Zuckererbsen hydroponisch anbauen: System, Nährlösung, Licht und der Vergleich zum Beet
- In NFT-Rinnen wachsen die Wurzeln an einem Film aus Nährlösung, in der Tiefwasserkultur an einer nährstoffhaltigen Wasserfläche.
- Eine Pumpe hält die Lösung in der Tiefwasserkultur in Bewegung und bringt Sauerstoff hinein.
- Temperatur, Salzgehalt (EC) und Säuregehalt (pH) der Lösung kontrollierst du regelmäßig.
- In einem lichtdichten Behälter bilden sich weniger Algen.
- Zuckererbsen werden 60 bis 100 cm hoch und brauchen auch im System eine standfeste Rankhilfe.
- Erbsen können sich selbst befruchten, fehlende Bienen erklären ausbleibende Hülsen im Zimmer also nicht allgemein.

Du willst Zuckererbsen ziehen, hast aber kein Beet frei. Im hydroponischen System wachsen sie ohne Erde, dafür liegen Nährstoffe, Säuregehalt, Sauerstoff und Temperatur an den Wurzeln ganz bei dir. Ich schaue bei meinen Zuckererbsen im System deshalb zuerst auf die Messwerte der Lösung und erst danach auf die Pflanzen.
Gegenüber dem Beet sparst du dir Bodenvorbereitung und Hacken, und keine Beetfläche muss hinterher für Erbsen pausieren. Dafür kommen Pumpe, Messgeräte und regelmäßiges Kontrollieren dazu, bei zu wenig Licht auch eine Pflanzenleuchte.
So wachsen Zuckererbsen ohne Erde
Hydroponik heißt: Die Wurzeln wachsen nicht in Erde, sondern in einer NährlösungEine Nährlösung ist ein Gemisch aus Wasser und gelöstem Dünger, das Pflanzen ohne Erde mit Nährstoffen wie Stickstoff, Phosphor und Kalium versorgt. Sie gelangt bei erdelosen Verfahren wie der Hydroponik über die Bewässerung an die Wurzeln.. Die Pflanze sitzt in einem Netztopf, dessen Füllung aus Blähton ihr nur Halt gibt. Wasser und Nährstoffe holt sie sich aus der Lösung darunter. Für den Hausgebrauch stelle ich dir zwei Systeme vor: NFT und die Tiefwasserkultur.
Bei NFT, der Nährstofffilm-Technik, sitzen die Pflanzen über Wasserrinnen, und ihre Wurzeln wachsen an einem Film aus Nährlösung. Bei DWC, der Tiefwasserkultur, reichen die Wurzeln in einem Behälter an eine nährstoffhaltige Wasserfläche.
NFT oder Tiefwasserkultur: Welches System passt zu Zuckererbsen?
Bei der Systemwahl denke ich zuerst an das, was über dem Behälter wächst. Zuckererbsen klettern mit ihren Ranken und werden 60 bis 100 cm hoch. Für höhere Sorten spannst du zum Beispiel ein Netz. Das Gefäß muss dafür groß und standfest genug sein, bei Bedarf befestigst du es zusätzlich an der Wand. Die Rankhilfe kommt schon beim Befüllen hinein, also bevor die Pflanzen einziehen.
Tiefwasserkultur: Box, Pumpe und Sauerstoff
In der Tiefwasserkultur steht die Nährlösung in einem Behälter. Eine Pumpe wälzt sie um, mischt sie durch und bringt Sauerstoff hinein. Die Netztöpfe sitzen im Deckel, und die Wurzeln wachsen nach unten in die Lösung. Steht die Pumpe still, kommt kein neuer Sauerstoff mehr in die Lösung. WurzelfäuleBei Wurzelfäule faulen die Wurzeln einer Pflanze und sterben ab, meist weil die Erde ständig nass ist und Sauerstoff fehlt. Oft sind Schadpilze beteiligt, und die Pflanze welkt trotz feuchter Erde. kann bei Kletterpflanzen die Folge anhaltender Staunässe sein, deshalb prüfe ich beim Messen auch, ob die Pumpe läuft.
Ich ziehe meine Zuckererbsen in einer Box, weil ich das Rankgitter dort beim Aufbau gleich mit einsetzen kann. Die Box steht an einer Wand, an der ich das Gitter zusätzlich festmache.
