickeln Maiszünsler Resistenzen, kann das die Schutzwirkung von Bt-Mais gefährden.
- Beim Maisereignis NK603 wurde Herbizidtoleranz als Eigenschaft eingebracht.
- In Deutschland ist es nicht zulässig, gentechnisch veränderten Mais anzubauen.
- Von der Kennzeichnung ausgenommen sind technisch unvermeidbare Spuren eines in der EU zugelassenen GVO bis 0,9 % je Zutat, sofern der Hersteller eine bewusste Beimischung nachweislich ausschließt.
- Bis die beschlossene Neuregelung zu Neuen Genomischen Techniken angewendet wird, gilt eine Übergangszeit von 2 Jahren.

Auf der Maistüte steht F1, hinter dem Gartenzaun wächst Feldmais, und in den Nachrichten ist von Genmais die Rede. Da liegt die Frage nahe, ob Gentechnik auch in deinem Beet ankommen kann. Für den Garten vorweg: Der Anbau von gentechnisch verändertem Mais ist in Deutschland nicht zulässig. Die Debatte berührt trotzdem dein Saatgut und deinen Zuckermais.
Wenn mich jemand am Beet danach fragt, sortiere ich das Thema in drei Fragen: Was ist an diesem Mais verändert, was ist erlaubt, und worüber wird gestritten? In dieser Reihenfolge geht es hier von der Technik über Chancen und Bedenken bis zu den Regeln und deinem eigenen Maisbeet.
Was ist gentechnisch veränderter Mais?
Bei gentechnisch verändertem Mais wird gezielt Erbgut in die Pflanze eingebracht, das sie sonst nicht hätte. Stammt dieses Erbgut aus einem anderen Organismus, heißt der Mais transgen. Die Pflanze soll dadurch eine neue Eigenschaft bekommen. Zwei Maisereignisse zeigen, worum es dabei geht:
| Maisereignis | Eingebrachte Eigenschaft | Was dahintersteckt |
|---|---|---|
| MON810 (Bt-Mais) | Insektenschutz | Ein Gen des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis lässt die Pflanze ein Protein bilden, das Maiszünslerlarven beim Fressen schädigt. |
| NK603 | Herbizidtoleranz | Die Pflanze soll die Behandlung mit einem bestimmten Unkrautvernichtungsmittel überstehen. |
GVO steht für gentechnisch veränderte Organismen. Ein Maisereignis ist eine bestimmte gentechnisch veränderte Maislinie mit eigener Kennung, etwa MON810. Das Kürzel Bt verweist auf das Bodenbakterium Bacillus thuringiensis, aus dem das eingebrachte Gen stammt.
Was unterscheidet das von herkömmlicher Züchtung?
Herkömmliche Züchtung arbeitet mit Kreuzung und Auslese. Bei der Hybridzüchtung werden zum Beispiel Inzuchtlinien miteinander gekreuzt. Deren erste Nachkommengeneration kann besonders einheitlich wachsen und eine erhöhte Leistungsfähigkeit zeigen. Transgener Mais trägt dagegen ein Gen, das über Kreuzung nicht in die Pflanze käme, bei MON810 eines aus einem Bodenbakterium. Was HybridenHybriden sind Pflanzen der ersten Tochtergeneration (F1) aus der gezielten Kreuzung zweier möglichst reinerbiger Elternlinien. Sie wachsen einheitlich und kräftig, lassen sich aber nicht zuverlässig mit ihren Eigenschaften über eigenes Saatgut weitervermehren. und samenfeste Sorten im Beet unterscheidet, klärt der Vergleich, ob Hybridmais oder samenfester Mais besser in deinen Garten passt.
Auf der Saatguttüte heißt F1 nicht Gentechnik. Solche Hybriden entstehen durch die Kreuzung von Inzuchtlinien. Samen bilden können sie zwar, ihre Nachkommen fallen in den Eigenschaften aber uneinheitlich aus.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Ein warmer Standort ist geeignet.
- Bodenart
Für Zuckermais nährstoffreichen Boden wählen und vor der Kultur gut verrottetes organisches Material wie Gartenkompost einarbeiten oder bei Kultur ohne Umgraben als Mulch aufbringen.
- Bodenreaktion
Böden mit pH 5,5–6,8 werden bevorzugt.
- Substrat
Geeignet ist nährstoffreicher, gut durchlässiger Boden.
- Anbauort
Die angebotenen Sorten lassen sich im Hochbeet und im Kübel ziehen.
Pflege
- Pflege
Während der Wachstumszeit ausreichend Feuchtigkeit bereitstellen.
- Düngung
Für Zuckermais: Bodenuntersuchung, Vorfrüchte und bisherige Nährstoffgaben zur Düngeplanung heranziehen. Bei sandigen Böden helfen aufgeteilte Stickstoffgaben, Auswaschung zu verringern.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die Pflanze ist einjährig.
- Verwendung
Die angebotenen Sorten eignen sich als Schnittblume.
Welche Chancen sehen Befürworter?
