Gartenpraxis · Gründünger & Bodenkur · Pflege

Sommerwicken als Gründüngung: Stärken und Grenzen für deinen Boden

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 7 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Sommerwicken sind einjährig kultivierte Leguminosen und bringen mit Knöllchenbakterien zusätzlichen Stickstoff aus der Luft in den Boden.
  • Verdichtete, staunasse sowie kalte und nasse Böden sind für sie ungeeignet.
  • Unkraut halten sie anfangs nur schwach zurück, mit zunehmender Wüchsigkeit besser.
  • Aussaat von April bis August, im Hausgarten mit 17–18 g Saatgut/m².
  • Sie sind nicht winterhart, der abgefrorene Bestand bleibt über Winter als Mulch liegen.
Sommerwicken
Foto: Wirestock · Depositphotos Standard License · Quelle ↗

Ein Beet, das im Sommer leer wird, liegt offen in Sonne und Starkregen, und seine Oberfläche kann verschlämmen und verkrusten. Sommerwicken schließen diese Lücke mit einer lebenden Decke und bringen als Leguminose zusätzlichen Stickstoff mit. Ich säe sie auf Flächen, die nach der Frühsommerernte frei werden, und trage sie gleich als Hülsenfrucht in meinen Beetplan ein.

Wie viel davon bei dir ankommt, entscheidet der Boden. Auf verdichteten oder staunassen Flächen sind Sommerwicken die falsche Wahl, und gegen Unkraut helfen sie erst, wenn sie kräftig im Wuchs stehen.

Kurz erklärt

Die Sommerwicke (Vicia sativa) gehört zu den Leguminosen (Fabaceae). Sie wird einjährig kultiviert, wurzelt tief und gilt als schwachzehrend.

Was bringen Sommerwicken dem Boden an Stickstoff?

Sommerwicken holen Stickstoff in den Boden, der vorher nicht dort war. An ihren Wurzeln leben Knöllchenbakterien, die aus Luftstickstoff Ammonium bilden und die Pflanze damit versorgen. Die Wicke liefert ihnen dafür unter anderem Zucker. Senf oder Phacelia können das nicht: Beide nehmen nur Stickstoff auf, der schon im Boden vorhanden ist.

Für die Kultur selbst heißt das: Sommerwicken bekommen eine Grunddüngung, die sich am Nährstoffentzug orientiert, aber keinen Stickstoff.

Wie viel davon kommt bei der Folgekultur an?

Der gebundene Stickstoff steckt zunächst in Wurzeln, Stängeln und Blättern. Für die Nachkultur wird er erst verfügbar, wenn das Pflanzenmaterial verrottet, und auch dann nicht vollständig. Wie viel ankommt, hängt von Aufwuchs, Jahreszeit, Bodenfeuchte und Temperatur ab.

Für die Düngeplanung im Garten gibt es eine pauschale Rechenhilfe, die sich nach der Höhe des Bestands richtet:

Aufwuchshöhe des Bestands anrechenbarer Stickstoff
unter 5 cm 1 g/m²
5–14 cm 2 g/m²
15–30 cm 4 g/m²
über 30 cm 6 g/m²

Die Stufen gelten pauschal für Gründüngungsbestände und unterscheiden nicht nach Art. Ein voll entwickelter Wickenbestand fällt in die oberste Stufe, denn die Art wird 50–120 cm hoch. Ich messe die Bestandshöhe mit dem Zollstock, bevor ich die Düngung der Folgekultur plane.

Häufiger Fehler

Nach Sommerwicken die Düngung der Folgekultur ganz streichen. Eine Gründüngung nimmt dir diese Düngung nicht automatisch ab. Du rechnest ihren Beitrag an und planst den Rest nach dem Bedarf der Kultur.

Als Vorfrucht passen Sommerwicken vor stark zehrendes Gemüse. Den Ablauf der Bindung und ihre Einflussfaktoren behandelt der Ratgeber dazu, wie und in welcher Menge Sommerwicken Luftstickstoff binden.

Wann geht der Stickstoff wieder verloren?

Gefährdet ist er im Herbst: Beim Umbruch vor dem Winter besteht das Risiko von Stickstoffverlusten, weil freigesetzte Nährstoffe ausgewaschen werden können. Sommerwicken sind nicht winterhart, und ein abgefrorener Bestand bleibt über Winter als Mulch liegen. Steht dein Bestand im Herbst noch und hat keine Samen angesetzt, lässt du ihn deshalb abfrieren, statt ihn umzugraben. Ich reche die abgestorbenen Reste erst im Frühjahr ab.