NFT: Rinnen mit Nährstofffilm
Im Rinnensystem planst du für Zuckererbsen ein eigenes, standfestes Rankgerüst über den Rinnen ein, das die Pflanzen bis zu ihrer vollen Höhe trägt. Teilen sie sich die Rinnen mit anderen Arten, lässt du jeder Art so viel Platz, wie sie ausgewachsen braucht, damit die Nachbarn sie nicht bedrängen.
Was du für den Start brauchst
Das liegt bei mir bereit, bevor die ersten Pflanzen einziehen:
- lichtdichter Behälter für die Nährlösung
- Pumpe für Durchmischung und Sauerstoff
- Netztöpfe und Blähton als Halt
- Nährlösung für HydrokulturHydrokultur ist eine Kulturmethode ohne Erde: Die Wurzeln wachsen in einem neutralen Füllsubstrat wie Blähton, und eine Nährlösung aus Wasser und gelösten Nährstoffen versorgt die Pflanze.
- Messgerät für die LeitfähigkeitDie Leitfähigkeit, oft als EC-Wert angegeben, ist ein Messwert für die Menge gelöster Salze, etwa Düngesalze, in Erde oder Wasser. Gemessen wird, wie gut die Probe Strom leitet: Je mehr Salze gelöst sind, desto höher der Wert. (EC), pH-Messgerät und Thermometer
- Netz als Rankhilfe, fest mit dem Aufbau verbunden
- Pflanzenleuchte, falls der Platz zu dunkel ist
- Heft für die Messwerte
Eine durchsichtige Kiste als Behälter für die Nährlösung. In einem lichtdichten Behälter bilden sich weniger Algen, deshalb verkleide ich eine klare Kiste rundum, bevor ich sie befülle.
Ein schwarzer Kunststoffbehälter hält zwar Licht ab, kann sich in der Sonne aber stark erwärmen. Wie bei schwarzen Pflanztöpfen stelle ich ihn dann in einen Übertopf, damit der Wurzelbereich nicht zu warm wird.
Welche Zuckererbsen passen ins System?
Für einen Aufbau im Zimmer suche ich nach niedrigen, standfesten Sorten, weil das Gerüst dann kleiner ausfallen kann.
| Sorte | Eigenschaften |
|---|---|
| Norli | früh reifend, niedrig, standfest; ResistenzResistenz ist bei Pflanzensorten die Fähigkeit, einen bestimmten Schaderreger abzuwehren: Bei einer resistenten Sorte bleibt ein Befall stark begrenzt, und weder Wachstum noch Ertrag leiden auffällig. gegen Fusarium-Welke; wintergeeignet, in geschützter Winterkultur Aussaat von September bis Oktober oder im Januar |
| Ambrosia | standfest; kommt bei etwa 70 cm Wuchshöhe ohne Rankhilfe aus |
| Sweet Horizon | mittelspät; Resistenzen gegen Brennflecken und Echten MehltauMehltau ist die Bezeichnung für Pilzkrankheiten, die einen weißlichen oder grauen Belag auf den Blättern bilden. Man unterscheidet Echten Mehltau, der bei Trockenheit und Hitze auftritt, und Falschen Mehltau, der bei kühlem, feuchtem Wetter auftritt.; neben dem Freiland auch für die Winterernte in geschützter Kultur |
Auch bei Ambrosia spanne ich im System ein Netz dahinter, bis ich sehe, wie die Pflanzen im Blähton stehen.
Anzucht: vom Samen bis in den Netztopf
Ich säe in Anzuchtwürfel, die später samt Wurzeln in den Netztopf wandern. Vorher lege ich die Samen in Wasser. Etwa 12 bis 24 Stunden Vorquellen kann die Keimung von Erbsen beschleunigen.
| Anzucht | Wert |
|---|---|
| Vorquellen (Erbsen und Bohnen) | etwa 12 bis 24 Stunden |
| KeimtemperaturDie Keimtemperatur ist die Temperatur, bei der Samen keimen. Jede Pflanzenart hat dafür ein Minimum, ein Optimum und ein Maximum; unterhalb des Minimums keimt die Saat nicht. min (Zuckererbse) | 12 °C |
| Keimtemperatur max (Zuckererbse) | 18 °C |
| Keimdauer (Zuckererbse) | 7 bis 14 Tage |
Bis die Keimlinge erscheinen, dürfen die Würfel weder abtrocknen noch im Wasser stehen. Danach stelle ich sie sofort hell. Stehen Jungpflanzen zu warm und bekommen zu wenig Licht, wachsen sie bleich, dünn und weich.
