Pflaumentomaten anbauen: Sortenwahl, Fahrplan und Pflege

Pflaumentomaten im Garten: der Überblick
Pflaumentomaten sind die länglichen, eiförmigen Tomaten mit festem Fruchtfleisch – die Gruppe, aus der die meisten Saucen und Konserven entstehen. Im Anbau sind sie keine Sonderlinge: Sie wollen dasselbe wie andere Tomaten auch, nur dass sich bei ihnen der Aufwand vor allem dann auszahlt, wenn am Ende verarbeitet wird.
Dieser Ratgeber ist der Überblick über eine ganze Saison: Sortenwahl, Fahrplan durchs Jahr, Standort, Pflege und Ernte. Für zwei Situationen gibt es eigene, ausführlichere Ratgeber – dazu unten mehr. Die allgemeinen Tomaten-Grundlagen stehen im Überblick zum Tomatenanbau.
Was Pflaumentomaten ausmacht
Der Unterschied zu einer Salattomate liegt im Bau der Frucht: länglich statt rund, festes Fruchtfleisch, wenige Samenkammern und vergleichsweise wenig Wassergehalt. Beim Einkochen muss dadurch weniger Wasser verdampfen, bis die Masse sämig wird, und die Früchte behalten beim Kochen länger ihre Form. Für die Küche heißt das: Sauce, Suppe, Passata, Trocknen, Ofengemüse – und roh in den Salat gehen sie natürlich auch.
Pflaumentomate, Roma, San Marzano – wie hängt das zusammen? „Pflaumentomate” beschreibt die Form: länglich, eiförmig, festfleischig. Die Roma ist die bekannteste Sorte dieser Gruppe und wird deshalb oft stellvertretend für die ganze Gruppe genannt. Die San Marzano ist eine weitere längliche Verarbeitungstomate, typischerweise schlanker und spitzer zulaufend. Alle drei Begriffe meinen also nicht dasselbe, überschneiden sich aber – und im Anbau verhalten sich diese Sorten sehr ähnlich. Was du wirklich wissen musst, steht ohnehin an anderer Stelle auf der Packung: ob es eine Stab- oder eine Buschsorte ist.
Sortenwahl: nach Kriterien, nicht nach Namen
Die Auswahl ist groß, und Sortennamen sagen dir weniger als vier nüchterne Kriterien. Ich gehe die Packung deshalb immer in dieser Reihenfolge durch, bevor ich überhaupt auf den Namen schaue:
- Wuchstyp. Stabtomaten sind indeterminiert – sie wachsen immer weiter, bilden fortlaufend neue Blüten und Früchte, brauchen eine Stütze und werden ausgegeizt. Buschtomaten sind determiniert, bleiben mit rund 50 bis 100 cm kompakt, verzweigen sich von selbst und kommen meist ohne Stütze aus. Das ist die Entscheidung mit den größten Folgen für Abstand, Stütze und Arbeitsaufwand.
- Anbauort. Freiland oder Gewächshaus – beides geht, verlangt aber unterschiedliche Schwerpunkte.
- Verwendungszweck. Überwiegend Verarbeitung oder auch Frischverzehr.
- ResistenzenResistenz ist bei Pflanzensorten die Fähigkeit, einen bestimmten Schaderreger abzuwehren: Bei einer resistenten Sorte bleibt ein Befall stark begrenzt, und weder Wachstum noch Ertrag leiden auffällig.. Sie stehen als Kürzel in den Sortenangaben. Im Hausgarten sind Toleranzen gegen die Kraut- und BraunfäuleDie Kraut- und Braunfäule, kurz Braunfäule oder Krautfäule, ist eine Pilzkrankheit vor allem an Tomaten und Kartoffeln, ausgelöst durch Phytophthora infestans. Sie verursacht braune Flecken an Blättern, Stängeln und Früchten. sowie Resistenzen gegen die Fusarium- (F) und Verticillium-Welke (V) das Geld wert, weil sich genau diese Probleme sonst nur über die Fruchtfolge steuern lassen.
