Pimpinelle anbauen: mehrjähriges Küchenkraut säen, setzen und vermehren
- Pimpinelle (Sanguisorba minor) ist mehrjährig und winterhart, wird etwa 30–60 cm hoch und läuft im Beetplaner als Dauerkultur.
- Direktsaat März bis August, 0,5–1 cm tief; bei 15–20 °C keimt sie in 14–21 Tagen.
- Systemwerte: 25 cm in der Reihe, 25 cm Reihenabstand, schwachzehrend, Anbaupause 3 Jahre.
- Vermehrung über Selbstaussaat, eigene Samenernte oder Teilung älterer Stöcke.
- Ernte Mai bis November, frisch verwenden oder portionsweise einfrieren – Trocknen kostet Aroma.

Ein Kraut, das du einmal säst und dann jahrelang beerntest: Pimpinelle bleibt als winterharte, mehrjährige Pflanze am Platz und liefert von Mai bis November ihre gurkig schmeckenden Blätter. Genau deshalb lohnt es sich, den Anbau einmal richtig aufzusetzen – mit dem passenden Platz im Beet, den Systemwerten für Abstand und Fruchtfolge und einer Vermehrung, die du selbst in der Hand hast. Ich behandle Pimpinelle in meinem Beet wie einen Dauerbewohner: Sie bekommt eine Reihe, die ich in den nächsten Jahren nicht umgrabe.
Was du da eigentlich pflanzt
Pimpinelle trägt den botanischen Namen Sanguisorba minor und heißt im Volksmund Kleiner Wiesenknopf oder Bibernell. Sie ist mehrjährig und winterhart, bildet eine Rosette aus gefiederten Blättern und wird etwa 30 bis 60 cm hoch. Im Beetplaner ist sie als DauerkulturDauerkultur nennt man Pflanzen, die mehrere Jahre am selben Platz bleiben, immer wieder Ernte bringen und deshalb nicht in die Fruchtfolge eingebunden werden, etwa Rhabarber, Spargel oder Obst. geführt – sie gehört also zu den Mehrjährigen wie Schnittlauch oder Estragon, die jahrelang am Platz bleiben, nicht zu den Einjährigen, die du jedes Frühjahr neu säst. Ein einzelner Stock reicht für die meisten Küchen; wer Frankfurter Grüne Soße mag, setzt lieber zwei oder drei.
Standort in Kürze
Pimpinelle wächst sonnig bis halbschattig – so ist sie auch im Beetplaner hinterlegt – und mag den Boden trocken, durchlässig und eher kalkhaltig. Damit steht sie in der trockenen Kräuter-Welt, deren Grundlogik du im Abschnitt über die zwei Kräuter-Welten im Kräuter-Ratgeber findest. Wie du den Platz im Detail wählst und was du bei schwerem, nassem Boden tust, steht in unserem Ratgeber zum sonnigen Standort für Pimpinelle.
Aussaat in Kürze
Gesät wird direkt ins Freiland von März bis August, 0,5 bis 1 cm tief; manche Herstelleranleitungen starten erst im Mai. Bei 15 bis 20 °C laufen die Samen in 14 bis 21 Tagen auf – solange hältst du die Saatreihe gleichmäßig feucht, ohne sie zu vernässen. Die Grundlagen zu DirektsaatBei der Direktsaat säst du die Samen gleich an Ort und Stelle ins Beet, statt sie vorher im Haus vorzuziehen. Die Pflanzen keimen und wachsen dort, wo du sie später erntest., Vorkultur und feinen Samen trägt der Hub-Abschnitt zur Aussaat; die Monate für deine Region hältst du dir mit dem Druck-Aussaatkalender für Pimpinelle an die Wand.
Der Platz im Beet: die Systemwerte
Hier entscheidet sich, ob Pimpinelle über Jahre gut steht. Als frei wachsende Rosette ohne Stütze bekommt sie im Beet 25 cm Abstand in der Reihe und 25 cm Reihenabstand. Eine Herstelleranleitung nennt für die Reihen auch 20 cm – das ist die engere Variante für Saatreihen, die du später ausdünnst. Ich ziehe die Reihe mit der Schnur, säe etwas dichter als der Endabstand und nehme nach dem AuflaufenAuflaufen nennt man es, wenn nach der Aussaat die Keimlinge sichtbar aus der Erde kommen. Man sagt dann auch, die Saat ist aufgegangen. die schwächeren Sämlinge heraus.
