Blattkohl anbauen: in 7 Schritten von der Aussaat bis zur Blatternte
- Grünkohl säst du je nach gewünschter Ernte von Ende Mai bis Ende Juli, am besten in der Saatschale zur Vorkultur.
- Die Samen kommen 0,5 bis 2 cm tief in Aussaaterde und keimen je nach Sorte bei 14 bis 20 °C.
- Ausgepflanzt wird von Anfang Juni bis Anfang August, mit 40 bis 50 cm in der Reihe und 50 bis 60 cm zwischen den Reihen.
- Ein Kulturschutznetz mit 0,6 bis 0,8 mm Maschenweite kommt direkt nach dem Pflanzen auf und bleibt bis zur Ernte geschlossen.
- Geerntet wird Blatt für Blatt von außen und unten, die jungen Herzblätter bleiben stehen.
- Bei vielen Grünkohlsorten steigt durch Kälte der Zuckergehalt, Frost braucht es dafür nicht.

Mit Blattkohl hast du im Winter frische Blätter aus dem eigenen Beet, wenn du rechtzeitig säst. Grünkohl säst du je nach gewünschter Ernte von Ende Mai bis Ende Juli. Seine Blätter erntest du dann je nach Sorte von Oktober bis März. Ich plane Blattkohl deshalb vom Erntefenster aus rückwärts: erst die Sorte, dann den Saattermin, dann den Platz im Beet.
Als Blattkohl bezeichne ich hier Kohl, von dem du nach und nach einzelne Blätter pflückst, statt einen Kopf zu schneiden. Im Garten sind das vor allem Grünkohl und Palmkohl. Grünkohl eignet sich gut für den Gartenanbau, Palmkohl wächst auch im Kübel. Die sieben Schritte unten führen dich von der Saatschale bis zum ersten gepflückten Blatt.
Blattkohl auf einen Blick: die Werte für Grünkohl
Die Tabelle bündelt die Werte für Grünkohl von der Aussaat bis zur Ernte. Wie du sie umsetzt, steht in den sieben Schritten darunter.
| Arbeitsschritt | Wert für Grünkohl |
|---|---|
| Aussaat | Ende Mai bis Ende Juli, je nach gewünschter Ernte |
| Saattiefe | 0,5 bis 2 cm |
| Keimtemperatur | 14 bis 20 °C, je nach Sorte |
| Keimdauer | 6 bis 14 Tage, je nach Sorte |
| Anzucht bis zur Pflanzung | etwa 3 bis 4 Wochen |
| Pflanzreife | höchstens 4 Laubblätter |
| Pflanzung für Herbst- und Winterernte | Anfang Juni bis Anfang August |
| Abstand | 40 bis 50 cm in der Reihe, 50 bis 60 cm zwischen den Reihen |
| Ernte | je nach Sorte Oktober bis März |
Palmkohl ‘Nero di Toscana’ säst du 1 cm tief. Bei 16 °C keimt er innerhalb von 8 bis 12 Tagen. VorziehenVorziehen heißt, Samen im Haus, im Gewächshaus oder im Frühbeet auszusäen und dort zu Jungpflanzen heranzuziehen. Später pflanzt du sie ins Beet oder in den Kübel aus. kannst du ihn ab März im Warmen, direkt ins Freiland säst du ihn im Mai und Juni. Seine Blätter erntest du vom Sommer bis zum Spätherbst.
Neben Grünkohl und Palmkohl gibt es weitere Blattkohlformen. Welche Sorten es gibt und wie du sie in der Küche verwendest, zeigt der Beitrag über Blattkohlsorten von Anbau bis Küche. Wie sich die einzelnen Sorten voneinander unterscheiden, vergleicht der Überblick über die Blattkohlsorten.
Schritt 1: Erntefenster wählen und Anbauweg festlegen
Leg zuerst fest, wann du ernten willst, denn danach richten sich Sorte und Saattermin. Für die Ernte im Herbst und Winter passt Grünkohl. Palmkohl liefert seine Blätter schon ab dem Sommer bis in den Spätherbst.
Für Grünkohl empfehle ich die Vorkultur in der Saatschale. Er kommt erst von Anfang Juni bis Anfang August ins Beet. Ziehst du ihn vor, kann die Fläche bis dahin noch eine erste Kultur tragen. Auch Jungpflanzen, die noch im Topf stehen, kannst du mit einem feinen KulturschutznetzEin Kulturschutznetz, auch Gemüsefliegennetz genannt, ist ein engmaschiges Kunststoffnetz, das du locker über Gemüsebeete legst. Es hält Gemüsefliegen wie Möhren-, Kohl- und Zwiebelfliege von den Pflanzen fern, außerdem Vögel und Kaninchen. vor zufliegenden Kohlschädlingen schützen.
