Nährstoffversorgung für Chinakohl: Phase für Phase bis zur Kopfbildung
- Chinakohl steht vom Pflanzen bis zur Ernte 55 bis 75 Tage im Beet, die Grundversorgung sollte vorher stehen.
- Den Oberboden kannst du schon im Herbst davor mit Kompost und organischem Düngematerial vorbereiten.
- Kompost allein deckt den Stickstoffbedarf nicht, Hornspäne und eine Leguminosen-Vorfrucht ergänzen ihn.
- Übermäßige oder einseitige Düngung kann Innenblattnekrosen begünstigen.
- In der Kopfbildung zählt gleichmäßiges Wasser ohne Staunässe.
- Ob Kalium fehlt, zeigt die Bodenanalyse; ohne Befund gibt es kein Kalium extra.

Beim Chinakohl bleibt wenig Zeit zum Nachsteuern. Vom Pflanzen bis zur Ernte vergehen im Hausgarten 55 bis 75 Tage. Zugleich kann übermäßige oder einseitige Düngung bei Chinakohl Innenblattnekrosen und andere physiologische Störungen begünstigen. Zusammen heißt das: Die Grundversorgung sollte vor der Pflanzung stehen, statt in der kurzen KulturzeitDie Kulturzeit ist die Zeitspanne, die eine Gemüseart von der Aussaat oder Pflanzung bis zur Ernte braucht. Je nach Art ist sie kurz wie bei Radieschen oder lang wie bei Herbstkohl. ständig nachzudüngen. Ich plane die Nährstoffe für mein Chinakohlbeet deshalb schon im Herbst davor.
Hier geht es darum, was Chinakohl in welcher Wachstumsphase braucht, bis sich der Kopf schließt. Einen Düngeplan und die typischen Mangelbilder findest du im Beitrag, wie du Chinakohl von der Pflanzung bis zur Ernte düngst.
Welche Nährstoffe Chinakohl braucht
Chinakohl braucht wie andere Kohlarten Stickstoff, Phosphor und Kalium, dazu Magnesium, Calcium und SpurenelementeSpurenelemente sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in kleinen Mengen brauchen, ohne die sie aber nicht normal wachsen: Eisen, Mangan, Kupfer, Zink, Bor, Molybdän und Chlor. Man nennt sie auch Spurennährstoffe oder Mikronährstoffe.. Was diese Nährstoffe im Kohl jeweils leisten, erklärt der Abschnitt Düngen im Kohl-Ratgeber. Beim Chinakohl kommt es vor allem darauf an, wann ein Nährstoff verfügbar ist und dass keiner einseitig überwiegt.
Die Wachstumsphasen auf einen Blick
Bis zur Ernte zählt in jedem Abschnitt etwas anderes.
| Phase | Darauf achte ich bei den Nährstoffen |
|---|---|
| Vorbereitung im Herbst | Bodenprobe nehmen, Oberboden mit Kompost und organischem Düngematerial vorbereiten |
| Anzucht | nährstoffarme Aussaaterde, gleichmäßig feucht ohne Staunässe |
| Pflanzung oder Direktsaat | Kompost-Grundgabe nach Befund, organischer Stickstoff passend zur Vorfrucht |
| Blattaufbau | Stickstoff nur nachlegen, wenn Bestand und Boden es zeigen |
| Kopfbildung | gleichmäßig Wasser, Kalium nur nach Befund, keine einseitigen Gaben |
Vor der Saison: Boden prüfen und Beet vorbereiten
Ohne Bodenbefund düngst du Chinakohl nach Gefühl. Eine Standard-Bodenanalyse bestimmt den pH-Wert sowie pflanzenverfügbares Phosphor, Kalium und Magnesium. Löslichen Stickstoff und den Humusgehalt beauftragst du gesondert. Ich nehme die Probe im Herbst, bevor ich Kompost ausbringe, denn unmittelbar nach einer Düngung wird nicht beprobt.
So nimmst du die Bodenprobe fürs Chinakohlbeet.
- 10 bis 15 Teilproben über die ganze Fläche verteilt stechen
- jede Teilprobe aus den oberen 30 cm nehmen
- alles zu einer MischprobeEine Mischprobe ist eine Bodenprobe, die aus Erde von mehreren Stellen derselben Fläche zusammengemischt wird. So zeigt die Untersuchung im Labor den Zustand der ganzen Fläche und nicht nur den einer einzelnen Stelle. vermengen und etwa 500 g ans Bodenlabor schicken
- im Herbst bis Frühjahr oder nach der Ernte proben, nicht direkt nach einer Düngung
- Bereiche mit unterschiedlicher Nutzung getrennt beproben
Den Oberboden schon im Herbst vorbereiten
Für Chinakohl kannst du den Oberboden bereits im Herbst davor mit Kompost und weiterem organischem Düngematerial vorbereiten. Kompost lockert schwere Böden und verbessert bei leichten Böden die Speicherung von Wasser und Nährstoffen. Chinakohl braucht besonders während der Kopfbildung eine gleichmäßige Wasserversorgung. Auf sandigem Boden wirkt Kompost also zweifach: Er bringt Nährstoffe und hilft dem Boden, Wasser für die Kopfbildung zu halten.
