Margeriten in der Wildblumenwiese: säen, mähen, mager halten
- In die Wiese gehört die einheimische Wiesen-Margerite Leucanthemum vulgare, keine gefüllte Gartensorte.
- Gesät wird von März bis Juli obenauf: Die Margerite ist Lichtkeimer, die Saat wird nur angewalzt.
- Eine Wildpflanzenansaat braucht mindestens 4 bis 5 Wochen durchgehend Feuchtigkeit.
- Düngung kann Wiesen-Margeriten aus dem Bestand verdrängen, die Fläche bleibt deshalb mager.
- Den Mähtermin richtest du nach der Samenbildung; die Früchte der Margerite reifen im September und Oktober.
- Jährlich wechselnde ungemähte Streifen auf 5 bis 10 % der Fläche erhalten Rückzugsräume für Tiere.

Margeriten zu säen ist schnell erledigt. Ob sie über Jahre in deiner Wildblumenwiese bleiben, entscheidet sich an zwei anderen Stellen: am Nährstoffgehalt des Bodens und am Mähtermin. Wird die Fläche gedüngt, können Wiesen-Margeriten aus dem Bestand verdrängt werden. Ich plane eine Margeritenwiese deshalb von der Samenreife im Herbst her und lege erst danach den Saattermin fest.
Welche Margerite gehört in die Wiese?
Gemeint ist die Wiesen-Margerite Leucanthemum vulgare, eine in Deutschland einheimische, mehrjährige und winterharte Staude, die 60 bis 80 cm hoch wird. Nicht verwechseln solltest du sie mit der Strauchmargerite Argyranthemum frutescens, die frostfrei überwintert wird und deshalb nicht in die Wiese gehört.
Die Wiesen-Margerite steht sonnig bis halbschattig auf mäßig nährstoffreichem, feuchtem und gut durchlässigem Boden. Sie kommt mit Kalk-, Ton-, Lehm- und Sandböden zurecht, bei saurer, neutraler oder alkalischer Reaktion. Lebensläufe, Gartennamen und die Ansprüche an Licht, Feuchte und pH-Wert findest du im Überblick zu Stauden und Ziergräsern unter Kurzporträt sowie Standort und Boden.
Für die Wiese nimmst du die Wildart und keine Gartenauslese. Unter den Sorten gibt es einfache und gefüllte Formen: ‘Maikönigin’ blüht einfach, ‘Christine Hagemann’ bildet gefüllte Blüten. Stark gefüllte Blüten bieten Insekten häufig nur sehr wenig oder keine Nahrung, weil Staub- und Fruchtblätter ihre ursprüngliche Funktion verlieren können. Eine Wiese, die Wildbienen, SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse. und Schmetterlinge füttern soll, braucht also offene, ungefüllte Blütenköpfe.
Empfehlungen für den Garten
Standort und Boden
- Standort
Geeignet ist mäßig nährstoffreicher, feuchter, gut durchlässiger Boden. Sonne oder Halbschatten sind geeignet; gegebenenfalls stützen.
- Bodenart
Kalkhaltige, tonige, lehmige, sandige Böden sind geeignet.
- Bodenreaktion
Saure, alkalische, neutrale Böden sind geeignet.
- Substrat
Geeignet ist mäßig nährstoffreicher, feuchter, gut drainierter Boden.
- Anbauort
Die Pflanze eignet sich für eine sommerblühende Gartenwiese.
Pflege
- Pflege
Kleine Teilstücke zunächst im Topf im Frühbeet bewurzeln lassen.
- Düngung
Wiesen mit den angebotenen Margeriten nicht düngen, denn Düngung kann Wiesen-Margeriten aus dem Bestand verdrängen.
Lebensform und Verwendung
- Lebensform
Die Pflanze ist mehrjährig.
- Verwendung
Die angebotenen Sorten bieten Nützlingen und Insekten Nahrung.
Warum der magere Boden über die Dauer entscheidet
Der BUND weist für die Wiesenpflege darauf hin, dass Düngung Wiesen-Margeriten aus dem Bestand verdrängen kann. Gemeint ist die Artengruppe in der Wiese, eine Düngeempfehlung für Garten- oder Schnittsorten folgt daraus nicht. Auch beim Umstellen von Rasen zur Blumenwiese unterbleibt die Stickstoffdüngung, damit Gräser nicht stärker gefördert werden als die gewünschten Kräuter und Blumen. Kompost zählt dabei mit, denn er liefert neben organischer Substanz auch Nährstoffe. Wer die Saatfläche mit Kompost aufbessert, düngt also die Gräser mit, gegen die sich die Margeriten später behaupten müssen.
