Erdbeerspinat: Omas Bauerngartengemüse neu entdeckt und angebaut
- Altes Bauerngartengemüse: Die aufwendige Einzelblatternte trug dazu bei, dass leichter erntbare Spinatkulturen ihn verdrängten.
- Direktsaat ins Beet ist von März bis Juli möglich, die Samen kommen 1 cm tief in die Erde.
- Die erste Blatternte ist nach 10 bis 12 Wochen Kulturzeit möglich, gepflückt wird einzeln bis zum Blühbeginn.
- Die roten Früchte sind essbar, schmecken aber nicht nach Erdbeeren.
- Erdbeerspinat ist ein Lebensmittel, keine Medizin, und das Etikett Superfood belegt keinen gesundheitlichen Mehrwert.

Erdbeerspinat liefert dir von einer Pflanze zwei essbare Teile: Blätter, die du wie Spinat verwendest, und rote Früchte. Nach Erdbeeren schmecken die Früchte allerdings nicht, das solltest du schon vor dem Säen wissen. Wer ihn anbaut, holt sich also vor allem ein Blattgemüse ins Beet, das Blatt für Blatt gepflückt wird.
Von den Wurzeln bis zur Wiederentdeckung
Erdbeerspinat ist ein altes Bauerngartengemüse, dessen Blätter man wie Spinat nutzt. Seine Ernte ist Handarbeit, denn jedes Blatt wird einzeln gepflückt. Diese aufwendige Einzelblatternte trug dazu bei, dass ihn leichter erntbare Spinatkulturen verdrängten.
Hinzu kommt eine zweite Grenze: Die Blätter pflückst du nur bis zum Blühbeginn, weil danach bloß noch kleine Blätter nachwachsen. Aus beidem folgt: Erdbeerspinat bringt keine große Ernte auf einen Schlag, sondern Blätter Stück für Stück für die laufende Küche.
Im Hausgarten stört diese Ernteweise wenig. Ich pflücke ohnehin nur so viel, wie ich für eine Mahlzeit brauche, und dafür genügt ein kurzer Gang ans Beet. Dazu kommen die roten Früchte, die Farbe ins Beet bringen und mitgegessen werden können.
Ein Blick auf die botanischen Besonderheiten
Botanisch heißt Erdbeerspinat Blitum capitatum, er gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Die Pflanze ist einjährig, du säst sie also jedes Jahr neu. Ähriger Erdbeerspinat erreicht eine Wuchshöhe von 20 bis 60 cm.
Ins Auge fallen die roten Früchte. Sie sind essbar, schmecken trotz des Namens aber nicht nach Erdbeeren. Für die Küche zählen vor allem die Blätter, die du wie Spinat verwendest. Das Saatgut ist fein, sein Tausendkorngewicht liegt bei 0,86 g.
| Merkmal | Erdbeerspinat |
|---|---|
| Botanischer Name | Blitum capitatum |
| Familie | Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae) |
| Lebensdauer | einjährig |
| Wuchshöhe | 20 bis 60 cm beim Ährigen Erdbeerspinat |
| Genutzte Teile | Blätter wie Spinat, rote Früchte essbar |
| Tausendkorngewicht | 0,86 g |
„Erdbeerspinat schmeckt nach Erdbeeren.“ Die roten Früchte sind zwar essbar, nach Erdbeeren schmecken sie aber nicht. Plane ihn deshalb als Blattgemüse, dessen Früchte eine essbare Zugabe sind.
Erdbeerspinat im Gartenbeet anbauen
Standort und Boden
Als Richtwert eignet sich für Erdbeerspinat ein sonniger bis halbschattiger Platz. Beim Boden achtest du auf Durchlässigkeit, denn Staunässe verträgt er schlecht. Stellen, an denen sich nach Regen Pfützen halten, lasse ich für ihn aus.
Aussaat direkt ins Beet
Von März bis Juli kannst du Erdbeerspinat direkt ins Beet säen. Du ziehst Rillen, legst die Samen 1 cm tief ab und deckst sie mit Erde zu. Die Mindesttemperatur zum Keimen liegt bei 10 °C. Bei Sommeraussaaten messe ich die Bodentemperatur in Saattiefe, denn die Höchsttemperatur für die Keimung liegt bei 20 °C. Bis die Keimlinge erscheinen, vergehen 10 bis 14 Tage.
Bei der DirektsaatBei der Direktsaat säst du die Samen gleich an Ort und Stelle ins Beet, statt sie vorher im Haus vorzuziehen. Die Pflanzen keimen und wachsen dort, wo du sie später erntest. legst du die Reihen mit 25 cm Abstand an. Sind die Sämlinge aufgelaufen, vereinzelst du sie innerhalb der Reihe auf 15 cm. Die Saat hältst du mäßig feucht und gießt sie mit feinem Strahl an, damit die Samen nicht weggeschwemmt werden. Die frische Saat bleibt zunächst ohne Mulch.
