Schädlinge am Brokkoli erkennen und bekämpfen: Herz, Kopf und Jungpflanzen schützen
- Am Herz des Brokkolis schadet die Kohldrehherzmücke: verdrehte, verkorkte Herzblätter und missgebildete Köpfe
- Raupenkot und Schneckenfraß an den Kopfknospen mindern die Erntequalität direkt
- Auf die Kohldrehherzmücke kontrollierst du, bis der Blumenansatz deutlich sichtbar ist
- Befallene Pflanzen nach der letzten Ernte rasch abräumen, weil sich die Larven an Seitentrieben vermehren können
- Der frühe Satz ab Ende März trifft auf überwinterte Erdflöhe und die erste Kohlfliegengeneration
- Das Netz kann bei Brokkoli Hitzestau und bei Nässe Kopffäule begünstigen, also bei Hitze und Nässe darunter nachsehen

Beim Brokkoli erntest du die Blütenknospen, und genau dort mindern Raupenkot und Schneckenfraß die Qualität unmittelbar. Die Kohldrehherzmücke setzt noch früher an, denn ihre Larven können Herzlosigkeit und missgebildete Köpfe verursachen. Ich schaue bei meinem Brokkoli deshalb zuerst ins Herz und auf den Kopfansatz, erst danach auf die großen Blätter.
Welche Schädlinge befallen Brokkoli?
Am Brokkoli treten die bekannten Kohlschädlinge auf, dazu die Kohldrehherzmücke mit ihrem Schaden am Herz. Die Tabelle zeigt, woran du die einzelnen Schädlinge erkennst und welchen Teil der Pflanze sie treffen.
| Schädling | Woran du ihn erkennst | Was am Brokkoli leidet |
|---|---|---|
| Kohldrehherzmücke | verdrehte, verkorkte Herzblätter | Herz und Kopf: Herzlosigkeit, missgebildete und innen schorfige Köpfe |
| Großer Kohlweißling | gelbschwarze Raupen bis 4 cm, Lochfraß bis auf die Blattrippen | Blätter, dazu Raupenkot an den Kopfknospen |
| Kleiner Kohlweißling | grüne, samtartig behaarte Raupen bis 3 cm | Blätter, dazu Raupenkot an den Kopfknospen |
| Kohlmotte | grünlich-graue Raupen bis 1 cm, erst Minen, später Loch- oder Fensterfraß | Blätter, feines weißes Gespinst oft an den Herzblättern |
| Kohleule | grüne bis braune Raupen bis 4 cm | Blätter mit Fraßlöchern und Kotkrümeln |
| KohlfliegeDie Kohlfliege (Kleine Kohlfliege) ist ein Schädling an Kohl, Rettich und Radieschen. Ihre weißlichen Maden sitzen im Wurzelbereich junger Kohlpflanzen, die dann welken; in Rettich und Radieschen verursachen sie Fraßgänge. | weißliche Maden bis etwa 1 cm im Wurzelbereich | Wurzeln: Welke, junge Pflanzen können absterben |
| KohlerdflöheErdflöhe sind winzige, sprungstarke Blattkäfer, die Blätter von Kohlgewächsen wie Radieschen, Rucola und Kohl siebartig durchlöchern. Am häufigsten sind Kohlerdflöhe, kleine Käfer mit gelben Streifen an der Seite. | springende Käfer von 2,5 bis 3 mm, viele kleine Löcher in den Blättern | Keimlinge und frisch gepflanzte Jungpflanzen |
| Mehlige Kohlblattlaus | blaugraue, wachsbepuderte Kolonien unter den Blättern | Blätter rollen sich ein |
| Kohlmottenschildlaus | sitzt unter den Blättern und fliegt bei Berührung auf | Blätter mit klebrigem HonigtauHonigtau ist die zuckerhaltige Ausscheidung von Blattläusen, die die Blätter verklebt. Auf ihm können sich schwarze Rußtaupilze ansiedeln, außerdem fressen Ameisen ihn. und schwarzem Rußtau |
| Schnecken | silbrige Schleimspuren | Fraß an Blättern und Kopfknospen |
Ausführliche Steckbriefe aller Kohlschädlinge mit dem passenden Methodenmix findest du in einem eigenen Ratgeber. Hier geht es um das, was am Brokkoli anders ist.
