Gemüse · Exoten & Gemüse-Raritäten · Pflege

Rhabarber im Klimawandel: So passt du Schatten, Abstand und Ernte an

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 6 Min.Von der samen.live Redaktion
Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Rhabarber braucht Sonne für kräftige Stiele und verträgt leichten Schatten.
  • An warmen Standorten kann Schatten am späten Nachmittag die Umgebung der Staude im Sommer kühler halten.
  • Abstand: 150 cm in der Reihe und 130 cm zwischen den Reihen.
  • Bei Wasserstress ist auch etablierter Rhabarber deutlich weniger produktiv.
  • Reguläres Ernteende ist der 24. Juni, eine Spätsommerernte kann Ertrag und Wuchskraft im Folgejahr mindern.
  • Mulch kommt unter die Blätter, das Pflanzenherz bleibt frei.
Rhabarber als Stapel frisch geschnittener Stiele in Rosa- und Rottönen mit hellen Schnittflächen, ohne Blattspreiten
Foto: Hans · Pixabay Content License · Quelle ↗

Ein heißer, trockener Sommer zeigt sich beim Rhabarber im Ertrag: Eine etablierte Staude kann Trockenheit überstehen, ist bei Wasserstress aber deutlich weniger produktiv. Ich setze deshalb an drei Stellen an, die ich selbst in der Hand habe: am Platz mit Schatten zur passenden Tageszeit, am Abstand und am Ende der Ernte. Beim Gießen, Düngen und Pflanzenschutz ändere ich nur, was Hitze, Trockenheit oder Nässe betrifft.

Rhabarber ist eine winterharte, mehrjährige Staude und bleibt als Richtwert über 10 Jahre am selben Platz. Was du bei der Pflanzung entscheidest, gilt also für viele Sommer.

Wie viel Schatten verträgt Rhabarber?

Für kräftige Stiele und hohe Erträge gehört Rhabarber an einen sonnigen Platz, leichten Schatten verträgt er. An warmen Standorten kann Schatten am späten Nachmittag die Umgebung der Staude im Sommer kühler halten. Ein dauerhaft schattiger Platz hat dagegen einen Nachteil: Feuchte Jahre und Schattenlagen können Blattflecken begünstigen. Für heiße Sommer suchst du also keinen Schattenplatz, sondern einen sonnigen Platz, auf den ab dem späten Nachmittag Schatten fällt. So bekommen die Stiele ihr Licht, und um die Staude kann es am Nachmittag kühler bleiben.

So findest du den Platz mit Nachmittagsschatten

Schatten am späten Nachmittag werfen Hecken, Zäune, Schuppen oder Hauswände, die westlich vom Beet stehen. Steht dein Rhabarber schon in voller Sonne, kann ein Schattiernetz auf der Westseite an heißen Nachmittagen diese Aufgabe übernehmen. Achte bei der Platzwahl auch auf Wind: Er kann Gartenpflanzen sogar bei bedecktem Himmel und mäßiger Wärme stark austrocknen.

Marias Erfahrung

Bevor ich einen neuen Rhabarberplatz festlege, gehe ich an einem heißen Nachmittag durch den Garten und schaue, wohin der Schatten von Hecke und Schuppen fällt. Die Stelle markiere ich mit einem Stab, gepflanzt wird dann im Herbst.

Aussaatkalender Rhabarber
GartenkalenderVorkultur: März, April; Blüte: April, Mai; Ernte: Mai, Juni; Pflanzung: September, OktoberJFMAMJJASONDVorkulturVorkultur: MärzVorkultur: AprilBlüteBlüte: AprilBlüte: MaiErnteErnte: MaiErnte: JuniPflanzungPflanzung: SeptemberPflanzung: OktoberVorkulturBlüteErntePflanzung

Abstand und Dauerplatz: mit der ausgewachsenen Staude planen

Rhabarber wird 100 bis 150 cm hoch und bleibt viele Jahre stehen. Ich pflanze ihn als Einzelstaude in Reihen und rechne mit diesen Maßen:

Maß Wert
Abstand in der Reihe 150 cm
Abstand zwischen den Reihen 130 cm
Wuchsform Einzelstaude, Dauerkultur
Wuchshöhe 100 bis 150 cm
Standdauer am selben Platz über 10 Jahre (Richtwert)
Anbaupause für Rhabarber auf derselben Fläche 5 Jahre

Auf einer frischen Pflanzung wirken diese Lücken groß. Kurzlebige Zwischenkulturen können sie nutzen, solange du sie erntest, bevor sie die Hauptkultur bedrängen.

Wer einen zu sonnigen Platz später korrigieren will, muss die Staude umsetzen und die alte Fläche für Rhabarber 5 Jahre lang meiden. Den Nachmittagsschatten plane ich deshalb schon bei der Pflanzung ein. Welche Fläche wann wieder frei ist, kannst du im Beetplaner über mehrere Jahre festhalten.