Giftig für Haustiere?
Angaben für die Gattung Vicia
Pferd
Giftig
Ersetzt keine tierärztliche Beratung. Bei Verdacht auf Vergiftung sofort Tierarzt kontaktieren. Quelle: ASPCA Toxic Plants · Stand 2026-07-11
Aussaatkalender Sommerwicken
GartenkalenderAussaat: April, Mai, Juni, Juli, AugustJFMAMJJASONDAussaatAussaat: AprilAussaat: MaiAussaat: JuniAussaat: JuliAussaat: AugustAussaat

Wie lockern Sommerwicken den Boden?

Sommerwicken wurzeln tief. Wenn die Wurzeln verrotten, bleiben Kanäle zurück, durch die Wasser und Luft in den Boden gelangen können. Solche Poren lassen Regenwasser besser eindringen und verringern den oberflächlichen Abfluss.

Dazu kommt die organische Substanz aus Wurzeln und Grünmasse. Sie kann die Wasserspeicherung leichter Böden und die Durchlässigkeit schwerer Böden verbessern, und ein stabilerer Anteil bleibt länger als Dauerhumus im Boden. Zu Sommerwicken passt Sandboden, und Sand lässt Wasser schnell versickern und hält im Wurzelraum wenig davon zurück. Gerade dort zählt die organische Substanz für die Wasserspeicherung also besonders. Eine Garantie ist das nicht: Mehr Humus kann den Wasserhaushalt verbessern, ohne dass das pflanzenverfügbare Wasser im gleichen Maß zunimmt.

Brechen Sommerwicken verdichteten Boden auf?

Nein. Verdichtete und staunasse Böden sind für Sommerwicken ungeeignet, ebenso kalte und nasse. Die Art wurzelt zwar tief, sie braucht dafür aber einen Boden, der schon durchwurzelbar ist: Ein lockeres Gefüge erhält sie, ein verdichtetes bricht sie nicht auf. Auf schweren oder verdichteten Standorten kommen unter anderem Ölrettich, Phacelia und Sandhafer infrage.

Ich steche vor der Aussaat einen Spaten voll Boden ab und schaue mir Gefüge, Wurzelverlauf, Farbe und Geruch an. Dringt der Spaten schwer ein und fehlen durchgehende Wurm- und Wurzelröhren, kann das auf eine Verdichtung hindeuten. Bei tiefen Verdichtungen kann eine fachgerechte Tiefenlockerung nötig sein, danach stabilisieren tiefwurzelnde Pflanzen das gelockerte Gefüge.

Achtung

Bearbeite tonreichen Boden nicht, solange er feucht ist, denn dann ist die Verdichtungsgefahr besonders hoch. Lockere das Beet erst, wenn es ausreichend abgetrocknet ist.

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Wie gut schützen Sommerwicken den Boden?

Eine lebende Wickendecke schirmt die Oberfläche gegen Sonneneinstrahlung und Starkregen ab. Sie schützt vor Verschlämmung und Erosion und vermindert die Verdunstung aus dem Boden. Der Bestand verbraucht beim Wachsen allerdings selbst Wasser, bei Trockenheit kann er deshalb mit Nachbarkulturen konkurrieren. Nach dem Frost bleibt die Fläche bedeckt, denn die abgestorbenen Wicken liegen weiter als Mulch auf dem Boden.

Unterdrücken Sommerwicken Unkraut?

Am Anfang nur schwach, erst mit zunehmender Wüchsigkeit wird die Wirkung stärker. Ist der Bestand etabliert, gilt die Art im Zwischenfruchtanbau als gut unkrautunterdrückend. Solange die Fläche lückig ist, gehe ich sie ab und ziehe auflaufendes Unkraut von Hand.

Senf oder Buchweizen schließen ihren Bestand schnell und nehmen auflaufendem Unkraut vor allem das Licht. Buchweizen lässt sich mit Sommerwicken mischen. In Feldversuchen glichen Mischungen mit unterschiedlichen Wuchsformen Bestandslücken aus und unterdrückten Unkraut besser als die einzelnen Arten allein. Ein schnell schließender Partner kann den langsamen Start der Wicke also ausgleichen.

Mythos-Check

„Sommerwicken sind Schnellstarter und ersticken jedes Unkraut.“ Für den Anfang stimmt das nicht. Dicht wird die Decke erst, wenn die Pflanzen wüchsig sind, bis dahin braucht die Fläche deine Kontrolle.