Meinen Rundgang am Brokkoli beginne ich im Herz, danach kommen der Kopfansatz, die Blattunterseiten und zuletzt der WurzelhalsDer Wurzelhals ist die Übergangszone zwischen Sprossachse und Hauptwurzel einer Pflanze. Botanisch ist er der untere Teil des Keimstängels und oft etwas verdickt.. So sehe ich verdrehte Herzblätter, Gespinst, Läusekolonien und welke Pflanzen in einem Durchgang.
Kohldrehherzmücke: wenn das Herz verdreht ist
Befällt die Kohldrehherzmücke deinen Brokkoli, können sich durch ihre Larven die Herzblätter verdrehen und verkorken. Auch Herzlosigkeit und missgebildete Köpfe, die innen schorfig sind, können auf sie zurückgehen.
Mücke oder genetische Herzlosigkeit?
Ein fehlendes Herz muss nicht von der Mücke kommen. Genetisch herzlose Pflanzen hören nach meist 4 bis 8 Blättern auf, neue Blätter zu bilden. Erkennen lässt sich das an einem Endblatt, das wie ein Trichter oder eine Nadel geformt ist. Verdrehte und verkorkte Herzblätter passen dagegen eher zum Befall durch die Kohldrehherzmücke.
Kontrolle bis zum Blumenansatz und nach der Ernte
Solange der Blumenansatz noch nicht deutlich zu sehen ist, kontrollierst du deinen Brokkoli auf die Kohldrehherzmücke. Bis dahin gehört der Blick ins Herz fest zu meinem Rundgang durchs Kohlbeet.
Ist die Hauptrose geschnitten, kann Brokkoli noch Seitentriebe nachschieben, und genau dort können sich die Larven weiter vermehren. Ein befallener Bestand, der nach der letzten Ernte stehen bleibt, bietet den Larven also weiter Platz zur Vermehrung. Deshalb räume ich befallene Brokkolipflanzen nach der letzten Ernte rasch ab.
Raupen und Schnecken: Schäden am Kopf
Findest du Fraßlöcher mit grünen oder braunen Kotkrümeln, suchst du die Blätter nach Raupen und Eigelegen ab. Beides entfernst du von Hand. Ist der Befall noch jung oder gering, reicht Absammeln unter Umständen schon aus. Feines weißes Gespinst an den Herzblättern kann auf die Kohlmotte hindeuten. Deren Larven fressen zuerst Minen ins Blatt und später Löcher oder Fenster. Ich ziehe die Herzblätter vorsichtig auseinander und schaue am Kopfansatz nach Gespinst und Kot.
Wer beim Absammeln auch gelbe Kokonhaufen neben toten Kohlweißlingsraupen entfernt, trifft womöglich Nützlinge. Diese Kokons können von der Brackwespe Cotesia glomerata stammen, deshalb lässt du sie geschützt an der Pflanze.
Silbrige Schleimspuren deuten auf Schnecken hin. Am ehesten findest du sie früh morgens, spät abends und bei Regenwetter, dann sammelst du sie ab. Ein Schneckenzaun hilft nur, wenn er keine Lücke hat und keine Pflanzenteile darüber hängen. Tiere, die schon innerhalb des Zauns sitzen, musst du trotzdem einsammeln. Droht Schneckenfraß, gießt du morgens und nur direkt an den Pflanzen, damit die Wege, über die Schnecken zuwandern, trocken bleiben.