Ein fünftes Kriterium ist praktischer Natur: samenfest oder F1-Hybride. Samenfeste Sorten kannst du selbst weitervermehren, bei F1-Hybriden funktioniert das nicht zuverlässig.
Der Fahrplan durchs Gartenjahr
Die Saison in Etappen – Februar bis April: Anzucht im Haus, praktisch ab Mitte März. Bei 20 bis 25 °C: Keimung in sieben bis vierzehn Tagen. Beim ersten echten Blattpaar: pikieren und dabei tiefer setzen. Ein bis zwei Wochen vor dem Auspflanzen: abhärten. März bis Mai: auspflanzen, ins Freiland aber erst nach den Eisheiligen Mitte Mai. Über die Saison: gießen, alle zwei bis drei Wochen düngen, anbinden, ausgeizenAusgeizen ist das Entfernen der Geiztriebe, also der Seitentriebe, die bei Tomaten in den Blattachseln wachsen. Ohne Ausgeizen bildet die Pflanze sehr viel Blattmasse und trägt später Früchte.. Juni bis November: ernten, alle zwei bis drei Tage durchpflücken. Vor dem ersten Nachtfrost: abräumen und drinnen nachreifen lassen.
Die Anzucht läuft von Februar bis April, praktisch nicht vor Mitte März – vorher reicht ohne zusätzliche Pflanzenlampe die Tageslänge nicht, und die Sämlinge werden lang, dünn und blass. Als Faustregel gelten sechs bis acht Wochen vor dem letzten zu erwartenden Frost.
Pikiert wird beim ersten echten Blattpaar, und zwar etwas tiefer als zuvor: Am vergrabenen Stängelstück bilden sich zusätzliche Wurzeln. Ein bis zwei Wochen vor dem Auspflanzen kommen die Jungpflanzen tagsüber ins Freie und härten ab.
Beim Auspflanzen zählt der Abstand als System aus Abstand in der Reihe, Reihenabstand und ErziehungsformDie Erziehungsform ist die Gestalt, in die du eine Pflanze, vor allem ein Obstgehölz, durch Schneiden und Binden gezielt ziehst. Bei Obstbäumen gelten Spindel und Spalier als die einfachsten Erziehungsformen.: 50 bis 70 cm in der Reihe bei 80 bis 100 cm Reihenabstand für Stabtomaten, 40 bis 50 cm in der Reihe für Buschtomaten; der Beetplaner führt als kuratierten Richtwert 50 cm Pflanz- und 100 cm Reihenabstand. Bei Stabsorten kommt die Stütze im selben Arbeitsgang mit ins Loch.
Standort und Boden in Kürze
Vollsonnig und windgeschützt, sechs bis acht Stunden direkte Sonne am Tag, tagsüber 20 bis 25 °C, nachts nicht unter 10 °C; unter etwa 15 °C stockt das Wachstum. Der Boden locker, tiefgründig, humusreich und durchlässig, pH-Wert zwischen 6,0 und 6,8 – darunter wird Kalzium knapp und die Blütenendfäule wahrscheinlicher, über 7,0 nimmt die Pflanze Eisen und Mangan schlechter auf. Reifer Kompost vor dem Pflanzen ist die Grundlage.
Genauso wichtig wie Wärme ist trockenes Laub: Ein Vordach oder Tomatendach nimmt der Kraut- und Braunfäule die Grundlage. Wie du Boden und Standort im Freien im Einzelnen aufbaust – Lockerung, Drainage, Nährstoffanreicherung und Wetterschutz –, steht bei Pflaumentomaten im Freiland.
Dazu gehört die Fruchtfolge: vier Jahre Anbaupause, und zwar für alle Nachtschattengewächse gemeinsam – Kartoffel, Paprika, Chili, Aubergine, Andenbeere und Birnenmelone zählen mit. Als Gründünger für die Zwischenjahre sind Phacelia, Weißer Senf, Lein und Luzerne kuratiert.
Freiland oder Gewächshaus?
Beides funktioniert, und die Wahl hängt weniger vom Ertrag ab als von deinem Wetter.