VereinzelnVereinzeln heißt, zu dicht aufgegangene Sämlinge in der Saatreihe auszudünnen, damit die übrigen Pflanzen genug Platz, Wasser und Nährstoffe haben. Manchmal ist auch das Pikieren gemeint, also das Umsetzen junger Sämlinge in einzelne Töpfe. heißt, zu dicht aufgelaufene Sämlinge herauszuziehen, bis die übrigen im gewünschten Abstand stehen. So bekommt jede verbliebene Pflanze Platz für ihre Blätter.
| Aussaat und Abstände | Wert |
|---|---|
| Aussaatzeit für die Direktsaat | März bis Juli |
| Saattiefe | 1 cm |
| KeimtemperaturDie Keimtemperatur ist die Temperatur, bei der Samen keimen. Jede Pflanzenart hat dafür ein Minimum, ein Optimum und ein Maximum; unterhalb des Minimums keimt die Saat nicht. | mindestens 10 °C, höchstens 20 °C |
| Keimdauer | 10 bis 14 Tage |
| Reihenabstand bei Direktsaat | 25 cm |
| Abstand in der Reihe nach dem Vereinzeln | 15 cm |
| Erste Blatternte | nach 10 bis 12 Wochen KulturzeitDie Kulturzeit ist die Zeitspanne, die eine Gemüseart von der Aussaat oder Pflanzung bis zur Ernte braucht. Je nach Art ist sie kurz wie bei Radieschen oder lang wie bei Herbstkohl. möglich |
Die Saattermine deiner übrigen Blattgemüse findest du im Aussaatkalender für Salate und Blattgemüse.
Beet ohne Staunässe gewählt, Rillen im Reihenabstand gezogen, Samen 1 cm tief abgelegt, Bodentemperatur geprüft, Saat mit feinem Strahl angegossen, Sämlinge in der Reihe vereinzelt.
Gießen, Mulchen und Hacken
Bevor ich gieße, grabe ich an einer Stelle vorsichtig nach und sehe, wie tief das Wasser eingedrungen ist. Gegossen wird möglichst morgens und direkt im Wurzelbereich, so benetzt du die Blätter weniger und es verdunstet weniger Wasser. Zwischen den Reihen kann eine Mulchdecke die Verdunstung vermindern und BeikrautBeikraut nennt man jede Pflanze, die zwischen den angebauten Kulturpflanzen mitwächst, egal ob wild oder domestiziert, nützlich oder schädlich. Das Wort ist neutral gemeint, während „Unkraut“ eine persönliche Wertung ausdrückt. unterdrücken. Saatrillen und Jungpflanzen lässt du dabei frei. Rasenschnitt welke ich vorher an und verteile ihn so, dass der Boden noch durchscheint. Verkrustet die Oberfläche, hacke ich sie flach auf, damit Regenwasser besser eindringt.
Mischkultur und Beetplanung
Welche Nachbarn zu Erdbeerspinat passen, prüfst du im Mischkultur-Planer. Mischkultur kann unterstützen, garantiert aber nichts. Ihre Wirkung hängt auch von Standort, Licht, Boden und Pflege ab. Reihen und Abstände legst du im Beetplaner für dein ganzes Beet fest.
Im Pflanzgefäß braucht Erdbeerspinat freien Wasserabzug, weil er Staunässe schlecht verträgt. Gefäß, Substrat, Aussaat und Pflege auf Balkon oder Terrasse beschreibt der Ratgeber, wie du Erdbeerspinat in Topf und Kübel ziehst.
Ernte: Blatt für Blatt bis zum Blühbeginn
Die erste Blatternte ist nach 10 bis 12 Wochen Kulturzeit möglich. Du pflückst die Blätter einzeln und lässt die Pflanze dabei stehen. Das geht bis zum Blühbeginn, danach wachsen nur noch kleine Blätter nach. Ich säe innerhalb des Fensters von März bis Juli nicht alles auf einmal.
Die roten Früchte sind essbar. Ich nehme sie beim Pflücken mit und gebe sie als Farbtupfer in die Schüssel.
Was du beim Pflücken nicht sicher als Erdbeerspinat erkennst, kommt nicht in die Schüssel. Mitgeerntetes Kreuzkraut oder Greiskraut kann Pyrrolizidinalkaloide in dein Blattgemüse eintragen.
Kleine Herausforderungen im Beet
Die Saat läuft nicht auf
Zeigt sich nach der Keimdauer von 10 bis 14 Tagen kein Grün, kann die Bodentemperatur der Grund sein. Unter der Mindesttemperatur von 10 °C kann die Saat liegen bleiben. Auch über der Höchsttemperatur von 20 °C kann die Keimung ausbleiben. Säe in diesem Fall nach, sobald die Temperatur in Saattiefe wieder im Keimbereich liegt.
