Bio-Erdbeeren anbauen: robuste Sorten, Nützlinge, Mischkultur und Zertifizierung
- Bio im Erdbeerbeet heißt: vorbeugen, beobachten, von Hand eingreifen.
- Befallsfreie Jungpflanzen sind die wichtigste Vorbeugung gegen Erdbeermilben.
- 'Senga Sengana' ist stark anfällig für Botrytis-Fruchtfäule, 'Gorella' und 'Bogota' gelten als weniger anfällig.
- Schlupfwespen parasitieren Larven des Blütenstechers und lassen sich mit Pollen- und Nektarpflanzen fördern.
- Gute Nachbarn sind Zwiebeln, Boretsch, Prunkbohnen und Spinat, ungünstig ist die Pimpinelle.
- Nach dem Erdbeerbeet gilt eine Anbaupause von 4 Jahren; Phacelia und Ackerbohnen sind ungünstige Vorfrüchte.
- Betriebe, die Erdbeeren als Bio-Ware erzeugen und vermarkten, müssen am Öko-Kontroll- und Zertifizierungsverfahren teilnehmen.

Bio-Erdbeeren aus dem eigenen Beet gelingen am ehesten, wenn du Probleme verhinderst, bevor sie auftreten. Befallsfreie Jungpflanzen sind die wichtigste Vorbeugung gegen Erdbeermilben, und beim Grauschimmel unterscheiden sich Sorten in ihrer Anfälligkeit. Ich plane mein Erdbeerbeet deshalb vom Pflanzgut und von der Sorte her, nicht erst ab der ersten grauen Frucht.
Hier geht es um den Bio-Weg im Zusammenhang: Grundsätze, robuste Sorten, Pflanzenschutz mit Nützlingen, Mischkultur und das, was der Verkauf als Bio-Ware verlangt. Die allgemeinen Grundlagen findest du im Ratgeber darüber, wie du Beerenobst vom Standort bis zur Ernte anbaust.
Was Bio beim Erdbeeranbau bedeutet
Bio heißt im Erdbeerbeet vor allem, in einer festen Reihenfolge zu arbeiten. Zuerst beugst du vor, dann beobachtest du, und eingegriffen wird möglichst von Hand. Daraus ergeben sich fünf Grundsätze, die sich durch das ganze Gartenjahr ziehen:
- Gesund starten: befallsfreie Jungpflanzen und einwandfreies Pflanzgut von Anfang an.
- Nach Bedarf düngen: organisch, zurückhaltend und nach Bodenbefund, eigener Kompost wird angerechnet.
- Boden bedecken: organischer Mulch statt Kunststofffolie.
- Vielfalt zulassen: Nützlinge, Bestäuber und Mischkulturpartner gehören zum Beet.
- Von Hand eingreifen: kontrollieren, absammeln, einnetzen.
Bio heißt nicht automatisch, dass gar keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Im ökologischen Landbau können ausdrücklich zugelassene Mittel eingesetzt werden, allerdings nur innerhalb der dafür geltenden Beschränkungen. Im Hausgarten fange ich trotzdem immer mit Kontrolle und Handarbeit an.
Mulch und Kompost: der Kreislauf im Beet
Organischer Mulch übernimmt im Bio-Beet mehrere Aufgaben. Er bremst Verdunstung und Erosion, fördert das Bodenleben und hemmt BeikrautBeikraut nennt man jede Pflanze, die zwischen den angebauten Kulturpflanzen mitwächst, egal ob wild oder domestiziert, nützlich oder schädlich. Das Wort ist neutral gemeint, während „Unkraut“ eine persönliche Wertung ausdrückt.. Wurzelunkräuter beseitigt er allerdings nicht zuverlässig, deshalb entfernst du sie vor dem Mulchen gründlich.
Bei Erdbeeren ist Stroh der klassische Mulch. Du legst es kurz vor bis während der Blüte unter, damit die Früchte sauber bleiben. Grauschimmelbefall kann Stroh vermindern, verlassen solltest du dich darauf aber nicht. Warte mit dem Unterlegen, bis keine Spätfröste mehr drohen, denn unter Stroh liefert der Boden weniger Wärme nach.
