Orchideensubstrat und Blüte: So hängen Wurzeln, pH-Wert und Feuchte zusammen
- Nährstoffe gelangen als in Wasser gelöste Ionen in die Pflanze, durch Staunässe geschädigte Wurzeln können diese Aufnahme beeinträchtigen.
- Zerfällt das Substrat, bekommen die Wurzeln zu wenig Luft und können faulen.
- Phalaenopsis kann in reiner Pinien- oder Tannenborke wachsen, braucht dann aber eine gesonderte Nährstoffversorgung.
- Ein unpassender pH-Wert kann die Nährstoffaufnahme begrenzen, obwohl genug Nährstoffe im Topf sind.
- Hartes Gießwasser mit hoher Carbonathärte kann den Substrat-pH anheben, zum Tauchen eignet sich kalkarmes Wasser.
- Am kühleren Platz nach der Blüte prüfst du die Feuchte genauer, weil Kälte und Nässe Fäule begünstigen.

Wenn deine Phalaenopsis kräftige Blätter hat, aber keinen neuen Blütenstiel bildet, liegt der Griff zum Dünger nahe. Ich hebe in so einem Fall zuerst den Topf an und sehe mir Rinde und Wurzeln an. Ob Nährstoffe ankommen, hängt an Wurzeln, die Luft bekommen, an einem passenden pH-Wert und an der Feuchte im Topf.
Das Substrat bildet keine Blüten. Es entscheidet aber mit, ob die Wurzeln Wasser und Nährstoffe aufnehmen können, die eine Orchidee für Blätter und Blütenstiele braucht. Eine Garantie ist das nicht, denn auch Standort und Temperatur wirken mit. Hier geht es um die vier Punkte, die im Topf liegen: Wurzeln, Nährstoffe, pH-Wert und Feuchte.
Was ein gutes Orchideensubstrat ausmacht
Für Phalaenopsis eignet sich ein spezielles Rindensubstrat mit hoher Luft- und Wasserdurchlässigkeit, das wenig zersetzt und frei von Krankheitserregern sein soll. Welche Mischung zu welcher Art passt, erklärt der Ratgeber dazu, welches Substrat deine Orchidee braucht und woraus es besteht. Wenn du lieber selbst mischst, findest du Rezepte für selbst gemischtes Orchideensubstrat und einen Vergleich, ob sich Selbermischen gegenüber gekauftem Substrat lohnt.
Wie hängen gesunde Wurzeln und Blütenansatz zusammen?
Pflanzen nehmen mineralische Nährstoffe als in Wasser gelöste Ionen auf. Für die Versorgung einer Orchidee im Topf zählen deshalb vor allem ihre Wurzeln.
Staunässe erhöht bei Orchideen die Gefahr von Wurzelfäulnis. Auch ein zerfallendes Substrat kann schaden, weil die Wurzeln dann zu wenig Luft erhalten und faulen können. An Orchideen können außerdem Bakterien Erkrankungen und Pilze Stängelgrund- oder Wurzelfäulen verursachen.
Das Bild an der Pflanze kann täuschen. Wirkt eine Orchidee trotz feuchtem Substrat vertrocknet, können durch Staunässe geschädigte Wurzeln die Wasseraufnahme beeinträchtigen. Eine Phalaenopsis, die in nasser Rinde schlapp aussieht, nehme ich deshalb aus dem Topf, bevor ich gieße oder dünge.
Bei Phalaenopsis kommen zusätzliche Düngergaben dazu, sobald Blütenstiele sichtbar werden. Die Nährstoffe gelangen gelöst mit dem Wasser in die Pflanze, und geschädigte Wurzeln können genau diese Aufnahme beeinträchtigen. Eine solche Extragabe hilft einer Phalaenopsis mit faulen Wurzeln deshalb womöglich wenig.
Mit Wurzelfäuleerregern verunreinigte Töpfe und Substrate können Krankheiten auf weitere Orchideen übertragen. Substrat aus solchen Töpfen verwende ich nicht wieder. Nicht jeder Pilz im Wurzelraum ist aber ein Erreger: Unter natürlichen Bedingungen sind Orchideen bei der Keimung ihrer Samen auf Mykorrhizapilze angewiesen. Mehr dazu, welche Mikroorganismen im Orchideensubstrat leben und wie du sie förderst, steht in einem eigenen Ratgeber.