Alle Saattermine der Kohlarten stehen im Kohl-Aussaatkalender zum Ausdrucken auf einer Seite. Welche Arbeiten beim Blattkohl in welcher Jahreszeit anstehen, ordnet der Arbeitskalender für Blattkohl durchs Gartenjahr. Wenn du ein Gewächshaus hast, lies vorher nach, was Blattkohl unter Glas vom Anbau im Freiland unterscheidet.
Schritt 2: In der Saatschale aussäen
Füll Aussaaterde in eine Saatschale mit Wasserabzug. Leg die Grünkohlsamen 0,5 bis 2 cm tief und halte die Erde gleichmäßig feucht, aber ohne Staunässe. Je nach Sorte keimt Grünkohl bei 14 bis 20 °C. Die Keimdauer liegt bei 6 bis 14 Tagen.
Ich decke die Schale nach dem Säen ab und nehme die Abdeckung weg, sobald sich die ersten Keimlinge zeigen. Wenn die Saat nicht aufläuft oder die Keimlinge schwächeln, hilft dir die ausführliche Anleitung zum Keimen von Blattkohlsamen bei der Fehlersuche.
Beschrifte jede Schale mit Sorte und Saattag. So weißt du beim Pikieren und Pflanzen, welcher Satz für welches Erntefenster gedacht ist.
Schritt 3: Pikieren, hell stellen, abhärten
In der Schale vorgezogenen Grünkohl kannst du schon im Keimblattstadium pikieren. Löse die Sämlinge vorsichtig, setz sie mit ungebogenen Wurzeln in eigene Töpfe, drück sie an und gieß sie an.
Pikieren heißt, dicht stehende Sämlinge zu vereinzelnVereinzeln heißt, zu dicht aufgegangene Sämlinge in der Saatreihe auszudünnen, damit die übrigen Pflanzen genug Platz, Wasser und Nährstoffe haben. Manchmal ist auch das Pikieren gemeint, also das Umsetzen junger Sämlinge in einzelne Töpfe. und jeden in einen eigenen Topf zu setzen. Im Keimblattstadium sind nur die KeimblätterKeimblätter sind die ersten Blätter einer keimenden Pflanze und gehören schon zum Embryo im Samen. Sie ernähren den Keimling, bis die ersten Laubblätter seine Versorgung übernehmen. entfaltet, echte Laubblätter wachsen noch nicht.
Stell die Jungpflanzen danach heller und kühler, denn wenig Licht bei hoher Temperatur lässt lange, weiche Triebe wachsen. Gieß während der gesamten Anzucht gleichmäßig.
Vor dem Auspflanzen stellst du die Jungpflanzen mehrere Tage tagsüber ins Freie. Such ihnen zuerst einen windgeschützten, schattigen Platz und gewöhn sie allmählich an direkte Sonne. Ich hole die Töpfe in dieser Zeit abends wieder herein.
Schritt 4: Das Beet vorbereiten
Stell Blattkohl möglichst sonnig; Halbschatten verträgt Kohl ebenfalls, und Palmkohl eignet sich für sonnige bis halbschattige Plätze. Grünkohl mag nährstoffreichen, tiefgründigen Boden, der Wasser gut hält. Wie du Boden, pH-Wert und Staunässe prüfst, erklärt der Abschnitt über Standort und Boden im Kohl-Ratgeber.
Vor dem Auspflanzen arbeitest du reifen Kompost ins Beet ein.
Plane für Grünkohl eine Anbaupause von 4 Jahren ein und zähl verwandte KreuzblütlerKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen. wie Radieschen, Rettich oder Senf dabei mit. Den Wechsel behältst du im Beetplaner für die Fruchtfolge im Blick, Nachbarn für das Kohlbeet findest du im Mischkultur-Planer. Gute Nachbarn können unterstützen, garantieren aber nichts; mehr dazu steht im Kohl-Ratgeber unter Fruchtfolge und Mischkultur.
Schritt 5: Auspflanzen und sofort das Netz auflegen
Gepflanzt wird Grünkohl für die Herbst- und Winterernte von Anfang Juni bis Anfang August. Pflanz die Jungpflanzen aus, solange sie höchstens 4 Laubblätter tragen. Setz sie mit 40 bis 50 cm Abstand in der Reihe. Zwischen den Reihen lässt du 50 bis 60 cm frei. Drück die Erde rund um den Ballen fest und gieß gründlich an.
