Stickstoffbindung durch Sommerwicken: Knöllchen prüfen, Menge einschätzen
- Sommerwicken binden als Leguminosen mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff, Nichtleguminosen nutzen nur vorhandenen Bodenstickstoff.
- Sind die Wurzelknöllchen innen rötlich gefärbt, weist das auf aktive Stickstofffixierung hin.
- Sommerwicken erhalten eine Grunddüngung nach Nährstoffentzug, aber keine Stickstoffdüngung.
- Wie viel Stickstoff du anrechnen kannst, schätzt du mit einer pauschalen Rechenhilfe über die Aufwuchshöhe des Bestands.
- Der gebundene Stickstoff steht der Folgekultur je nach Boden, Witterung und Umbruch nicht vollständig zur Verfügung.

Du säst Sommerwicken, damit sie Stickstoff aus der Luft in dein Beet holen. Beim Düngen der FolgekulturEine Folgekultur ist das Gemüse, das auf einem Beet als Nächstes angebaut wird, sobald die vorige Kultur abgeerntet ist – noch im selben Gartenjahr oder im nächsten. stehst du dann vor der Frage, wie viel davon du anrechnen kannst. Ich grabe dafür vor dem Mähen eine Pflanze aus und schneide ein Knöllchen auf. Danach messe ich mit dem Zollstock, wie hoch der Bestand steht.
Wie binden Sommerwicken Stickstoff aus der Luft?
Sommerwicken (Vicia sativa) sind einjährige Schmetterlingsblütler aus der Familie FabaceaeFabaceae ist der botanische Name der Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler, die auch Leguminosen heißen. Dazu gehören etwa Erbsen, Bohnen, Linsen, Lupinen und Klee. Sie versorgen sich mithilfe von Knöllchenbakterien an den Wurzeln selbst mit Stickstoff aus der Luft.. Wie Erbsen, Bohnen, Klee und Lupinen zählen Wicken zu den Leguminosen, die im Garten Stickstoff liefern.
Die Arbeit leisten Knöllchenbakterien an den Wurzeln. Sie bilden aus Luftstickstoff Ammonium und versorgen damit die Pflanze. Die Wicke liefert ihnen im Gegenzug unter anderem Zucker. Der Stickstoff ist danach in organischer Form gebunden. Für die NachkulturEine Nachkultur ist Gemüse, das im Sommer auf einem frei gewordenen Beet gesät oder gepflanzt wird, nachdem die erste Kultur abgeerntet ist. Es wird noch vor den ersten Frösten reif oder bleibt über den Winter stehen. wird er erst verfügbar, wenn das Pflanzenmaterial verrottet.
„Stickstoff binden“ meint zweierlei. Alle Gründüngungspflanzen binden Stickstoff, der schon im Boden vorhanden ist. Nur Leguminosen bringen über die Symbiose mit Knöllchenbakterien zusätzlich Luftstickstoff ein.
Senf und Phacelia zeigen den Unterschied. Was sie in ihre Biomasse aufnehmen, ist vorhandener Bodenstickstoff, dessen Auswaschung sie dadurch vermindern können. Neuer Stickstoff kommt auf diesem Weg nicht ins Beet.
Woran erkennst du aktive Knöllchen?
Sind die Wurzelknöllchen innen rötlich gefärbt, weist das bei Leguminosen auf aktive Stickstofffixierung hin. Bei Inkarnatklee gelten rötliche Wurzelknöllchen ebenfalls als Zeichen aktiver Rhizobiensymbiose. Du kannst das selbst am Beet prüfen. Ich hebe eine Pflanze mit der Grabegabel aus, statt sie am Stängel herauszuziehen, und spüle die Wurzeln ab. Dann schneide ich ein Knöllchen mit dem Messer auf und sehe mir das Innere an. Finde ich keine rötliche Färbung, fehlt mir dieses Zeichen. Eine Diagnose ist das noch nicht.
Ich schaue mir die Knöllchen an mehreren Pflanzen aus verschiedenen Ecken des Beets an. Eine einzelne Pflanze vom Rand sagt mir zu wenig über den ganzen Bestand.
Welche Faktoren beeinflussen die Fixierung?
Stickstoff binden kann nur ein Bestand, der gut wächst und dessen Knöllchen arbeiten. Beeinflussen kannst du vier Dinge: Boden, Düngung, Wasser in der Keimphase und die Zusammensetzung der Saat.
