Süßkraut anbauen: So ziehst du Stevia vom feinen Samen bis zur Blatternte
- Kulturstart im Beetplaner: Februar bis Mai, Vorkultur im Warmen – Süßkraut ist ein Lichtkeimer, die Samen werden nur angedrückt (Saattiefe 0–0,5 cm).
- Keimung bei 20 bis 24 °C in 14 bis 21 Tagen; das Saatgut darf während der Keimung nie austrocknen.
- Pikieren mit 4–6 echten Blättern in Einzeltöpfe, Auspflanzen erst nach Ende der Frostgefahr; im Beet 30 cm in der Reihe bei 30 cm Reihenabstand.
- Standort sonnig bis halbschattig, warm, sandiger durchlässiger Boden; Hochbeet und Topf sind belegte Anbauorte.
- Ernte etwa Juni bis Oktober, für den Vorrat vor der Blüte (Juli bis August); die Blätter werden frisch oder getrocknet verwendet.
- Nicht freiland-winterhart: Überwintern hell und frostfrei als Kübelpflanze, sparsamer gießen, ohne den Wurzelstock austrocknen zu lassen.

Süßkraut-Samen sind winzig, die Keimung will Wärme und Geduld, und die fertige Pflanze verträgt keinen Frost. Wer eines davon übersieht, steht im Sommer mit leeren Schalen oder erfrorenen Jungpflanzen da. Ich ziehe Stevia deshalb früh im Jahr am warmen Fenster vor, prüfe vor jedem Gießen die Feuchte der Aussaaterde und pflanze erst aus, wenn keine Frostgefahr mehr besteht. Hier bekommst du den ganzen Weg: Aussaat, PikierenPikieren heißt, dicht aufgelaufene Sämlinge zu vereinzeln: Du setzt die jungen Pflänzchen einzeln in kleine Töpfe, sobald sich in der Triebmitte die ersten Laubblätter zeigen, damit jedes genug Platz zum Wachsen hat., Auspflanzen, Ernte, Überwinterung und Vermehrung.
Süßkraut heißt botanisch Stevia rebaudiana. Es ist eine mehrjährige Pflanze, die hierzulande häufig als einjährige Kultur angebaut wird, weil sie nicht winterhart ist. Sie wird etwa 30–60 cm hoch und 20–30 cm breit, blüht etwa Juli bis August, und ihre Blätter schmecken süß – Süßkraft- und Dosierungsangaben bleiben in diesem Artikel außen vor.
Woher Süßkraut kommt und warum es hier einjährig läuft
Stevia stammt aus wärmeren Regionen Südamerikas und bringt von dort ihre Frostempfindlichkeit mit. Bei uns wird sie deshalb wie eine Einjährige geführt oder im Kübel überwintert. Was die Herkunft einer Art für Standort und Pflege bedeutet, erklärt der Abschnitt „Die zwei Kräuter-Welten” im Grundlagenartikel, in dem du nachlesen kannst, wie Kräuter nach Herkunft, Lebensdauer und Pflegebedarf einsortiert werden.
Empfehlungen für den Garten
Aussaat und Vermehrung
- Saattiefe
Die Samen benötigen Licht zum Keimen.
Standort: sonnig bis halbschattig, warm, durchlässig
Der Beetplaner hinterlegt für Süßkraut einen sonnigen bis halbschattigen Standort; bevorzugt wird ein warmer Platz mit sandigem, gut durchlässigem Boden. Belegte Anbauorte sind Hochbeet und Topf, im Beet kommt die Pflanze erst nach Ende der Frostgefahr an ihren Platz. Alles Weitere zur Platzwahl – Wärme, Wind, Boden im Detail – steht im Artikel darüber, wo Süßkraut im Garten den passenden Platz findet.
Aussaat: Lichtkeimer mit feinem Saatgut
Hier steckt die meiste Arbeit dieses Krauts. Die allgemeinen Regeln für feine Samen und Vorkultur trägt der Abschnitt „Aussaat: Vorkultur, DirektsaatBei der Direktsaat säst du die Samen gleich an Ort und Stelle ins Beet, statt sie vorher im Haus vorzuziehen. Die Pflanzen keimen und wachsen dort, wo du sie später erntest. und die feinen Samen” im Grundlagenartikel; hier geht es nur um das, was Stevia anders macht.
Kulturstart im Beetplaner: Februar, März, April, Mai. Saattiefe etwa 0–0,5 cm, Lichtkeimer. Keimung bei 20 bis 24 °C in 14 bis 21 Tagen. Pikieren mit 4–6 echten Blättern. Kulturdauer 84–140 Tage bis zur Ernte.
