Natürliche Schädlingsbekämpfung im Salatbeet: Nützlinge, Netze und Hausmittel gegen Läuse
- Blattläuse sitzen auch im Kopfinneren, dort arbeiten vor allem Schwebfliegen- und Florfliegenlarven gegen sie.
- Schwebfliegen kannst du nicht kaufen, Blüten wie Steinkraut, Buchweizen oder Ringelblume können die erwachsenen Fliegen anlocken.
- Ein rundum dichtes Kulturschutznetz mit 0,8 mm Maschenweite kann Erdflöhe von Asia-Salaten und Blattsenf abhalten.
- Gelbtafeln im Freien können Nützlinge anlocken und Vögel sowie Fledermäuse gefährden.
- Schmierseife, Rapsöl und Jauchen sind Hausmittel ohne Wirkgarantie.
- Überdüngte Salate können stärker von Blattläusen befallen werden.

Wenn ich im Hochbeet nach Läusen suche, biege ich bei Kopf- und Pflücksalat die äußeren Blätter vorsichtig auf und schaue ins Herz. Blattläuse sitzen an Salat nicht nur außen, sondern auch im Kopfinneren. Hat sich der Kopf geschlossen, erreicht eine gewöhnliche Spritzung die Grüne Salatblattlaus im Herzen nur noch schwer. Natürliche Schädlingsbekämpfung im Salatbeet setzt deshalb früher an: bei Gegenspielern, die bis in den Kopf kommen, bei Netzen gegen den Zuflug und bei einem nüchternen Blick auf Hausmittel.
Für jedes Salatbeet gilt dieselbe Reihenfolge: vorbeugen, kontrollieren, eingreifen. Wie diese Stufen bei allen Arten zusammenspielen, zeigt der Überblick Krankheiten und Schädlinge bei Salaten und Blattgemüse. Welcher Schädling hinter einem Fraßbild stecken kann, klärst du mit dem Ratgeber, wie du Schadbilder an Salaten zuordnest und Schritt für Schritt gegensteuerst.
Läuse am Salat im Hochbeet: was jetzt hilft
Ob Hochbeet oder Gartenbeet: An Kopf- und Pflücksalat sitzen Blattläuse in verschiedenen Farben, außen wie im Kopfinneren. Junge Blätter können durch den Befall verkrüppeln, und die Läuse können das Salatmosaikvirus verbreiten.
Im Kopfinneren arbeiten vor allem Schwebfliegen- und FlorfliegenlarvenFlorfliegenlarven sind die räuberischen Larven der zarten, hellgrünen Florfliege. Mit langen Saugzangen saugen sie Blattläuse, Spinnmilben, Thripse und andere Kleininsekten aus und gelten deshalb im Garten als wichtige Nützlinge. gegen die Grüne Salatblattlaus. Schwebfliegen gibt es nicht im Handel, sie kommen nur von selbst aus der Umgebung. Weil ihre Larven im Kopf zu den wichtigsten Gegenspielern zählen, brauchst du Blüten, die die erwachsenen Fliegen ans Beet holen.
Im Anbau haben sich gegen Blattläuse einfache Maßnahmen bewährt: Salatarten und -farben mischen, viele kleine Sätze setzen und früh mit der Ernte beginnen. Rote Sorten zeigen weniger Befall, resistente Sorten wie der Eichblattsalat ‘Vizir’ oder der Eissalat ‘Danilo’ ergänzen das. Verlass dich trotzdem nicht blind darauf, denn neue Rassen der Salatblattlaus können auch Sorten besiedeln, die als resistent gelten.
Nützlinge gegen Blattläuse: wer im Salatbeet mitfrisst
Wie viele Läuse ein einzelnes Tier vertilgen kann, zeigt die Tabelle. Die Werte beschreiben einzelne Tiere und sind keine Zusage für dein Beet.
| Nützling | Leistung gegen Blattläuse | Im geschlossenen Salatkopf |
|---|---|---|
| Siebenpunkt-Marienkäfer | bis zu 150 Blattläuse am Tag | Marienkäfer spielen dort kaum eine Rolle |
| Schwebfliegenlarve | 150 bis 900 Läuse während ihrer Entwicklung | wichtiger Gegenspieler der Grünen Salatblattlaus |
| Florfliegenlarve | 500 bis 700 Läuse in zwei bis drei Wochen oder bis zu 100 am Tag | wichtiger Gegenspieler der Grünen Salatblattlaus |
| Weibchen der Kohlblattlaus-Schlupfwespe | legt in wenigen Tagen in über 500 Blattläuse je ein Ei | SchlupfwespenSchlupfwespen sind nützliche Insekten, die mit ihrem Legestachel Eier in Schädlinge wie Blattläuse legen. Die Larve wächst im Inneren der befallenen Tiere heran und ernährt sich von ihnen. spielen dort kaum eine Rolle |
Die Larven der Florfliege Chrysoperla carnea machen Jagd auf Blattläuse, die erwachsenen Florfliegen ernähren sich dagegen von Pollen, Nektar und HonigtauHonigtau ist die zuckerhaltige Ausscheidung von Blattläusen, die die Blätter verklebt. Auf ihm können sich schwarze Rußtaupilze ansiedeln, außerdem fressen Ameisen ihn.. Viele Schwebfliegenarten machen es ähnlich: Die Larven fressen Läuse, die erwachsenen Fliegen suchen Blüten. Wer die Larven im Salat haben möchte, muss also den erwachsenen Tieren Nahrung bieten.