Boden: locker, nicht nass, nicht kalt
Für Sommerwicken ungeeignet sind verdichtete und staunasse Böden, ebenso kalte und nasse. Ob dein Beet verdichtet ist, zeigt dir eine Spatendiagnose. Dabei beurteilst du Eindringwiderstand, Gefüge, Wurzelverlauf, Hohlräume, Farbe und Geruch. Ich steche dafür vor der Saat einen Spatenblock ab und sehe ihn mir von der Seite an. Als Standort passen sonnige und halbschattige Plätze, als Bodenart Sand.
Düngung: Grundnährstoffe ja, Stickstoff nein
Sommerwicken erhalten eine Grunddüngung, die sich am Nährstoffentzug orientiert, aber keine Stickstoffdüngung. Was zu viel Stickstoff anrichten kann, ist bei verwandten Arten beschrieben. Bei Klee und Luzerne kann eine hohe Stickstoffgabe die Tätigkeit der Knöllchenbakterien hemmen. Bei Lupinen verringert ein zu hohes StickstoffangebotDas Stickstoffangebot ist die Menge an Stickstoff, die den Pflanzen im Boden tatsächlich zur Verfügung steht. Fachleute bestimmen diesen pflanzenverfügbaren Stickstoff mit einer Bodenanalyse, der sogenannten Nmin-Methode. die Fixierung. Stickstoff zu den Wicken zu geben ist also mindestens überflüssig. Bei den Verwandten kann er sogar die Leistung bremsen, für die du Leguminosen säst.
Wie viel Grunddüngung nötig ist, hängt davon ab, was dein Boden schon enthält. Das klärt eine Bodenuntersuchung: Sie ermittelt die pflanzenverfügbaren Nährstoffe, und danach legst du Art und Menge einer notwendigen Düngung fest. Liegt ein Nährstoff in GehaltsklasseDie Gehaltsklasse ist eine Einstufung im Bodenuntersuchungsbefund, die angibt, wie gut der Boden mit einem Nährstoff wie Phosphor, Kalium oder Magnesium versorgt ist. Sie reicht von A für niedrige bis E für besonders hohe Versorgung. E, ist für ihn keine zusätzliche Düngung erforderlich.
„Leguminosen versorgen sich selbst.“ Das gilt nur für den Stickstoff. Klee fixiert seinen Stickstoff selbst, Phosphor und Kalium bekommt er trotzdem nach Bodenversorgung und Nährstoffentzug.
Wasser: bis zum Auflaufen feucht
Gründüngungssaaten hältst du bis zum Auflaufen feucht. Sommerwicken brauchen zum Keimen 7–21 Tage. Bei trockener Witterung kann sich das wiederholte Gießen also über die ganze Keimphase ziehen. Ich prüfe mit dem Finger, ob die oberste Bodenschicht noch feucht ist, bevor ich zur Kanne greife.
Mischung: Nur die Leguminose bringt neuen Stickstoff
In einer Gründüngungsmischung können die verschiedenen Wurzelformen mehrere Bodenschichten erschließen. Zusätzlichen Stickstoff bringen dabei nur die Leguminosen ein, die anderen Partner nutzen den vorhandenen Bodenstickstoff. Die BLE nennt für die Gründüngung das Erbsen-Wicken-Gemenge, ergänzt um Hafer. Die dazu veröffentlichten Feldmengen sind keine pauschale Gartenrezeptur. Bei fertigen Mischungen halte ich mich deshalb an die Saatmenge auf der Verpackung.
Wie viel Stickstoff binden Sommerwicken?
Die Stickstoffmenge hängt am Aufwuchs in deinem Beet. Für die Praxis zählt ohnehin eine andere Frage: Wie viel Stickstoff kannst du bei der Düngung danach anrechnen? Dafür gibt es in der Gartendüngung eine pauschale Rechenhilfe. Sie rechnet einem Gründüngungsbestand je nach Aufwuchshöhe eine Stickstoffmenge an.
| Aufwuchshöhe des Bestands | Stickstoff, der angerechnet werden kann |
|---|---|
| unter 5 cm | 1 g/m² |
| 5–14 cm | 2 g/m² |
| 15–30 cm | 4 g/m² |
| über 30 cm | 6 g/m² |
Die Rechenhilfe gilt für Gründüngungsbestände allgemein und ist kein Messwert der Sommerwicke. Ich messe kurz vor dem Mähen an mehreren Stellen, wie hoch der Bestand im Beet steht. Dann nehme ich die Stufe, die dazu passt.
Als Art wird die Sommerwicke 50–120 cm hoch. Die oberste Stufe beginnt schon über 30 cm. Ein voll entwickelter Bestand kann sie also erreichen, und was darüber hinaus wächst, unterscheidet die Rechenhilfe nicht mehr.
Was bedeutet eine späte Saat für die Menge?
