Luzerne als Gründüngung: anbauen, einarbeiten, mehrjährig nutzen
- Luzerne ist mehrjährig und zählt zur Langzeitgründüngung, also zu den Begrünungen mit mehr als 3 Monaten Vegetationszeit.
- Auf stark verdichteten oder geschädigten Gartenböden kann eine Gründüngung ein Jahr oder länger stehen bleiben.
- Mähen beendet den Bestand nicht: Spross und Wurzel flach unter der Oberfläche trennen und die Grünmasse nur oberflächlich einarbeiten.
- Nach dem Einarbeiten vergehen meist etwa 2–3 Wochen bis zur nächsten Aussaat oder Pflanzung.
- Für Luzerne gilt eine Anbaupause von 6 Jahren, mit anderen Leguminosen wie Klee, Lupine, Erbsen und Bohnen ist sie unverträglich.

Luzerne ist kein Lückenfüller für die Wochen zwischen zwei Gemüsekulturen. Die Pflanze ist mehrjährig und bleibt über den Winter stehen, das Beet wird also nicht von selbst wieder frei. Ich plane sie deshalb wie eine HauptkulturDie Hauptkultur ist die Gemüseart, die im Gartenjahr am längsten auf einem Beet steht, zum Beispiel Tomaten. Nach ihr richtet sich die Beetplanung: Vor-, Nach- und Zwischenkulturen werden um sie herum eingeplant.: Bevor ich säe, steht fest, wann das Beet wieder frei sein soll und was danach kommt.
Luzerne (Medicago sativa), auch Alfalfa genannt, gehört als Leguminose zur Familie der FabaceaeFabaceae ist der botanische Name der Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler, die auch Leguminosen heißen. Dazu gehören etwa Erbsen, Bohnen, Linsen, Lupinen und Klee. Sie versorgen sich mithilfe von Knöllchenbakterien an den Wurzeln selbst mit Stickstoff aus der Luft.. Die Art wurzelt tief und zählt zu den SchwachzehrernSchwachzehrer sind Gemüse und Kräuter mit geringem Stickstoffbedarf, etwa Feldsalat, Radieschen, Rucola, Bohnen und Erbsen. Sie sind die genügsamste der drei Gruppen, nach denen man Kulturen für die Fruchtfolge einteilt.. Wie sie sich neben Klee, Lupine und Phacelia einordnet und was Gründüngung im Boden grundsätzlich leistet, zeigt der Überblick zu Gründünger und Bodenkur.
Für welches Beet eignet sich Luzerne als Gründüngung?
Im Gemüsebau gilt eine Gründüngung mit mehr als 3 Monaten Vegetationszeit als Langzeitgründüngung. In diese Gruppe gehört die Luzerne. Für die kurze Lücke zwischen Ernte und FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. nimmst du schnelle Arten wie Senf, Phacelia oder Ölrettich.
Sinnvoll ist Luzerne auf einem Beet, das du für längere Zeit aus der Gemüsefolge nimmst. Bei stark verdichteten oder geschädigten Gartenböden kann eine Gründüngung ein Jahr oder länger stehen bleiben. Eine Orientierung nach oben liefert der Feldanbau: Im intensiveren landwirtschaftlichen Futterbau lohnt sich Luzerne meist 2–3 Jahre, weil die Erträge später sinken. Das ist ein Wert für die Futternutzung und keine Gartenregel. Ich nehme ihn als Anhaltspunkt und trage das Umbruchjahr schon bei der Saat in meinen Beetplan ein.
Auf verdichteten Flächen hat der Einsatz eine Grenze. Für Böden mit wurzelhemmenden Sperrschichten ist Luzerne ungeeignet, und nach einer notwendigen Tiefenlockerung stabilisieren tiefwurzelnde Pflanzen das gelockerte Gefüge. Bei einer harten Sperrschicht kommt die Luzerne also nach der Lockerung und nicht an ihrer Stelle. Was die Luzernewurzel in verdichtetem Boden leistet, auch im Vergleich zur mechanischen Lockerung, ist Thema eines eigenen Beitrags.
Die Wirkung im Boden reiße ich hier nur an. Als Leguminose bindet Luzerne mithilfe von KnöllchenbakterienKnöllchenbakterien, auch Rhizobien genannt, sind Bodenbakterien, die mit Hülsenfrüchtlern wie Erbsen und Bohnen zusammenleben. In kleinen Knöllchen an deren Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft und machen ihn für die Pflanze nutzbar. Luftstickstoff, und ihre PfahlwurzelEine Pfahlwurzel ist eine einzelne Hauptwurzel, die senkrecht nach unten in den Boden wächst; von ihr gehen Seitenwurzeln ab. Pflanzen mit Pfahlwurzel heißen Tiefwurzler, zum Beispiel Löwenzahn und Eiche. hinterlässt Gänge, in denen die Wurzeln der Folgekultur leichter in den Boden eindringen. Die Einzelheiten zu Stickstoffbindung und Bodenstruktur unter Luzerne stehen in einem eigenen Beitrag.
