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Nützlinge im Wirsing-Beet: Gegenspieler erkennen und gezielt fördern

Zuletzt geprüft: Lesezeit: 5 Min.Von der samen.live Redaktion

Grundlagen: Häufige Krankheiten im Gemüsegarten: Mehltau, Braunfäule und Kohlhernie erkennen und bekämpfen · Alle Ratgeber zu Krankheiten & Schädlinge

Kurz & knappDie Antwort in 20 Sekunden
  • Im Freiland förderst du vor allem die Nützlinge, die schon in deinem Garten leben.
  • Blattläuse fressen der Siebenpunkt-Marienkäfer und seine Larven sowie die Larven von Florfliegen und Schwebfliegen.
  • Harte, hellbraune Blattlaus-Mumien und gelbe Kokonhaufen neben toten Kohlweißlingsraupen können die Arbeit parasitoider Wespen zeigen.
  • Erwachsene Schwebfliegen und parasitoide Wespen finden Pollen und Nektar an blühendem Dill, Fenchel und ungefüllten Ringelblumen.
  • Laub- und Totholzhaufen, Steine und Polsterstauden bieten Verstecke und Winterquartiere.
  • Unter einem geschlossenen Kulturschutznetz kommen auch Nützlinge nicht an den Kohl, dort sammelst du selbst ab.
Wirsing in Nahaufnahme mit stark gekrausten Blättern und kräftigen weißen Blattrippen
Foto: Alessandro Manzoli · Pexels License · Quelle ↗

Blaugraue Läuse unter den Wirsingblättern, daneben Fraßlöcher mit grünen oder braunen Kotkrümeln: In dem Moment liegt es nahe, alles abzuräumen. Dabei kannst du auch die Helfer erwischen, die an diesen Schädlingen schon arbeiten. Ich drehe deshalb beim Kontrollgang zuerst die Blätter um und schaue, wer dort sitzt. Neben Läusen und Raupen finden sich mitunter Marienkäferlarven, gestielte Florfliegeneier oder die Mumien parasitierter Blattläuse.

Kurz erklärt

Draußen im Beet setzt biologischer Pflanzenschutz vor allem auf die Nützlinge, die schon da sind. Wer Nützlinge kauft, setzt sie meist in geschützten Anbauräumen wie dem Gewächshaus ein. Für dein Wirsing-Beet heißt das: Gegenspieler erkennen, schonen und ihnen Futter und Verstecke bieten.

Welche Nützlinge arbeiten im Wirsing-Beet?

Am Wirsing können dieselben Schädlinge auftreten wie an anderen Kohlarten, etwa Blattläuse, Kohlweißlingsraupen, Kohlmotte und Kohlmottenschildlaus. Für jeden davon gibt es natürliche Gegenspieler. Die Tabelle zeigt, wer gegen wen arbeitet und was die Tiere außerdem zum Leben brauchen.

Nützling So hilft er Das braucht er außerdem
Siebenpunkt-Marienkäfer Käfer und Larven fressen Blattläuse Polsterstauden und Laub zum Überwintern
Gemeines Goldauge, eine Florfliege die Larven fressen Blattläuse Pollen und Honigtau für die erwachsenen Tiere
Hainschwebfliege die Larven fressen Blattläuse Pollen und Nektar für die erwachsenen Fliegen
Brackwespe Diaeretiella rapae Gegenspielerin der Mehligen Kohlblattlaus Pollen und Nektar für die erwachsenen Wespen
Brackwespe Cotesia glomerata gelbe Kokonhaufen neben toten Kohlweißlingsraupen können von ihr stammen Pollen und Nektar für die erwachsenen Wespen
Hain-Laufkäfer jagt vor allem nachts Verstecke unter Steinen und im Laub

Auch Gallmückenlarven stellen der Mehligen Kohlblattlaus nach. Gegen die Kohlmotte arbeiten Diadegma semiclausum und Cotesia plutellae als parasitoide Gegenspieler. Die Kohlmottenschildlaus hat mit dem Marienkäfer Clitostethus arcuatus und der Erzwespe Encarsia tricolor eigene natürliche Feinde.

Larven fressen, erwachsene Tiere brauchen Blüten

Bei Marienkäfer, Florfliege und Schwebfliege fressen die Larven Blattläuse, beim Siebenpunkt-Marienkäfer auch die erwachsenen Käfer. Erwachsene Florfliegen leben dagegen von Pollen und Honigtau, erwachsene Schwebfliegen von Pollen und Nektar. Du förderst diese Helfer also an zwei Stellen: am Kohlblatt, wo die Larven fressen, und an der Blüte, wo die erwachsenen Tiere Nahrung finden.

Aussaatkalender Wirsing
GartenkalenderVorkultur: März, April, Mai; Aussaat: Mai, Juni; Blüte: Mai, Juni, Juli, August; Ernte: Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November; Pflanzung: März, April, Mai, JuniJFMAMJJASONDVorkulturVorkultur: MärzVorkultur: AprilVorkultur: MaiAussaatAussaat: MaiAussaat: JuniBlüteBlüte: MaiBlüte: JuniBlüte: JuliBlüte: AugustErnteErnte: MaiErnte: JuniErnte: JuliErnte: AugustErnte: SeptemberErnte: OktoberErnte: NovemberPflanzungPflanzung: MärzPflanzung: AprilPflanzung: MaiPflanzung: JuniVorkulturAussaatBlüteErntePflanzung

Woran erkennst du, dass Nützlinge schon da sind?

