Mikroorganismen im Orchideensubstrat: Mykorrhiza, Zersetzer und Fäulniserreger
- Mykorrhizapilze wachsen bei Orchideen bis in die Wurzelzellen und können dort knäuelförmige Pelotone bilden.
- Unter natürlichen Bedingungen brauchen Orchideen zum Keimen Mykorrhizapilze, erwachsene Pflanzen sind je nach Art autotroph, teilweise oder vollständig pilzernährt.
- Organische Dünger werden erst durch den Abbau über Mikroorganismen pflanzenverfügbar, bei niedrigen Temperaturen wirken Langzeitdünger verzögert.
- Staunässe erhöht bei Orchideen die Gefahr von Wurzelfäulnis, die Pilze verursachen können.
- Substrat aus Töpfen mit Wurzelfäule verwendest du nicht erneut zum Einpflanzen.

Im Orchideensubstrat leben Pilze, Bakterien und andere Mikroorganismen, die du mit bloßem Auge nicht siehst. Manche arbeiten mit deiner Pflanze zusammen, andere können an ihren Wurzeln Fäulnis verursachen. Wie du gießt und düngst, beeinflusst, ob die Wurzeln gesund bleiben oder die Gefahr von Wurzelfäulnis steigt. Ich sehe mir deshalb beim Austopfen zuerst die Wurzeln an und entscheide erst danach, was mit dem alten Substrat passiert.
Welche Mikroorganismen leben im Orchideensubstrat?
Für die Pflege reicht es, drei Gruppen auseinanderzuhalten. Sie unterscheiden sich darin, ob sie mit der Wurzel zusammenleben, Dünger abbauen oder die Pflanze krank machen können.
| Gruppe | Was sie im Topf tut | Was das für deine Pflege heißt |
|---|---|---|
| Mykorrhizapilze | Ihre Hyphen wachsen bis in die Wurzelzellen und können dort Knäuel bilden. | Wie sehr eine erwachsene Orchidee auf sie angewiesen ist, hängt von der Art ab. |
| Mikroorganismen als Zersetzer | Sie bauen organisch gebundene Düngernährstoffe ab und machen sie so pflanzenverfügbar. | Organischer Dünger wirkt nach und nach, nicht sofort. |
| Bakterien und Pilze als Erreger | Bakterien können an Orchideen Erkrankungen verursachen, Pilze Stängelgrund- oder Wurzelfäulen. | Staunässe erhöht die Gefahr von Wurzelfäulnis. |
In vielen Ratgebern findest du lange Listen mit Hefen, Aktinobakterien oder endophytischen Pilzen. Ich halte mich bei der Pflege an diese drei Gruppen, weil sich aus ihnen klare Handgriffe für den Topf ergeben.
Mykorrhiza bei Orchideen: was die Pilze in der Wurzel tun
MykorrhizaMykorrhiza ist eine Lebensgemeinschaft zwischen bestimmten Bodenpilzen und Pflanzenwurzeln zum beiderseitigen Nutzen. Die Pilzfäden liefern der Pflanze Wasser und Nährsalze und erhalten dafür einen Teil der Kohlenhydrate, die die Pflanze durch Photosynthese bildet. nennt man die Lebensgemeinschaft aus Pilz und Pflanzenwurzel. Bei Orchideen bleibt der Pilz nicht außen an der Wurzel. Seine Hyphen dringen in die Wurzelzellen ein und können dort knäuelförmige Pelotone bilden.
Hyphen sind die feinen Fäden, aus denen ein Pilz wächst. Ein Peloton ist ein Knäuel aus solchen Hyphen innerhalb einer Wurzelzelle. Weil das Knäuel in der Zelle liegt, siehst du es von außen nicht.
Keimung: In der Natur geht es nicht ohne Pilz
Orchideensamen haben kein Endosperm, also kein eigenes Nährgewebe für den Keimling. Unter natürlichen Bedingungen sind Orchideen bei der Keimung auf Mykorrhizapilze angewiesen.
Erwachsene Orchideen: je nach Art verschieden
Ist die Pflanze herangewachsen, kann das anders aussehen. Erwachsene Orchideen können je nach Art autotroph sein, sich also über ihre eigene PhotosynthesePhotosynthese ist der Vorgang, bei dem grüne Pflanzen mithilfe von Sonnenlicht aus Wasser und Kohlenstoffdioxid Zucker und Stärke herstellen. Als Nebenprodukt entsteht Sauerstoff, den sie an die Luft abgeben. versorgen. Andere Arten sind teilweise pilzernährt oder vollständig pilzernährt.