Vor der Saat klärst du drei Fragen. Wie lange kannst du das Beet entbehren? Standen dort zuletzt Erbsen, Bohnen, Klee oder Lupinen? Welche Kultur soll nach dem Umbruch folgen?
Standort, Aussaat und Pflege in Kürze
Luzerne braucht einen sonnigen Platz auf Lehm, der geeignete pH-Bereich liegt bei 6–7. Schwere, kalte und staunasse Böden scheiden aus.
Gesät wird je nach Standort im Frühjahr ab März oder April oder im Spätsommer bis August. Unter geeigneten Bedingungen geht es noch bis Anfang September, später nicht mehr: Zu späte Herbstsaaten erhöhen die Anfälligkeit für Kleekrebs. Das Saatbett ist abgesetzt, feinkrümelig und frei von Verdichtungen, die Saattiefe liegt bei 1–1,5 cm. Halte die Fläche bis zum Auflaufen feucht, die Saat keimt in 7–14 Tagen. Für die Saatmenge gilt die Angabe auf deiner Saatguttüte, der Wert von 25–30 kg/ha für Reinsaaten stammt aus dem landwirtschaftlichen Anbau.
Ein etablierter Reinbestand braucht grundsätzlich keine Stickstoffdüngung, hohe Stickstoffgaben können die Tätigkeit der Knöllchenbakterien sogar hemmen. Der Wasserbedarf ist hoch, auch wenn Luzerne trockeneres Klima dank ihres ausgedehnten Wurzelsystems besser übersteht. Geschnitten wird vor der Samenreife, damit sich der Bestand nicht selbst aussät.
Die artübergreifenden Grundlagen stehen im Überblick zu Gründünger und Bodenkur, in den Abschnitten zu Standort und Boden sowie zu Pflege, Gießen und Düngen. Wie du einen Luzernebestand anlegst, über die Jahre schneidest und durch den Winter bringst, zeigt die ausführliche Anleitung.
Wann und wie arbeitest du Luzerne ein?
Die allgemeinen Regeln zu Mulch und Wartezeit erklärt der Überblick zu Gründünger und Bodenkur im Abschnitt über Mähen und Einarbeiten. Bei Luzerne kommen zwei Punkte dazu: der richtige Termin und das Beenden eines Bestands, der nach dem Schnitt wieder nachwächst.
Wann brichst du um?
Lass den Bestand im Frühherbst stehen. Wird Leguminosen-Aufwuchs zur falschen Zeit eingearbeitet, kann das Nitratfreisetzung und Stickstoffauswaschung verstärken. Wie viel die Folgekultur vom Stickstoff hat, hängt außerdem davon ab, ob die Freisetzung zeitlich zu ihrem Bedarf passt. Leg den Umbruch deshalb so, dass die Folgekultur direkt nach der Wartezeit aufs Beet kommt.
Im Feldanbau richtet sich der Umbruch von Luzerne-Gras-Beständen nach der Bodenart. Auf leichten Böden liegt er eher spät im Herbst bis zum frühen Frühjahr, auf schweren Tonböden eher früher im Herbst. Im Garten kann eine Gründüngung auf schweren Böden auch bis zum Frühjahr stehen bleiben. Bestände, die bis zum Frühjahr wachsen, schützen den aufgenommenen Stickstoff zudem besser vor winterlicher AuswaschungAuswaschung ist der Verlust von Nährstoffen, die Niederschlagswasser aus dem Wurzelraum in tiefere Bodenschichten und bis ins Grundwasser spült. Besonders betroffen ist Nitrat, die Form, in der mineralischer Stickstoff im Boden größtenteils vorliegt. als früh beendete. Ich breche Luzerne im zeitigen Frühjahr um und warte dafür ab, bis der Boden abgetrocknet ist. Auf Tonböden ist die Verdichtungsgefahr besonders hoch, wenn sie feucht bearbeitet werden.
Wie beendest du den Bestand?
Luzerne ist mehrjährig und wächst nach dem Schnitt nach. Winterharte Bestände müssen vor der nächsten Kultur aktiv beendet werden. Mähen allein reicht also nicht: Beendet ist der Bestand erst, wenn Spross und Wurzel getrennt sind.
- Mähen und zerkleinern. Mähe den Bestand ab und zerkleinere dickstängeliges Material. Verholzte Reste verrotten langsamer und können dabei vorübergehend Stickstoff aus dem Bodenvorrat binden.