Wie bestimmt das Substrat die Nährstoffversorgung?
Phalaenopsis kann in reiner Pinien- oder Tannenborke mit einer Korngröße von 0,5 bis 2 cm kultiviert werden. Die Pflanze braucht dann aber eine gesonderte Nährstoffversorgung. Gleichzeitig soll ein Phalaenopsis-Substrat Wasser und Nährstoffe speichern können. Das Substrat soll Nährstoffe also halten, zuführen musst du sie bei reiner Borke über das Gießwasser.
Roher Rindenmulch aus dem Garten ist dafür kein Ersatz. Er kann wachstumshemmende Stoffe enthalten und Stickstoff binden. Mit aufbereitetem Kultursubstrat ist er deshalb nicht gleichzusetzen.
„Zerfallende Rinde düngt die Orchidee von selbst.“ Darauf verlasse ich mich nicht. Phalaenopsis in reiner Borke braucht eine gesonderte Nährstoffversorgung. Zerfällt das Substrat, erhalten die Wurzeln zu wenig Luft und können faulen, dann ist frisches Substrat nötig.
Wann schadet Dünger den Wurzeln?
Orchideen gelten im gärtnerischen Kultursubstrat als sehr salzempfindlich. Zu hohe oder zu häufige Düngergaben können ihre Wurzeln schädigen, und mineralische Dünger können Salzverbrennungen verursachen. Organische Orchideendünger kommen als Alternative infrage, um das Risiko von Salzschäden zu verringern. Ihre Nährstoffe werden erst bei der MineralisierungMineralisierung ist der Abbau organischer Stoffe wie Erntereste, Mulch, Kompost oder Mist im Boden. Bodenlebewesen schließen sie dabei auf, sodass die darin gebundenen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar werden. frei, deshalb wirken sie verzögert. Überversorgen kannst du aber auch mit ihnen, denn ihre NährstofffreisetzungNährstofffreisetzung ist die Abgabe von Nährstoffen aus Dünger, Kompost oder Humus in eine Form, die Pflanzen aufnehmen können. Wie schnell sie abläuft, hängt von der Düngerart, vom Boden sowie von Feuchtigkeit und Temperatur ab. kann den Salzgehalt im Substrat ebenfalls erhöhen.
Düngerlösung gebe ich nur auf Substrat, das schon feucht ist, weil sie sonst Wurzeln schädigen kann. Ein Leitfähigkeitsmessgerät zeigt dir den Gesamtsalzgehalt, unterscheidet aber keine einzelnen Nährstoffe. Vermutest du eine Überdüngung, stellst du das Düngen ein und tauschst bei Bedarf einen Teil des belasteten Substrats aus. Welke, matte oder fleckige Blätter erlauben allein keine sichere Diagnose eines Nährstoffmangels, denn sie können verschiedene Ursachen haben.
Wie oft düngen, wenn Blütenstiele kommen?
Bei Phalaenopsis kommen zusätzliche Düngergaben alle 2 Wochen dazu, sobald Blütenstiele sichtbar werden. Ein phosphatbetonter Blütendünger ist aus Sicht der Pflanzenernährung nicht sinnvoll, weil sich aus der Rolle des Phosphors keine pauschale Blütenförderung ableiten lässt. Wie oft du übers Jahr düngst und welche Pflanzengruppen eigene Rhythmen haben, steht im Überblick zum Düngen von Zimmerpflanzen nach Wachstumsphase und Pflanzengruppe.
Welchen Einfluss hat der pH-Wert im Substrat auf die Blüte?
Der pH-Wert beeinflusst die Blütenbildung über die Nährstoffaufnahme. Ein zur Pflanzenart unpassender pH-Wert kann sie begrenzen, obwohl genügend Nährstoffe im Topf sind.