Nützlinge kaufen: lohnt sich das am Salat?
Gekaufte Blattlausgegenspieler im Hausgarten an Salat auszusetzen, gilt als Maßnahme ohne gesicherte Wirkung. Im Gewächshaus kommen für einen gezielten Einsatz gegen Blattläuse nur heimische Arten und Unterarten infrage. Im Freiland setze ich deshalb auf Tiere, die von selbst kommen, und sorge für Futter und Winterquartiere.
Nützlinge fördern: Blüten, Steinkraut und Winterquartiere
Verteil einheimische Blumen als farbige Tupfer im Gemüsebeet. Gut geeignet sind Doldenblütler wie Dill, Petersilie, Kerbel und Möhre sowie KorbblütlerKorbblütler sind eine Pflanzenfamilie, zu der im Gemüsegarten unter anderem Kopfsalat, Endivie, Chicorée und Schwarzwurzel gehören. In der Fruchtfolge zählen sie zu den besonders gefährdeten Familien und sollten nicht zu häufig auf derselben Fläche stehen. wie Ringelblume, Schafgarbe, Kamille und Margerite. Buchweizen, Kräuter und blühende Zwiebeln oder Lauch ergänzen das Angebot, und Frühblüher sorgen schon zu Jahresbeginn für die ersten Pollen. In Versuchen flogen Schwebfliegen besonders Steinkraut und Buchweizen an, Schlupfwespen dagegen Kornblumen. Bienen und Hummeln besuchten dort vor allem Phacelia, die auf Blühflächen auch erwachsenen Schwebfliegen Nahrung bietet.
Neben Asia-Salaten bieten sich Ringelblumen, Gewürztagetes, Speise-Chrysanthemen oder Kapuzinerkresse an, weil ihre Blüten Insekten anziehen. Die Plätze für Blüten und Salatreihen zeichnest du im Beetplaner für dein Gemüsebeet ein.
Steinkraut zwischen den Salaten
Steinkraut, botanisch Lobularia maritima, bietet reichlich Nektar und Pollen, davon profitieren Schwebfliegen, Schlupfwespen und Raubwanzen. Der Pflanzenschutzdienst Hamburg zählte in Salat mit Steinkraut als Zwischenpflanzung signifikant weniger Salatblattläuse. Eine Garantie für jedes Beet ist das nicht, aber ein guter Grund, Steinkraut in Lücken zwischen die Salate zu setzen.
Steinkraut zwischen den Salaten lockt Schwebfliegen an. Das ist ein Beispiel aus dem Erwerbsanbau, keine feste Regel für dein Hochbeet.
Blühpartner brauchen allerdings Platz. Ein Praxisversuch mit Kohl zeigte das: Zwischen den Reihen gepflanzte Blüher zogen mehr Nützlinge an, die Köpfe wogen je nach Kohlart und Variante aber vergleichbar viel oder weniger. Ich plane für Blüten deshalb eigene Plätze ein, statt die Salatreihen enger zu rücken.
So finden Nützlinge ein Winterquartier:
- Laub- und Astmulch unter Sträuchern nicht wegräumen.
- Aus Zweigen einen Reisighaufen aufschichten.
- Staudenbeete erst Ende März abräumen.
- Einen umgedrehten Blumentopf mit Stroh als Ohrwurm-Quartier aufhängen.
- Laub- und Heuhaufen liegen lassen: Florfliegen überwintern darin, außerdem hinter Baumrinde, in Schuppen und auf Dachböden.
Mischkultur: unterstützt, garantiert nichts
Mischkultur kann unterstützen, einen Schutz garantiert sie nicht. Dass sich benachbarte Gemüsearten gegenseitig helfen, ist schwer nachzuweisen, und überlieferte Partnerlisten widersprechen einander teilweise. Tagetes pflanzt man gezielt gegen bestimmte pflanzenschädigende NematodenNematoden sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer im Boden. Verschiedene Gattungen können viele Pflanzenarten schädigen; bestimmte andere Arten werden dagegen gezielt als Nützlinge gegen Schädlingslarven im Boden eingesetzt., vor allen Bodenälchen schützen sie damit nicht. Geplante Nachbarschaften prüfst du im Mischkultur-Planer für dein Salatbeet.
Barrieren: Netze gegen Erdflöhe und Zuflug
Asia-Salate und Blattsenf gehören wie Kohl zu den Kreuzblütlern. An Kohlgewächsen sehen die Blätter nach dem Fraß von Kohlerdflöhen wie ein Sieb aus. Ein Kulturschutznetz mit 0,8 mm Maschenweite, ringsum dicht geschlossen, kann bei Kohlarten für die Blatternte ErdflöheErdflöhe sind winzige, sprungstarke Blattkäfer, die Blätter von Kohlgewächsen wie Radieschen, Rucola und Kohl siebartig durchlöchern. Am häufigsten sind Kohlerdflöhe, kleine Käfer mit gelben Streifen an der Seite., Kohlfliegen und Kohlweißlinge fernhalten.