- Spross und Wurzel trennen. Durchtrenne den Bestand flach unter der Bodenoberfläche. Im Feldanbau übernimmt das beim Umbruch von Klee- und Luzernegras ein flächiger Schnitt in 3–5 cm Bodentiefe.
- Locker ablegen. Lass die durchtrennten Stücke locker liegen und abtrocknen, statt die Fläche festzutreten. Beim flachen Umbruch von Kleegras gilt Rückverfestigung als unerwünscht.
- Flach einarbeiten. Arbeite die angewelkte Masse nur oberflächlich ein. Brauchst du ein feines Saatbett, räumst du den Aufwuchs ab und kompostierst ihn.
- Warten. Bis zur nächsten Aussaat oder Pflanzung vergehen meist etwa 2–3 Wochen. Die Spanne ist eine Orientierung, entscheidend ist, wie weit die Reste tatsächlich zersetzt sind.
Im Beet stelle ich den flächigen Schnitt mit einem scharfen Spaten nach. Ich steche Stück für Stück flach unter der Oberfläche durch und lasse die Soden liegen, bis sie abgetrocknet sind.
Frische Luzerne tief untergraben. Unter Luftabschluss kann die Grünmasse faulen, deshalb arbeitest du sie nur flach ein.
Was kommt nach Luzerne in der Fruchtfolge?
Was passt nach Luzerne?
Eine Leguminosen-Gründüngung eignet sich als Vorfrucht für stark zehrendes Gemüse. Als Gründünger passt Luzerne zu Tomaten, Paprika, Auberginen, Kartoffeln, Mais, Kürbis, Hörnchenkürbis, Melonen und Birnenmelonen. Bei Kartoffeln gibt es eine Einschränkung: Stand die Luzerne mehrjährig zusammen mit Gras, berücksichtigst du vorher ein mögliches Drahtwurmproblem.
Verlass dich bei der Düngung der Folgekultur nicht allein auf die Luzerne. Die Nährstoffwirkung einer Gründüngung hängt von Pflanzenart, Aufwuchs, Jahreszeit, Bodenfeuchte und Temperatur ab und ersetzt zusätzliche Düngung nicht automatisch. Welche Kulturen nach dem Umbruch am meisten von der Luzerne haben, vergleicht ein eigener Beitrag.
Was gehört nicht daneben und nicht danach?
Luzerne ist mit sich selbst und mit anderen Leguminosen unverträglich. Das betrifft Klee, Lupine, Serradella und Sommerwicken ebenso wie Markerbsen, Kapuzinererbsen, Puffbohnen, Prunkbohnen, Sojabohnen und Helmbohnen. Gründüngungsleguminosen sollen außerdem nicht unmittelbar auf Pflanzen derselben Familie folgen. Vor und nach Luzerne plane ich deshalb weder Erbsen noch Bohnen ein. Welche Nachbarn sich im Beet vertragen, kannst du für jede Kultur nachschlagen.
Wie lange dauert die Anbaupause?
Für Luzerne gilt eine Anbaupause von 6 Jahren. Zur Vorbeugung spezifischer Wurzelkrankheiten sollen im Gemüsegarten außerdem höchstens 25 % der wechselnden BeetbelegungDie Beetbelegung beschreibt, welche Kultur wann und wie lange auf einem Beet steht. Dazu gehören die Hauptkultur sowie Vor-, Nach- und Zwischenkulturen, die das Beet vor, nach oder neben ihr nutzen. auf Leguminosen entfallen, Erbsen und Bohnen eingeschlossen. Ein Luzernebeet zählt in jedem Standjahr auf diesen Anteil. Je mehr Fläche du der Luzerne gibst, desto weniger bleibt also für Erbsen und Bohnen.
| Planungsgröße | Wert | Einordnung |
|---|---|---|
| Vegetationszeit | mehr als 3 Monate | Langzeitgründüngung im Gemüsebau |
| Standzeit | ein Jahr oder länger | möglich bei stark verdichteten oder geschädigten Gartenböden |
| Nutzungsdauer | meist 2–3 Jahre | intensiverer landwirtschaftlicher Futterbau, wegen später sinkender Erträge |
| Wartezeit nach dem Einarbeiten | meist etwa 2–3 Wochen | bis zur nächsten Aussaat oder Pflanzung |
| Anbaupause | 6 Jahre | für Luzerne auf demselben Beet |
| Leguminosen-Anteil | höchstens 25 % | der wechselnden Beetbelegung, Erbsen und Bohnen eingeschlossen |
Standjahre und Anbaupause überblickst du am einfachsten, wenn du deine Beete über mehrere Jahre planst.