Ins System setze ich um, wenn die ersten Wurzeln unten aus dem Würfel schauen. Den Würfel stelle ich in den Netztopf und fülle Blähton drumherum, bis die Pflanze aufrecht steht. Die Wurzelspitzen sollen die Lösung erreichen, der Stängel bleibt darüber.
Im Beet säst du Zuckererbsen von April bis Juni. Im System zählen statt des Beetkalenders die Keimtemperatur und das Licht an deinem Platz. Wann du draußen säen würdest, zeigen dir die Aussaattermine für Erbsen und Bohnen auf einem Blatt zum Ausdrucken.
Nährlösung ansetzen und kontrollieren
Was in die Lösung gehört
Im Beet kommen Erbsen auf den meisten Böden ohne Zusatzdüngung aus. Im erdlosen System fehlt dieser Boden, also kommt jeder Nährstoff aus der Lösung, die du ansetzt. Ich nehme dafür eine vollständige Nährlösung für Hydrokultur und setze sie nach der Anleitung des Konzentrats an. Danach messe ich Leitfähigkeit, pH-Wert und Temperatur und schreibe diese Ausgangswerte auf.
pH-Wert und EC: Säure und Salz messen
Drei Werte behältst du im Kreislauf regelmäßig im Blick: Temperatur, Salzgehalt und Säuregehalt. Den Salzgehalt zeigt die elektrische Leitfähigkeit an, kurz EC. Je mehr Salze gelöst sind, desto höher liegt der Wert. Den Säuregehalt liest du am pH-Wert ab. Welche Bereiche für deine Lösung gelten, steht in der Anleitung der Nährlösung, und daran prüfst du jede Messung.
Weicht der pH-Wert ab, korrigierst du ihn nach der Anleitung deiner Nährlösung. Ist die Leitfähigkeit zu hoch, verdünnst du mit Wasser, ist sie zu niedrig, gibst du Konzentrat nach. Danach lässt du die Pumpe die Lösung durchmischen und misst erneut, bevor du weiter korrigierst. Lässt sich ein Wert so nicht halten, setze ich die Lösung neu an.
Ich schreibe jeden Messwert mit Datum in ein Heft neben der Box. So sehe ich, in welche Richtung sich Salzgehalt und pH-Wert bewegen, und reagiere nicht auf einen einzelnen Ausreißer.
Füllstand und Temperatur ab der Blüte
Sobald sich nach der Blüte die Hülsen bilden, brauchen Erbsen viel mehr Wasser als vorher. In dieser Phase schaue ich öfter nach dem Füllstand und fülle nach, bevor die Wurzeln im Trockenen hängen. Nach dem Auffüllen messe ich neu, weil sich Salzgehalt und pH-Wert dabei verschieben können. Steigt die Temperatur der Lösung, prüfe ich zuerst, ob die Box in der Sonne steht.
Licht, Rankhilfe und Bestäubung drinnen
Zuckererbsen brauchen einen sonnigen Platz. Halbschatten vertragen Erbsen zwar, für Blüten und Früchte ist volle Sonne aber wichtig. Ich stelle das System deshalb an das hellste Fenster, das ich habe. Bleiche, dünne und weiche Triebe können darauf hindeuten, dass Licht fehlt; dann ergänze ich eine Pflanzenleuchte. Leuchte und Abstand stelle ich nach deren Anleitung ein und beobachte, ob die Triebe kräftig und grün nachwachsen.
Junge Triebe befestige ich vorsichtig am Netz und leite sie bei Bedarf weiter.
„Drinnen setzen keine Hülsen an, weil Bienen fehlen.” Erbsen sind in der Lage, sich selbst zu befruchten. Bleiben im Zimmer Hülsen aus, taugen fehlende Bienen deshalb nicht als allgemeine Erklärung.
Krankheiten und Schädlinge im System
Auch ohne Erde können Falscher Mehltau und Grüne Erbsenläuse auftreten; beim Messen drehe ich deshalb einzelne Blätter um und schaue an Blütenstände und junge Triebe. Blähton aus Netztöpfen, in denen eine Pflanze an Wurzelfäule erkrankt oder abgestorben ist, kommt bei mir nicht noch einmal zum Einsatz. Wie du vorbeugst und Befall erkennst, steht im Abschnitt Krankheiten und Schädlinge meines Überblicks zu allen HülsenfrüchtenHülsenfrüchte sind die in einer Hülse reifenden Samen von Schmetterlingsblütlern wie Erbse, Bohne und Linse; die Pflanzen heißen Hülsenfrüchtler oder Leguminosen. Die meisten binden mit Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft., und wie du Zuckererbsen im Freiland bis zum Pflanzenschutz begleitest, beschreibe ich gesondert.