Wo sind Sommerwicken anderen Leguminosen voraus, und wo nicht?

Luftstickstoff binden alle Leguminosen, darin unterscheidet sich die Sommerwicke nicht von Klee oder Lupine. Die Unterschiede liegen bei Boden, Wuchshöhe, Winter und Anbaupause:

Art Bodenart Wuchshöhe Überwinterung Anbaupause
Sommerwicke Sand 50–120 cm nein 4 Jahre
Perserklee Sand 50–80 cm nein 3 Jahre
Serradella Sand 20–40 cm nein 3 Jahre
Inkarnatklee Lehm 30–60 cm möglich, harte und lange Winter verträgt er schlecht 4 Jahre
Rotklee Lehm 30–50 cm ja, mehrjährig 7 Jahre

Wo die Sommerwicke ihre Stärken hat

Sommerwicken passen in die Lücke zwischen April und August, wenn der Boden leicht ist und im Frühjahr wenig Arbeit anfallen soll. Als Bodenart passt zu ihnen Sand, während Inkarnatklee, Rotklee und Luzerne eher auf Lehm gehören. Dazu kommt der Winter: Winterharte Arten stehen bis zum Frühjahr, und ihre Pflanzenmasse kann dann beim Abräumen oder Einarbeiten viel Handarbeit kosten. Die Sommerwicke ist nicht winterhart, ihr abgefrorener Bestand liegt dann also schon als Mulch auf dem Beet.

Wo andere Leguminosen besser passen

  • Späte Lücken: Für die Saat im September eignen sich Inkarnatklee und Winterzottelwicke. Als Futterzwischenfrucht gilt die Sommerwicke ab Anfang August als spätsaatempfindlich.
  • Untersaat zwischen Gemüse: Dafür werden niedrig wachsende Gelb- oder Weißkleearten verwendet. Die Sommerwicke ist mit 50–120 cm Wuchshöhe dafür nicht die passende Art.
  • Tiefe Durchwurzelung: Lupinen und Ackerbohnen reichen als Gründüngung je nach Standort deutlich tiefer als 1 m.
  • Wenig Saatgut: Für Sommerwicken werden im Hausgarten 17–18 g Saatgut/m² angesetzt. Für Perserklee sind es 5 g/m².

Für die Saattermine hilft dir der druckbare Aussaatkalender für Gründünger, für die Anbaupausen der Beetplaner für deine Beetbelegung.

Mini-Checkliste

Sommerwicken passen, wenn dein Beet zwischen April und August frei wird, der Boden durchwurzelbar und nicht staunass ist und du die Fläche anfangs auf Unkraut kontrollieren kannst.

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Sommerwicke anbauen: die Eckdaten

Sommerwicken säst du flächig: Saatgut breitwürfig verteilen, einrechen, andrücken und bis zum Auflaufen feucht halten.

Merkmal Wert
Aussaat April bis August
Saattiefe 2–5 cm
Saatmenge im Hausgarten 17–18 g/m²
Keimdauer 7–21 Tage
Standort sonnig bis halbschattig
Boden Sand; ungeeignet sind verdichtete, staunasse sowie kalte und nasse Böden
Düngung Grunddüngung nach Nährstoffentzug, ohne Stickstoff

Weicht die Angabe auf deiner Saatguttüte ab, ist sie der verlässliche Ausgangspunkt. Die ganze Anleitung von der Bodenvorbereitung bis zur Saatgutgewinnung zeigt der Ratgeber dazu, wie du Sommerwicken im Garten anbaust; was für alle Gründünger bei Aussaat, Gießen und Düngen gilt, steht in den Grundlagen zur Gründüngung.

Einarbeiten, Fruchtfolge, Insekten: das Nötigste

Wann und wie arbeitest du Sommerwicken ein?

Beende den Bestand, bevor Samen reifen, sonst säen sich die Wicken selbst aus. Frische Masse arbeitest du nur flach ein oder lässt sie als Mulch liegen, danach wartest du meist etwa 2–3 Wochen bis zur nächsten Saat oder Pflanzung. Zeitpunkt, Mulch und Wartezeit erklären die Grundlagen zur Gründüngung im Abschnitt zum Mähen und Einarbeiten.

Wie passen Sommerwicken in Fruchtfolge und Mischung?