Mein erster Griff gilt den Blattunterseiten, weil die Mehlige Kohlblattlaus überwiegend dort sitzt. Durch ihre Wachsbepuderung wirkt sie blaugrau. An genau diesen Stellen kannst du auch die Spuren ihrer Gegenspieler finden:

  • Marienkäferlarven: Beim Siebenpunkt-Marienkäfer sind sie dunkel mit gelben Flecken und fressen wie die Käfer Blattläuse.
  • Florfliegeneier: Beim Gemeinen Goldauge sitzen sie auf Stielen, und die schlüpfenden Larven fressen Blattläuse.
  • Mumien: Blattläuse, die von der Kohlblattlausschlupfwespe parasitiert wurden, werden hart, kugelig und hellbraun.
  • Gelbe Kokonhaufen: Liegen sie neben abgestorbenen Kohlweißlingsraupen, können sie von der Brackwespe Cotesia glomerata stammen. Lass sie am Blatt.

Findest du Raupen oder Eigelege, sammelst du sie von Hand ab. Solange der Raupenbefall gering ist oder gerade beginnt, kann das Absammeln schon genügen. Kolonien der Mehligen Kohlblattlaus entfernst du zu Befallsbeginn, indem du die befallenen Blätter abnimmst. Marienkäferlarven auf den übrigen Blättern bleiben dabei sitzen. Ab April lohnt sich der regelmäßige Blick unter die Blätter; wann Erdflöhe und Kohlfliege auftauchen, zeigt der Kontrollkalender unter Schädlinge und Pflanzenschutz im Kohl-Ratgeber.

Marias Erfahrung

Beim Raupenabsammeln nehme ich nur Raupen und Eigelege mit, gelbe Kokonhäufchen bleiben am Blatt. Meine Funde trage ich in ein Gartenheft ein, damit ich im nächsten Jahr nachsehen kann, wann welche Helfer am Wirsing saßen.

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Welche Blüten brauchen Nützlinge neben dem Wirsing?

Der Wirsing selbst liefert im Anbaujahr keine Blüten: Als Kopfkohl bildet er zuerst den Kopf, Samen entstehen erst im zweiten Jahr. Erwachsene Schwebfliegen und parasitoide Wespen brauchen aber Pollen und Nektar. Das Futter für die erwachsenen Helfer muss also von anderen Pflanzen kommen, am Beetrand oder in einem Blühstreifen daneben.

Gut erreichbaren Pollen und Nektar finden Schwebfliegen und parasitoide Wespen an Dill und Fenchel in der Blüte sowie an ungefüllten Ringelblumen. Ich säe Dill und Ringelblumen an den Rand des Kohlbeets und nicht zwischen die Köpfe, damit jeder Wirsing bis zur Ernte genug Platz behält. Kreuzblütler wie Senf, Raps und Kresse lasse ich dort weg, weil sie mit dem Wirsing verwandt sind und sein Kohlhernie-Risiko teilen. Wo Blühstreifen und Kohlreihen hinkommen, kannst du vorher im Beetplaner für dein Gemüsebeet einzeichnen.

Tipp

Achte bei Saatgut und Stauden für den Beetrand auf ungefüllte Blüten, denn sie bieten Nützlingen Nahrung. Bei Ringelblumen heißt das: ungefüllte Sorten wählen.

Wo finden Nützlinge Verstecke und Winterquartiere?

Ein Laub- oder Totholzhaufen dient Nützlingen als Rückzugsort oder Nahrungsquelle. Unter Steinen und in Laubschichten verkriecht sich der Hain-Laufkäfer, der vor allem nachts jagt. Marienkäfer überwintern geschützt in Polsterstauden und unter Laub. Ich schiebe das Herbstlaub deshalb in die Ecke neben dem Kohlbeet und lege ein paar Steine an den Wegrand.

Winterquartiere richtest du für die Helfer ein, nicht für die Schädlinge. Mit passenden Sorten erntest du Wirsing vom Herbst bis zum Frühjahr, er steht also lange im Beet. Von Kohlmottenschildläusen befallene Kohlpflanzen nutzt der Schädling aber selbst als Winterquartier. Einen befallenen Bestand lässt du deshalb nicht bis zum nächsten Frühjahr stehen, auch wenn es eine Wintersorte ist. Die Kohlmottenschildläuse erkennst du daran, dass sie unter den Blättern sitzen und bei Berührung auffliegen.

Was passiert mit Nützlingen unter dem Kulturschutznetz?