Bei Zierpflanzensubstraten kann ein pH-Wert unter 5 die Aufnahme von Calcium, Magnesium und Kalium vermindern. Steigt der Substrat-pH, nimmt die Verfügbarkeit von Eisen, Zink, Mangan, Kupfer und Bor ab, die von MolybdänMolybdän (Mo) ist ein Pflanzennährstoff, der für die Stickstoffernährung wichtig ist. Es ist aktiver Bestandteil zweier Enzyme: der Nitratreduktase in der Pflanze und der Nitrogenase in den Knöllchenbakterien. dagegen zu.
Handelsübliche Fertigsubstrate für den Großteil der Zierpflanzen sind auf einen pH-Wert von 5,5 bis 6,5 eingestellt. Einen Zielwert für deine Orchidee liest du daraus nicht ab, denn der passende Wert hängt von der Pflanzenart ab. Welche Werte für die einzelnen Gattungen gelten, erklärt der Ratgeber dazu, wie du den pH-Wert im Orchideensubstrat misst und einstellst.
Der pH-Wert folgt einer logarithmischen Skala. Eine Änderung um 1 pH-Einheit entspricht einer zehnfachen Änderung der Wasserstoffionenkonzentration. Kleine Zahlenschritte im Substrat sind deshalb keine Kleinigkeit.
Was verschiebt den pH-Wert im Topf?
Im Alltag wirkt das Gießwasser mit. Eine hohe CarbonathärteDie Carbonathärte ist der Teil der Gesamthärte des Wassers, der auf Calcium- und Magnesiumcarbonat zurückgeht. Sie wirkt alkalisch und beeinflusst deshalb den pH-Wert der Topferde, wenn du mit diesem Wasser gießt. begünstigt, dass der Substrat-pH steigt. Mit steigendem pH sinkt wiederum die Verfügbarkeit von Eisen, Mangan und Zink. Hartes Leitungswasser mit hoher Carbonathärte kann diese SpurennährstoffeSpurennährstoffe sind Nährstoffe, die Pflanzen nur in geringen Mengen aufnehmen, auf die sie aber trotzdem angewiesen sind. Dazu zählen etwa Eisen, Mangan, Zink, Kupfer, Bor und Molybdän. so über die Zeit schlechter verfügbar machen, auch wenn du regelmäßig düngst. Zum Tauchen epiphytischer Zimmerorchideen eignet sich lauwarmes, kalkarmes Wasser, zum Beispiel Regenwasser.
Auch der Dünger wirkt auf den pH-Wert. Ammoniumbetonte Düngung säuert das Substrat tendenziell an, nitratbetonte wirkt tendenziell alkalisch.
Kalk oder SchwefelSchwefel ist einer der wichtigsten Pflanzennährstoffe. Pflanzen brauchen ihn vor allem für den Eiweißaufbau und nehmen ihn überwiegend als Sulfat aus dem Boden auf, zum Teil auch aus der Luft. nach Gefühl ins Orchideensubstrat geben, um den pH-Wert zu korrigieren. Schnelle Korrekturen mit Kalkmilch oder elementarem Schwefel können im Topf heftige und schwer vorhersehbare Wirkungen haben. Die genaue Kalkmenge für ein gemischtes Substrat lässt sich nur über eine Substratanalyse bestimmen.
Wie beeinflusst die Feuchte im Substrat den Blühzyklus?
Wie lange das Substrat nass bleibt, hängt auch an seinen Bestandteilen. Roh-Sphagnum ist luftreich und hat eine hohe Wasserspeicherkapazität. Feines KokosmarkKokosmark sind die feinen Bestandteile zwischen den Fasern der Kokosnusshülle. Der Reststoff aus der Kokosverarbeitung wird als Torfersatz in torffreien Erden verwendet, weil er ähnlich viel Wasser hält und ähnlich luftig ist wie Torf. speichert mehr Wasser als KokosfasernKokosfasern sind die Fasern aus der Umhüllung der Kokosnuss, die bei deren Verarbeitung anfallen. Als torffreier Bestandteil von Blumen- und Pflanzerden sorgen sie für viel Luft im Substrat, halten aber weniger Wasser als Torf., die eher Struktur und Luftzufuhr fördern. Gartenbaulich geeignetes Perlit erhöht die Luftkapazität, wobei die Wirkung von der Beimischungsmenge abhängt.