Auf dem Hochbeet planst du leichter mit niedrigen Grünkohlformen, die ungefähr 25 bis 30 cm hoch werden. Was dort sonst anders läuft, liest du im Beitrag darüber, worauf es bei Blattkohl im Hochbeet ankommt.
Gegen KohlerdflöheErdflöhe sind winzige, sprungstarke Blattkäfer, die Blätter von Kohlgewächsen wie Radieschen, Rucola und Kohl siebartig durchlöchern. Am häufigsten sind Kohlerdflöhe, kleine Käfer mit gelben Streifen an der Seite. lege ich noch am Pflanztag ein Kulturschutznetz mit 0,6 bis 0,8 mm Maschenweite auf und halte es bis zur Ernte an den Rändern dicht geschlossen. Die neue Generation der Kohlerdflöhe erscheint ab Juli, also mitten in der Pflanzzeit des Grünkohls. Wie du Erdflöhe, Kohlfliegen und Raupen im Blick behältst, erklärt der Kohl-Ratgeber im Abschnitt Schädlinge und Pflanzenschutz.
Das gehe ich vor dem Pflanzen durch.
- Die Jungpflanzen sind abgehärtet.
- Sie tragen höchstens 4 Laubblätter.
- Reifer Kompost ist ins Beet eingearbeitet.
- Die Abstände in der Reihe und zwischen den Reihen sind markiert.
- Das Netz liegt bereit, samt Material zum Beschweren der Ränder.
Schritt 6: Durch Sommer und Herbst begleiten
Gieß Grünkohl vor allem von Anfang August bis Mitte September aufmerksam, denn Wassermangel kann seine Blätter vergilben lassen. Wie du nach Bedarf und direkt an die Wurzel gießt, erklärt der Kohl-Ratgeber im Abschnitt Gießen.
Auf ungemulchten Beeten hackst du regelmäßig flach, sodass BeikräuterBeikraut nennt man jede Pflanze, die zwischen den angebauten Kulturpflanzen mitwächst, egal ob wild oder domestiziert, nützlich oder schädlich. Das Wort ist neutral gemeint, während „Unkraut“ eine persönliche Wertung ausdrückt. klein bleiben und weniger Wasser verdunstet. Als Mulch eignet sich angetrockneter Rasenschnitt: Bring nur so viel aus, dass der Boden gerade bedeckt ist, und ergänze lieber öfter. Beim Hacken prüfe ich gleich mit, ob das Netz rundum dicht anliegt.
Während der Kultur düngst du Grünkohl regelmäßig nach. Welche Mengen je Kohlart passen, steht im Kohl-Ratgeber unter Düngen.
Bei der KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. sitzt der Befall an den Wurzeln, und feuchte bis staunasse Böden begünstigen die Infektion. Befallene Pflanzen holst du samt Wurzeln aus dem Beet; sie gehören in den Restmüll, nicht auf den Kompost. Weitere Krankheiten wie den Falschen Mehltau ordnet der Kohl-Ratgeber im Abschnitt Krankheiten ein.
Schritt 7: Blatt für Blatt ernten
Palmkohl pflückst du blattweise von außen und unten, die Herzblätter bleiben für das weitere Wachstum stehen. Grünkohl erntest du nach demselben Prinzip. Bei der ersten Ernte lässt du dort mindestens die 5 bis 6 jüngsten Blätter am Strunk.
Vor der ersten Grünkohlernte zähle ich die jungen Blätter oben am Strunk ab. Gepflückt wird erst darunter, immer die äußeren, unteren Blätter zuerst.
Bei vielen Grünkohlsorten steigt der Zuckergehalt schon durch niedrige Temperaturen, dafür muss es nicht frieren. Als grober Richtwert verträgt Grünkohl etwa −10 °C, abhängig von Sorte, Pflanzenzustand, Standort und Witterung, während Palmkohl nur bedingt frosthart ist. Mehr zu Frost und Winterformen steht im Kohl-Ratgeber im Abschnitt Sorten und Jahreszeiten.
Frisch gepflückter Grünkohl hält sich im feuchten Tuch im Kühlschrank 4 bis 5 Tage. Zum Einfrieren blanchierst du die Blätter vorher 3 Minuten. Wie lange andere Kohlarten halten, zeigt der Kohl-Ratgeber unter Ernte und Lagerung.
Was in den Blättern steckt, liest du im Beitrag über die Nährstoffe im Blattkohl.