Ernte: jung und wiederholt pflücken
Bei Zuckererbsen isst du die Hülse mit, deshalb pflückst du sie jung und gehst mehrmals durch, solange die Körner darin klein und weich sind. Beim Pflücken halte ich den Trieb mit einer Hand fest, damit ich die Pflanze nicht aus dem Blähton ziehe. Worin sich der Erntezeitpunkt bei Zucker-, Mark- und Palerbsen unterscheidet, zeigt dir der Abschnitt darüber, wann du Erbsen und die anderen Hülsenfrüchte erntest.
Was bringt Hydroponik gegenüber dem Beet?
Im System ändert sich vor allem, wie Wasser und Nährstoffe an die Wurzeln kommen. Was die Pflanze selbst braucht, bleibt gleich: volle Sonne für Blüten und Früchte, mehr Wasser ab der Hülsenbildung, eine Rankhilfe und junge Hülsen, die du wiederholt pflückst.
| Punkt | Beet | Hydroponisches System |
|---|---|---|
| Wasser | Ein humoser, gut strukturierter Boden hält mehr Wasser; wann du gießt, zeigt der Griff in die Erde | Die Wurzeln hängen in der Nährlösung; du hältst den Füllstand |
| Nährstoffe | Auf den meisten Böden keine Zusatzdüngung | Jeder Nährstoff kommt aus der Lösung, die du ansetzt |
| Kontrolle | Blick auf Boden und Pflanzen | Temperatur, Salzgehalt und Säuregehalt regelmäßig messen |
| Unkraut | Unkraut entfernen und hacken gehört zur Pflege | Ohne Beetboden entfällt das Hacken |
| Fruchtfolge | 5 Jahre Pause für Zuckererbsen auf derselben Fläche | Keine Beetfläche; Blähton aus Töpfen mit an Wurzelfäule erkrankten Pflanzen nicht wiederverwenden |
| Technik und Kosten | Werkzeug und Saatgut | Behälter, Pumpe, Messgeräte, Nährlösung, Strom, bei Bedarf eine Pflanzenleuchte |
Ertrag: Bedingungen statt Prozentzahl
Der Ertrag hängt im System an Sorte, Licht und der Pflege der Lösung, und alle drei legst du selbst fest. Wenn die Hülsen wachsen, brauchen die Pflanzen viel mehr Wasser, und im System schöpfen sie nur aus deinem Behälter. Weil Kletterpflanzen ohnehin ein ausreichend großes Gefäß brauchen, planst du den Behälter für die Phase, in der die Hülsen wachsen, nicht für die Anzucht.
Der Aufwand verschiebt sich: Statt zu hacken und zu gießen misst du, füllst nach und hältst Pumpe und Behälter sauber. Dazu kommen die Anschaffung, Strom für die Pumpe und laufend Nährlösung.
Zeit und Saison
Im Beet erntest du Zuckererbsen von Juni bis September. Ihre Kulturdauer liegt bei 77 bis 91 Tagen. Für frühe Aussaaten wartest du draußen, bis der Boden abgetrocknet und etwas erwärmt ist. Im System fällt dieses Warten auf den Boden weg, an Licht und Wärme deines Platzes bleibst du aber gebunden.
Nachsaaten verlängern die Erbsenernte nur bedingt; staffeln lässt sie sich über Sorten verschiedener Reifegruppen. Ich kombiniere dafür eine früh reifende Sorte wie Norli mit einer mittelspäten wie Sweet Horizon. Geht es dir vor allem um eine frühere Ernte, ist geschützter Anbau ohne Pumpe und Nährlösung eine Alternative: wie du Zuckererbsen im Frühbeet früher erntest.
Wenn du beim Beet bleibst
Bleibst du beim Beet, beginnt alles mit dem Boden. Für Zuckererbsen suchst du tiefgründigen, humosen Boden, der Wasser gut abziehen lässt; schwere, nasse Stellen mit Staunässe meidest du. Ausführlich beschrieben habe ich, wie du Standort, Boden und Saatbett für Zuckererbsen vorbereitest. Im Beet kannst du Erbsen mit Salat, Kohlrabi, Möhren oder Dill kombinieren; weitere Nachbarn prüfst du im Planer für passende Mischkulturen.