Zwei Nebenwirkungen behältst du im Blick. Stroh kann beim Abbau Stickstoff binden, und eine feuchte Mulchschicht bietet Nacktschnecken Unterschlupf. Bei starkem Schneckenbefall wägst du Schaden und Mulchnutzen gegeneinander ab.
Kunststofffolie passt schlecht zu diesem Kreislauf. Kunststoffmulch kann beim Zerfallen Mikroplastik im Boden hinterlassen, und auch biologisch abbaubare Folien zersetzen sich nicht immer schnell.
Kompost schließt den Kreislauf, wenn du ihn sauber führst. Gesunde Gartenreste und pflanzliche Küchenreste gehören hinein, kranke Pflanzenteile nicht, weil der Kompost sie nicht ausreichend hygienisiert. Achte außerdem auf die Salze: Hohe Nährsalzgehalte in eigenem Kompost können Erdbeerpflanzen schädigen. Holzasche bringst du weder aufs Beet noch auf den Kompost, auch wenn sie aus naturbelassenem Holz stammt.
Kranke Erdbeerblätter und faule Früchte sammle ich beim Durchgehen in einem eigenen Eimer und gebe sie in den Hausmüll. Auf meinen Kompost kommt nur, was gesund aussieht.
Empfehlungen für den Garten
Aussaat und Vermehrung
- Saattiefe
Die Samen benötigen Licht zum Keimen.
Erdbeeranbau mit Bio-Blick: Standort, Boden, Gießen, Düngen
Standort
Erdbeeren brauchen einen sonnigen Platz ohne zu starke Windeinwirkung. Stellen, an denen nach Regen das Wasser steht, meidest du, weil staunasse Böden den Erreger der Rhizomfäule begünstigen. Die Platzwahl ist damit schon der erste Pflanzenschutz; mehr dazu steht im Abschnitt Standort des Beerenobst-Ratgebers.
Boden
Für Erdbeeren eignet sich ein Boden-pHDer Boden-pH-Wert beschreibt, ob ein Boden sauer, neutral oder alkalisch ist. Er beeinflusst die Tätigkeit der Bodenorganismen und zeigt, ob ein Gartenboden eine Kalkgabe braucht. von 5,5 bis 6,5. Lass den Boden vor der Neuanlage untersuchen, damit du nach Befund kalkst und düngst statt nach Gefühl. Die einzelnen Schritte von der Analyse bis zur Beetanlage findest du in der Anleitung, wie du den Boden für ein Erdbeerbeet vorbereitest.
Gießen
Gieß Erdbeeren gezielt in den Wurzelbereich und bevorzugt morgens, damit benetzte Pflanzen abtrocknen können. Das dient der Vorbeugung gegen Pilzkrankheiten, die Feuchtigkeit begünstigt. Wie viel Wasser Erdbeeren beim Anwachsen und im Sommer brauchen, steht im Abschnitt Gießen des Beerenobst-Ratgebers.
Düngen
Auf gutem, regelmäßig gemulchtem Boden brauchen Erdbeeren meist keine Zusatzdüngung. Eine übermäßige Stickstoffversorgung kann Ertrag und Fruchtqualität vermindern, und bereits ausgebrachten Kompost rechnest du bei jeder weiteren Gabe an. Mengen und Zeitpunkte für organische Gaben stehen im Abschnitt Düngen des Beerenobst-Ratgebers.
Robuste Sorten für den Bio-Garten
Bei der Sortenwahl zählen neben Geschmack und Ertrag auch Krankheitsanfälligkeit und Fruchtfestigkeit. Die Festigkeit ist ein Merkmal dafür, wie gut sich die Früchte transportieren und lagern lassen. Im Bio-Beet gebe ich der Krankheitsanfälligkeit viel Gewicht, weil ich vorbeugen will, statt später zu behandeln.