Chinakohl bevorzugt humose, sandige Lehmböden mit guter Wasserspeicherung und lockerer, tiefgründiger Struktur ohne Staunässe. Der passende pH-Wert hängt von der Bodenart ab, und ob du kalkst, entscheiden Bodenart und Bodenuntersuchung. Wie du Boden und pH-Wert für Kohl einschätzt, steht im selben Kohl-Ratgeber unter Standort und Boden.
Vorfrucht und Gründüngung passend wählen
Im ökologischen Kohlanbau eignen sich Leguminosengemenge und Leguminosen-Zwischenfrüchte als Vorfrüchte, weil sie zur Stickstoffversorgung beitragen. Als Gründüngung vor Kohl passen Phacelia und Buchweizen. Senf, Ölrettich und Raps lässt du vor Chinakohl weg. Vorfrucht und KohlpauseDie Kohlpause ist eine mehrjährige Anbaupause, in der auf einem Beet weder Kohl noch andere Kreuzblütler wie Radieschen, Rettich oder Rucola wachsen. Sie beugt der Kohlhernie vor, einer Wurzelkrankheit dieser Pflanzenfamilie. trägst du am besten gleich in den Beetplaner für deine Beete ein.
Senf als Gründüngung vor Chinakohl säen. Senf zählt wie Kohl zu den Kreuzblütlern, und diese Verwandtschaft kann die Kohlhernie begünstigen. Phacelia ist dagegen mit keiner gängigen Gemüseart verwandt und passt deshalb in die Kohlfruchtfolge.
Anzucht und Direktsaat
Für die Anzucht nimmst du nährstoffarme, humose und durchlässige Aussaaterde. Halte die Aussaat gleichmäßig feucht, aber ohne Staunässe. Im Frühanbau ziehst du Chinakohl bei Temperaturen über 15 °C an. Temperaturen von 5 bis 8 °C gelten in dieser Phase als besonders schossfördernd.
Herbst-Chinakohl säst du zwischen Anfang Juli und Mitte August direkt ins Beet, in Bayern in einem engeren Fenster im Juli. Bei Direktsaat muss die Grundversorgung also schon vor der Saat im Boden sein. Ich arbeite den organischen Stickstoff deshalb vor dem Säen ein und nicht erst, wenn die Pflanzen stehen.
Zur Pflanzung: Kompost als Basis, Stickstoff dazu
Als jährliche Kompost-Grundgabe für Gemüsebeete gelten höchstens 3 l je m², ausgebracht im Frühjahr. Zeigt dein Befund stark erhöhte Phosphor- oder Kaliumwerte, wird die Gabe eingeschränkt.
Ich richte die Kompostmenge nach dem Laborwert und gehe ohne Befund nicht über diese Grundgabe hinaus. Kompost allein deckt die Stickstoffversorgung von Gemüse allerdings nicht. Als organische Stickstoffdünger eignen sich Hornmehl, Horngrieß und Hornspäne. Ich arbeite zur Pflanzung Hornspäne ein und nehme bei späten Sätzen Hornmehl, weil es schneller umgesetzt wird.
Wie viel Stickstoff dazukommt, hängt vom Beet ab. Vorhandener Bodenstickstoff und die NachlieferungBeim Düngen meint Nachlieferung die Nährstoffe, vor allem Stickstoff, die der Boden selbst für die Pflanzen freisetzt: aus dem Bodenvorrat, aus organischer Düngung der Vorjahre und aus Vorfrüchten oder Gründüngung. Diese Menge zieht man vom Düngebedarf ab. aus Humus und Ernteresten zählen bei der Düngung mit. Nach einer Leguminosen-Vorfrucht steht also schon ein Teil bereit. Deshalb sorge ich zur Pflanzung für die Grundversorgung und entscheide über jede weitere Gabe am Bestand.
Im Hochbeet und im Kübel
Ein frisch mit Reisig, Kompost und Gärtnererde aufgebautes Hochbeet setzt im ersten Jahr viel organisch gebundenen Stickstoff frei. Weil übermäßige Düngung bei Chinakohl Innenblattnekrosen begünstigen kann, gebe ich dort zur Pflanzung keinen zusätzlichen Stickstoff und schaue erst auf den Bestand. Im Kübel kann es umgekehrt sein. Bei torffreien Substraten kann trotz VordüngungVordüngung nennt man den Dünger, der fertiger Blumen- und Pflanzerde schon ab Werk beigemischt ist. Er versorgt frisch eingetopfte Pflanzen in den ersten Wochen, danach musst du selbst nachdüngen. zusätzlicher Stickstoffbedarf entstehen. Kohlpflanzen, die länger im Gefäß stehen, können im Sommer je nach Versorgung eine stickstoffbetonte Nachdüngung benötigen.
