Wegwarte als Zeigerpflanze: was ihre Zeigerwerte über deinen Boden verraten
- Die Zeigerwerte der Wegwarte lauten Lichtzahl 9, Reaktionszahl 8, Feuchtezahl 4, Stickstoffzahl 5 und Salzzahl 0 – Orientierungswerte, keine Messwerte.
- Die Reaktionszahl 8 steht für schwachbasen- bis kalkzeigende Standorte, nicht für einen gemessenen pH-Wert.
- Zeigerpflanzen wertest du im Bestand aus; genaue pH- und Nährstoffwerte liefert nur die Bodenprobe im Labor.
- Die Wegwarte blüht von Juli bis Oktober und kann bis 150 cm hoch werden.
- Wie sie mit wechselnder Wasserversorgung umgeht, erklärt der Nachbarartikel – hier geht es um das, was sie anzeigt.

Am Rand meines Grundstücks steht jeden Sommer ein Streifen Wegwarte, den ich nie gesät habe. Genau solche Bestände sind interessant: Eine Pflanze, die von selbst kommt und bleibt, verrät etwas über den Platz, an dem sie steht. Ich gehe deshalb im Juli mit dem Notizbuch die Ränder ab und markiere, wo die blauen Blüten gehäuft auftauchen und wer daneben wächst. Was du aus solchen Beobachtungen ablesen kannst, was nicht, und wo die Bodenprobe übernimmt – darum geht es hier.
Was eine Zeigerpflanze ist und was sie nicht ist
Zeigerpflanzen sind Wildarten, deren Vorkommen auf bestimmte Standortbedingungen hinweist. Für viele mitteleuropäische Arten liegen dafür Ellenberg-Zeigerwerte vor. Sie beschreiben, wie sich eine Art unter natürlichen Konkurrenzbedingungen verhält – also dort, wo sie sich gegen andere Pflanzen behaupten muss. Das sind Orientierungswerte für Standorte, keine Analyseergebnisse.
Die Ellenberg-Skalen reichen bei der Lichtzahl von 1 (Tiefschatten) bis 9 (Volllicht), bei der FeuchtezahlDie Feuchtezahl ist eine botanische Kennzahl (Zeigerwert nach Ellenberg) dafür, wie feucht der Boden ist, auf dem eine Pflanzenart in der Natur typischerweise wächst: von 1 (trocken) bis 9 (nass), bei Wasserpflanzen bis 12. von 1 (TrockenheitszeigerTrockenheitszeiger sind Wildpflanzen, die vor allem auf trockenem Boden wachsen. Kommen sie an einer Stelle im Garten gehäuft vor, ist das ein Hinweis darauf, dass der Boden dort eher trocken ist.) bis 9 (NässezeigerNässezeiger sind Pflanzen, deren gehäuftes Vorkommen einen sehr nassen Boden anzeigt, oft mit Staunässe. Typische Beispiele sind Ackerminze, Huflattich und Kriechender Hahnenfuß.), bei der Reaktionszahl von 1 (stark sauer) bis 9 (basisch/kalkreich), bei der StickstoffzahlDie Stickstoffzahl ist einer der Zeigerwerte nach Ellenberg, also eine Kennzahl von 1 bis 9. Sie zeigt, ob eine Pflanzenart in der Natur eher auf stickstoffarmen (1) oder stickstoffreichen Standorten (9) wächst. von 1 (stickstoffärmst) bis 9 (übermäßig stickstoffreich) und bei der Salzzahl von 0 (salzfrei) bis 9 (salzreich).
Der wichtigste Vorbehalt gleich vorweg: Eine einzelne Pflanze zeigt wenig. Für eine Standortbeurteilung wertest du gehäuft auftretende Zeigerpflanzen gemeinsam aus. Und genaue Nährstoff- oder pH-Werte bekommst du nur aus dem Labor.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Geeignet ist ein vollsonniger Platz mit nährstoffreichem, gut durchlässigem Boden.
- Bodenart
Kalkhaltige, lehmige und sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, neutrale und alkalische Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist nährstoffreicher, gut durchlässiger Boden.
- Anbauort
Die angebotene Sorte „BIO Zichoriensalat“ lässt sich im Hochbeet ziehen.