Bei Phalaenopsis in transparenten Töpfen kannst du die Feuchte ablesen. Dunkle Rinde zeigt Feuchtigkeit an. Hellere Rinde und silbrige statt grüne Wurzeln weisen auf Abtrocknung hin. Beim Umtopfen werden für Zimmerorchideen nach Möglichkeit transparente Kunststofftöpfe empfohlen. Das Anheben des Topfes vor und nach dem Gießen hilft zusätzlich, den Feuchtezustand am Gewicht einzuschätzen.
Ich hebe meine Phalaenopsis direkt nach dem Tauchen einmal an, damit ich das Gewicht des nassen Topfes kenne. Vor dem nächsten Gießen nehme ich den Topf wieder in die Hand und schaue durch die Wand auf Rinde und Wurzeln.
Im Winter bekommen Orchideen weniger Licht und brauchen dadurch weniger Wasser und Nährstoffe. Gießmenge und Düngehäufigkeit sinken dann. Kälte und anhaltende Feuchtigkeit begünstigen bei Orchideen die Ausbreitung von Erregern der Schwarz- und Wurzelfäule.
Nach der Blüte kann ein kühlerer Standort bei Phalaenopsis die erneute Blütenbildung anregen. Weil Kälte und anhaltende Nässe aber Fäule begünstigen, prüfe ich an diesem kühleren Platz die Feuchte besonders genau. Gegossen wird erst, wenn Rinde und Wurzeln Abtrocknung zeigen. Wie du Substrat und Substratpflege über Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter abstimmst, liest du unter wie du Orchideensubstrat im Jahresverlauf anpasst.
Wie gieße ich dabei?
Nach dem Tauchbad lässt du epiphytische Zimmerorchideen etwa 15 Minuten abtropfen, bevor sie zurück in den Übertopf kommen. Im überschüssigen Wasser darf die Orchidee danach nicht stehen. Wie oft, wie lange und mit welchem Wasser du gießt, erklärt der Ratgeber dazu, wie du Orchideen richtig gießt.
Wann ist frisches Substrat fällig?
Für Phalaenopsis in Zimmerkultur liegt der übliche Umtopfrhythmus bei etwa 2 bis 3 Jahren, abhängig vom Zustand der Wurzeln und des Substrats. Als günstiger Zeitpunkt gilt bei epiphytischen Zimmerorchideen das Frühjahr nach der Blüte, und Phalaenopsis braucht im Normalfall keinen größeren Topf. Woran du den Bedarf erkennst und wie du Schritt für Schritt vorgehst, zeigt der Ratgeber dazu, wann und wie du das Orchideensubstrat wechselst.
Die Blüte bleibt aus: Was prüfe ich zuerst?
Bildet eine Phalaenopsis keine neuen Blütenstiele, kann das auch an Standort und Temperatur liegen. Abgeblühte Blütenstände kannst du auf 2 bis 3 Augen zurückschneiden, aus denen sich möglicherweise weitere Blütentriebe entwickeln. Bevor ich an Dünger oder Standort etwas ändere, gehe ich diese Punkte der Reihe nach durch.
In dieser Reihenfolge gehe ich vor.
- Topf anheben und mit dem Gewicht direkt nach dem Gießen vergleichen.
- Durch die Topfwand schauen: dunkle oder helle Rinde, grüne oder silbrige Wurzeln?
- Pflanze welk, obwohl die Rinde nass ist? Dann die Wurzeln außerhalb des Topfes ansehen.
- Substrat prüfen: Zerfallenes Substrat lässt zu wenig Luft an die Wurzeln.
- Gießwasser prüfen: Eine hohe Carbonathärte kann den Substrat-pH anheben.
- Standort nach der Blüte prüfen: Ein kühlerer Platz kann bei Phalaenopsis die erneute Blütenbildung anregen.
- Erst danach die Düngung anpassen.