Über Salat kommt ein leichtes, möglichst feines Netz, dessen Maschen enger als 1 mm sind. Das Netz kommt sofort nach Saat oder Pflanzung auf das Beet und bleibt mit dichtem Bodenabschluss bis zur Ernte liegen. Im Hochsommer lüftest du kontrolliert, damit es darunter nicht zu heiß wird.
Ich lege das Netz direkt nach dem Pflanzen auf und beschwere die Kanten rundum, bevor ich das Beet verlasse. Danach gehe ich die Ränder ab und suche nach Spalten zum Boden.
Endivien kannst du ab Juni versuchsweise unter ein engmaschiges Netz nehmen, damit weniger Salatwurzelläuse zufliegen. Hängen Endivien schlapp, lohnt ein Blick an die Wurzeln: Gelbliche Läuse und weiße, wachsartige Flöckchen dort deuten auf diese Läuse hin. Genug Wasser kann den Schaden dann begrenzen. Bei geringem Befall kann es genügen, Raupen des Kohlweißlings von Asia-Salaten abzusammeln.
Schnecken: absammeln und aussperren
Schnecken sind vor allem nachts unterwegs, bei feuchtem Wetter aber auch am Tag; wer absammelt und einen lückenlosen Zaun zieht, kann den Befall eingrenzen. Eine Bierfalle kann dagegen weitere Schnecken herbeilocken und Nützlinge gefährden, und Mulch, der dauerhaft liegt, kann den Schneckenbesatz erhöhen. Zäune, Salatkragen und natürliche Feinde behandelt der Ratgeber, wie du Salate und Blattgemüse vor Schnecken schützt.
Fallen und Hausmittel: was sie leisten und wo ihre Grenzen liegen
Gegen Blattläuse werden SchmierseifeEine Schmierseifenlösung ist in Wasser aufgelöste Schmierseife, die als altes Hausmittel auf Pflanzen gesprüht wird. Sie legt sich als flüssiger Film über Schädlinge wie Blattläuse, die dadurch ersticken. und Rapsöl als nützlingsschonende Hausmittel genannt. Im geschlossenen Kopf erreicht eine Spritzung die Läuse allerdings nur schwer, und eine Wirkgarantie gibt es für keines der beiden. Brennnesseljauche wird nachgesagt, Pflanzen zu stärken und Läuse mit ihrem Geruch abzuschrecken. SchachtelhalmbrüheSchachtelhalmbrühe ist ein gekochter Auszug aus Ackerschachtelhalm. Die gelöste Kieselsäure soll das äußere Zellgewebe der Pflanzen festigen; die Brühe wird vorbeugend gegen Pilzkrankheiten an Obst und Gemüse gesprüht. soll über ihre Kieselsäure die Blätter festigen, Knoblauchbrühe mit ihrem Geruch Schädlinge vertreiben. Verlassen würde ich mich darauf nicht; gegen Nacktschnecken etwa zeigen Knoblauchpräparate nur eine geringe Wirkung.
Gelbtafeln ins Salatbeet unter freiem Himmel hängen. Draußen können die Tafeln auch Nützlinge anziehen, und Vögel oder Fledermäuse, die sich die gefangenen Insekten holen wollen, geraten in Gefahr.
„Feuchte Beete halten Erdflöhe fern.“ Feucht gehaltene Beete allein bremsen den Erdflohbefall nicht zuverlässig, ein Kulturschutznetz kann dagegen vorbeugend schützen. „Ultraschall vertreibt Wühlmäuse.“ Ultraschallgeräte halten die Wurzelfresser nicht wirksam fern.
Pflege als Grundlage, Chemie nur als letzte Stufe
Dünge nicht über den Bedarf hinaus, denn überdüngte Salate können stärker von Blattläusen befallen werden. Gieß morgens und bodennah, damit benetzte Blätter tagsüber abtrocknen. Wie du Salate gleichmäßig gießt und nach Bedarf düngst, beschreibt der Überblick zu Salaten und Blattgemüse im Abschnitt Gießen und Pflegen.
Reichen Nützlinge, Netze und Absammeln nicht aus, ist ein Pflanzenschutzmittel das letzte Mittel. Dann achtest du auf die Zulassung für Haus- und Kleingarten, hältst dich an die Gebrauchsanweisung, trägst Schutzkleidung und beachtest Wartezeit und Entsorgung. Vom Frühjahr bis zum Frühsommer vermehren sich die Nützlinge und reagieren sehr empfindlich, eine Spritzung kann sie dann treffen.
Für einzelne Salatarten gehen zwei Ratgeber tiefer: was dem Eichblattsalat an Schädlingen und Krankheiten droht und wie du Schnittsalat über die Kulturführung gesund hältst.