Ein nährstoffreicher Gartenboden wird nicht dadurch zum Magerstandort, dass du ihn wie einen behandelst. Wähle deshalb eine Saatgutmischung, die zu deinem vorhandenen Boden passt. Willst du die Fläche abmagern, hängt die nötige Menge an mineralischem Material von der Bodenbeschaffenheit ab.
Bevor ich eine Mischung aussuche, mache ich an mehreren Stellen der künftigen Wiese die Fingerprobe. An feuchter, nicht nasser Erde ist Sand nicht formbar, Lehm körnig formbar und Ton schmierig und klebrig. Genauer wird es mit einer Bodenuntersuchung: Die Standarduntersuchung erfasst Phosphat, Kali und Kalkbedarf, Stickstoff musst du gesondert beauftragen.
„Margeriten gedeihen nur auf nährstoffreichem Boden.“ Das stimmt nicht. ZeigerwerteZeigerwerte sind Kennzahlen, die angeben, unter welchen Standortbedingungen eine Pflanzenart in der Natur bevorzugt vorkommt, etwa bei Licht, Feuchte, Bodenreaktion oder Stickstoff. Umgekehrt kannst du aus wild wachsenden Pflanzen so auf die Bedingungen am Standort schließen. beschreiben, unter welchen Bedingungen eine Art in der Natur vorkommt; eine Kulturanleitung sind sie nicht. Bei der StickstoffzahlDie Stickstoffzahl ist einer der Zeigerwerte nach Ellenberg, also eine Kennzahl von 1 bis 9. Sie zeigt, ob eine Pflanzenart in der Natur eher auf stickstoffarmen (1) oder stickstoffreichen Standorten (9) wächst. liegt die Margerite bei 3, auf einer Skala von 1 für stickstoffärmste bis 9 für übermäßig stickstoffreiche Standorte. Ihr Boden soll mäßig nährstoffreich sein, nicht fett.
Margeriten säen: Saatbett und Mischsaat für die Wiese
Saatbett und Saat
Für eine Wiese säst du anders als für ein Beet. Vor der Neuansaat befreist du die Fläche von problematischen Wurzel- und Samenunkräutern. Lockern kannst du erst, wenn der Boden nicht mehr zu feucht ist, zum Beispiel mit der Grabgabel. Danach schaffst du eine ebene, feinkrümelige Aussaatfläche.
Wildpflanzensaatgut kommt obenauf: Du säst es auf die Fläche, arbeitest es nicht ein und walzt es an, damit die Samen Bodenkontakt bekommen. Die Margerite ist Lichtkeimer und wird höchstens etwa 0,5 cm tief gesät.
| Margerite in der Wiesensaat | Wert |
|---|---|
| Aussaatzeit | März bis Juli |
| Saattiefe | obenauf, höchstens etwa 0,5 cm |
| Keimverhalten | Lichtkeimer |
| Keimtemperatur | mindestens 15 °C, höchstens 18 bis 20 °C |
| Keimdauer der Margerite | 10 bis 21 Tage |
| Feuchte für die gesamte Wildpflanzenansaat | mindestens 4 bis 5 Wochen durchgehend |
Die Margeritensamen keimen nach 10 bis 21 Tagen. Die gesamte Wildpflanzenansaat braucht aber mindestens 4 bis 5 Wochen durchgehend Feuchtigkeit. Hörst du mit dem Wässern auf, sobald die ersten Margeriten auflaufen, fehlt dem Rest der Ansaat noch Wasser. Gieß dabei morgens mit einem weichen Wasserstrahl.
Die Wiesensaat einharken oder mit Erde abdecken. Wildpflanzensaatgut bleibt obenauf und wird nur angewalzt, die Margerite braucht als Lichtkeimer Licht zum Keimen.
