Blattkohl: Welche Formen es gibt, wie du sie anbaust und in der Küche nutzt
- Blattkohl umfasst Kohlformen ohne festen Kopf, darunter Grünkohl und Palmkohl.
- Palmkohl liefert Blätter vom Sommer bis zum Spätherbst, Grünkohl je nach Sorte von Oktober bis März.
- Grünkohl säst du von Mai bis Juli, Palmkohl lässt sich ab März warm vorziehen.
- Bei der ersten Grünkohlernte bleiben mindestens die 5 bis 6 jüngsten Blätter am Strunk.
- Kälte lässt bei vielen Grünkohlsorten den Zuckergehalt steigen, Frost braucht es dafür nicht.
- Zum Einfrieren blanchierst du Grünkohl vorher 3 Minuten.

Bei Blattkohl erntest du keinen Kopf, sondern einzelne Blätter, und die Pflanze wächst weiter. Ich pflücke Grünkohl und Palmkohl deshalb nach Bedarf, direkt bevor ich koche. Palmkohl liefert Blätter vom Sommer bis zum Spätherbst, Grünkohl je nach Sorte von Oktober bis März. Wer beide anbaut, kann also im Sommer mit der Blatternte beginnen und je nach Grünkohlsorte bis in den März weiterernten.
Was ist Blattkohl?
Blattkohl ist ein Sammelbegriff für Formen des Gemüsekohls Brassica oleracea, die keinen typischen festen Kopf bilden. Zum essbaren Blattkohl gehören verschiedene kopflose Formen, darunter Grünkohl und Palmkohl. Dazu kommen zwei Verwandte, die dir beim Blattkohl begegnen: Kohlröschen sind eine Kreuzung aus Grünkohl und Rosenkohl. Bremer Scheerkohl ist ein Schnittkohl, der botanisch zum Raps gehört.
Weißkohl, Rotkohl, Spitzkohl und Wirsing bilden geschlossene Köpfe aus Blättern. Blattkohl bleibt kopflos: Du nimmst die Blätter nach und nach ab, während die Herzblätter stehen bleiben.
Welche Blattkohlsorten gibt es?
Die Formen unterscheiden sich darin, was du erntest, wann du erntest und wofür du sie nutzt. Einzelne Sorten mit ihren Eigenschaften stelle ich dir in meinem Vergleich der Blattkohlsorten nebeneinander.
| Form | Was du erntest | Saison | Nutzung |
|---|---|---|---|
| Grünkohl | einzelne Blätter, das Herz bleibt stehen | je nach Sorte Oktober bis März | roh oder gegart, etwa als Salat oder in Suppen |
| Palmkohl, etwa ‘Nero di Toscana’ | Blätter von außen und unten | Sommer bis Spätherbst | milder als Grünkohl, etwa in Suppen |
| Kohlröschen | lockere RosettenRosetten sind Blattanordnungen, bei denen die Blätter dicht gedrängt stehen und scheinbar alle an derselben Stelle entspringen, weil die Sprossachse, also der Stängel, stark gestaucht ist. Ein bekanntes Beispiel ist die Dachwurz. aus den BlattachselnDie Blattachsel ist der Winkel zwischen Blattstiel und Zweig oder Stängel, also die Stelle, an der ein Blatt am Spross ansetzt. Aus ihr wachsen häufig Seitentriebe, bei Tomaten etwa die Geiztriebe. | je nach Sorte ungefähr September bis Februar | kurz in der Pfanne angebraten |
| Zierkohl | farbige, gekrauste Blattrosetten | volle Blattfärbung September bis November | Schmuck in Beet und Gefäß, Schnittsorten für die Vase |
| Bremer Scheerkohl | nachwachsende Blätter per Schnitt | erster Schnitt etwa 5 bis 7 Wochen nach der Aussaat | ähnlich wie Spinat, in gemischten Salaten |
Grünkohl: der Blattkohl für den Winter
Grünkohl erntest du je nach Sorte von Oktober bis März. Für winterlichen Grünkohl gelten etwa −10 °C als grober Richtwert der Frosttoleranz. Wie viel Kälte eine Pflanze tatsächlich verträgt, hängt von Sorte, Pflanzenzustand, Standort und Witterung ab. In rauen Lagen kann Vlies den Grünkohl vor Kahlfrost und eisigem Wind schützen. Für ein Hochbeet erleichtern niedrige Formen die Planung, weil sie nur ungefähr 25 bis 30 cm hoch werden. Die Sorte Westlandse Winter wächst kompakt und eignet sich für die Ernte im Herbst und Winter.