Beetplaner-Systemwerte für Pimpinelle – 25 cm in der Reihe, 25 cm Reihenabstand, schwachzehrend, Standort sonnig bis halbschattig, Dauerkultur, Kulturstart März bis August, Anbaupause 3 Jahre.
Pimpinelle ist schwachzehrend. Ein lebendiger Boden mit Kompost zum Start reicht ihr, weitere Gaben lässt du weg; üppige Stickstoff- und Wassergaben machen das Kraut weicher und flacher im Geschmack. Die Anbaupause von 3 Jahren wird erst wichtig, wenn du einen alten Stock abräumst und die Fläche neu belegen willst – dann kommt Pimpinelle für diese Zeit nicht wieder an dieselbe Stelle. Beides trägst du am einfachsten im Beetplaner ein, der die Werte für dich vorhält.
Nachbarn: wenig Regeln, eine Ausnahme
Die Mischkultur-Matrix führt für Pimpinelle nur eine ausdrückliche Unverträglichkeit: Erdbeere. Positive Partner nennt sie nicht – du bist also frei, solange die Nachbarn mit trockenem, durchlässigem Boden zurechtkommen. Mischkultur unterstützt, sie garantiert nichts. Für die Planung eines ganzen Kräuterbeets hilft dir der Mischkultur-Planer; wer Pimpinelle gestalterisch einbinden will, findet Ideen in unserem Ratgeber über Pimpinelle als Gestaltungselement im Kräutergarten.
Pflege mit Maß
Gegossen wird wie bei den mediterranen Kräutern: selten und erst, wenn die Erde spürbar abgetrocknet ist – Staunässe ist das größere Risiko als Trockenheit. Gedüngt wird nicht nach. Willst du vor allem Blätter, schneidest du die BlütenständeEin Blütenstand (botanisch: Infloreszenz) ist der Teil einer Pflanze, an dem sich der Spross verzweigt und mehrere Blüten trägt. Je nach Bauweise unterscheidet man zum Beispiel Traube, Ähre, Dolde, Köpfchen und Rispe. ab, sobald sie sich zeigen; willst du Samen oder Sämlinge, lässt du einige stehen. Mehr zum Gießen und Düngen mit Maß steht im Kräuter-Ratgeber.
Vermehrung: drei Wege, die du selbst steuerst
Das ist der Teil, den kaum ein anderer Pimpinelle-Ratgeber trägt, deshalb hier ausführlich.
Selbstaussaat zulassen
Lässt du Blütenstände ausreifen, fallen die Samen zu Boden und laufen am Platz oder in der Umgebung auf. Ich lasse am Rand der Reihe zwei, drei Stände stehen und schaue im Frühjahr beim Jäten nach, was aufgelaufen ist – Sämlinge, die ich nicht dort haben will, steche ich mit einem Löffel aus und setze sie um oder verschenke sie.
Samen selbst ernten
Für gezielte Saat schneidest du ausgereifte, trockene Blütenstände ab und lässt sie in einer Papiertüte nachtrocknen. Danach reibst du die Samen aus, siebst grobe Reste heraus und lagerst sie trocken, dunkel und beschriftet. Ich notiere auf der Tüte Art und Erntejahr, damit ich beim Säen weiß, was ich in der Hand habe.
Ältere Stöcke teilen
Ältere RosettenRosetten sind Blattanordnungen, bei denen die Blätter dicht gedrängt stehen und scheinbar alle an derselben Stelle entspringen, weil die Sprossachse, also der Stängel, stark gestaucht ist. Ein bekanntes Beispiel ist die Dachwurz. kannst du teilen: Stock rundum ausstechen, mit dem Spaten oder einem scharfen Messer in Stücke trennen, die jeweils Wurzeln und Triebe haben, und die Teilstücke sofort wieder setzen und angießen. Ich wähle dafür einen bedeckten Tag und halte die frisch gesetzten Stücke feucht, bis ich neues Blattwachstum sehe.