Aussaat und Vermehrung
- Vermehrung
Die Wildform und Sorten zur Wurzelnutzung im Mai/Juni direkt säen. Blattsorten im April für die Sommer- oder im Juni/Juli für die Winterkultur direkt oder in Töpfe säen und ausreichend große Jungpflanzen auspflanzen.
Pflege
- Pflege
Bei Kultur in trockeneren Gebieten bei Bedarf zusätzlich bewässern und zugleich guten Wasserabzug sicherstellen.
- Düngung
Bei der Blattzichorie Catalogna Special ist in dauerhaften Salatbeständen gewöhnlich keine zusätzliche Düngung nötig; bei nachgewiesenem Nährstoffmangel gilt dies nicht.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die Pflanze ist mehrjährig.
- Verwendung
Die Pflanze eignet sich für Steingärten, Blumenrabatten, Beete und Kiesgärten.
Die Wegwarte kurz vorgestellt
Cichorium intybus ist eine mehrjährige Pflanze aus der Familie der KorbblütlerKorbblütler sind eine Pflanzenfamilie, zu der im Gemüsegarten unter anderem Kopfsalat, Endivie, Chicorée und Schwarzwurzel gehören. In der Fruchtfolge zählen sie zu den besonders gefährdeten Familien und sollten nicht zu häufig auf derselben Fläche stehen., die von Juli bis Oktober blüht und je nach Quelle 20–80 cm, an manchen Standorten bis 150 cm hoch wird. Wildform und Kulturformen wie Radicchio, Zuckerhut oder Chicorée gehören zur selben Art. Wie sich ein- und mehrjährige Kräuter im Lebenslauf unterscheiden, liest du im Hub-Abschnitt zu einjährig, zweijährig und mehrjährig wachsenden Kräutern; die Kulturwerte der Art findest du gesammelt im Artenporträt der Wegwarte.
Was die Zeigerwerte der Wegwarte über den Standort sagen
Die Wegwarte trägt folgende ZeigerwerteZeigerwerte sind Kennzahlen, die angeben, unter welchen Standortbedingungen eine Pflanzenart in der Natur bevorzugt vorkommt, etwa bei Licht, Feuchte, Bodenreaktion oder Stickstoff. Umgekehrt kannst du aus wild wachsenden Pflanzen so auf die Bedingungen am Standort schließen.: Lichtzahl 9, Temperaturzahl 6, Kontinentalitätszahl 5, Feuchtezahl 4, Reaktionszahl 8, Stickstoffzahl 5 und Salzzahl 0. Jeder Wert ist ein Hinweis auf eine andere Eigenschaft des Platzes.
Licht: Lichtzahl 9
Die 9 ist das obere Ende der Skala – Volllicht. Wo Wegwarte von selbst in Menge steht, ist es offen und sonnig. Umgekehrt kannst du an ihrem Fehlen in einem sonst passenden Streifen erkennen, dass dort vielleicht Beschattung oder dichte Konkurrenz herrscht. Zusammen mit der Temperaturzahl 6 ergibt das ein Bild von warmen, offenen Flächen.
Boden-Reaktion: Reaktionszahl 8
Die Reaktionszahl 8 bezeichnet eine schwachbasen- bis basen- beziehungsweise kalkzeigende Standortbindung. Das ist der Wert, der am häufigsten überinterpretiert wird: Er nennt keinen gemessenen pH-Wert, sondern eine Bindung an eher basische bis kalkhaltige Böden. Ob dein Boden tatsächlich bei pH 7 (neutral) liegt oder darüber, sagt dir erst die Messung.
Feuchte: Feuchtezahl 4
Die 4 steht zwischen Trockenheits- und Frischezeiger. Ein Wegwarten-Bestand deutet also auf einen Standort hin, der weder dauernass noch ausgesprochen dürr ist. Wie die Pflanze selbst mit wechselnder Wasserversorgung zurechtkommt und was das für die Kultur im Garten bedeutet, ist Thema des Nachbarartikels darüber, wie die Wegwarte mit unterschiedlicher Wasserverfügbarkeit umgeht. Hier bleibt nur der Anzeigewert: Wo sie steht, ist es nach Ellenberg mäßig trocken bis frisch.