Palmkohl: mild und schon im Sommer
Palmkohl, etwa die Sorte ‘Nero di Toscana’, schmeckt milder als Grünkohl und liefert seine Blätter vom Sommer bis zum Spätherbst. Weil ‘Nero di Toscana’ nur bedingt frosthart ist, plane ich für die Ernte im Winter Grünkohl ein. Palmkohl wächst auch im Kübel, dort braucht er durchlässige, nährstoffreiche Erde. Wie Grün- und Palmkohl auf Balkon und Terrasse gedeihen, liest du in meiner Anleitung für Blattkohl im Topf.
Kohlröschen: Rosetten aus den Blattachseln
Kohlröschen sind eine Kreuzung aus Grünkohl und Rosenkohl. Geerntet werden die lockeren Blattrosetten, die sich in den Blattachseln bilden, je nach Sorte ungefähr von September bis Februar. Die WinterhärteWinterhärte, auch Frosthärte genannt, beschreibt, wie viel Frost eine Pflanze verträgt. Winterharte Arten überstehen den Winter im Freien, empfindliche musst du vor dem Frost ernten oder schützen. hängt an der Sorte: Snowdrop F1 gilt als ausgeprägt winterhart, Autumn Star F1 als nicht winterhart und liefert im Herbst. Als Richtwert werden Kohlröschen etwa 80 bis 100 cm hoch.
Zierkohl: Schmuck für Beet und Vase
Zierkohl wird vor allem wegen seiner farbigen, gekrausten Blattrosetten gezogen, im Beet ebenso wie im Gefäß. Seine volle Blattfärbung entwickelt er von September bis November. Kopfförmige Sorten erreichen etwa 20 cm Höhe. Schnittsorten werden bis etwa 60 cm hoch und eignen sich für die Vase. Für die Küche nehme ich Sorten, die ausdrücklich als essbarer Blattkohl geführt werden, etwa Emerald Ice. Diese Sorte wird von Mai bis Juli vorgezogen, von Oktober bis Februar geerntet und braucht humosen, kalkhaltigen und nährstoffreichen Boden.
Bremer Scheerkohl: Schnittkohl aus der Rapsverwandtschaft
Bremer Scheerkohl ist ein schnellwachsender Schnittkohl und botanisch eine Kulturform des Rapses, Brassica napus. Gesät wird im März und April oder im September für eine Winterernte. Etwa fünf bis sieben Wochen nach der Aussaat ist er erstmals schnittreif. Damit er wieder austreibt, schneidest du so, dass der Vegetationskegel unverletzt bleibt. Auf Staunässe und verdichteten Boden reagiert er empfindlich. Weil Scheerkohl zum Raps gehört und Raps bei der Kohl-Anbaupause mitzählt, planst du ihn in der Fruchtfolge wie jeden anderen Kohl ein.
Wie baue ich Blattkohl an?
Für Blattkohl gelten die Grundregeln aller Kohlarten, nachzulesen unter Standort, Aussaat, Pflege und Ernte im Kohl-Ratgeber. Welche Arbeit wann ansteht, zeigt dir der Blattkohl-Kalender durchs Gartenjahr. In einer eigenen Anleitung beschreibe ich, wie du Blattkohl von der Saat bis zur Ernte ziehst.