Beim Grauschimmel, der Botrytis-Fruchtfäule, sind Unterschiede beschrieben: ‘Senga Sengana’ ist stark anfällig, ‘Gorella’ und ‘Bogota’ gelten als weniger anfällig. Die Tabelle zeigt weitere Sorten mit ihren Merkmalen.
| Sorte | Was sie für den Bio-Garten auszeichnet |
|---|---|
| ‘Gorella’, ‘Bogota’ | als weniger anfällig für Botrytis-Fruchtfäule beschrieben |
| ‘Senga Sengana’ | stark anfällig für Botrytis-Fruchtfäule |
| ‘Honeoye’ | früh reifend, große, feste und leicht säuerliche Früchte |
| ‘Polka’ | mittelfrüh reifend, sehr guter Geschmack, ausgeprägter Feuchtebedarf |
| ‘Florence’ | späte Sorte, im Reifevergleich etwa 12 Tage nach ‘Rumba’ eingeordnet |
| ‘Malwina’ | sehr späte Sorte, im Reifevergleich etwa 21 Tage nach ‘Rumba’ eingeordnet |
| ‘Mara des Bois’ | remontierend, sehr guter Geschmack, weiche Früchte, niedriger Ertrag, mögliches Erntefenster von Mai bis Oktober |
| ‘Rügen’, ‘Alexandria’ | Monatserdbeeren, beerntbar von Juni bis Ende Oktober |
| ‘Mieze Schindler’ | rein weiblich blühend, braucht eine Befruchtersorte in derselben Reihe |
| ‘Elan’ | besonders für Balkonkästen und Ampeln geeignet |
| ‘Florika’, ‘Spadeka’ | für eine Erdbeerwiese geeignet |
Im Sortenvergleich der LVWO Weinsberg für den Hausgarten dient die frühe Sorte ‘Rumba’ als Bezug für die Reifeangaben. Bis Mitte Juni abreifende Erdbeeren sind weniger durch die Kirschessigfliege gefährdet, späte Erdbeeren können befallen werden. Wer späte Sorten wie ‘Malwina’ pflanzt, plant den Netzschutz deshalb gleich mit.
Eine naturnahe Anbauform ist die Erdbeerwiese. Mit geeigneten Sorten wie ‘Florika’ oder ‘Spadeka’ kannst du sie sechs bis acht Jahre kultivieren.
‘Mieze Schindler’ allein pflanzen. Die Sorte blüht rein weiblich und braucht eine geeignete Befruchtersorte in derselben Reihe.
Gesund starten: Jungpflanzen, Ausläufer oder Aussaat
Im Bio-Beet beginnt Pflanzenschutz beim Pflanzgut. Befallsfreie Jungpflanzen beugen Erdbeermilben und dem Gefurchten Dickmaulrüssler vor. Einwandfreies Pflanzgut gehört außerdem zur Vorbeugung gegen Lederbeerenfäule und Rhizomfäule.
Pflanzen und Abstand
Gepflanzt wird von Juli bis August, die Herzknospe bleibt dabei knapp über der Erde. Bei Reihenkultur im Beet planst du in der Reihe 20 bis 40 cm Abstand ein. Zwischen den Reihen lässt du 30 bis 60 cm Platz; wie es danach weitergeht, liest du in der Anleitung, wie du Erdbeeren von der Pflanzung bis zur Ausläuferkontrolle pflegst.
Eigene Ausläufer
Eigene Jungpflanzen gewinnst du aus bewurzelten AusläufernAusläufer sind Triebe, an denen eine Pflanze wie die Erdbeere aufgereihte Jungpflanzen bildet. Diese bewurzeln sich und lassen sich abtrennen, so vermehrt sich die Pflanze vegetativ, also ohne Samen., die du von gesunden Mutterpflanzen abtrennst und verpflanzt. Erst verpflanzt du die Ausläufer, danach entfernst du altes Laub; überzählige Ausläufer nimmst du ab. Ich markiere zur Blütezeit die gesündesten Pflanzen mit einem Stab und nehme später nur von ihnen Ausläufer.
Aussaat
Monatserdbeeren wie die ‘Alexandria’ lassen sich auch aus Samen ziehen. Als Pillensaat wird sie von Januar bis März in Schalen vorgezogen, die Pillen bleiben unbedeckt, denn Erdbeeren sind Lichtkeimer. Die Keimtemperatur liegt bei 18 bis 22 °C. Bis zum Keimen vergehen etwa 14 bis 28 Tage, und schon eine kurze Austrocknung kann dazu führen, dass die oberflächlich gesäte Saat nicht mehr keimt.
Für die Vorkultur eignet sich salzarme Aussaaterde in Gefäßen mit ungehindertem Wasserabzug. Reinen Kompost meidest du hier, weil hohe Nährsalzkonzentrationen empfindliche Keimlingswurzeln schädigen können. Ausgesäte Erdbeeren können je nach Saatgutlinie und Aussaatzeit im ersten oder zweiten Kulturjahr erstmals fruchten. Alle Schritte findest du in der Anleitung, wie du Erdbeeren von der Aussaaterde bis zum Abhärten aus Samen ziehst, die Termine im druckbaren Aussaatkalender für Beerenobst.
