Rettichanbau: Probleme erkennen und beheben, vom Schossen bis zur Kohlhernie
- Schossen kann durch Kälte ausgelöst werden, lange Tage beschleunigen danach die Blütenentwicklung.
- Frühe Saaten deckst du mit Folie oder Vlies ab, das verfrüht die Ernte und kann das Schossrisiko senken.
- Risse und pelzige Rüben können auf wechselnde Bodenfeuchte hindeuten, gegabelte Rüben auf verdichteten Boden.
- Gegen Erdflöhe kann ein engmaschiges Netz helfen, das direkt nach der Saat aufliegt und am Boden dicht abschließt.
- Bei Kohlherniebefall kommen kranke Pflanzen samt Wurzeln aus dem Beet und nicht auf den Kompost.
- Zur Kohlhernie-Vorbeugung steht Rettich nur alle 4 bis 6 Jahre auf derselben Fläche, Gelbsenf als Gründüngung zählt mit.
Wenn dein Rettich schießt, aufplatzt oder pelzig wird, fällt das oft erst kurz vor der Ernte auf. Für diesen Satz ist es dann meist zu spät, für den nächsten nicht. Ich gehe bei Problemen im Rettichbeet vom Schadbild aus: Was sehe ich, was kann dahinterstecken, und was ändere ich beim nächsten Satz? Eine sichere Diagnose liefert das Schadbild allein nicht, es grenzt die Ursachen aber ein.
Vorbeugen geht dabei vor Behandeln. Wie das bei allen Wurzelgemüsen funktioniert, steht im Kapitel über Krankheiten und Schädlinge im Wurzelgemüse-Überblick. Den kompletten Ablauf von der Bodenvorbereitung bis zur Lagerung findest du in der Anleitung, wie du Rettich Schritt für Schritt anbaust.
Schadbild, mögliche Ursache, erster Schritt
Die Tabelle ist mein Einstieg, wenn im Beet etwas nicht stimmt. Die Ursachen darin sind Hinweise, keine Diagnosen, und oft wirken mehrere zusammen.
| Was du siehst | Mögliche Ursache | Erster Schritt |
|---|---|---|
| Reihe bleibt lückenhaft | Saat zu tief, Saatbett ausgetrocknet, altes Saatgut | Saatbett feucht halten, KeimprobeDie Keimprobe ist ein einfacher Test vor der Aussaat: Du legst eine abgezählte Zahl Samen auf feuchtes Küchenpapier und zählst nach der Keimdauer, wie viele gekeimt sind. So siehst du, ob sich älteres Saatgut noch lohnt. machen |
| Viele kleine Löcher im jungen Laub | ErdflöheErdflöhe sind winzige, sprungstarke Blattkäfer, die Blätter von Kohlgewächsen wie Radieschen, Rucola und Kohl siebartig durchlöchern. Am häufigsten sind Kohlerdflöhe, kleine Käfer mit gelben Streifen an der Seite. | Netz direkt nach der Saat auflegen |
| Gänge oder Maden in der Rübe | KohlfliegeDie Kohlfliege (Kleine Kohlfliege) ist ein Schädling an Kohl, Rettich und Radieschen. Ihre weißlichen Maden sitzen im Wurzelbereich junger Kohlpflanzen, die dann welken; in Rettich und Radieschen verursachen sie Fraßgänge. | Netz direkt nach der Saat auflegen |
| Blütenstängel statt dicker Rübe | Kälte als Schossreiz, lange Tage, Trockenheit | Frühsaat abdecken, Sorte und Termin anpassen |
| Rübe aufgeplatzt oder rissig | Starke Wechsel der Bodenfeuchte | Gleichmäßig feucht halten |
| Rübe pelzig oder schwammig | Feuchtewechsel, Rübe zu lange im Beet | Gleichmäßig gießen, rechtzeitig ernten |
| Gelbes, schlaffes Laub bei nassem Boden | Staunässe | Wasserabzug verbessern, Gießen anpassen |
| Rübe gegabelt oder krumm | Verdichteter oder steiniger Boden | Boden vor dem nächsten Satz lockern |
| Welke bei Wärme, knotige Verdickungen an den Wurzeln | KohlhernieKohlhernie ist eine Wurzelkrankheit von Kohl und anderen Kreuzblütlern, verursacht durch den Schleimpilz Plasmodiophora brassicae. Befallene Pflanzen welken und kümmern, an den Wurzeln bilden sich knötchenartige Verdickungen oder fingerförmige Wucherungen. | Wurzeln prüfen, bei Befall Pflanzen samt Wurzeln entfernen |
Empfehlungen für den Garten
Aussaat und Vermehrung
- Saattiefe
Die Samen 1-2 cm tief säen.
Warum bleibt die Reihe lückenhaft?