Stickstoff: Stickstoffzahl 5
Die 5 weist auf mäßigen Stickstoffreichtum hin. Die Wegwarte ist damit kein Magerzeiger und kein Zeiger für ÜberdüngungÜberdüngung heißt, dass ein Boden mehr Nährstoffe bekommt, als die Pflanzen brauchen. Die Überschüsse reichern sich im Boden an oder werden ausgewaschen und belasten dann Boden und Umwelt., sondern steht in der Mitte. Dazu passt ein Standort mit nährstoffreichem, gut durchlässigem Boden in voller Sonne.
Salz: Salzzahl 0
Die Salzzahl 0 ordnet die Wegwarte den salzfreien Standorten zu. Eine besondere Salztoleranz liest du aus ihrem Vorkommen an Straßenrändern also nicht heraus – dort stimmen eher Licht und offene Fläche.
„Wegwarte wächst nur auf schlechtem Boden.” Ihre Stickstoffzahl 5 steht für mäßigen Stickstoffreichtum, und nährstoffreicher Boden ist als Standort geeignet. Dass sie an Wegrändern auffällt, liegt an ihrem Lichtanspruch und an offenen Flächen ohne dichte Konkurrenz – nicht daran, dass der Boden dort arm wäre.
Standort und Licht im Garten – nur der Anriss
Als Gartenpflanze will die Wegwarte volle Sonne und durchlässigen Boden; Kalk-, Lehm- und Sandböden und ein pH-Bereich von sauer über neutral bis alkalisch sind tolerierbar. Damit gehört sie in die sonnige, eher trockene Standort-Welt. Wie sich Kräuterstandorte grundsätzlich in mediterran-trocken und frisch-feucht sortieren, steht im Hub-Abschnitt zu den zwei Kräuter-Welten – dort liegt die Grundlage, hier nur der Verweis.
Vom Hinweis zur Messung: so gehst du vor
Zeigerwerte helfen dir bei der Frage, welche Fläche du dir genauer ansehen solltest. Die Antwort auf „wie ist mein Boden” gibt dann die Analyse.
Ich trage die Wegwarten-Flecken jedes Jahr in dieselbe Gartenskizze ein und notiere, welche anderen Wildpflanzen dort mit ihr stehen. Erst wenn sich ein Bereich über mehrere Jahre gleich verhält, nehme ich dort eine Bodenprobe für das Labor.
Bestand statt Einzelpflanze. Schau, wo die Wegwarte gehäuft auftritt und welche Zeigerpflanzen sie begleiten. Als standortgleiche Begleiter in einer Pflanzgruppe werden zum Beispiel Johanniskraut und Oregano genannt – beide mögen es ebenfalls sonnig und offen.
Wuchs nur als Hinweis lesen. Ein kümmerlicher Bestand kann viele Ursachen haben. Kälte-, Trockenheits- und Krankheitssymptome dürfen nicht allein als Stickstoffmangel gedeutet werden, und Trockenheit, ein ungeeigneter pH-Wert oder Bodenverdichtungen können die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen, obwohl Nährstoffe vorhanden sind. Der Wuchs sagt dir also „hier stimmt etwas nicht”, aber nicht, was.
Bodenprobe nehmen. Für eine repräsentative Probe mischst du 10 bis 15 Einzelproben einer einheitlich genutzten Fläche, bei Beeten aus 0 bis 25 cm Tiefe, und schickst davon rund 500 g ans Labor. Der günstige Zeitraum liegt zwischen Herbst und Frühjahr vor der Düngung. Untersucht werden können pH-Wert, Phosphor, Kalium, Magnesium, löslicher Stickstoff und bei Bedarf der Salzgehalt. Im Hausgarten reicht eine Wiederholung etwa alle 2 bis 3 Jahre.
pH einordnen. Ein orientierender Test mit Indikatorstreifen geht so: Bodenkrümel mit destilliertem Wasser schütteln, kurz stehen lassen, Streifen gegen die Farbskala prüfen. Als geeigneter pH-Bereich für Gartenboden gelten je nach Humusgehalt bei Sand 5,0–6,5, bei Lehm 5,5–7,0 und bei Ton 6,0–7,5. Eine pH-Messung allein sagt aber nichts über den Nährstoffgehalt.