Natürlicher Pflanzenschutz: vorbeugen, kontrollieren, Nützlinge fördern
Natürlicher Pflanzenschutz arbeitet auf drei Ebenen: Vorbeugung, Kontrolle und Nützlinge. Ein Mittel kommt, wenn überhaupt, erst danach. Einen Überblick über die Krankheiten und Schädlinge selbst gibt der gleichnamige Abschnitt des Beerenobst-Ratgebers; hier geht es darum, wie du im Bio-Beet vorgehst.
Vorbeugen ab der Blüte
Vorbeugung beginnt bei gesundem Pflanzgut und einem Platz ohne Staunässe. Im Beet kommen drei Handgriffe dazu:
- Stroh kurz vor bis während der Blüte unter die Pflanzen legen.
- Im Wurzelbereich gießen, damit das Laub trocken bleibt.
- Stickstoff nicht überdosieren, denn eine übermäßige Versorgung kann Ertrag und Fruchtqualität vermindern.
Grauschimmel verursacht braune, weich werdende Früchte mit grauem PilzrasenPilzrasen nennt man den sichtbaren Belag, den ein Pilz auf befallenen Blättern oder Stängeln bildet, etwa den grauen Pilzrasen beim Grauschimmel. Der Begriff beschreibt ein Merkmal des Schadbilds, nicht die Krankheit selbst.. Seine Sporen finden bei 15 bis 20 °C und hoher Luftfeuchtigkeit besonders gute Keimbedingungen. Infiziert werden überwiegend schon die alternden Blütenorgane, also bevor du den Pilz an der Frucht siehst. Wer erst auf graue Früchte reagiert, kommt deshalb spät; die Vorbeugung mit Stroh und trockenem Laub gehört in die Blütezeit.
Kontrollieren und absammeln
Für Blütenstecher, Erdbeermilbe und Dickmaulrüssler nennt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft Zeitfenster. Die Tabelle fasst sie mit weiteren Schaderregern zusammen. Ein Schadbild ist dabei immer nur ein Hinweis, keine sichere Diagnose.
| SchaderregerSchaderreger ist im Pflanzenschutz der Sammelbegriff für Schädlinge und Krankheitserreger, die Pflanzen befallen: etwa Insekten oder Fadenwürmer (Nematoden) sowie Pilze, Bakterien und Viren. | Zeitfenster und Hinweis | Was du im Bio-Beet tust |
|---|---|---|
| Erdbeerblütenstecher | Eiablage ab 18 °C; angenagte Knospenstiele knicken ab | Knospen kurz vor Blühbeginn auf Käfer kontrollieren, befallene Knospen regelmäßig aufsammeln und über Haus- oder Biomüll entsorgen |
| Erdbeermilbe | vermehrt sich besonders stark im Juli und August; kleine, gekräuselte, schlecht entfaltete Herzblätter können ein Hinweis sein | befallsfreie Jungpflanzen setzen |
| Gefurchter Dickmaulrüssler | schlüpft an Erdbeeren überwiegend von Anfang Juli bis Anfang August | befallsfreie Jungpflanzen setzen |
| Rhizomfäule | begünstigt durch staunasse Böden und Temperaturen über 25 °C; Welke und absterbende äußere Blätter können ein Hinweis sein | einwandfreies Pflanzgut, Plätze ohne Staunässe, Phacelia und Ackerbohnen nicht als VorfruchtDie Vorfrucht ist die Kultur, die vor der aktuellen Kultur auf derselben Fläche stand, in der Fruchtfolge meist im Vorjahr. Sie kann Boden, Nährstoffe und Krankheitsdruck für die nachfolgende Kultur positiv oder negativ beeinflussen. |
| Schnecken | Fraßstellen und Schleimspuren | unter ausgelegten Brettern absammeln |
| Kirschessigfliege | späte Erdbeeren können befallen werden, bis Mitte Juni abreifende sind weniger gefährdet | nach abgeschlossener Blüte etwa drei bis vier Wochen vor der Pflückreife dicht schließende Netze mit 0,8 mm Maschenweite auflegen; befallene Früchte vor dem Entsorgen mit kochendem Wasser überbrühen |
| Blattläuse | können Blattdeformationen verursachen, im Garten meist wenig problematisch, Gefäßpflanzen können anfälliger sein | beobachten, besonders bei Erdbeeren in Gefäßen |
Ich gehe kurz vor Blühbeginn jede Reihe ab und schaue in die Knospen. Abgeknickte Knospen sammle ich in eine Tüte für den Hausmüll.