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Sorten und Pflanzgut: welche Staude du vermehrst

Bei der Sortenwahl verlasse ich mich auf das, was ich im eigenen Garten sehe, und nicht auf Versprechen zur Hitzetoleranz. Ich notiere mir im Sommer, welche Staude in trockenen Wochen ihre Blätter länger aufrecht hält. Diese Staude teile ich im Oktober, damit die Teilstücke vor dem Winter noch Wurzeln bilden.

Den Weg über Samen gehe ich dafür nicht. Sämlinge gleichen wegen Fremdbestäubung selten der Ausgangssorte, und aus Samen gezogener Rhabarber wird erst in seiner dritten Wachstumssaison geerntet. Willst du eine Staude erhalten, die bei dir gut durch heiße Sommer kommt, nimmst du also ein Rhizomstück.

Ein Teilstück braucht mindestens eine Knospe, bevorzugt nimmst du eines mit mehreren. Als Pflanzgut rechnest du mit Rhizomstücken von 400 bis 500 g. Gepflanzt wird von September bis Oktober, den Termin findest du auch im Aussaatkalender für Exoten und Raritäten zum Ausdrucken. Vor der Pflanzung lockerst du den Boden mindestens 30 cm tief. Im ersten Pflanzjahr erntest du nicht, und die junge Staude darf nicht länger austrocknen. Wie das Schritt für Schritt geht, zeigt der Ratgeber, wie du Rhabarber durch Teilung oder Aussaat vermehrst und bis zur ersten Ernte pflegst.

Tipp

Häng der Staude, die du teilen willst, schon im Sommer ein Etikett an. Im Herbst zieht das Laub ein, dann lassen sich die Stauden schwer auseinanderhalten.

Erntezeit flexibel nutzen, das Ende einhalten

Die Rhabarberernte fällt in den Mai und Juni. Mit einer Vliesabdeckung im Frühjahr kannst du Austrieb und Ernte nach vorn holen. Das reguläre Ende bleibt der 24. Juni, der Grund dafür ist die Einlagerung von Reservestoffen. Flexibel bist du also am Anfang der Saison, nicht am Ende: Vlies verschiebt den Start, das Datum im Juni bleibt.

Erntereif sind mittelstarke bis dicke Stiele, deren Blätter sich glatt ausgebreitet haben. Du löst jeden Stiel mit einer ziehenden Drehbewegung vom Wurzelstock. In ein feuchtes Tuch gewickelt halten die Stiele im Kühlschrank mehrere Tage.

Junge Stauden erntest du zurückhaltender:

Situation Ernte
Pflanzjahr keine Ernte
Zweites Jahr nur April bis Mitte Mai
Aus Samen gezogen erst in der dritten Wachstumssaison
Reguläres Ernteende 24. Juni
Häufiger Fehler

Im Spätsommer, wenn es wieder kühler wird, noch einmal ernten. Eine Spätsommerernte kann die Reife im nächsten Frühjahr verzögern und Ertrag sowie Wuchskraft im Folgejahr mindern. Ich lasse meine Stauden nach dem 24. Juni stehen und gieße sie nur weiter.

Mythos-Check

Wird Rhabarber nach dem 24. Juni giftig? Das Datum markiert in der gewöhnlichen Rhabarberkultur das reguläre Ernteende und ist keine allgemeine Giftgrenze. Unabhängig vom Erntetag verwendest du nur die Stängel und entfernst die oxalsäurereichen Blätter und Blattansätze vor der Zubereitung.

Trockenheit: Gießen, Mulch und Boden

Damit der Rhabarber nicht in Wasserstress gerät, gießt du in sommerlichen Trockenperioden gründlich und seltener statt ständig oberflächlich. Als Beispielwert für solche Phasen gilt eine durchdringende Gabe von 40 l je m² pro Woche. Welke Blätter allein sind kein Gießsignal, denn sie können auch von faulenden Wurzeln bei zu viel Wasser kommen. Wie du Fruchtgemüse und Raritäten gleichmäßig und mit Maß gießt und düngst, erklärt die Übersicht zu Exoten und Gemüse-Raritäten.

Mulch verteilst du unter den Blättern, das Pflanzenherz bleibt dabei frei. Auf gutem Gemüsebeetboden dürfen die abgeschnittenen gesunden Rhabarberblätter und das im Herbst einziehende Laub zur Humuserhaltung im Beet bleiben. Rasenschnitt bringst du angewelkt und so dünn aus, dass der Boden noch durchscheint, Rindenmulch ist für Gemüsebeete ungeeignet.