Im Freiland ist der Aufwand geringer und der Platz meist vorhanden. Das Risiko liegt bei Nässe und Wetterextremen: Die Kraut- und Braunfäule braucht nichts weiter als lange feuchte Blätter, weshalb Regenschutz und großzügiger Abstand hier die entscheidenden Maßnahmen sind.
Im Gewächshaus hast du Wärme, Regenschutz und eine längere Saison – dafür steuerst du das Klima selbst. Ohne Lüften staut sich feuchte Wärme, und trockene Gewächshausluft wiederum ist genau das, was Spinnmilben mögen. Was dort im Einzelnen zu tun ist, steht bei Pflaumentomaten im Gewächshaus.
Pflege über die Saison
Gießen. Gleichmäßig, morgens und direkt in den Wurzelbereich, nie über das Laub. Schwankende Bodenfeuchte lässt reifende Früchte aufplatzen und begünstigt die Blütenendfäule. Im Beet lieber seltener und dafür durchdringend; eine Mulchschicht aus Rasenschnitt oder Stroh hält die Feuchte gleichmäßiger und verhindert Spritzwasser auf den unteren Blättern.
Düngen. Kompost bei der Pflanzung als Grundlage, danach etwa alle zwei bis drei Wochen, bis die letzten Früchte ausgereift sind. Kalium steuert Fruchtansatz und Aroma, Kalzium beugt der Blütenendfäule vor, Magnesium hält die Blätter grün; zu viel Stickstoff bringt Blattmasse statt Früchte. Organische Dünger geben langsam und stetig ab und verbessern nebenbei Bodenstruktur und Bodenleben, lassen sich dafür schlechter genau dosieren als mineralische – überdüngen kannst du in beiden Fällen.
Stützen und Ausgeizen. Bei Stabsorten von Anfang an stützen und locker mit weichem Material anbinden. Die GeiztriebeAls Geiztriebe bezeichnet man bei Tomaten die Seitentriebe. Bei Stabtomaten, deren Haupttrieb immer weiter wächst, brichst du sie beim Ausgeizen regelmäßig aus. in den Blattachseln entfernen, sobald sie etwa fünf Zentimeter lang sind. Buschsorten werden nicht ausgegeizt.
Blattpflege. Vergilbte untere Blätter dürfen weg. Nicht alles auf einmal – die Blätter versorgen die Pflanze und beschatten die Früchte. Ich nehme bei jedem Rundgang nur das mit, was ohnehin schon gelb ist.
Das Düngen einstellen, sobald die ersten Früchte rot werden. Tomaten sind Starkzehrer und zehren die ganze Saison; die Pflanze bildet ja weiter Blüten und Früchte, während die ersten schon reifen. Wer jetzt aufhört, nimmt der zweiten Hälfte der Ernte die Grundlage. Richtig ist, etwa alle zwei bis drei Wochen weiterzudüngen, bis die letzten Früchte ausgereift sind – und dabei maßvoll zu bleiben, denn zu viel Stickstoff bringt Blattwerk statt Früchte.
Krankheiten und Schädlinge in Kürze
Die wichtigste Krankheit ist die Kraut- und Braunfäule: braungraue Flecken auf Blättern und Stängeln, harte braune Stellen an den Früchten. Regenschutz, großzügiger Abstand, Mulch gegen Spritzwasser und das Entfernen befallener Teile wirken besser als jede Behandlung im Nachhinein. Die Blütenendfäule – eingesunkene dunkle Stellen am Blütenansatz – ist keine Krankheit, sondern eine Störung der Kalziumversorgung durch schwankende Bodenfeuchte oder einen zu niedrigen pH-Wert; aufgeplatzte Früchte haben dieselbe Ursache. Welkekrankheiten steuerst du über Fruchtfolge und Sortenresistenzen.