Rettich braucht zum Keimen 4 bis 25 Tage, vorher lohnt die Fehlersuche nicht. Liegen die Samen zu tief oder trocknet das Saatbett während QuellungQuellung ist die Wasseraufnahme eines trockenen Samens und der erste Schritt der Keimung. Der Same schwillt dabei an, bis der innere Druck die Samenschale öffnet und die Keimwurzel austreten kann. und Keimung aus, kann das Lücken erklären; vernässen soll es allerdings auch nicht. Bei älterem Saatgut zeigt eine Keimprobe über 2 bis 3 Wochen, ob du dichter säen oder frisches Saatgut nehmen solltest. Termine und Saattiefen stehen im Wurzelgemüse-Überblick unter „Aussaat, Vorkultur und Pflanzung“.
Wer frisst Löcher ins Laub und Gänge in die Rübe?
Viele kleine Löcher im jungen Laub können auf Erdflöhe hindeuten, etwa 1,5 bis 3 mm große Käfer, die bei Störung wegspringen. Gänge oder Maden in der Rübe können auf die Kohlfliege hindeuten. Vorbeugend legst du direkt nach der Saat ein Kulturschutznetz mit 0,8 mm Maschenweite auf und schließt es dicht am Boden ab. Welche natürlichen Gegenspieler dazukommen, liest du im Beitrag, wie du Rettiche mit natürlichen Mitteln vor Schädlingen schützt.
Warum schießt mein Rettich?
Ein Blütenstängel im Rettichbeet zeigt, dass die Pflanze ins SchossenSchossen nennt man es, wenn eine Gemüsepflanze vorzeitig in die Höhe wächst und Blütenstände bildet, statt weiter Blätter oder Knollen zu entwickeln. Typisch ist das bei Salat, Spinat und Radieschen. gegangen ist. Kälte kann bei Rettich die Blütenbildung auslösen. Lange Tage beschleunigen danach die weitere Blütenentwicklung. Wer früh im Jahr ohne Schutz sät, setzt die jungen Pflanzen also dem Auslöser aus und schickt sie anschließend in die länger werdenden Tage.
So senkst du das Risiko
Frühe Saaten deckst du deshalb gleich mit Folie oder Vlies ab. Das verfrüht die Ernte und kann das Schossrisiko vermindern. Ich nehme dafür ein Vlies mit 17 g/m². In sommerlichen Trockenphasen gieße ich, denn Trockenheit beeinträchtigt die Wurzelqualität und fördert das Schossen.
Sorte und Termin müssen zusammenpassen. Sommerrettich säst du als NachkulturEine Nachkultur ist Gemüse, das im Sommer auf einem frei gewordenen Beet gesät oder gepflanzt wird, nachdem die erste Kultur abgeerntet ist. Es wird noch vor den ersten Frösten reif oder bleibt über den Winter stehen. von Ende Mai bis Mitte Juli. Winterrettich gehört in die Zeit von Mitte Juni bis Mitte August. Welche Sorte in welchen Monat gehört, erklärt der Beitrag, wann du welchen Rettich aussäst. Zum Aufhängen gibt es den druckbaren Aussaatkalender für Wurzelgemüse.
Einen Rettich, der schon schießt, holst du nicht mehr zurück. Ich ziehe ihn, schneide ihn an und entscheide nach dem Anschnitt, ob er in die Küche kommt.
Ich stecke bei jedem Satz ein Schild mit Sorte und Saattag an den Beetrand. Schießt ein Satz, sehe ich so gleich nach, ob Termin und Sorte zusammengepasst haben.
Warum platzt der Rettich oder wird pelzig?
Rettich braucht einen Boden, der Feuchtigkeit speichert und trotzdem gut durchlässig ist. Zu wenig, zu viel und zu wechselhaftes Wasser zeigen sich an der Rübe.
Risse und pelziges Fleisch
Aufgeplatzte oder rissige Rüben können auf starke Wechsel der Bodenfeuchte hindeuten, etwa wenn auf eine Trockenphase ein kräftiger Guss folgt. Beim eng verwandten Radieschen können starke Schwankungen der Wasserversorgung pelzige oder geplatzte Knollen verursachen. Risse und pelziges Fleisch am Rettich lese ich deshalb zuerst als Hinweis auf wechselnde Feuchte. Pelzig kann eine Rübe auch werden, wenn sie zu lange im Beet steht. Im Topf trocknet das begrenzte Substrat schneller aus als Gartenboden, deshalb prüfe ich dort die Feuchte mit dem Finger auch unter der Oberfläche.