Nützlinge und Bestäuber ins Beet holen
SchlupfwespenSchlupfwespen sind nützliche Insekten, die mit ihrem Legestachel Eier in Schädlinge wie Blattläuse legen. Die Larve wächst im Inneren der befallenen Tiere heran und ernährt sich von ihnen. parasitieren die Larven des Erdbeerblütenstechers. Du förderst sie mit Pollen- und Nektarpflanzen im Garten. Für Bienen ergänzt eine Auswahl früh und spät blühender Stauden mit ungefüllten Blüten das Angebot über die Saison. Bodennistende Wildbienen brauchen außerdem offene, unbewachsene und möglichst lange ungestörte Bodenstellen. Ich lasse deshalb am Rand meines Erdbeerbeets eine Fläche unbewachsen und grabe sie nicht um.
Bestäuber sind auch für die Ernte wichtig. In einem Feldversuch entwickelten sich aus insektenbestäubten Erdbeerblüten größere, schwerere und gleichmäßiger geformte Früchte als aus selbstbestäubten. Ein Blühangebot am Beet kann damit zweifach nützen: Es versorgt die Bestäuber deiner Erdbeeren und die Gegenspieler des Blütenstechers.
Wer Erdbeeren unter einer Abdeckung verfrüht, nimmt sie spätestens zum Blühbeginn ab. Sonst gelangen Bestäuber nicht an die Blüten.
Wenn Vorbeugung nicht reicht
Hausmittel und Brühen werden im Bio-Garten oft empfohlen. Bei Grauschimmel lohnt der genaue Blick auf das, was gesichert ist.
„Knoblauch zwischen den Erdbeeren und SchachtelhalmbrüheSchachtelhalmbrühe ist ein gekochter Auszug aus Ackerschachtelhalm. Die gelöste Kieselsäure soll das äußere Zellgewebe der Pflanzen festigen; die Brühe wird vorbeugend gegen Pilzkrankheiten an Obst und Gemüse gesprüht. halten Grauschimmel fern.“ Die Wirkung von gepflanztem Knoblauch und von Schachtelhalmbrühe gegen Botrytis-Fruchtfäule an Erdbeeren ist nicht gesichert. Setz deshalb zuerst auf Sortenwahl, Stroh unter den Früchten und Gießen im Wurzelbereich, auch wenn keine dieser Maßnahmen Befall sicher verhindert.
Reichen Vorbeugung und Handarbeit nicht, kommen allenfalls Pflanzenschutzmittel infrage, die für die nichtberufliche Anwendung im Haus- und Kleingarten zugelassen sind. Den aktuellen Zulassungsstand prüfst du in der Datenbank des BVL. Halte Gebrauchsanweisung, Schutzkleidung, Wartezeit und Entsorgung genau ein. Bedenke, dass solche Mittel auch die Nützlinge treffen können, die du vorher gefördert hast.
Mischkultur und Fruchtfolge: Erdbeeren in guter Nachbarschaft
Gute Mischkulturpartner für Erdbeeren sind Zwiebeln, Boretsch, Prunkbohnen und Spinat. Als unverträglicher Nachbar gilt die Pimpinelle, auch Kleiner Wiesenknopf genannt. Mischkultur unterstützt ein vielfältiges Beet, einen Schutz vor Krankheiten garantiert sie aber nicht.
Botanisch gehören Erdbeeren (Fragaria) zu den Rosengewächsen. Sie gelten als mittelzehrend und wurzeln flach, deshalb hackst du zwischen den Pflanzen nur flach und entfernst dabei Unkraut. Für eigene Beetkombinationen kannst du prüfen, welche Nachbarn zu deinen Erdbeeren passen.