Jungpflanzen: Erdflöhe und Kohlfliege je nach Pflanztermin
Welche Schädlinge deine jungen Brokkolipflanzen zuerst erwarten, hängt vom Pflanztermin ab. Erdflöhe setzen vor allem Keimlingen und frisch gepflanzten Kohlbeständen zu, und warme, trockene Frühjahre begünstigen sie.
| Brokkoli-Satz | Pflanzung ins Freiland | Was in dieser Zeit auftritt |
|---|---|---|
| Früher Satz | ab Ende März, nach Anzucht im Gewächshaus ab Februar | überwinterte Kohlerdflöhe meist ab April; erste Kohlfliegengeneration witterungsabhängig im April oder Anfang Mai, Eiablage ungefähr 8 bis 10 Tage danach |
| Sommeranbau | Mitte Juni bis Anfang August | neue Käfergeneration der Kohlerdflöhe ab Juli |
| Herbstsatz für die Ernte im September und Oktober | Anfang bis Mitte Juli | neue Käfergeneration der Kohlerdflöhe ab Juli |
Junge Brokkolipflanzen treffen damit in jedem dieser Sätze auf eine Erdflohgeneration. Im Frühjahr sind es die überwinterten Käfer zusammen mit der ersten Kohlfliegengeneration, im Sommer die neue Käfergeneration. Deine Satztermine planst du mit dem Aussaatkalender für Kohl. Wie du Brokkoli anziehst, pflanzt und erntest, steht in der Anbauanleitung.
Feuchte Erde hält Erdflöhe fern? Nur feucht halten reicht nicht, um Erdflöhe an Kohl verlässlich zu bekämpfen. Bei frisch gepflanztem Brokkoli lege ich deshalb das Netz auf, statt mich aufs Gießen zu verlassen.
Findest du an einer welkenden Jungpflanze weißliche Maden an den Wurzeln, deutet das auf die Kohlfliege hin. Die Maden werden bis etwa 1 cm lang und können junge Pflanzen absterben lassen. Um den Wurzelhals frisch gesetzter Pflanzen lege ich Pappkragen, die Eier der Kohlfliege auffangen. Die Kärtchen nehme ich mitsamt den Eiern ab und entsorge sie.
Welke allein ist noch keine Diagnose. Weißliche Maden im Wurzelbereich sprechen für die Kohlfliege. Knötchenartige bis fingerförmige Wucherungen, die innen weißfleischig und nicht hohl sind, deuten auf KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. hin, eine Krankheit. Verdickungen mit Hohlräumen und Larven darin können Gallen des Kohlgallenrüsslers sein. Wie du Kohlhernie und andere Brokkoli-Krankheiten erkennst, steht in einem eigenen Ratgeber.
Netz über Brokkoli: Maschenweite, Hitze und Nässe
Für Brokkoli lege ich das Netz direkt nach dem Pflanzen auf, lasse den Pflanzen Raum zum Wachsen und schließe die Ränder mit Erde. Welche Maschenweite wogegen passt, zeigt die Tabelle.
| Schädling | Maschenweite |
|---|---|
| Kohlerdflöhe | 0,6 bis 0,8 mm, höchstens 0,9 mm |
| Blattläuse und Weiße Fliegen | 0,8 mm |
| Kohlfliege | etwa 1,3 × 1,3 mm |
| Gemüsefliegen und Raupen | 1,35 mm |
Als feinmaschiger Schutz für Kohlgemüse gilt 0,8 mm, wobei das Netz rundum dicht aufliegen muss.
Bei Brokkoli hat das Netz einen Nachteil: Darunter kann sich Hitze stauen, und bei feuchtem Wetter kann es Kopffäule fördern. Riecht ein Kopf streng und zerfällt das Gewebe breiig, kann bakterielle Kopffäule dahinterstecken, die Verletzungen und große Nässe fördern. Bei Hitze und nach langen nassen Phasen hebe ich das Netz an einer Seite an, schaue auf Köpfe und Herzen und schließe es danach wieder dicht. Mehr zur Kopffäule steht im Ratgeber zu Brokkoli-Krankheiten.
Befall aus Puppen, die schon im Beet überwintert haben, hält ein Netz nicht ab, und zugleich kann es natürliche Gegenspieler aussperren. Liegt es über einem Beet mit solchen Puppen, bleiben die Schädlinge also eingeschlossen und ihre Gegenspieler draußen. Das Netz gehört deshalb über eine Fläche, die vorher frei von Kohlfliegenpuppen und Erdflöhen war.