Für die Planung über das Jahr hilft dir der Aussaatkalender für Stauden und Ziergräser zum Ausdrucken. Wie du Margeritensamen vorziehst, direkt ins Beet säst und eigenes Saatgut gewinnst, beschreibt eine eigene Anleitung. Für einzelne Lücken in einer bestehenden Wiese nimmst du kleine Teilstücke einer vorhandenen Margerite und lässt sie zunächst im Topf im FrühbeetEin Frühbeet, auch Frühbeetkasten genannt, ist ein Beetkasten, der die Wachstumsbedingungen für Gemüse verbessert. Darin kannst du früher aussäen und ein bis drei Wochen früher ernten als im offenen Beet. bewurzeln.
Mischsaat: Partner mit ähnlichen Ansprüchen
Eine Wildblumenwiese säst du als Mischung. Pflanzgemeinschaften werden stabiler und pflegeleichter, wenn ihre Arten ähnliche Ansprüche an Boden, Feuchtigkeit, Nährstoffe und Licht haben. Der Feuchtebedarf der Margerite gilt als frisch.
Dazu passt die Wiesen-Glockenblume Campanula patula, die an frischen, meist extensiv genutzten Wiesenstandorten wächst. Glockenblumen kannst du in einer Blumenwiese zugleich gezielt als Nahrungspflanzen für Scherenbienen einsetzen. Die Wiesen-Witwenblume Knautia arvensis mit ihren blauvioletten Blüten wächst auf frischen bis mäßig trockenen Wiesen und HalbtrockenrasenEin Halbtrockenrasen ist eine spezielle Form des Magerrasens auf ungedüngten Standorten. Er bleibt nur durch Mahd oder Beweidung offen, sonst würde dort Wald wachsen, und ist Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten..
- Wurzel- und Samenunkräuter sind entfernt.
- Die Fläche ist eben und feinkrümelig.
- Die Mischung passt zum vorhandenen Boden.
- Die Saat liegt obenauf und ist angewalzt.
- Die Fläche bleibt mindestens 4 bis 5 Wochen durchgehend feucht.
Mähen: Mit dem Termin hältst du die Margeriten
Mit dem Mähtermin entscheidest du, ob die Margeriten Samen bilden können. Die Wiesen-Margerite blüht von Mai bis Oktober, ihre Früchte reifen im September und Oktober. Den Zeitpunkt der Mahd legst du deshalb so fest, dass er die Samenbildung der Wiesenpflanzen berücksichtigt, die du fördern willst.
| Schnitt oder Phase | Zeitraum | gilt für |
|---|---|---|
| erster Schnitt | zwischen Ende Mai und Mitte Juni | nährstoffreiche, grasbetonte Frischwiese |
| zweiter Schnitt | frühestens Anfang bis Mitte September | nährstoffreiche, grasbetonte Frischwiese |
| Blüte der Margerite | Mai bis Oktober | Wiesen-Margerite |
| Fruchtreife der Margerite | September und Oktober | Wiesen-Margerite im weiteren Sinn |
Dieser Schnittrahmen gilt für nährstoffreiche, grasbetonte Frischwiesen. Steht deine Wiese auf magerem Boden, richtest du die Termine nach der Samenbildung der Arten, die du fördern willst.
Der zweite Schnitt fällt frühestens Anfang bis Mitte September, die Früchte der Margerite reifen aber erst im September und Oktober. Mähst du die ganze Fläche auf einmal, nimmst du also einem Teil der Margeriten die Samen, bevor sie reif sind. Lass deshalb jedes Jahr an wechselnder Stelle Altgrasstreifen ungemäht, auf 5 bis 10 % der Wiesenfläche. Solche Streifen können Rückzugsräume und Überwinterungsplätze für Tiere erhalten.
Das Mahdgut lässt du vor dem Abräumen einige Tage auf der Fläche trocknen. In dieser Zeit fallen Samen aus, und Tiere wechseln in die ungemähten Bereiche.
Ich mähe nie die ganze Fläche an einem Tag. Vorher stecke ich zwei Stäbe an die Enden des Streifens, der stehen bleibt. Im nächsten Jahr setze ich die Stäbe an eine andere Stelle.
Ein Blumen-Kräuter-Rasen mit Gänseblümchen ist keine Wiese. Er wird je nach Bedarf drei- bis fünfmal im Jahr gemäht, die Schnitthöhe beträgt dabei mindestens 5 cm. In einer Margeritenwiese richtest du die Mahd dagegen nach der Samenbildung.