„Ohne Pilze kann keine Orchidee leben.“ Für die Keimung in der Natur trifft das zu, denn dort sind die Samen auf Mykorrhizapilze angewiesen. Erwachsene Orchideen können je nach Art aber autotroph sein. Wer aus der Keimphase ableitet, dass jede Topforchidee Pilze nachgeliefert bekommen muss, überträgt eine Regel für Samen auf die ganze Pflanze.
Partner oder Erreger im Topf?
Pilze im Orchideentopf sind nicht automatisch Helfer. Aus derselben Organismengruppe kommen Erreger, die an Orchideen Stängelgrund- oder Wurzelfäulen verursachen können. Ob ein Pilz in der Wurzel Partner oder Erreger ist, erkennst du ohne Labor nicht. Du kannst aber die Bedingungen beeinflussen, unter denen Fäulnis leichter entsteht.
Zersetzer im Substrat: warum organischer Dünger erst über Mikroben wirkt
Organisch gebundene Nährstoffe kann deine Orchidee nicht direkt aufnehmen. Erst bauen Mikroorganismen sie ab, und dabei werden die Nährstoffe nach und nach pflanzenverfügbar. Diesen Vorgang nennt man MineralisierungMineralisierung ist der Abbau organischer Stoffe wie Erntereste, Mulch, Kompost oder Mist im Boden. Bodenlebewesen schließen sie dabei auf, sodass die darin gebundenen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar werden..
Bei organischen wie mineralischen LangzeitdüngernEin Langzeitdünger, auch Depotdünger genannt, gibt seine Nährstoffe nicht sofort, sondern verzögert über einen längeren Zeitraum an die Pflanzen ab. Das gilt für entsprechend gekennzeichnete Mineraldünger und ebenso für organische Dünger. verzögern niedrigere Temperaturen die Wirkung. Steht deine Orchidee kühl, wirkt ein organischer Langzeitdünger also langsamer.
Organischen Dünger nachlegen, um die Mikroben im Substrat zu füttern. Auch Nährstoffe aus organischen Düngern können zu einer Überversorgung und zu erhöhtem Salzgehalt im Substrat beitragen. Zu hohe oder zu häufige Düngergaben können wiederum Orchideenwurzeln schädigen. Wer das Substrat mit organischen Gaben beleben will, riskiert also genau die Überversorgung, unter der die Wurzeln leiden können.
Gib Düngerlösung auf bereits feuchtes Substrat, damit die Wurzeln keinen Schaden nehmen. Die Menge richtet sich nach der Dosierungsanweisung deines Düngers. Im Winter brauchen Zimmerpflanzen bei weniger Licht auch weniger Wasser und Nährstoffe, selbst wenn der Raum warm bleibt. Wächst deine Orchidee wegen Lichtmangel nicht, düngst du nicht zusätzlich. Ist der Salzgehalt durch ÜberdüngungÜberdüngung heißt, dass ein Boden mehr Nährstoffe bekommt, als die Pflanzen brauchen. Die Überschüsse reichern sich im Boden an oder werden ausgewaschen und belasten dann Boden und Umwelt. gestiegen, stellst du das Düngen ein und tauschst bei Bedarf einen Teil des belasteten Substrats aus. Wann und wie oft du in der Wachstumszeit nachlegst, findest du in den Grundlagen zum Gießen und Düngen von Zimmerpflanzen.
Fäulnis im Topf: was Nässe mit den Wurzeln macht
Staunässe erhöht bei Orchideen die Gefahr von Wurzelfäulnis. Bleibt ein Ballen zu lange nass, leiden die Wurzeln unter Sauerstoffmangel und können faulen. Anhaltende Nässe kann bis zum Wurzeltod führen. Die Pflanze wirkt dann wie vertrocknet, obwohl das Substrat feucht ist.
Sieht deine Orchidee welk aus, obwohl das Rindensubstrat noch feucht oder nass ist, kann das auf geschädigte Wurzeln hinweisen. Ein Grund zum Nachgießen ist das nicht. Entferne überschüssiges Wasser und gieß zunächst nicht weiter.
Bepflanzte Gefäße brauchen freie Wasserabzugslöcher, damit überschüssiges Gießwasser abfließen kann. Zum Gießen eignet sich zimmerwarmes Regenwasser. Kaltes oder hartes Leitungswasser kann empfindlichen Arten Probleme bereiten.
Bevor ich gieße, hebe ich jeden Orchideentopf an. Nach dem Gießen hebe ich ihn noch einmal an und merke mir den Unterschied im Gewicht. Zurück in den Übertopf kommt er erst, wenn nichts mehr nachtropft.
Hatte eine Orchidee Wurzelfäule, verwendest du ihr altes Substrat nicht wieder zum Einpflanzen. Das gilt auch, wenn du es als Starthilfe mit lebenden Mikroben unter frisches Substrat mischen willst.