Sommerwicken säst du von April bis August. Die Saatmonate aller Gründünger kannst du dir als Aussaatkalender ausdrucken. Als Futterzwischenfrucht gilt die Saatwicke, also dieselbe Art, ab Anfang August als spätsaatempfindlich. Eine frühe Julisaat begünstigt dort proteinreiche Erträge. Die Rechenhilfe richtet sich nach der Aufwuchshöhe. Wer erst im August sät, riskiert deshalb einen niedrigeren Bestand und damit eine niedrigere Stufe.
Warum beantwortet die Bodenprobe die Frage nicht?
Über den verfügbaren Stickstoff erlaubt eine übliche Gartenbodenanalyse keine dauerhafte Aussage. Der Gehalt schwankt stark, und häufig wird er gar nicht mitgemessen. Die Standardanalyse des Hessischen Landeslabors etwa erfasst Phosphor, Kalium, Magnesium und den pH-Wert. Für die Grunddüngung der Wicken hilft dir der Laborbefund also weiter, für die Stickstofffrage nimmst du den Zollstock.
Wie viel davon kommt bei der Folgekultur an?
Gebunden heißt noch nicht verfügbar. Je nach Boden, Witterung und Umbruch bekommt die Folgekultur den Stickstoff aus der Pflanzenmasse nicht vollständig. Die Freisetzung hängt unter anderem von Pflanzenart, Aufwuchs, Jahreszeit, Bodenfeuchte und Temperatur ab.
Auch das Alter der Pflanzen zählt. Bei jungen Pflanzen ist das C/N-Verhältnis enger als bei älteren, deshalb werden sie schneller umgesetzt. Sind die Reste verholzt, verrotten sie langsamer und können vorübergehend Stickstoff aus dem Bodenvorrat binden.
Dazu kommt der Zeitpunkt. Die Freisetzung muss zeitlich zum Bedarf der Folgekultur passen, die Stickstoffmenge im Aufwuchs allein bestimmt ihre Versorgung nicht. Bei Sommerwicken beachtest du deshalb bei einem Umbruch vor dem Winter das Risiko von Stickstoffverlusten. Wird Leguminosenaufwuchs zeitlich unpassend eingearbeitet, kann das Nitratfreisetzung und Stickstoffauswaschung verstärken. Bei Kleegras verringert ein Umbruch im Spätherbst oder Frühjahr das Risiko winterlicher Stickstoffauswaschung gegenüber einem frühen Herbstumbruch.
Sommerwicken sind nicht winterhart, und abgefrorene Gründüngung bleibt über Winter als Mulch liegen. Einen spät gesäten Bestand lasse ich deshalb stehen, statt ihn im Herbst umzubrechen.
Als Vorfrucht eignet sich eine Leguminosen-Gründüngung für stark zehrendes Gemüse. Bei Lupinen gilt: Danach sollte eine Folgekultur stehen, die den freigesetzten Stickstoff aufnehmen kann, um Auswaschungen zu vermeiden. Pflanzenfamilie und Stickstoffbedarf der Folgekultur berücksichtigst du deshalb gemeinsam, wenn du beim Planen deiner Beete die Reihenfolge festlegst.
Rechne den Stickstoff der Wicken mit ein. Auch die biologische Stickstofffixierung ist eine Stickstoffzufuhr. Überschüsse daraus können Umweltverluste als Nitrat, Ammoniak und Lachgas begünstigen.
Die Folgekultur wird nach den Wicken gedüngt wie immer. Die Folgedüngung sollte den entstandenen Aufwuchs berücksichtigen. Umgekehrt ersetzt die Gründüngung die bedarfsgerechte Düngungsplanung der Folgekultur nicht.
Gemäht wird vor der Samenbildung, damit sich die Wicken nicht selbst aussäen. Frische Masse arbeitest du nur flach ein und wartest danach meist etwa 2–3 Wochen bis zur nächsten Saat oder Pflanzung. Zeitpunkt, Mulch und Wartezeit erklärt der Überblick dazu, wie du Gründüngung mähst und einarbeitest.
Wie schneiden Sommerwicken im Vergleich mit anderen Leguminosen ab?