In der Fruchtfolge zählen Wicken zu den Hülsenfrüchten. Markerbsen, Puffbohnen, Prunkbohnen, Klee, Lupine, Luzerne und Serradella gelten als unverträgliche Nachbarn; einzelne Paarungen schlägst du im Werkzeug für Mischkultur-Nachbarn nach. Den Einsatz im Beet zeigt der Ratgeber dazu, wie du Sommerwicken in Mischkultur und Fruchtfolge einsetzt, die Familienregeln für alle Gründünger stehen in den Grundlagen im Abschnitt zu Fruchtfolge und Mischkultur.

Was haben Insekten von Sommerwicken?

Die Art gilt als nützlingsfreundlich. Viele Wildbienen sind aber auf wenige Nahrungspflanzen spezialisiert, ein einzelnes Blütenangebot versorgt deshalb nicht alle Arten. Was die Gründünger-Familien Insekten bieten, steht in den Grundlagen im Abschnitt zu Familien und Wuchsformen.

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Häufige Fragen

Was sind Sommerwicken und welche Vorteile bieten sie für den Gartenboden?
Sommerwicken (Vicia sativa) sind einjährig kultivierte Leguminosen, die tief wurzeln und als schwachzehrend gelten. Mit Knöllchenbakterien an den Wurzeln bringen sie zusätzlichen Stickstoff aus der Luft in den Boden. Ihre verrottenden Wurzeln hinterlassen Kanäle für Wasser und Luft, und die lebende Decke schützt die Oberfläche vor Starkregen, Verschlämmung und Erosion.
Wann ist der beste Zeitpunkt für die Aussaat von Sommerwicken?
Sommerwicken werden von April bis August gesät. Als Futterzwischenfrucht gilt die Art ab Anfang August als spätsaatempfindlich, plane die Saat deshalb lieber früher im Fenster ein. Die Körner kommen 2–5 cm tief in den Boden, und bis zum Auflaufen hältst du die Saat feucht.
Wie unterscheiden sich Sommerwicken von anderen Leguminosen wie Klee oder Luzerne?
Sommerwicken sind einjährig und nicht winterhart, Rotklee ist dagegen mehrjährig und winterhart. Als Bodenart passt zu Sommerwicken Sand, während Rotklee, Inkarnatklee und Luzerne eher auf Lehm gehören. Bei der Anbaupause liegt die Sommerwicke mit 4 Jahren unter Luzerne und Rotklee. Luftstickstoff binden alle diese Arten.
Worin unterscheiden sich Sommerwicken von Winterwicken in der Anwendung?
Sommerwicken werden von April bis August gesät, sind nicht winterhart und bleiben nach dem Abfrieren über Winter als Mulch liegen. Die Winterzottelwicke eignet sich dagegen noch für die Saat im September und wird als Nachkultur nach der Gemüseernte genutzt. Winterharte Bestände stehen bis zum Frühjahr und müssen vor der nächsten Kultur aktiv beendet werden.
Was passiert bei zu später Einarbeitung von Sommerwicken in den Boden?
Reifen die Samen aus, säen sich die Wicken selbst aus und laufen später als unerwünschter Aufwuchs auf. Ältere, verholzte Pflanzenreste verrotten außerdem langsamer als junges Material und können dabei vorübergehend Stickstoff aus dem Bodenvorrat binden. Beende den Bestand deshalb rechtzeitig vor der Samenreife.
Stimmt es, dass Sommerwicken den Boden auslaugen können?
Nein, Sommerwicken gelten als schwachzehrend und bringen als Leguminosen zusätzlichen Stickstoff aus der Luft in den Boden. Einschränkungen gibt es trotzdem: Der lebende Bestand verbraucht beim Wachsen Wasser, und verholzte Reste können beim Verrotten vorübergehend Stickstoff binden. Die Düngung der Folgekultur nimmt dir eine Wicken-Gründüngung nicht automatisch ab.
Wie kann man Sommerwicken erfolgreich als Mulchmaterial verwenden?
Gemähte Sommerwicken können zerkleinert als Mulch auf dem Beet bleiben. Für das Gemüsebeet gelten etwa 2 bis 3 cm Mulch als Richtmaß, Saatrillen und Jungpflanzen bleiben frei. Frische Masse darf nicht unter Luftabschluss geraten, weil sie dann faulen kann.
Welche Rolle spielen Bodenlebewesen bei der Zersetzung von Sommerwicken?
Bodentiere mischen das Pflanzenmaterial ein und beschleunigen seinen Abbau, Mikroorganismen beeinflussen Humusbildung und Nährstoffumsatz. Bei der Zersetzung werden Nährstoffe frei, die der Nachkultur zur Verfügung stehen. Ein stabilerer Anteil der organischen Substanz bleibt länger als Dauerhumus im Boden.
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