Unter einem Kulturschutznetz kann der Wirsing weniger Befall durch Schadinsekten abbekommen. Geschlossen kann das Netz aber auch die natürlichen Gegenspieler vom Kohl fernhalten. Für Schädlinge, die schon darunter sitzen, heißt das: Angelockte Nützlinge regulieren sie nicht automatisch. Einen Kohlfliegenbefall aus Puppen, die bereits im Beet überwintert haben, verhindert das Netz ebenfalls nicht. Unter dem Netz übernimmst du die Arbeit der Gegenspieler also selbst. Ich hebe es beim Kontrollgang an, suche Raupen und Eigelege, sammle sie ab und schließe die Ränder danach wieder dicht. Wie du das Netz auflegst und welche Maschenweite passt, steht im Ratgeber dazu, wie du Wirsing mit natürlichen Methoden vor Schädlingen schützt.

Welche Nachbarn passen zum Wirsing?

Spinat, Sellerie, Salat, Paprika, Möhren, Kartoffeln und Bohnen gelten als mögliche Wirsing-Nachbarn, Zwiebeln, Knoblauch und andere Kohlarten stellst du besser woanders hin. Ob eine Nachbarschaft hilft, ist schwer nachzuweisen und hängt auch von Standort und Pflege ab: Mischkultur unterstützt, sie garantiert nichts. Die Grundlagen stehen im Kohl-Ratgeber unter Fruchtfolge und Mischkultur, und passende Partner für Wirsing prüfst du im Mischkultur-Planer.

Was tust du, wenn die Nützlinge nicht reichen?

Welche Schädlinge den Wirsing befallen und wie du mit Netz, Absammeln und Kontrolle gegensteuerst, zeigt der Ratgeber zum natürlichen Schutz für Wirsing. Ein Pflanzenschutzmittel kann auch die Gegenspieler treffen, die du mit Blüten und Verstecken förderst. Kommt im Ausnahmefall doch eines infrage, gilt: Zulassung für Haus- und Kleingarten und die konkrete Kohlkultur, Gebrauchsanleitung, Schutzkleidung, Wartezeit und sachgerechte Entsorgung.

Passt dazu

Wie Nützlinge an einer verwandten Kohlart arbeiten, liest du im Ratgeber darüber, welche Nützlinge im Rosenkohl gegen die typischen Schädlinge helfen.

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Häufige Fragen

Welche Nützlinge helfen im Wirsing-Beet?
Blattläuse fressen der Siebenpunkt-Marienkäfer mit seinen Larven sowie die Larven von Florfliegen und Schwebfliegen. Die Mehlige Kohlblattlaus hat zusätzlich Gallmückenlarven und die Brackwespe Diaeretiella rapae als Gegenspieler. Gegen Kohlweißling und Kohlmotte arbeiten parasitoide Wespen, gegen die Kohlmottenschildlaus eine Erzwespe und ein Marienkäfer. Der Hain-Laufkäfer geht vor allem nachts auf Jagd, Steine und Laub am Beetrand dienen ihm als Versteck.
Wie helfen Marienkäfer bei der Schädlingsbekämpfung am Wirsing?
Beim Siebenpunkt-Marienkäfer fressen nicht nur die Käfer Blattläuse, sondern auch die Larven. Diese sind dunkel und gelb gefleckt, lass sie beim Kontrollieren deshalb auf dem Wirsing sitzen. Schutz zum Überwintern bieten ihnen Polsterstauden und Laub am Beetrand. Marienkäfer können einen Blattlausbefall bremsen, einen befallsfreien Wirsing garantieren sie nicht.
Welche Rolle spielen Schlupfwespen am Wirsing?
Schlupf- und Brackwespen parasitieren Schädlinge, und ihre Arbeit erkennst du an den Spuren. Parasitiert die Kohlblattlausschlupfwespe eine Laus, bleibt eine harte, kugelige, hellbraune Mumie zurück. Liegen gelbe Kokonhaufen neben toten Kohlweißlingsraupen, kann die Brackwespe Cotesia glomerata dahinterstecken, also lass sie liegen. Pollen und Nektar für die erwachsenen Wespen liefern zum Beispiel blühender Dill, Fenchel und ungefüllte Ringelblumen.
Welche Pflanzen eignen sich für Blühstreifen neben Wirsing?
Dill und Fenchel in der Blüte sowie ungefüllte Ringelblumen versorgen erwachsene Schwebfliegen und parasitoide Wespen mit leicht erreichbarem Pollen und Nektar. Wähle allgemein ungefüllte Blüten, denn bei ihnen finden Nützlinge Nahrung. Senf, Raps und Kresse lässt du am Kohlbeet weg: Als Kreuzblütler sind sie mit dem Wirsing verwandt und teilen sein Kohlhernie-Risiko.
Muss ich Nützlinge für den Wirsing-Anbau kaufen?
Im Freiland förderst du vor allem die Nützlinge, die schon im Garten leben, und zwar mit Blüten und Verstecken. Ihren Platz haben gekaufte Nützlinge vor allem in geschützten Anbauräumen, etwa im Kleingewächshaus. Dort brauchen viele von ihnen mindestens 15 bis 18 °C. Im ungeheizten Haus wird es dafür häufig erst Anfang bis Mitte Mai warm genug.
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