So säst du aus
Süßkraut wird im warmen Gewächshaus oder auf der warmen Fensterbank vorgezogen. Du nimmst frische, ausdrücklich als Aussaaterde gekennzeichnete Erde, füllst sie mäßig feucht und locker in die Schale und streust die Samen dünn darauf. Dann drückst du sie nur an – bedeckt werden sie nicht oder höchstens hauchdünn. Angegossen wird so vorsichtig, dass nichts abgeschwemmt wird; eine Haube oder Folie hält die Feuchte, das Saatgut darf während und nach der Keimung nicht austrocknen.
Die Samen werden wie grobes Saatgut eingeharkt. Dann fehlt ihnen das Licht, und die Schale bleibt leer. Zweiter Klassiker: Die Schale trocknet am sonnigen Fenster über Mittag aus – beim Süßkraut ist das in der Keimphase nicht zu reparieren.
Ich feuchte die Aussaaterde vor dem Säen an, statt hinterher zu gießen, streue die Samen mit dem Finger vom Papierfalz und drücke sie mit einem kleinen Brettchen an. Beim Nachsehen lüfte ich die Haube kurz und schaue, ob die Oberfläche noch dunkel feucht ist.
Pikieren und Weiterkultur
Sobald die Sämlinge 4–6 echte Blätter tragen, setzt du sie einzeln in Töpfe. Für die dauerhafte Topfkultur reicht eine Topfgröße von etwa 16–18 cm; die Gefäße brauchen Abzugslöcher. Gegossen wird, wenn die oberste Erdschicht trocken ist – bei torffreier oder torfreduzierter Erde prüfst du zusätzlich die Feuchte unterhalb der Oberfläche, weil es tiefer noch nass sein kann. Das Einkürzen der Triebspitzen fördert einen buschigeren Wuchs; ich zwicke die Spitzen ein, sobald die Jungpflanzen ins Wachstum kommen.
Auspflanzen ins Beet oder Hochbeet
Ins Freiland kommt Süßkraut erst nach Ende der Frostgefahr. Eine Haube oder ein FrühbeetEin Frühbeet, auch Frühbeetkasten genannt, ist ein Beetkasten, der die Wachstumsbedingungen für Gemüse verbessert. Darin kannst du früher aussäen und ein bis drei Wochen früher ernten als im offenen Beet. als vorübergehender Schutz nach dem Auspflanzen kann das Anwachsen erleichtern. Der Beetplaner-Systemwert nennt 30 cm Abstand in der Reihe bei 30 cm Reihenabstand, gesetzt als einzelne, buschig gezogene Pflanzen; so bleibt Luft zwischen den Trieben. Süßkraut ist im Beetplaner als schwachzehrend und nicht als DauerkulturDauerkultur nennt man Pflanzen, die mehrere Jahre am selben Platz bleiben, immer wieder Ernte bringen und deshalb nicht in die Fruchtfolge eingebunden werden, etwa Rhabarber, Spargel oder Obst. geführt, mit einer Anbaupause von 4 Jahren – merke dir also, wo es stand.
Als unverträgliche Nachbarn nennt die Mischkultur-Matrix unter anderem Estragon, Ringelblume, Kamille, Würz-Tagetes, Studentenblumen, Löwenzahn, Artischocken und Topinambur. Mischkultur unterstützt, sie garantiert nichts – aber diese Nachbarn stellst du besser nicht direkt daneben. Prüfen kannst du das im Mischkultur-Werkzeug für deine Beetnachbarn, die Fläche planst du im Beetplaner mit den hinterlegten Systemwerten.
Wer den Kulturstart nicht verpassen will, druckt sich den Aussaatkalender für Süßkraut aus und hängt ihn an den Anzuchtplatz.
Pflege in der Saison – kurz
Süßkraut steht im Beetplaner als SchwachzehrerSchwachzehrer sind Gemüse und Kräuter mit geringem Stickstoffbedarf, etwa Feldsalat, Radieschen, Rucola, Bohnen und Erbsen. Sie sind die genügsamste der drei Gruppen, nach denen man Kulturen für die Fruchtfolge einteilt.; wie bei den meisten Kräutern genügt vielen Pflanzen ein lebendiger Boden mit Kompost zum Start. Bei der zusätzlichen Düngung gehen die Empfehlungen auseinander – mäßig düngen sagt die eine Quelle, während der Wachstumszeit reichlich die andere, konkrete Mengen nennt keine. Ich richte mich am Pflanzenzustand aus: Übermäßige Düngung kann bei Kräutern zu mastigem Wachstum und schwächerem Aroma führen. Gegossen wird, sobald die oberste Erdschicht trocken ist, ohne Staunässe. Die vollständige Pflegeroutine findest du im Artikel darüber, wie du Stevia gießt, düngst und schneidest. Zeigen sich Flecken, Läuse oder schlappe Triebe, hilft dir die Übersicht der häufigen Probleme beim Süßkraut-Anbau bei der Einordnung.