Blattaufbau: nachlegen nur nach Blick aufs Beet
Nach dem Anwachsen baut Chinakohl zuerst Blattmasse auf, und dafür braucht er Stickstoff. Ob die Grundversorgung reicht, lese ich an Farbe und Zuwachs der Blätter ab. Bevor ich etwas nachlege, prüfe ich die Bodenfeuchte, denn ohne Wasser nützt auch Dünger wenig. Erst danach arbeite ich organischen Stickstoff flach um die Pflanzen ein.
Kopfbildung: Wasser vor Dünger
In der Kopfbildung braucht Chinakohl besonders eine gleichmäßige, ausreichende Wasserversorgung ohne Staunässe, und bei Trockenheit gilt das ebenso. Eine Mulchdecke vermindert im Sommer Verdunstung und VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten.. So hältst du die Feuchte im Boden gleichmäßiger. Nachdüngen auf Verdacht lasse ich in dieser Phase.
„Viel Dünger in der Kopfbildung ergibt große, feste Köpfe.“ Darauf kannst du dich nicht verlassen. Übermäßige oder einseitige Düngung kann bei Chinakohl Innenblattnekrosen und andere physiologische Störungen begünstigen. Ich setze in dieser Phase auf gleichmäßiges Wasser und auf die Versorgung, die schon im Beet liegt.
Innenblattnekrosen sind abgestorbene Stellen an den inneren Blättern des Chinakohlkopfs. Weil sie im Kopfinneren liegen, siehst du sie von außen nicht immer. Solche Stellen sind ein Hinweis auf eine Störung, aber keine sichere Diagnose ihrer Ursache.
Kalium in der Kopfbildung: erst messen, dann düngen
Kalium gehört zu den HauptnährstoffenHauptnährstoffe sind die Nährstoffe, die Pflanzen in größeren Mengen brauchen: Stickstoff, Phosphor, Kalium, Calcium, Magnesium und Schwefel. Beim Düngen im Garten stehen Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium im Vordergrund., auf die du achtest, wenn sich der Kopf füllt. Wie viel davon im Boden verfügbar ist, misst die Standard-Bodenanalyse gleich mit. Die Kompost-Grundgabe wird bei stark erhöhten Kaliumwerten eingeschränkt, denn Kompost bringt selbst Nährstoffe mit. Ob dein Chinakohl zur Kopfbildung zusätzliches Kalium braucht, entscheidet also der Laborwert: Ist Kalium schon hoch, nimmst du sogar beim Kompost zurück, statt nachzulegen.
Liegt der Wert niedrig, richtest du die Kaliumgabe nach der Empfehlung im Bodenbefund. Ohne Befund gebe ich kein Kalium extra. Eine Kaliumgabe ohne Bedarf wäre eine einseitige Düngung, und die kann bei Chinakohl physiologische Störungen begünstigen.
Ich hefte den Laborbefund zu meinen Gartennotizen und schreibe dazu, wann und womit ich das Chinakohlbeet versorgt habe. Vor jeder Gabe in der Kopfbildung schaue ich zuerst in diese Notizen.
Warum Chinakohl einen eigenen Düngerhythmus braucht
Rosenkohl bekommt nach der Grunddüngung zur Pflanzung eine erste Kopfdüngung nach 6 Wochen. Die zweite folgt nach 12 Wochen. Chinakohl ist dagegen schon 55 bis 75 Tage nach der Pflanzung erntereif. Die zweite Rosenkohl-Gabe fiele also in eine Zeit, in der dein Chinakohl bereits geerntet ist. Wer lange stehende Kohlarten und Chinakohl nebeneinander zieht, plant ihre Versorgung deshalb getrennt.
Für Rosenkohl liest du nach, wie du Rosenkohl über seine lange Standzeit mit Nährstoffen versorgst. Beim Blumenkohl erfährst du, wann und womit du ihn für feste Köpfe düngst.
Sorten und Sätze: was sich unterscheidet
Welche Chinakohlsorte passt, hängt vom Satz ab. Für frühen Anbau wählst du schossfeste Sorten, für eine geplante Herbstlagerung lagerfähige. Für den Anbau unter langen Sommertagen gibt es weitgehend tagneutrale Sorten. Auch der Standraum für Kopf-Chinakohl im Beet unterscheidet sich je nach Kultur.
| Anbau | Sortenwahl | Abstand in der Reihe | Reihenabstand |
|---|---|---|---|
| Frühkultur | schossfeste Sorten | 35 bis 40 cm | etwa 40 cm |
| Sommerkultur | weitgehend tagneutrale Sorten für lange Tage | 40 bis 50 cm | etwa 50 cm |
| Herbstkultur mit Lagerung | lagerfähige Sorten | 40 bis 50 cm | etwa 50 cm |
Die Grundversorgung richte ich bei allen Sätzen nach Bodenbefund und Bestand, nicht nach der Sorte. Die Saattermine für deine Kohlsätze hast du mit dem Kohl-Aussaatkalender zum Ausdrucken auf einem Blatt.
Ziehst du neben Chinakohl auch Grünkohl oder Palmkohl, lies nach, wie du Blattkohl bedarfsgerecht düngst.