Standort und Boden
Grünkohl steht gern sonnig, kommt aber auch mit Schatten zurecht, und Palmkohl eignet sich für sonnige bis halbschattige Plätze. Der Boden sollte nährstoffreich und tiefgründig sein, Wasser gut halten und für Grünkohl einen pH-Wert von 6,8 bis 7,5 haben. Wie du das Beet dafür herrichtest, erkläre ich in der Anleitung, wie du den Boden für Blattkohl vorbereitest.
Aussaat und Pflanzung
Grünkohl säst du von Mai bis Juli, Palmkohl lässt sich ab März warm vorziehenVorziehen heißt, Samen im Haus, im Gewächshaus oder im Frühbeet auszusäen und dort zu Jungpflanzen heranzuziehen. Später pflanzt du sie ins Beet oder in den Kübel aus. und im Mai und Juni auch direkt ins Freiland säen. Im Beet plane ich für Grünkohl je nach Sorte ein PflanzrasterDas Pflanzraster ist das Abstandsmuster, nach dem du Pflanzen auf ein Beet setzt. Es besteht aus zwei Maßen: dem Abstand zwischen den Reihen (Reihenabstand) und dem Abstand der Pflanzen innerhalb einer Reihe. von 40 × 40 bis 40 × 60 cm ein. Die Saattermine aller Kohlarten stehen im druckbaren Aussaatkalender für Kohl, und wie Blattkohlsamen zuverlässig keimen, erkläre ich dir gesondert.
Pflege, Gießen und Düngen
Vor dem Pflanzen arbeitest du reifen Kompost ein, während der Kultur düngst du Grünkohl regelmäßig nach. Von Anfang August bis Mitte September achte ich bei Grünkohl besonders auf die Bodenfeuchte, weil Wassermangel die Blätter vergilben lassen kann. Das KulturschutznetzEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen. gegen zufliegende Kohlschädlinge kommt bei mir gleich nach dem Pflanzen über die Reihe, und die Ränder bleiben bis zur Ernte dicht geschlossen.
Ernte
Palmkohl erntest du Blatt für Blatt von außen und unten, die Herzblätter bleiben für das weitere Wachstum stehen. Bei der ersten Grünkohlernte lässt du mindestens die 5 bis 6 jüngsten Blätter am Strunk. Die Erntezeiten der übrigen Kohlarten findest du im Kohl-Ratgeber unter Ernte und Lagerung.
Häufige Fehler vermeiden
Drei Punkte prüfe ich bei Blattkohl in jeder Saison: die Bodenfeuchte im Spätsommer, ob das Netz rundum dicht schließt und ob auf dem Beet in den letzten Jahren schon Kohl stand. Welche Anfängerfehler sonst noch vorkommen und wie du sie vermeidest, liest du bei den typischen Fehlern im Blattkohlanbau.
Wo passt Blattkohl ins Beet?
Als mögliche Mischkulturpartner für Grünkohl gelten unter anderem Salat, Spinat, Sellerie, Tomaten, Stangenbohnen und Erbsen. Ob sich Nachbarn gegenseitig helfen, lässt sich schwer nachweisen, und die Wirkung hängt von Standort, Licht, Boden und Pflege ab. Plane in jedem Fall so, dass jede Art bis zur Ernte genug Platz für ihre endgültige Größe behält und Kohl nicht direkt neben anderen KreuzblütlernKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen. steht. Passende Nachbarn prüfst du im Mischkultur-Planer für dein Beet.
Bei der Fruchtfolge zählen auch Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Pak Choi zu den Kreuzblütlern, ebenso die Gründüngungen Senf, Ölrettich und Raps. Vorbeugend baust du Kreuzblütler nur alle 3 bis 5 Jahre wieder am selben Platz an. Als Gründüngung vor Kohl eignen sich Phacelia oder Buchweizen, und Kohl kann in der Fruchtfolge auf Kartoffeln oder Tomaten folgen. Damit du die Pause über die Jahre im Blick behältst, trägst du deine Beete in den Beetplaner für die Fruchtfolge ein.
Wie verwende ich Blattkohl in der Küche?
In der Küche unterscheiden sich die Formen im Geschmack und darin, wie zart ihre Blätter sind.