Beim Teilen lege ich die ausgestochenen Stöcke in eine Schale mit Wasser und schüttle die Erde ab – so sehe ich die Wurzelknoten und teile an den natürlichen Trennstellen statt blind durch den Ballen.
Über den Winter
Pimpinelle ist winterhart und bleibt draußen. Ein durchlässiger Boden ohne stehende WinternässeWinternässe ist Nässe in der kalten Jahreszeit, unter der vor allem Pflanzen aus Gebieten mit trockenen Wintern leiden. Bei ungünstiger Witterung können ihre Überwinterungssprosse faulen – auch wenn die Pflanzen als winterhart gelten. trägt dabei den größeren Teil der WinterhärteWinterhärte, auch Frosthärte genannt, beschreibt, wie viel Frost eine Pflanze verträgt. Winterharte Arten überstehen den Winter im Freien, empfindliche musst du vor dem Frost ernten oder schützen. – nasser Boden im Winter kann den Stöcken mehr zusetzen als Kälte. Was die anderen Kräutergruppen beim ersten Frost brauchen, steht im Abschnitt Überwintern des Kräuter-Ratgebers.
Ernte in Kürze
Geerntet wird von Mai bis November, am besten vormittags, wenn der Tau abgetrocknet ist. Du nimmst die äußeren Blätter und lässt das Herz der Rosette stehen, damit sie nachschiebt; das intensivste Aroma haben die Blätter vor der Blüte. Wie du Pimpinelle über die Saison erntest und in Mischungen oder als Tee nutzt, beschreibt unser Ratgeber zu Pimpinelle für Garten und Küche.
Vorrat in Kürze
Frisch verwendet hat Pimpinelle ihr volles Aroma; getrocknete Blätter verlieren eher an Geschmack. Für den Vorrat frierst du die Blätter portionsweise ein – eingefrorene Kräuter halten sich bis zu einem Jahr. Pesto ist möglich, gehört aber als nichtgesäuerte Zubereitung in den Kühlschrank bei bis zu 6 °C und nicht auf Vorrat, weil sich unter Luftabschluss Botulinumtoxine bilden können.
Küche und Gesundheit in Kürze
Pimpinelle gehört zu den sieben Kräutern der Frankfurter Grünen Soße, die seit 2016 EU-weit als geschützte geografische Angabe gilt; in der geschützten Rezeptur stellt sie mindestens drei Prozent der Kräuterkomposition. Als Küchenkraut hat sie eine lange Tradition, auch in der Volksheilkunde. Bei Beschwerden ersetzt kein Kraut den ärztlichen Rat.
Wenn etwas nicht stimmt
Pimpinelle gilt als robust. Welke Rosetten bei nasser Erde können auf Staunässe hindeuten – dann prüfst du den Abfluss, nicht die Gießkanne. Blattläuse an jungen Trieben spülst du mit einem Wasserstrahl ab; SchmierseifenlösungEine Schmierseifenlösung ist in Wasser aufgelöste Schmierseife, die als altes Hausmittel auf Pflanzen gesprüht wird. Sie legt sich als flüssiger Film über Schädlinge wie Blattläuse, die dadurch ersticken. wird als Hausmittel dagegen genannt, ein Wirkversprechen ist das nicht.
Sonniger bis halbschattiger Platz mit trockenem, durchlässigem Boden · Direktsaat März–August, 0,5–1 cm tief · 25 cm in der Reihe, 25 cm Reihenabstand · Kompost zum Start, danach nichts · keine Erdbeeren als Nachbarn · Blütenstände je nach Ziel abschneiden oder stehen lassen · Ernte Mai–November, frisch oder eingefroren.
Alles Weitere zur Art – Sorten, Verwendung und Mischkultur – sammelt die Übersichtsseite zu Pimpinelle und Kleinem Wiesenknopf.