Ernte: Juni bis Oktober, vor der Blüte
Süßkraut wird etwa von Juni bis Oktober beerntet; fürs Freiland werden auch Juli bis September genannt, im Haus ist die Ernte ganzjährig möglich. Für den Vorrat erntest du vor der Blüte, die etwa Juli bis August einsetzt – sobald Knospen erscheinen, verschiebt die Pflanze ihre Kraft in Blüte und Samen. Geerntet wird am besten am Vormittag, wenn der Tau abgetrocknet ist. Einzelne Blätter pflückst du laufend; schneidest du ganze Triebe, ist eine Handbreit über dem Boden meist die passende Schnitthöhe. Die Blätter werden frisch verwendet oder getrocknet aufbewahrt. Wie du beim Schneiden und Trocknen im Einzelnen vorgehst, steht im Artikel darüber, wie du Süßkraut richtig erntest und trocknest; die allgemeinen Wege für Trocknen und Einfrieren trägt der Hub-Abschnitt „Ernten und Konservieren”.
Überwintern: hell und frostfrei im Kübel
Süßkraut ist nicht freiland-winterhart. Wer die Pflanze behalten will, holt sie als Kübelpflanze hell und frostfrei ins Haus. Bei kühler Überwinterung am hellen Fenster gießt du weniger, ohne den Wurzelstock austrocknen zu lassen. Ich topfe im Herbst eine kräftige Pflanze in einen Kübel, stelle sie ans helle Fenster und prüfe vor jedem Gießen mit dem Finger die Erde unterhalb der Oberfläche. Wer keinen Platz hat, räumt die Pflanzen mit den Einjährigen ab und startet zwischen Februar und Mai neu aus Samen. Der Abschnitt „Überwintern” im Grundlagenartikel ordnet die Frostkandidaten ein; die Kübelpflege im Detail steht im Artikel darüber, wie Süßkraut im Topf auf Balkon und Terrasse wächst.
Freilandüberwinterung ist für Süßkraut nicht belegt – Stroh, Laub und Vlies ändern nichts an der fehlenden WinterhärteWinterhärte, auch Frosthärte genannt, beschreibt, wie viel Frost eine Pflanze verträgt. Winterharte Arten überstehen den Winter im Freien, empfindliche musst du vor dem Frost ernten oder schützen.. Rechne draußen mit dem Verlust und plane Kübel oder Neuaussaat.
Vermehrung: Aussaat oder Stecklinge
Zusätzlich zur Aussaat lässt sich Süßkraut durch StecklingeEin Steckling ist ein junger, von der Mutterpflanze abgeschnittener Trieb, der in Erde oder Wasser eigene Wurzeln bildet. So entsteht eine neue Pflanze mit denselben Eigenschaften wie die Mutterpflanze. vermehren. Du schneidest eine gesunde, nicht blühende Triebspitze, entfernst die unteren Blätter und steckst sie in feuchtes Anzuchtsubstrat unter eine Haube an einen hellen, nicht vollsonnigen Platz. Ob der Steckling Wurzeln gebildet hat, prüfst du mit einem vorsichtigen Zug – hält er fest und treibt neue Blätter, topfst du ihn wie eine Jungpflanze weiter. Der Vorteil gegenüber der Aussaat: Du brauchst keine Keimwärme und ersparst dir die heikle Keimphase.
Verwendung in der Küche – Anriss
Die Blätter werden frisch oder getrocknet verwendet, etwa zum Süßen von Tee; Süßkraft und Dosierung nennt dieser Artikel bewusst nicht. Rechtlich gilt: Steviolglycoside sind in der EU als Süßungsmittel E 960 zugelassen, die unverarbeiteten Blätter dagegen nicht als Lebensmittel. Bei Beschwerden ersetzt kein Kraut den ärztlichen Rat. Rezepte und die Einordnung in der Küche findest du im Artikel darüber, wie du Süßkraut in der Küche verwendest.
Februar bis Mai warm vorziehenVorziehen heißt, Samen im Haus, im Gewächshaus oder im Frühbeet auszusäen und dort zu Jungpflanzen heranzuziehen. Später pflanzt du sie ins Beet oder in den Kübel aus., Samen nur andrücken · 20 bis 24 °C halten, Saatgut nie austrocknen lassen · mit 4–6 echten Blättern pikieren · nach Ende der Frostgefahr auspflanzen, 30 × 30 cm im Beet oder Topf ab 16–18 cm · Triebspitzen einkürzen · Juni bis Oktober ernten, für den Vorrat vor der Blüte · Herbst: hell und frostfrei ins Haus oder abräumen und neu säen.
Vom Samen bis zur Ernte lässt sich Stevia auch mit Kindern begleiten – Ideen dazu stehen im Artikel darüber, wie Süßkraut im Unterricht zum Lernprojekt wird. Alle Artikel zur Art sammelt die Übersichtsseite zu Süßkraut und Stevia.