Staunässe
Gelbes, schlaffes Laub bei dauernd nassem Boden kann auf Staunässe hindeuten. Tonreiche Böden leiten Wasser schlecht ab, und im Gefäß braucht es freie Abzugslöcher, damit überschüssiges Wasser abläuft. Nässe hat beim Rettich eine zweite Seite: Hohe Bodenfeuchte begünstigt zusammen mit hohen Bodentemperaturen die Kohlhernie. Wie du gleichmäßig und durchdringend gießt, zeigt der Beitrag, wie du Rettiche richtig gießt und pflegst.
Warum ist die Rübe gegabelt oder krumm?
Gegabelte, beinige oder krumme Rüben können auf verdichteten oder steinigen Boden hindeuten. Bei Schwarzwurzeln fördern Verdichtungen, ungleichmäßig abgesetzte Saatbetten und Steine verzweigte Wurzeln, bei Möhren begünstigt Verdichtung gegabelte Rüben. Beim Rettich stoße ich deshalb eine spitze Metallstange in den feuchten Boden und spüre nach, wo sie auf Widerstand trifft. Schwere Böden lockerst du erst, wenn sie abgetrocknet sind und nicht mehr an Schuhen oder Spaten kleben.
Wie du das Beet für gerade, ungespaltene Wurzeln vorbereitest, steht im Beitrag zur Bodenvorbereitung für Rettiche. Beim Standort kommt Rettich mit Sonne bis Halbschatten zurecht, stark saure Böden meidest du. Die Grundlagen dazu findest du im Wurzelgemüse-Überblick unter „Standort, Boden und Gefäß“.
Knoten an den Wurzeln: Ist das Kohlhernie?
Welken Rettiche bei Wärme, obwohl der Boden feucht ist, lohnt der Blick an die Wurzeln. Knotige Verdickungen oder Wucherungen können auf Kohlhernie hindeuten. Anfällig sind Kreuzblütler wie Rettich und Radieschen. Hohe Bodentemperaturen begünstigen die Krankheit zusammen mit hoher Bodenfeuchte, deshalb meidest du für Rettich verdichtete und staunasse Standorte.
Der Erreger bildet DauersporenDauersporen sind mikroskopisch kleine Sporen, mit denen manche Krankheitserreger im Boden überdauern, etwa der Erreger der Kohlhernie. Sie bleiben über mehrere Jahre lebensfähig und können dann erneut Pflanzen infizieren., die mehrere Jahre im Boden lebensfähig bleiben und erneut Infektionen auslösen können. Nach starkem Befall kann es bis zu zehn Jahre dauern, bis sich die Fläche erholt hat.
Was du bei Befall tust
Bei Kohlherniebefall nimmst du kranke Pflanzen einschließlich ihrer Wurzeln aus dem Beet.
Kranke Pflanzen gehören bei Kohlhernie samt Wurzeln nicht auf den Kompost. Ich hebe sie mit der Grabgabel aus, damit die Wurzeln möglichst vollständig mitkommen.
Danach zählt die Pause. Anfällige Kreuzblütler wie Rettich und Radieschen stehen zur Kohlhernie-Vorbeugung nur alle 4 bis 6 Jahre auf derselben Fläche. Zu den Kreuzblütlern zählen auch Kohl, Rucola, Steckrüben und Senf, und sie sollen nicht unmittelbar aufeinander folgen.
Nach dem Rettich Gelbsenf oder Ölrettich als Gründüngung säen. Beide sind Kreuzblütler und zählen auch als Gründüngung zur Anbaupause, die Zählung beginnt damit von vorn. Phacelia passt besser, weil sie mit den gängigen Gemüsearten nicht verwandt ist.
Für die Planung zählen die Kulturen der vergangenen und kommenden Jahre, Gründüngungen eingeschlossen. Ich trage deshalb jedes Jahr ein, wo Kreuzblütler standen, und nutze dafür den Beetplaner.
Zu spät geerntet, schnell welk?
Beim Rettich Rex liegt die Ernte ungefähr 9 bis 10 Wochen nach der Aussaat. Späte Rettiche holst du nur aus ungefrorenem Boden, sonst können die Wurzeln abbrechen. Woran du den richtigen Moment erkennst, steht im Beitrag, wie du Rettiche knackig und zur rechten Zeit erntest.
Nach der Ernte hält sich Rettich ohne Laub und in ein feuchtes Tuch eingeschlagen im Kühlschrank rund 1 Woche. Mehr zum Lagern steht im Wurzelgemüse-Überblick unter „Lagern“.
Gelbes Laub, kleine Rüben: Muss ich düngen?
Gelbliches Laub oder kleine Rüben verleiten schnell zum Nachdüngen, dabei kann auch Staunässe dahinterstecken. Beim Rettich bestimmst du den Düngebedarf vor der Kultur mit einer Bodenuntersuchung und düngst nur, wenn der Bericht Bedarf zeigt. Wie du das umsetzt, erklärt der Beitrag, wie, wann und womit du Rettich bedarfsgerecht düngst.