Grünkohl roh und gegart
Grünkohl kannst du roh essen oder garen, junge Blätter eignen sich für beides. Ältere Blätter können zäh werden. Roh kommt er als Salat auf den Teller, gegart zum Beispiel in Suppen. Damit möglichst viele Inhaltsstoffe erhalten bleiben, garst du ihn schonend: kurz und mit wenig Flüssigkeit gedünstet oder gedämpft.
Für Grünkohlsalat entfernst du Strunk und äußere Blätter. Die inneren Blätter wäschst du und schneidest sie in Streifen. Alternativ blanchierst du die Blätter kurz und mischst sie zerkleinert unter.
Nach dem Pflücken sortiere ich gleich am Beet: Die jungen Blätter kommen in die Salatschüssel, die älteren in den Suppentopf.
Palmkohl, Kohlröschen und Scheerkohl
Palmkohl ist milder als Grünkohl und passt zum Beispiel gut in Suppen. Für Kohlröschen wird kurzes Anbraten in der Pfanne empfohlen, weil es die Nährstoffe schont. Bremer Scheerkohl verwendest du ähnlich wie Spinat oder in gemischten Salaten. In einem frostfreien Folienhausversuch war Scheerkohl aus der Winterkultur allerdings zu ledrig, um ihn frisch oder roh zu essen.
Schmeckt Grünkohl erst nach Frost?
Nein. Bei vielen Grünkohlsorten lassen schon niedrige Temperaturen den Zuckergehalt steigen, und der Geschmack wird milder.
„Grünkohl darf erst nach dem ersten Frost geerntet werden.“ Für den milderen Geschmack genügt Kälte, Frost ist keine Voraussetzung. Bei Kohlröschen gilt dasselbe: Entscheidend sind niedrige Temperaturen, solange die Pflanzen noch aktiv wachsen.
Blattkohl frisch halten und einfrieren
In ein feuchtes Tuch gewickelt hält frischer Grünkohl im Kühlschrank 4 bis 5 Tage. Länger als 7 Tage solltest du ihn dort nicht aufbewahren. Für den Vorrat blanchiereBlanchieren heißt, gewaschenes und klein geschnittenes Gemüse für wenige Minuten in sprudelnd kochendes Wasser zu geben und sofort in Eiswasser abzukühlen. So bereitest du die meisten Gemüsesorten auf das Einfrieren vor. ich Grünkohl 3 Minuten und friere ihn danach ein.
Selbst hergestellte Gemüsekonserven können Botulismus verursachen, wenn sie nicht ausreichend erhitzt wurden. Überlebende Sporen können unter Luftabschluss auskeimen und Giftstoffe bilden.
Welche Nährwerte hat Grünkohl?
So viel steckt in 100 g Grünkohl, die Rohwerte beziehen sich auf den essbaren Anteil:
| Grünkohl, je 100 g | Wert |
|---|---|
| Energie, roh | 53 kcal, in einer zweiten Nährwerttabelle 37 kcal |
| Vitamin C, roh | 156,009 mg, in einer zweiten Nährwerttabelle 105 mg |
| Gesamtballaststoffe, roh | 8,39 g |
| Calcium, gegart | 179 mg |
Zwei Nährwerttabellen nennen für rohen Grünkohl unterschiedliche Werte. Das passt dazu, dass Nährstoffgehalte unter anderem von Sorte, Klima, Wetter, Boden und Erntezeitpunkt abhängen. Nimm die Zahlen deshalb als Richtwerte und nicht als festen Gehalt deiner eigenen Ernte.
Kohlröschen werden mit 45 kcal je 100 g als kalorienarmes Gemüse beschrieben. Sie enthalten Eisen, Calcium, Beta-Carotin sowie die Vitamine C, K und B6.
„Blattkohl ist ein Superfood.“ Der Begriff stammt aus dem Marketing und beweist keinen gesundheitlichen Vorteil gegenüber abwechslungsreich gegessenem Gemüse und Obst. Blattkohl ist ein Lebensmittel und kein Heilmittel.