Welke Blätter
Welke Blätter können bei TrockenstressTrockenstress entsteht, wenn eine Pflanze mehr Wasser verdunstet, als sie aus dem Boden nachholen kann. Sie welkt zuerst, bei anhaltendem Mangel werden Blattränder braun und die Wurzeln können dauerhaft geschädigt werden. auftreten, aber auch bei beginnender Wurzelfäule. Prüf bei welken Blättern zuerst die Bodenfeuchte, denn Erdbeerspinat verträgt Staunässe schlecht. Ist der Boden nass, gießt du nicht nach.
Nur noch kleine Blätter
Werden die neuen Blätter klein, kann das schlicht am Blühbeginn liegen. Ab dann wachsen nur noch kleine Blätter nach, das muss kein Pflegefehler sein.
Wenn Blattläuse oder Schnecken auftauchen
Siedeln sich Blattläuse an, spüle ich befallene Triebe am Morgen mit einem kräftigen Wasserstrahl ab. Gegen Blattläuse arbeiten im Garten vor allem Marienkäfer, SchwebfliegenSchwebfliegen sind Fliegen mit oft schwarz-gelber, wespenähnlicher Zeichnung, die in der Luft auf der Stelle schweben können. Sie gelten als Nützlinge: Die erwachsenen Tiere bestäuben Blüten, die Larven vieler Arten fressen Blattläuse., Florfliegen und Blattlaus-Schlupfwespen. Erwachsene Schwebfliegen und Florfliegen leben von Pollen, Nektar und HonigtauHonigtau ist die zuckerhaltige Ausscheidung von Blattläusen, die die Blätter verklebt. Auf ihm können sich schwarze Rußtaupilze ansiedeln, außerdem fressen Ameisen ihn.. Deshalb setze ich Blühpflanzen wie Dill, Ringelblume und Buchweizen als bunte Tupfer ins Gemüsebeet. Ein Überangebot an Stickstoff vermeide ich, weil überdüngte Pflanzen stärker befallen werden können.
Mulch hält die Feuchtigkeit im Boden, dauerhaftes Mulchen kann aber den Schneckenbesatz erhöhen. Bei starkem Nacktschneckenbefall kann es sinnvoll sein, den Mulch samt Schnecken und Eiern abzuräumen.
Ich verbinde das Pflücken mit einem Blick auf Triebspitzen und Blattunterseiten. Dort schaue ich zuerst nach Blattläusen, bevor ich die Blätter in die Schüssel lege.
Erdbeerspinat in der Küche: Rezepte und Aufbewahrung
In der Küche verwendest du die Blätter wie Spinat, die roten Früchte sind essbar und bringen Farbe auf den Teller. Rezepte für Blätter und Früchte sowie Tipps zum Aufbewahren findest du im Ratgeber, wie du Blätter und Beeren des Erdbeerspinats in der Küche zubereitest. Auch Spinatrezepte passend zur Jahreszeit kannst du mit Erdbeerspinatblättern ausprobieren, denn die Blätter werden wie Spinat genutzt.
Volksheilkunde: was vom Ruf als Hausmittel bleibt
Alte Hausmittel neu eingeordnet
Im Bauerngarten stand Erdbeerspinat als Gemüse, seine Blätter nutzt man wie Spinat. Wie alle Salate und Blattgemüse ist er ein Lebensmittel, keine Medizin. Er gehört auf einen abwechslungsreichen Speiseplan und nicht in die Hausapotheke. Hast du gesundheitliche Beschwerden, frag deine Ärztin oder deinen Arzt, statt auf ein Gemüse aus dem Beet zu setzen.
Überlieferte Anwendungen gebe ich deshalb nicht als Anleitung weiter. Ich baue Erdbeerspinat als Blattgemüse für die Küche an, nicht als Hausmittel.
Superfood-Etikett und Nährwerte
Manchmal taucht Erdbeerspinat unter dem Etikett Superfood auf. Dieses Wort allein belegt keinen gesundheitlichen Mehrwert gegenüber anderem Gemüse und Obst. Für deine Ernährung zählt, was du insgesamt isst, und dabei bleibt Vielfalt bei Gemüse die Empfehlung. Was sich über Erdbeerspinat sicher sagen lässt, betrifft Garten und Küche: essbare Blätter, essbare rote Früchte und eine Vergangenheit als Bauerngartengemüse.
Welche Nährstoffe Erdbeerspinat liefert und wo beim Verzehr Grenzen liegen, vertieft der Beitrag zu Nährstoffen und Verzehrgrenzen beim Erdbeerspinat. Den Überblick über Nährwerte, Küche und Oxalsäure bei Salaten und Blattgemüse gibt der Ratgeber für alle Salate und Blattgemüse.