An Schädlingen tauchen vor allem Blattläuse, die Weiße Fliege, Spinnmilben und Schnecken auf. Die Reihenfolge bleibt immer dieselbe: vorbeugen, kontrollieren, mechanisch und biologisch eingreifen – Wasserstrahl, SchmierseifenlösungEine Schmierseifenlösung ist in Wasser aufgelöste Schmierseife, die als altes Hausmittel auf Pflanzen gesprüht wird. Sie legt sich als flüssiger Film über Schädlinge wie Blattläuse, die dadurch ersticken., Gelbtafeln, Nützlinge wie Marienkäfer, Schwebfliegen und Schlupfwespen, PflanzenstärkungsmittelPflanzenstärkungsmittel sind Stoffe, Gemische oder Mikroorganismen, die allgemein die Gesundheit von Pflanzen erhalten oder sie vor Belastungen schützen sollen, die nicht von Schaderregern ausgehen, etwa vor Frost oder starker Verdunstung. Pflanzenschutzmittel sind sie nicht. aus Schachtelhalm oder Brennnessel. Chemischer Pflanzenschutz ist im Hausgarten das letzte Mittel: Er kann auch Nützlinge treffen, bei häufiger Anwendung Resistenzen begünstigen und Rückstände auf den Früchten hinterlassen. Wer dazu greift, nimmt ausschließlich für Haus- und Kleingarten und für Tomaten zugelassene Präparate, liest die Gebrauchsanweisung vollständig, trägt Handschuhe und lange Kleidung, spritzt nur bei trockenem, windstillem Wetter, hält die Wartezeit bis zur Ernte ein und entsorgt Reste fachgerecht.
Ernte, Lagerung und Verwendung
Geerntet wird je nach Sorte und Anbauform von Juni bis in den November. Reif ist eine Frucht, wenn sie ihre sortentypische Farbe durchgehend erreicht hat und sich mit leichtem Druck vom Stiel löst; alle zwei bis drei Tage durchpflücken hält die Pflanze im Ansatz. Ich ernte morgens, wenn die Früchte noch kühl sind, und nehme sie mit einer leichten Drehbewegung ab.
Reife Früchte halten sich bei Zimmertemperatur etwa eine Woche, am besten mit dem Stielansatz nach unten – im Kühlschrank verlieren sie Aroma. Grüne oder blassrote Früchte reifen bei Zimmertemperatur an einem hellen, aber nicht sonnigen Platz nach, ein reifer Apfel daneben beschleunigt das durch das ReifegasReifegas ist die gängige Bezeichnung für Ethylen, ein Gas, das manches Obst selbst bildet, besonders Äpfel. Es lässt Obst und Gemüse in der Nähe schneller reifen, welken oder austreiben. Ethylen. Drohen die ersten Nachtfröste, erntest du besser alles ab und lässt es drinnen ausreifen: Tomaten werden bei uns einjährig kultiviert.
Größere Mengen lassen sich einfrieren, trocknen oder zu Sauce verarbeiten; beim Einkochen hältst du dich an ein geprüftes Rezept. Wie du Ernte, Nachreife und Lagerung im Einzelnen organisierst, steht bei Ernte und Lagerung von Pflaumentomaten.
Und der Hinweis, der dazugehört: Unreife grüne Früchte roter Sorten enthalten Solanin, ein Alkaloid der Nachtschattengewächse, das in größeren Mengen den Magen reizen kann. Lass sie nachreifen, statt sie roh zu essen. Sorten, die auch bei Vollreife grün bleiben – Green Zebra etwa –, sind davon nicht betroffen.
Fazit: eine Entscheidung, dann Routine
Beim Anbau von Pflaumentomaten fällt die wichtigste Entscheidung vor dem Kauf: Stab- oder Buschsorte. Daran hängen Abstand, Stütze und Pflegeaufwand für die ganze Saison. Danach ist es der übliche Tomatenrhythmus – vollsonnig pflanzen, trocken halten, gleichmäßig gießen, alle zwei bis drei Wochen düngen, bei Stabsorten anbinden und ausgeizen und alle zwei bis drei Tage durchpflücken. Für mich ist das der Reiz dieser Gruppe: wenig Sonderwissen, aber am Ende eine Ernte, die sich lagern und verarbeiten lässt.