Insektenschutz direkt in der Pflanze
Bt-Mais wie MON810 bildet sein Schutzprotein selbst. Frisst eine Maiszünslerlarve an der Pflanze, wird sie durch das Protein geschädigt. Befürworter sehen darin den Vorteil, dass der Schutz in der Pflanze steckt und nicht von außen aufgebracht werden muss.
Einfachere Unkrautregulierung
Herbizidtolerante Linien wie NK603 sollen eine Herbizidbehandlung überstehen, die das Unkraut im Bestand trifft. Für Befürworter vereinfacht das die Unkrautregulierung auf großen Flächen. Kritiker fragen, ob dieser Weg auf Dauer nachhaltig ist.
Trockenheit und Nährstoffe als Forschungsziele
Diskutiert werden außerdem Maislinien, die Trockenheit besser verkraften oder eine veränderte Nährstoffzusammensetzung haben. Ob solche Ziele in der Praxis erreicht werden, ist offen. Was du im eigenen Beet gegen Trockenheit tun kannst, zeigt der Ratgeber, wie du deinen Mais an Trockenheit, Hitze und Extremwetter anpasst.
Welche Risiken und Bedenken gibt es?
Resistente Maiszünsler
Bei Bt-Mais kann der Maiszünsler ResistenzenResistenz ist bei Pflanzensorten die Fähigkeit, einen bestimmten Schaderreger abzuwehren: Bei einer resistenten Sorte bleibt ein Befall stark begrenzt, und weder Wachstum noch Ertrag leiden auffällig. entwickeln. Treten resistente Tiere auf, kann das die Schutzwirkung gefährden. Weil MON810 seinen Schutz gegen die Larven des Maiszünslers richtet, hängt sein Nutzen daran, dass dieser Schädling empfindlich bleibt.
Andere Insekten im Umfeld
Kritiker fragen, ob das Protein auch Insekten treffen kann, die gar nicht Ziel des Schutzes sind. Fachleute sprechen dann von Nicht-Zielorganismen. Untersuchungen dazu kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, und die Wechselwirkungen in einer ganzen Landschaft sind schwer zu erfassen.
Pollen, der über den Feldrand fliegt
Mais wird vom Wind bestäubt. Pollen kann deshalb aus einem Bestand auf benachbarte Flächen gelangen. Für Betriebe, die ohne Gentechnik wirtschaften, ist das der Kern der Koexistenzfrage.
Lebensmittelsicherheit
Für transgene Lebensmittel gibt es eine Sicherheitsbewertung, die jeden Fall einzeln prüft. Untersucht werden beabsichtigte und unbeabsichtigte Unterschiede, darunter Toxizität, Allergenität und ernährungsbezogene Auswirkungen. Kritiker fordern darüber hinaus längerfristige Untersuchungen.
Saatgut, Abhängigkeit und Ethik
In der gesellschaftlichen Debatte geht es auch um Saatgut als Wirtschaftsgut. Kritiker befürchten, dass Landwirte von wenigen Unternehmen abhängig werden, die Rechte an gentechnisch veränderten Sorten halten. Befürworter halten dem das Ziel entgegen, die Ernährung zu sichern. Dahinter steht eine Grundsatzfrage: Wie weit darf der Mensch das Erbgut einer Pflanze verändern? Hier treffen Weltanschauungen aufeinander, die sich nicht mit Messwerten klären lassen.
Welche Regeln gelten in Deutschland und der EU?
Der Anbau von gentechnisch verändertem Mais ist in Deutschland nicht zulässig. Beim Import kommen nur entsprechend zugelassene GVO infrage. Gentechnik-Mais landet hierzulande also nicht auf dem Acker, zugelassene Erzeugnisse können aber eingeführt werden.
Für Lebensmittel zählt die Kennzeichnung. Für Spuren, die sich technisch nicht vermeiden lassen, sieht sie eine Ausnahme vor:
Technisch unvermeidbare Spuren eines in der EU zugelassenen GVO sind bis 0,9 % je Zutat von der Kennzeichnung ausgenommen. Die Ausnahme greift nur, wenn der Hersteller eine bewusste Beimischung nachweislich ausschließt.
Die Schwelle ist also keine Erlaubnis zum Beimischen. Gedacht ist sie für Spuren, nicht für Absicht.
Neue Genomische Techniken
Neben der klassischen Gentechnik gibt es die Neuen Genomischen Techniken. Dazu gehört die Genschere CRISPR/Cas9, mit der sich das Erbgut gezielt verändern lässt, ohne dass artfremde Gene eingefügt werden müssen. Für die beschlossene Neuregelung zu diesen Techniken gilt eine Übergangszeit von 2 Jahren, bevor sie angewendet wird.
Koexistenz: Wie sollen Anbau mit und ohne Gentechnik nebeneinander funktionieren?
Koexistenz heißt, dass Landwirtschaft mit und ohne Gentechnik nebeneinander möglich sein soll, ohne dass sich Ernten unbeabsichtigt vermischen. Beim Mais liegt die Schwierigkeit in der Windbestäubung. Dazu kommen gemeinsam genutzte Maschinen und Lager, in denen Reste der einen Ernte in die andere geraten können.