Für andere Leguminosen gibt es Zahlen aus dem Feldbau. Sie messen Verschiedenes: gebundenen Stickstoff, Stickstoff für die Nachfrucht und den Gehalt im Aufwuchs. Eine Rangfolge ergibt sich daraus nicht.
| Art | Angabe zum Stickstoff | Zusammenhang |
|---|---|---|
| Sommerwicke | Anrechnung nach Aufwuchshöhe, oberste Stufe 6 g/m² | pauschale Rechenhilfe für Gründüngungsbestände in der Gartendüngung |
| Lupine | mittlere Luftstickstoffbindung von 150 kg N/ha | feldbauliche Orientierungsgröße im landwirtschaftlichen Lupinenanbau |
| Lupine | 20–120 kg N/ha für die Nachfrucht wieder verfügbar | landwirtschaftlicher Lupinenanbau |
| Perserklee | 40–60 kg/ha Stickstoff für die Nachfrucht | landwirtschaftlicher Zwischenfruchtbau, keine pauschale Düngegutschrift im Hausgarten |
| Alexandrinerklee | 2,43 % Stickstoff in der TrockenmasseTrockenmasse ist das Gewicht eines Materials, etwa von Erntegut oder Futter, nach Abzug des enthaltenen Wassers. Sie macht Vergleiche möglich, die nicht davon abhängen, wie feucht das Material gerade ist. des Aufwuchses vor dem Umbruch | ökologischer Feldversuch in Köln-Auweiler, Sorte Alex |
| Körnererbse | Stickstoffsaldo für die Folgefrucht positiv bis schwach negativ | trotz biologischer Stickstofffixierung |
Bei der Lupine stehen zwei Größen nebeneinander. Gebunden werden im landwirtschaftlichen Anbau im Mittel 150 kg N/ha. Für die Nachfrucht wieder verfügbar sind 20–120 kg N/ha. Bindung und Nutzen für die Folgekultur sind also zwei verschiedene Größen, und die zweite hat eine weite Spanne. Den Mechanismus bei dieser Art erklärt der Beitrag dazu, wie Lupinen Stickstoff binden.
Beim Düngen ähneln sich die Arten. Für Alexandrinerklee und Perserklee nennt die LfL im Zwischenfruchtanbau nur eine Grundversorgung mit Phosphat und Kali. Etablierte Luzernereinbestände benötigen grundsätzlich keine Stickstoffdüngung. Für die Sommerwicke gilt mit der Grunddüngung ohne Stickstoff dasselbe Muster.
Auch bei den Bakterien unterscheiden sich die Arten. Lupinensaatgut wird beim Erstanbau und nach längeren Anbaupausen unmittelbar vor der Aussaat nach Herstellerangaben mit lupinenspezifischen Knöllchenbakterien geimpft. Bei Luzerne ist die Saatgutimpfung mit passenden Knöllchenbakterien auf landwirtschaftlichen Flächen sinnvoll, auf denen bisher nicht häufiger Luzerne stand. Auf die Sommerwicke im Hausgarten lässt sich das nicht einfach übertragen. Ich prüfe dort am aufgeschnittenen Knöllchen, ob ich die rötliche Färbung finde.
Was gilt für Bodenwirkung, Anbau und Fruchtfolge?
Sommerwicken wurzeln tief, und ihre Pflanzenmasse versorgt das Bodenleben nach dem Einarbeiten mit organischem Material. Eine Gründüngungsdecke schützt den Boden außerdem vor VerschlämmungVerschlämmung bedeutet, dass sich die oberste Bodenschicht nach starkem Regen dicht zusetzt. Die Oberfläche verliert ihre offenen Poren, nimmt Wasser schlechter auf und kann beim Abtrocknen verkrusten., Verkrustung und Erosion. Die Grundlagen erklärt der Überblick zur Gründüngung unter „Was Gründüngung im Boden leistet“, die Einzelheiten der Beitrag dazu, was Sommerwicken dem Gartenboden bringen.
Das Saatgut verteilst du breitwürfig, rechst es ein und drückst es an; die Saatmengenangaben für den Hausgarten reichen von 17–18 g/m². Anfangs unterdrückt die Sommerwicke Unkraut nur schwach, mit der späteren Wüchsigkeit nimmt das zu. Die ganze Kultur beschreibt der Beitrag dazu, wie du Sommerwicken von der Bodenvorbereitung bis zur Saatgutgewinnung anbaust.
Sommerwicken sollen nicht unmittelbar auf Pflanzen derselben Familie folgen, und für sie selbst gilt eine Anbaupause von 4 Jahren. Im Gemüsegarten sollen Leguminosen zudem höchstens 25 % der wechselnden BeetbelegungDie Beetbelegung beschreibt, welche Kultur wann und wie lange auf einem Beet steht. Dazu gehören die Hauptkultur sowie Vor-, Nach- und Zwischenkulturen, die das Beet vor, nach oder neben ihr nutzen. ausmachen, zur Vorbeugung spezifischer Wurzelkrankheiten. Den Platz in der Fruchtfolge behandelt der Beitrag dazu, wie du Sommerwicken als Gründüngung in Fruchtfolge und Futterbau nutzt.