Rhabarber braucht humusreichen, mittleren bis schweren Boden, der Wasser gut hält und nicht zu Staunässe neigt. Nach Starkregen betrittst du das nasse Beet nicht, weil das den Boden verdichtet und Verdichtung Wachstum und Wurzelgesundheit beeinträchtigt. Wie du einen neuen Platz herrichtest, zeigt der Ratgeber, wie du den Boden für Rhabarber vorbereitest. Die Grundlagen zu Sonne, Wärme und Durchlässigkeit stehen in derselben Übersicht unter Standort und Boden.

Düngen, Pflege und Gesundheit bei Hitze und Nässe

Als Starkzehrer bekommt Rhabarber im zeitigen Frühjahr Kompost und ergänzend Stickstoff, bevorzugt organisch und abgestimmt auf eine Bodenuntersuchung. Organische Dünger setzen bei Trockenheit oder stauender Nässe kaum Nährstoffe frei, feucht-warmes Wetter kann dagegen größere Nährstoffschübe auslösen. Zu jeder Düngergabe gehört deshalb Wasser: Für Rhabarber gilt eine begleitende Gabe von mindestens 20 l je m², und der Dünger kommt auf feuchten Boden. Die Grundsätze dazu stehen in der Übersicht im Abschnitt Gießen und Düngen.

Den Sommer über hältst du das Beet frei von Unkraut und entfernst bei der Stielkultur regelmäßig die Blütenstände. In den ersten ein bis zwei Jahren jätest du von Hand oder hackst flach, damit die junge Pflanze unverletzt bleibt. Einen Überblick, welche Arbeiten am Rhabarber übers Jahr anstehen, gibt der Pflegekalender, den artübergreifenden Teil findest du in der Übersicht unter Pflege und Überwintern.

Nach nassen Wochen schaue ich mir vor allem die Blätter halbschattig stehender Stauden genauer an. Wie du Krankheiten und Schädlingen bei Exoten und Raritäten vorbeugst und was du absammelst, steht in der Übersicht im Abschnitt Krankheiten und Schädlinge.

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Häufige Fragen

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf den Rhabarberanbau im eigenen Garten?
Heiße, trockene Sommer zeigen sich beim Rhabarber im Ertrag: Eine etablierte Staude kann Trockenheit überstehen, ist bei Wasserstress aber deutlich weniger produktiv. Nasse Jahre bringen ein anderes Risiko, denn feuchte Jahre und Schattenlagen können Blattflecken begünstigen. Mit Vlies im Frühjahr kannst du Austrieb und Ernte nach vorn holen, das reguläre Ernteende am 24. Juni bleibt trotzdem bestehen.
Wie kann ich Rhabarberpflanzen an veränderte Wetterbedingungen anpassen?
Setze Rhabarber an einen sonnigen Platz, auf den am späten Nachmittag Schatten fällt, und plane den vollen Abstand für die ausgewachsene Staude ein. In Trockenperioden gießt du gründlich und seltener statt ständig oberflächlich, Mulch verteilst du unter den Blättern, ohne das Pflanzenherz zu bedecken. Die Ernte beendest du am 24. Juni und verzichtest auf eine Spätsommerernte, weil sie Ertrag und Wuchskraft im Folgejahr mindern kann.
Welches Bewässerungssystem eignet sich für Rhabarberpflanzen?
Tropfbewässerung führt das Wasser gezielt an die Pflanze und kann Wasser sparen. Sie braucht aber einen Filter, damit die Tropfer nicht verstopfen oder verkalken. Unabhängig vom System gießt du Rhabarber gründlich und seltener statt ständig oberflächlich, bevorzugt sehr früh am Morgen. Für sommerliche Trockenperioden gilt eine durchdringende Gabe von 40 l je m² pro Woche als Beispielwert.
Wie beeinflusst die Bodenqualität die Widerstandskraft von Rhabarber bei Hitze und Trockenheit?
Rhabarber braucht humusreichen, mittleren bis schweren Boden mit guter Wasserhaltefähigkeit, der nicht zu Staunässe neigt. Kompost lockert schwere Böden und verbessert bei leichten Böden die Speicherung von Wasser und Nährstoffen. Staunässe und Verdichtung meidest du, weil sie Wachstum und Wurzelgesundheit beeinträchtigen. Vor der Pflanzung lockerst du den Boden deshalb mindestens 30 cm tief.
Ist es ein Mythos, dass Rhabarber nach dem Johannistag giftig wird?
Der 24. Juni ist in der gewöhnlichen Rhabarberkultur das reguläre Ernteende, aber keine allgemeine Giftgrenze. Der Grund für das Datum ist die Reservestoffeinlagerung, und eine Ernte im Spätsommer kann Ertrag und Wuchskraft im Folgejahr mindern. Unabhängig vom Erntetag verwendest du nur die Stängel und entfernst die oxalsäurereichen Blätter und Blattansätze vor der Zubereitung.
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