Weil der Wind Maispollen in Nachbarbestände tragen kann, lassen sich Spuren nicht in jedem Fall verhindern. Darauf zielt die Ausnahme für technisch unvermeidbare Spuren, eine bewusste Beimischung fällt nicht darunter. Heikel ist das vor allem für Betriebe, die ihren Abnehmern Ware ohne Gentechnik zusagen. In Deutschland stellt sich die Frage auf dem Acker derzeit nicht, weil der Anbau nicht zulässig ist.
Welche Alternativen zur Gentechnik gibt es?
Klassische Züchtung kombiniert Eigenschaften über Kreuzung und Auslese, so wie bei den Hybriden und samenfesten Sorten in deinem Saatgutregal.
Der ökologische Landbau verzichtet auf gentechnisch veränderte Organismen. Er setzt auf FruchtfolgeFruchtfolge ist die geplante Reihenfolge, in der verschiedene Gemüsearten über die Jahre auf demselben Beet wachsen. Wechselst du jedes Jahr die Pflanzenfamilie, sinkt das Risiko für Krankheiten und Schädlinge, und die Nährstoffe im Boden werden besser genutzt., organische Düngung und mechanische Unkrautregulierung. Wie das im Garten aussieht, zeigt der Ratgeber, wie du Mais nach ökologischen Regeln anbaust.
Integrierter Pflanzenschutz verbindet Vorbeugung, etwa eine AnbaupauseDie Anbaupause ist die Zeit, die vergehen sollte, bevor dieselbe Pflanzenart oder eine Art derselben Pflanzenfamilie wieder auf demselben Beet wächst. Sie beugt Krankheiten und Schädlingen vor, die sich im Boden anreichern. von 3 Jahren für Mais, mit natürlichen Gegenspielern. Beim Maiszünsler gehören dazu Trichogramma-Schlupfwespen, die seine Eier parasitieren. Wie Vorbeugen und Absammeln je Art und Schadbild aussehen, fasst der Abschnitt zu Krankheiten und Schädlingen im Ratgeber für Exoten und Gemüse-Raritäten zusammen.
Was bedeutet das für deinen Mais im Garten?
Im Hausgarten wird die BestäubungBestäubung nennt man die Übertragung von Pollen, dem Blütenstaub aus den Staubblättern, auf die Narbe einer Blüte. In unseren Breiten übernehmen vor allem Wind und Insekten diesen Transport. trotzdem zum Thema, nur aus einem anderen Grund. Für Zuckermais im Hausgarten wird ein Abstand von mindestens 500 m zu Feldmais empfohlen, damit es nicht zu unerwünschter Bestäubung kommt. Da Gentechnik-Mais in Deutschland nicht angebaut werden darf, geht es dabei um den Geschmack: Fremdbestäubung durch normalsüßen Zuckermais oder landwirtschaftlichen Mais kann bei extrasüßen Sorten die Ausbildung des hohen Zuckergehalts unterdrücken.
Weil Mais vom Wind bestäubt wird, säst du ihn in Blöcken statt in einer einzelnen langen Reihe. Gesät wird von April bis Juli, die Termine zum Aufhängen hat der Aussaatkalender für Exoten und Gemüse-Raritäten zum Ausdrucken.
Wer eigenes Saatgut gewinnen will, nimmt samenfeste Sorten. Bei sortenerhaltender Vermehrung können samenfeste Sorten ihre typischen Eigenschaften an die nächste Generation weitergeben. Unter den extrasüßen Zuckermaissorten des sh2-Typs sind zum Beispiel Damaun, Mezdi und Tramunt samenfest. Golden Bantam ist ebenfalls samenfest, schmeckt aber vergleichsweise wenig süß.
Bevor ich Kolben für Saatgut zurücklege, prüfe ich auf der Tüte, ob die Sorte samenfest oder eine F1-HybrideF1-Hybriden sind Sorten, deren Saatgut aus der gezielten Kreuzung zweier ausgewählter Elternlinien stammt. Die Pflanzen dieser ersten Nachkommengeneration (F1) wachsen häufig sehr einheitlich, ihre eigenen Samen bringen die Sorte aber nicht zuverlässig wieder hervor. ist. Außerdem notiere ich mir, wo in der Nachbarschaft Mais wächst und wie weit der nächste Bestand von meinem Maisblock entfernt steht.
Alte Kulturpflanzensorten bleiben auf zwei Wegen erhalten: in Genbanken und durch wiederholten Anbau und Vermehrung in Gärten. Anlaufstellen dafür sind VEN, VERN, ProSpecieRara und Arche Noah.
Sortentyp auf der Tüte lesen: samenfest oder F1. Abstand zum nächsten Feldmais prüfen, empfohlen sind mindestens 500 m. In Blöcken säen statt in einer langen Reihe. Saatgut nur von samenfesten Sorten zurücklegen.