Aus der Reaktionszahl 8 auf „mein Boden ist kalkreich, ich darf nicht kalken” oder umgekehrt auf Kalkbedarf schließen. Gekalkt wird nur bei einem durch Bodenprobe nachgewiesen zu niedrigen pH-Wert; liegt der gemessene Wert oberhalb des Zielbereichs für Bodenart und Kultur, kommt weder Kalk noch kalkhaltiger Dünger auf die Fläche.
Wegwarte als Beobachtungspflanze im eigenen Garten
Wenn du sie gezielt ansiedeln willst, um sie über Jahre zu beobachten: Die Wildform wird im Mai oder Juni direkt gesät, 0,5–2 cm tief und mit Erde bedeckt, weil sie kein Lichtkeimer ist. Bei 14–25 °C (Quellenspanne) keimt sie in 7–21 Tagen. Als Abstandssystem für Einzelpflanzen sind 10–30 cm in der Reihe bei 20–60 cm Reihenabstand hinterlegt, je nach Nutzungsform. In trockeneren Lagen gießt du bei Bedarf und sorgst zugleich für guten Wasserabzug. Die passenden Termine zeigt dir der Aussaatkalender für die Wegwarte zum Ausdrucken.
Eine gesäte Pflanze sagt allerdings weniger über deinen Standort als ein spontaner Bestand: Du hast ihr die Konkurrenz abgenommen, auf die sich die Zeigerwerte beziehen. Nutze sie deshalb eher als Vergleichspflanze zwischen zwei Gartenecken als als Beweis für eine Bodeneigenschaft.
- Wo steht Wegwarte gehäuft, wo fehlt sie trotz Sonne?
- Welche anderen Zeigerpflanzen wachsen mit ihr?
- Verhält sich die Fläche über mehrere Jahre gleich?
- Bodenprobe genommen und pH sowie Nährstoffe im Labor prüfen lassen?
- Düngung und Kalkung nach Befund, nicht nach Pflanze?
Was die Blüte über Insekten verrät – und was du zählen kannst
Von Juli bis Oktober liefert die Wegwarte Blüten in einer Zeit, in der viele Kräuter schon durch sind. Ein über viele Monate verteiltes Blütenangebot mit früh und spät blühenden Arten versorgt bestäubende Insekten, und in Deutschland sind Artenvielfalt und Häufigkeit der Insekten über die vergangenen Jahrzehnte zurückgegangen. Wenn du wissen willst, wer bei dir tatsächlich kommt, kannst du eine FIT-Zählung machen: zehn Minuten lang die Besucher einer ausgewählten Blüte beobachten und nach Gruppen wie Honigbienen, Hummeln, SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse., Käfern sowie Tag- und Nachtfaltern zählen, zwischen April und September bei warmem, trockenem Wetter. Das Ergebnis ist eine Besucherzahl je Blüte – ein kleines, aber ehrliches Maß dafür, was dein Garten für Insekten leistet.
Wegwarte im Beet: Nachbarn und Planung
In der Mischkultur-Matrix läuft die Art als Zichorie. Dort steht sie als guter Partner bei Borretsch, Dill, Knollenfenchel, Zwiebeln und Asia-Salaten, als unverträglicher Nachbar dagegen bei Estragon, Ringelblume, Kamille, Parakresse und Süßkraut. Günstige wie ungünstige Nachbarschaftseffekte sind allerdings schwer nachzuweisen, und Erfahrungsberichte widersprechen sich häufig – Mischkultur unterstützt, sie garantiert nichts. Für dein eigenes Beet kannst du die Kombinationen im Mischkultur-Werkzeug durchspielen und die Flächen anschließend im Beetplaner anlegen.
Wie die Wegwarte Trockenphasen wegsteckt und was das für Gießen und Standortwahl im Garten heißt, behandelt der Nachbarartikel zur Anpassung an verschiedene Wasserbedingungen – hier blieb bewusst die Anzeigefunktion im Mittelpunkt.