Fruchtfolge: neue Erdbeeren auf neue Fläche
Erdbeeren sind eine Dauerkultur, doch irgendwann legst du das Beet neu an. Danach gilt eine Anbaupause von 4 Jahren, in dieser Zeit kommen neue Erdbeeren auf eine andere Fläche. Damit du später noch weißt, wo Erdbeeren standen, lohnt es sich, deine Beete über mehrere Jahre zu planen.
Bei Verdacht auf Verticillium reicht auch diese Pause nicht sicher aus. Die Dauerkörper des Pilzes können länger als zehn Jahre im Boden überleben. Eine kurze Fruchtfolge belegt deshalb keine zuverlässige Sanierung einer befallenen Fläche.
Phacelia oder Ackerbohnen als Vorfrucht für ein neues Erdbeerbeet säen. Beide gelten wegen des Rhizomfäulerisikos als ungünstige Vorfrüchte für Erdbeeren.
Ernte und Lagerung
Erdbeeren reifen nach dem Pflücken nicht nach, deshalb erntest du sie vollrot und aromatisch duftend. Schimmelige Früchte entsorgst du vollständig, weil das Wegschneiden der sichtbaren Stelle nicht ausreicht. Woran du Reife erkennst und wie du einwandfreie Beeren lagerst, steht in den Abschnitten Ernte sowie Lagern und sicher essen des Beerenobst-Ratgebers.
Spätfrost und Sonnenbrand: das Beet im Klimawandel
Bei erneutem Frost nach milden Phasen kann ein Vlies die Erdbeeren schützen, besonders in windigen Lagen und in Gefäßen. Rechtzeitig aufgelegte Schattiernetze können die Früchte vor Sonnenbrandschäden bewahren. Weitere Strategien gegen Hitze, Trockenheit und Starkregen findest du in der Anleitung, wie du deinen Erdbeeranbau an den Klimawandel anpasst.
Bio-Erdbeeren verkaufen: Wirtschaftlichkeit und Zertifizierung
Für den eigenen Tisch reicht es, nach Bio-Prinzipien zu arbeiten. Willst du Erdbeeren verkaufen und dabei als Bio-Ware ausweisen, kommen Pflichten und eine eigene Rechnung dazu.
Was die Zertifizierung verlangt
Betriebe, die Erdbeeren als Bio-Ware erzeugen und vermarkten, müssen am vorgeschriebenen Öko-Kontroll- und Zertifizierungsverfahren teilnehmen. Die Angabe Bio hängt beim Verkauf also am Kontrollverfahren, nicht allein an der Anbauweise im Beet. Wie Anmeldung, Kontrollen und Kosten ablaufen, klärst du vor der ersten Bio-Ernte bei einer Öko-Kontrollstelle. Beim Pflanzenschutz gilt dann der Rahmen der ausdrücklich zugelassenen Mittel mit ihren Beschränkungen.
Rechnet sich der Bio-Anbau?
Eine allgemeingültige Rechnung gibt es nicht, weil Fläche, Sorte, Arbeitszeit und Absatzweg sehr verschieden sind. Selbst steuern kannst du vor allem die Sortenwahl.
Erdbeeren reifen nach dem Pflücken nicht nach, du kannst sie also nicht früher ernten, um Zeit für den Transport zu gewinnen. Gleichzeitig ist die Fruchtfestigkeit ein Merkmal für Transport- und Lagerfähigkeit. Wer verkaufen will, achtet deshalb besonders auf Sorten mit festen Früchten. ‘Mara des Bois’ hat sehr guten Geschmack, aber weiche Früchte und einen niedrigen Ertrag; sie passt damit eher in den eigenen Garten als in den Verkauf.
Über die Reifezeit verteilst du die Ernte. Die sehr späte ‘Malwina’ ist im Sortenvergleich etwa 21 Tage nach der frühen ‘Rumba’ eingeordnet. Für die späten Früchte planst du dann Netze gegen die Kirschessigfliege ein.
Bevor du Bio-Erdbeeren verkaufst
- Teilnahme am Öko-Kontroll- und Zertifizierungsverfahren geklärt
- Sorten mit festen Früchten und geringer Krankheitsanfälligkeit gewählt
- Reifezeiten über frühe und späte Sorten verteilt, Netze für späte Früchte eingeplant
- Pflanzenschutz nur im Rahmen der für den ökologischen Landbau zugelassenen Mittel