Ausbreitung lenken: Selbstaussaat fördern oder bremsen
Damit sich die Margeriten über Samen in der Wiese vermehren, lässt du abgeblühte BlütenständeEin Blütenstand (botanisch: Infloreszenz) ist der Teil einer Pflanze, an dem sich der Spross verzweigt und mehrere Blüten trägt. Je nach Bauweise unterscheidet man zum Beispiel Traube, Ähre, Dolde, Köpfchen und Rispe. bis zum Herbst ausreifen. Fallen die Samen beim Trocknen des Mahdguts aus, landen sie auf der Bodenoberfläche. Für einen Lichtkeimer wie die Margerite ist das die passende Lage, denn er braucht Licht zum Keimen und wird auch bei der Ansaat nicht eingearbeitet.
Für eine gezielte Nachsaat in Lücken sammelst du reife Samen bei trockenem Wetter. Du trocknest sie auf Papier nach und lagerst sie beschriftet, kühl, dunkel und trocken. Die meisten selbst gesammelten Blumen- und Staudensamen bleiben so als Orientierung etwa 3 Jahre keimfähig, eine Garantie für jede Art ist das nicht.
Nehmen die Margeriten an einer Stelle überhand, entfernst du dort verwelkte Blüten rechtzeitig. Bei vielen Stauden lässt sich so unerwünschte SelbstaussaatSelbstaussaat heißt, dass sich eine Pflanze ohne Zutun des Gärtners über ihre Samen verbreitet. Die Sämlinge tauchen dann auch an Stellen auf, an denen niemand sie gepflanzt hat. verhindern. Ich schneide die verblühten Köpfe nur dort ab, wo die Margeriten dicht stehen, und lasse sie anderswo aussamen.
Balance mit anderen Wildblumen halten
Eine artenreiche Pflanzung mit unterschiedlichen Blütezeiten verlängert das Blütenangebot für Insekten. Die Margerite deckt mit ihrer Blüte von Mai bis Oktober einen langen Abschnitt ab, Arten mit anderen Blütezeiten ergänzen sie. Gegenüber den Gräsern hältst du die Balance über den Verzicht auf Stickstoff, weil Stickstoffdüngung die Gräser stärker fördert als die gewünschten Kräuter und Blumen.
Für einen warmen Wiesenrand kombiniert die Saatmischung Wärmeliebender Saum das Echte Leinkraut unter anderem mit Gewöhnlicher Schafgarbe und Wiesensalbei. Echtes Leinkraut breitet sich allerdings durch AusläuferAusläufer sind Triebe, an denen eine Pflanze wie die Erdbeere aufgereihte Jungpflanzen bildet. Diese bewurzeln sich und lassen sich abtrennen, so vermehrt sich die Pflanze vegetativ, also ohne Samen. aus, das behältst du am Rand im Auge.
Vorsicht bei der Staudenlupine Lupinus polyphyllus: Breitet sie sich stark aus, kann sie die Artenvielfalt nährstoffarmer Wiesen beeinträchtigen. Prüfe deshalb vor dem Kauf, ob sie in einer Mischung enthalten ist.
Was die Margeritenwiese Insekten bietet
Die Wiesen-Margerite bietet Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlingen Nahrung. Pollen dient Bienen als Aufbaunahrung, Nektar liefert ihnen Energie. An der Gewöhnlichen Schafgarbe erfasste eine Untersuchung zur Biodiversität im Stadtgrün Fliegen, Schwebfliegen, Schmetterlinge und Wildbienen als Blütenbesucher.
Blüten allein reichen nicht. Wildbienen brauchen je nach Art offene oder spärlich bewachsene Bodenstellen, Hohlräume oder Pflanzenstängel zum Nisten. Ein Teil der dürren Stängel kann ganzjährig stehen bleiben, um Insekten Unterschlupf zu bieten. Lässt du in den Altgrasstreifen dürre Stängel stehen, bekommen stängelnistende Arten also genau das, was sie neben den Blüten brauchen.
Welche Insekten Margeriten anfliegen und wie du deinen ganzen Garten danach ausrichtest, liest du im Ratgeber zu Margeriten als Nahrung für Bienen und Schmetterlinge.
Krankheiten und Schädlinge in der Wiese
In der Wiese kontrollierst du Margeriten auf schwarze Blattläuse und Schnecken. Bei schwachem Blattlausbefall genügt es häufig, die Läuse mit einem Wasserstrahl abzuspritzen. Wie du Margeriten im Beet vor Krankheiten, Schädlingen und Frost schützt, beschreibt die Anleitung zur Kultur.