Substrat, Luft und Wasser: der Lebensraum im Topf
Ein geeignetes Topfsubstrat muss langfristig Wasser speichern, überschüssiges Wasser ableiten und den Wurzeln ausreichend Luft bieten. Strukturstabile Gefäßsubstrate beugen Verdichtung und VernässungVernässung bedeutet, dass ein Boden zeitweise oder anhaltend so viel Wasser enthält, dass ihm Luft fehlt. Sie ist der Oberbegriff für Nässe durch Grundwasser, Stauwasser, Haftwasser oder Hangwasser; Staunässe ist eine dieser Formen. im unteren Topfbereich vor. Für Phalaenopsis eignet sich ein spezielles Rindensubstrat mit hoher Luft- und Wasserdurchlässigkeit. In der Erwerbskultur von Phalaenopsis wird für reines Rindensubstrat eine Körnung von 0,5 bis 2 cm empfohlen.
| Bestandteil | Was er im Topf leistet |
|---|---|
| Rindensubstrat mit hoher Luft- und Wasserdurchlässigkeit | eignet sich für Phalaenopsis |
| Lava und Bims | können als poröse Zuschläge die StrukturstabilitätStrukturstabilität beschreibt, wie dauerhaft eine Blumenerde oder ein Substrat locker bleibt. Strukturstabile Erde gibt den Wurzeln Halt, ohne mit der Zeit zusammenzusacken oder zu verdichten. verbessern |
| Bims und Zeolith | können als mineralische Zuschläge Wasser speichern |
| reiner Kompost | ist als Gefäßsubstrat zu nährstoffreich |
Welche Mischung zu deiner Orchidee passt, erklärt der Ratgeber dazu, welches Substrat Orchideen brauchen und wie du es je Art auswählst.
Und der pH-Wert?
Passt der pH-Wert nicht zur Pflanzenart, kann er die Nährstoffaufnahme begrenzen, obwohl genug Nährstoffe vorhanden sind. Bei Zierpflanzensubstraten kann ein pH-Wert unter 5 die Aufnahme von Calcium, Magnesium und Kalium vermindern. Wie Wurzelgesundheit, pH-Wert und Feuchte zusammen auf die Blüte wirken, zeigt der Ratgeber dazu, wie das Substrat die Blütenbildung deiner Orchideen beeinflusst.
So förderst du ein gesundes Mikrobiom: meine Handgriffe
Umtopfen nach Zustand
Bei Phalaenopsis in Zimmerkultur liegt der übliche Umtopfrhythmus bei etwa 2 bis 3 Jahren. Den Zeitpunkt bestimmen der Zustand der Wurzeln und der Zustand des Substrats. Ich topfe deshalb erst um, nachdem ich mir beides angesehen habe. Wie du Substrat und Pflege von Frühjahr bis Winter anpasst, zeigt der Ratgeber dazu, wie du das Substrat deiner Orchideen im Lauf des Jahres pflegst.
Mikroben zukaufen oder Komposttee ansetzen?
Präparate mit lebenden Mikroorganismen und selbst angesetzter KompostteeKomposttee ist ein flüssiger Auszug aus Kompost: Ein Stoffbeutel mit Kompost hängt 3 bis 24 Stunden im Gießwasser. Der Tee enthält gelöste Nährstoffe und Mikroorganismen und wird zum Düngen und Stärken gegossen oder gesprüht. werden oft empfohlen, um das Orchideensubstrat zu beleben. Nachgesagt wird ihnen, dass sie nützliche Bakterien und Pilze in den Topf bringen. Ich setze beides bei meinen Orchideen nicht ein und gebe dir dafür weder eine Menge noch ein Versprechen. Reiner Kompost kommt für mich als Orchideensubstrat nicht infrage, denn als Gefäßsubstrat ist er zu nährstoffreich.
So behältst du die Bedingungen im Orchideentopf im Blick.
- Topf vor und nach dem Gießen anheben und das Gewicht vergleichen.
- Überschüssiges Wasser ablaufen lassen und die Abzugslöcher frei halten.
- Dünger nur auf feuchtes Substrat geben, die Menge nach der Dosierungsanweisung.
- Wächst die Orchidee im Winter wegen Lichtmangel nicht, nicht zusätzlich düngen.
- Welke Pflanze in nassem Substrat: überschüssiges Wasser entfernen und zunächst nicht gießen.
- Substrat aus Töpfen mit Wurzelfäule nicht wieder zum Einpflanzen nehmen.
- Übrig gebliebenes Substrat dunkel, kühl und trocken lagern.