Läuse und Weiße Fliege unter den Blättern
Blaugrau gepuderte Läuse, meist an den Blattunterseiten, gehören zur Mehligen Kohlblattlaus, und die Farbe kommt von ihrem Wachsbelag. Rollen sich Blätter ein und sitzen darin weißlich-graue Kolonien, spricht das ebenfalls für sie. Diese Kolonien entfernst du am besten gleich zu Befallsbeginn, etwa mit einem kräftigen, kalten Wasserstrahl.
Schwebfliegen- und Marienkäferlarven fressen die Läuse, und die Larven des Siebenpunkt-Marienkäfers erkennst du an ihrer dunklen, gelb gefleckten Färbung. Harte, kugelige, hellbraune Läuse hat die Kohlblattlausschlupfwespe parasitiert, diese Mumien lässt du sitzen. Erwachsene SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse. und parasitoide Wespen finden Pollen und Nektar an blühendem Dill, Fenchel und ungefüllten Ringelblumen.
Auch die Kohlmottenschildlaus, die Weiße Fliege am Kohl, lebt samt Larven an den Blattunterseiten, und berührst du die Pflanze, fliegt sie auf. Der klebrige Honigtau, den sie ausscheidet, kann einen schwarzen Rußtaubelag begünstigen. Befallene Kohlpflanzen räumst du ab, bevor der nächste Frühling kommt, weil der Schädling in ihnen überwintert.
Vorbeugen und eingreifen in Kürze
Vorbeugen, kontrollieren, eingreifen
Bei Kohl gilt eine Stufenfolge: vorbeugen, dann kontrollieren und nur bei Befall eingreifen, am Brokkoli zuerst von Hand. Saaten und Jungpflanzen nimmst du ab April regelmäßig in den Blick. Wie die Stufen zusammenspielen, erklärt der Kohl-Ratgeber im Abschnitt Schädlinge und Pflanzenschutz.
Standort
Brokkoli wächst am besten vollsonnig auf fruchtbarem, gut durchlässigem Boden ohne Staunässe. Wie du Platz und Boden vorbereitest, steht im selben Ratgeber unter Standort und Boden.
Fruchtfolge und Mischkultur
Brokkoli kehrt erst nach einer FruchtwechselpauseDie Fruchtwechselpause ist die Zeit, in der auf einem Beet weder dieselbe Gemüseart noch eine verwandte Art aus derselben Pflanzenfamilie wächst, damit sich Krankheitserreger und Schädlinge im Boden nicht so leicht vermehren. von 4 Jahren auf dasselbe Beet zurück, und KreuzblütlerKreuzblütler (Brassicaceae) sind eine Pflanzenfamilie mit vielen Gemüsearten: Dazu gehören alle Kohlarten sowie Radieschen, Rettich, Rucola, Kresse und Senf. In der Fruchtfolge sollten sie nicht direkt nacheinander am selben Platz wachsen. wie Radieschen, Rettich und Senf zählen dabei mit. Schnittsellerie hat als Kohlnachbar Tradition, doch ob er Erdflöhe und Raupen abhält, hängt vom Standort ab. Die Grundlagen stehen im Kohl-Ratgeber unter Fruchtfolge und Mischkultur, Nachbarn prüfst du im Mischkultur-Planer und frühere Kohlbeete im Beetplaner.
Wenn du ein Mittel einsetzen willst
Ein Pflanzenschutzmittel kommt nur als letztes Mittel infrage und muss für Brokkoli im Haus- und Kleingarten zugelassen sein, was du in der Gebrauchsanleitung und der BVL-Datenbank prüfst. Beim Einsatz gehören Schutzkleidung, die Wartezeit bis zur Ernte und eine ordnungsgemäße Entsorgung der Reste dazu. Solche Mittel können auch Nützlinge treffen.
Stehen Kohlrabi oder Grünkohl im selben Garten, hilft dir der Ratgeber, wie du Kohlrabi natürlich vor Schädlingen schützt. Für Grünkohl und Palmkohl zeigt ein eigener Ratgeber, woran du Schädlinge und Krankheiten an Blattkohl erkennst.





